Samstag, 13. August 2022

Kohortenkastell Arnsburg / Alteburg: Tisch aus Metall mit einem Modell der Anlage aus der Römerzeit

Ein Tisch aus Metall erzählt Dir alles über das Kohortenkastell.

Der Tisch mit dem Modell der Anlage des Kohortenkastells Arnsburg / Alteburg bei Muschenheim - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Der Tisch mit dem Modell der Anlage
Mein Bericht über das Kohortenkastell Arnsburg / Alteburg ist auf viel Interesse gestoßen. Er gehört zu den meist gelesenen Beiträgen. In der Statistik, die Blogger mir liefert, werden weit über 2.000 Zugriffe auf den Text angezeigt. Das ist für meinen Blog eine ganze Menge an Seitenaufrufen.

Auf dem Gelände des Kastells steht ein Tisch aus Metall. Auf dem Tisch ist ein Modell der Anlage zu sehen, wie sie zur Zeit der Römer ausgesehen hat.

Mir hat jetzt ein Leser auf Facebook geschrieben, dass er dort gewesen sei. Den Tisch habe er aber auf dem Gelände nicht gefunden. Aus diesem Grund greife ich das Thema heute noch einmal auf.

Fundamente des eigentlichen Kohortenkastells Arnsburg / Alteburg bei Muschenheim - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Fundamente des eigentlichen Kohortenkastells
Was er gesehen hat, waren die Fundamente, die ich in meinem Betrag auf einem Foto gezeigt habe.

Die Fundamente gehören zum eigentlichen Kastell. Die gesamte Anlage war in den Zeiten, als die Römer über diesen Teil von Germanien geherrscht haben, deutlich größer. Neben dem eigentlichen Kastell gab es ein Vicus (Dorf). Und zur Unterhaltung der Römer gab es sogar ein Amphitheater.

Der Tisch mit dem Modell der Anlage steht etwas abseits vom eigentlichen Kastell. Von den Fundamenten aus muss man an dem kleinen Wäldchen vorbei auf das freie Feld gehen. Auf dem ersten Foto oben könnt Ihr den Standort des Tisches gut sehen.

Dieser Tisch ist nichts geringeres als eine 3D-Visualisierung des Kohortenkastells im Maßstab 1:200. Er wurde auf Anregung der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege Hessen konstruiert. Du kannst auf dem Tisch sowohl das Kastell als auch das Lagerdorf und einen großen Teil der Lagerumgebung zur Zeit der Römer sehen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat auf seiner Seite das Werden dieses Tisches und die daran beteiligten Personen vorgestellt. Auch gibt es eine Seite mit Fotos, die sein Entstehen von der Idee bis zum fertigen Modell zeigen. Offiziell eingeweiht wurde der Tisch mit dem Modell am 17. Oktober 2020.

Übrigens: Es ist nicht erlaubt, hier einfach auf eigene Faust loszuziehen um eigene Funde zu machen. Das Gelände ist ein Bodendenkmal und steht unter Schutz. Zufallsfunde sind an die Denkmalbehörde zu melden. 

Das Modell ist wirklich toll. Denn dank seiner Hilfe kann sich vor Ort gut vorstellen, wie es hier vor 1.800 Jahren ausgesehen haben könnte.


Montag, 8. August 2022

Die Maya in Mittelamerika: Hochkultur, Untergang und Fortleben

Die Maya haben eine fantastische und sehr lange Geschichte. Erfahre mehr über das Volk, von dem heute noch 6,1 Millionen in den Staaten Mittelamerikas leben.

Das Volk der Maya hat in Mittelamerika zahlreiche Städte hinterlassen. Diese sind oft vom Dschungel überwuchert und in Vergessenheit geraten. Viele dieser Städte sind entdeckt und freigelegt worden.

Die Ruinen von Cobá in Mexiko - überwuchert vom Dschungel
Unter dem Dschungel liegen die Ruinen von Cobá
Die Maya sind ein Volk, das im Mittelamerika vor der Ankunft der Europäer eine Hochkultur hervorgebracht hat. Erste archäologische Funde in Belize, die den Maya zuzurechnen sind, konnten auf 2000 v.Chr. datiert werden.

Von dort breiteten die Maya sich nach Norden aus. Etwa um 1500 v.Chr. wurde die Stadt Lamanai gegründet. Diese Stadt wurde ca. 3000 Jahre lang bewohnt und wurde um 1500 aufgegeben. In ihrer Hochzeit haben die Maya ganz Mittelamerika in Höhe der Halbinsel Yukatan bewohnt.

Der Anfang vom Ende der Maya: der präkolumbianische Kollaps

Ab 900 kam es zu einem Kollaps ihrer Kultur. Einzelne Städte wurden aufgegeben. Auch kam es zu einem rapiden Rückgang der Bevölkerung. Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt worden. Es gibt Nachweise, dass von Norden her Tolteken nach Yukatan eingedrungen sind. Das spricht für Feinde, die der Kultur der Maya zusetzten. Krankheiten oder Naturkatastrophen können auch eine Rolle gespielt haben. 

Es gibt aber auch "ökologische Erklärungsmodelle," die das Verhältnis von Menschen und Natur untersuchen. Den Maya ging es gut, die Bevölkerung wuchs und wollte ernährt sein. Ackerbau ist in Mittelamerika eine schwierige Sache. Der Boden unter dem Dschungel ist nicht fruchtbar, großflächige Anbauflächen sind nicht möglich. Ab einem gewissen Punkt führt die Landwirtschaft zu Umweltschäden, die der Bevölkerung die Ernährungsgrundlage nehmen. Die NASA hat eine Studie zum präkolumbianischen Kollaps veröffentlicht. Das liest sich recht schlüssig.

Ich persönlich meine, dass man den Anfang vom Ende der Maya nicht nur mit einer Ursache erklären kann. Soweit ich es beurteilen kann, gibt es für alle der genannten Ursachen Belege. Daher meine ich, dass die genannten Aspekte gemeinschaftlich den präkolumbianischen Kollaps herbeigeführt haben dürften.

Die postklassische Zeit, Eroberung durch die Spanier und das Weiterleben der Maya

Maya mit Federschmuck - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Maya mit Federschmuck
Mit dem Kollaps endete die klassische Zeit der Maya. Ihr Volk lebte weiter, auch waren viele Städte noch bewohnt. Diese postklassische Periode dauerte bis zur Eroberung durch die spanischen Konquistadoren. Das Hochland wurde um 1520 unterworfen, Yukatan in den 1540er Jahren. Die letzte Bastion der Maya war im heutigen Guatemala. Petén war die letzte unabhängige Stadt in Mittelamerika, sie wurde 1697 erobert. 

Das bedeutete aber nicht das Ende der Maya als Volk. Es gibt sie bis heute. Etwa 6,1 Millionen Maya leben heute in Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras und El Salvador. Sie leben oft vom Maisanbau. Einige finden aber auch im Tourismus ihr Auskommen. Sie versuchen, die Kultur ihrer Vorfahren lebendig zu machen. Ihr Anliegen ist dabei, die Reisenden zu unterhalten. Ich bin mir nicht sicher, ob historische Korrektheit da eine große Rolle spielt.

Versunkene Städte der Maya beeindrucken die heutigen Menschen

Auf meinen Reisen hatte ich die Gelegenheit, zwei dieser versunkenen Städte zu besuchen. Sie haben mich sehr beeindruckt. Der Dschungel hat sie zurück erobert. 

Auf dem Foto oben rechts seht Ihr den Dschungel bei Cobá in Mexiko. Ein Teil der Anlage ist freigelegt und für Touristen zu besichtigen. 

In Belize lockt die Ausgrabungsstätte von Lamanai. Auch hier gibt es viel zu sehen, auch wenn der Dschungel noch einiges der ehemaligen Stadt bedeckt. Die Besonderheit in Lamanai war, dass ich (als Tourist) den letzten Teil des Weges zum Gelände auf dem Boot zurück gelegt habe. Das war schon ein Abenteuer.

In den nächsten Monaten werde ich ab und an auch von den Maya in Mittelamerika berichten. Hier gibt es viel zu entdecken. Auf dem Foto seht Ihr die Spitze einer Pyramide, die aus dem Dschungel hervorlugt. Was darunter ist, erfahrt Ihr später hier im Blog.

Freitag, 5. August 2022

Fliegt mit der Drohne auf dem Neroberg in Wiesbaden - die Genehmigung ist einfach und kostenlos zu bekommen

Wiesbaden, der Neroberg: ein toller Ort um die Drohne aufsteigen zu lassen. Die notwendigen Genehmigungen zu bekommen ist sehr einfach und kostenlos möglich.

Wer in Wiesbaden mit der Drohne fliegen möchte, sollte einen Aufstieg auf dem Neroberg in Betracht ziehen. Die Location ist einfach toll! 

Drohne vor dem Nerobergtempel - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Drohne vor dem Nerobergtempel
Der liegt zwar in der Innenstadt, wo das Fliegen eigentlich nicht erlaubt ist. Praktisch ist es aber kein Problem, eine Aufstiegsgenehmigung für die frühen Morgenstunden zu bekommen. 

Die notwendigen Genehmigungen zu bekommen, ist ganz einfach. Du musst zwei Anträge stellen, und zwar bei

1. der Stadt Wiesbaden und
2. den amerikanischen Behörden.

Gebühren für die Aufstiegsanfrage verlangen weder die Stadt Wiesbaden noch die amerikanischen Behörden. Für Dich ist das also kostenlos. 

Dass man die Stadt um Erlaubnis bitten muss, liegt nahe. 

Aber weshalb die amerikanischen Behörden? Das liegt am nahen Militärflughafen von Erbenheim und wohl auch an den Einrichtungen des US-Militärs in Wiesbaden selbst. 

In der Nähe eines Flughafens und militärischer Einrichtungen darf man die Drohne nicht aufsteigen lassen. 

Luftbild Wiesbadens vom Neroberg aus, aufgenommen mit einer Drohne - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Luftbild Wiesbadens vom Neroberg aus
Das liegt nicht nur einer Gefährdung des Luftverkehrs, die von Drohnen in der Nähe eines Flughafens ausgehen kann. Es liegt auch daran, dass die Drohnenkameras prinzipiell auch gute Spionagegeräte sind. Kein Militär der Welt ist begeistert, wenn irgendwelche Kameras von ihnen unbekannten Personen ihre Einrichtungen von oben fotografieren.

Ich kann das alles gut nachvollziehen. Daher ist es für mich auch überhaupt kein Thema, vorher zu fragen wenn ich auf dem Neroberg fliegen möchte.

So beantragst Du in Wiesbaden die Aufstiegserlaubnis für Deine Drohne 

Wie das praktisch läuft, ist auf der Homepage der Stadt Wiesbaden sehr gut beschrieben.

Du musst zwei E-Mails schreiben:
Ich habe die beiden Formulare verlinkt, die Du ausfüllen musst. Letzten Endes ist in beide das Selbe einzutragen. 

Wichtig: Du musst sowohl einen Drohnenführerschein als auch eine Haftpflichtversicherung für die Drohne haben. 

Dann sind Aufstiegserlaubnisse bis 120 m auf dem Neroberg kein Problem. Bitte frage einige Tage vorher an. Spontanerlaubnisse von zwei Behörden zu bekommen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Fotografieren und Filmen mit der Drohne über Wiesbaden 

Respektiere die Privatsphäre anderer Menschen. Das ist wichtig, jeder von uns möchte im privaten Bereich ja auch nicht gestört werden. 

Ist die Drohne 80 m hoch oder höher, gibt es da kein Problem. Was unten passiert, ist nicht mehr zu erkennen. 

Wenn Du Videos vom Drohnenflug machst und diese z.B. auf Deinem YouTube Kanal einstellst, dann sollte (außer Dir selbst) keiner auf dem Video zu sehen sein, der damit nicht ausdrücklich einverstanden ist. 

Die beste Zeit für den Drohnenaufstieg am Neroberg 

Die Stadt erteilt Aufstiegserlaubnisse nur, wenn eine Gefährdung von Fußgängern auf dem Neroberg ausgeschlossen ist. Mein Tipp: morgens um 7 Uhr (in der kalten Jahreszeit: kurz nach Sonnenaufgang) ist eine prima Zeit. Da hatte ich bislang kein Problem, eine Aufstiegsgenehmigung zu erhalten.


Montag, 1. August 2022

Das Kolosseum in Rom

Das Kolosseum ist Vorbild aller modernen Arenen der Erde.

Der Prototyp aller Amphitheater im Römischen Reich war das Kolosseum in Rom. Das Kolosseum war DIE Arena der Antike. Heute ist es eine der Sehenswürdigkeiten, die man in Rom überhaupt nicht übersehen kann. 

Das Kolosseum in Rom - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden)
Das Kolosseum in Rom
Im gesamten Imperium Romanum gehörten solche Amphitheater zur Mindestausstattung einer Siedlung oder Garnison. Das können wir in Deutschland zum Beispiel in Xanten sehen (z.T. wieder aufgebaut) oder im Kohortenkastell Arnsburg / Alteburg in der Nähe von Lich (man sieht in der kalten Jahreszeit die Umrisse am Boden. Zu einem guten römischen Standort gehörte auch immer eine Arena, in der Gladiatoren gegeneinander antragen.

DAS Amphitheater im römischen Reich war das Kolosseum in Rom. Bis heute werden Arenen und Stadien nach seinem Muster gebaut. Nicht umsonst ist es Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Es steht noch heute und ist ein wahrhaft beeindruckender Bau. Bis heute ist es das größte Amphitheater, das jemals auf der Erde errichtet worden ist. 


Erbaut auf Neros Palastgrundstück, finanziert aus der Beute im Jüdischen Krieg

Der Grund und Boden, auf dem das Kolosseum steht, gehörte zuvor Kaiser Nero. Hier hatte er seinen Palast, die Domus Aurea.

Nach Neros trat Vespasian die Nachfolge als Kaiser an. Das von Nero im Herzen Roms beanspruchte Gelände gab der neue Kaiser demonstrativ der Öffentlichkeit zurück. Vespasian begründete die Kaiser-Dynastie der Flavier. Daher nennt man das Kolosseum auch das Flavische Amphitheater.

Das Kolosseum wurde zwischen 72 und 80 n. Chr. erbaut. Zur Einweihung gab es ein großes Fest mit Spielen über 100 Tage. Wie viele Gladiatoren und andere Menschen dabei um ihr Leben kämpften und es verloren, ist nicht überliefert. Der Glanz dieses imposanten Baus überstrahlt das.

Finanziert wurde der Bau unter anderem mit der Beute aus dem Jüdischen Krieg. Vermutlich hat der Kaiser den im Jahr 70 geplünderten Schatz aus dem Tempel in Jerusalem dafür verwendet. 

Die Arena war auch sehr zentral im alten Rom gelegen. Die Reichen und Mächtigen konnten auf dem Forum Romanum ihren Geschäften nachgehen. Dann amüsierten sie sich im Kolosseum ehe sie sich auf ihre Villen begaben, die vielleicht auf dem Palatin standen.


Eine Arena für bis zu 50.000 Zuschauer

Rom: Die Reste der Zuschauerränge im Kolosseum - Foto von F. Roland A. Richter - www.frar.com
Die Reste der Zuschauerränge im Kolosseum
Es wird geschätzt, dass bis zu 50.000 Zuschauer auf den Rängen des Kolosseums Platz fanden. Das ist eine unglaubliche Menge. Das System der Wege in der Arena war ausgeklügelt. Binnen kürzester Zeit fanden die Menschen ihren Platz oder konnten das Amphitheater wieder verlassen. Auf den heute noch zu sehenden Rängen waren Konstruktionen mit den Sitzen angebracht. Diese sind im Laufe der Jahrhunderte jedoch "verschwunden". 

Die Kehrseite des begeisterten Publikums waren diejenigen, die in der Arena das ihnen zugedachte Schicksal entgegen zu nehmen hatte. Ein Menschenleben zählte nicht viel. Gladiatoren kämpften miteinander oder mit wilden Tieren. Das waren die Stars der Arena. Gladiatoren waren nur zum Teil Sklaven. Auch Freie waren unter ihnen, die mit diesem Beruf ihr Geld verdienten. Unter den Gladiatoren kamen die wilden Tiere. Diese wurden aufeinander gehetzt oder auf Menschen. Es gab auf den Kampf mit Tieren spezialisierte Gladiatoren. Aber viele Menschen, die sich den Tieren stellen mussten, waren keine Gladiatoren.

Im antiken Rom gab es die Todesstrafe. Die wurde für bestimmte Verbrechen verhängt. Die Hinrichtung im Kolosseum sollte nicht nur unterhalten, Die Todesstrafe diente auch dazu, andere Täter abzuschrecken. Man sagt, dass auch Christen im Kolosseum den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen worden sind. Ob das stimmt, ist heute in der Wissenschaft umstritten. Harte Belege für diese Geschichte gibt es nicht.

Das Hypogäum des Kolosseums

Das Kolosseum in Rom: Blick in das Hypogäum - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Blick in das Hypogäum
Unter einem Hypogäum versteht man einen unterirdischen Bau. Der Begriff stand im Griechischen schlicht für "Keller". In anderen Sprachen bezeichnete er jede unterirdische Anlage unter einem Bauwerk. In der Antike galt das Hypogäum des Kolosseums als eines der bekanntesten Beispiele seiner Art. 

Das Kolosseum hatte ein gewaltiges Untergeschoss. Im Unterbau der Arena gab es mehr als nur eine Ebene. Dort befand sich ein verzweigtes und kompliziertes System von Gängen, Falltüren und Flaschenzügen. Dieses ermöglichte erst die Bühnentechnik, die Gladiatoren oder wilde Tiere durch eine sich plötzlich öffnende Tür im Boden der Arena in diese brachte. Schien ein Kampf bereits zu Gunsten eines Gladiators beendet zu sein, ging er so weiter und sein Ende war offen. Unter dem Kampfplatz der Arena eilten die vielen helfenden Hände von einer Ebene zur nächsten Ebene, um die folgende Attraktion für ihren Einsatz vorzubereiten.

Im Hypogäum waren auch die Kerker für die Menschen, die zum Tode verurteilt wurden und die in der Arena ihr Ende finden sollten. Direkt neben dem Kolosseum stand die Gladiatorenkaserne, das Ludus Magnus. Über einen unterirdischen Gang von der Kaserne zum Hypogäum der Arena konnten die Gladiatoren in das Kolosseum gelangen, ohne durch die außen befindliche Menschenmenge laufen zu müssen.


Modernste Bühnentechnik ermöglichte eine hochklassige Unterhaltung

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass das Herz des Kolosseums die Zuschauer waren. Oder aber die Gladiatoren, die ihn ihm kämpften. Die wilden Tiere oder die Verurteilten, die zur Belustigung des Publikums zu Tode gebracht wurden, will ich gar nicht erst nennen.

Das Kolosseum in Rom: Blick in den Unterbau der Arena - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Blick in den Unterbau der Arena
Das stimmt aber nicht. Das Herz des Kolosseums ist die modernste Bühnentechnik, die es in der damaligen Welt gab. Ohne diese Bühnentechnik waren die Spiele nicht möglich.

Während der 100 Tage dauernden Spiele zur Einweihung gab es nicht nur Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen. Auch hat man im Kolosseum eine Seeschlacht veranstaltet. Die hatten im Kolosseum aber keine Zukunft. Denn der Bereich unterhalb der Arena wurde unterkellert und mit einer hochmodernen Bühnentechnik ausgestattet.

Kolosseum in Rom: Modell der Hebebühnentechnik - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Modell der Hebebühnentechnik
Man unterteilt das Kolosseum heute in mehrere Korridore, Für den Korridor B konnte ein ganzes System von Aufzügen nachgewiesen werden. 28 Käfige dienten dazu, Tiere bis zur Größe eines Bären oder einer Raubkatze hochzuziehen und in der Arena freizulassen.

Der Effekt für Zuschauer und Kämpfer war eine große Überraschung. Sie wussten nicht, ob, wann und wo sich der Untergrund des Kolosseums auftun und eine neue Schar von wilden Tieren in das Geschehen eingreifen würde. Im Kolosseum wird ein Modell dieser Hebebühnentechnik gezeigt, das ich für Euch fotografiert habe. 

Die Dampfmaschine oder ähnliche Antriebstechniken waren noch nicht erfunden. Was es gab, war billige Muskelkraft. Hunderte Sklaven und Arbeiter bedienten die Winden und sorgten so im Hintergrund dafür, dass die Spiele reibungslos funktionierten.

Die Konstruktion des Unterbodens war aus Holz. Im Jahr 217 n. Chr. schlug ein Blitz im Kolosseum ein und verursachte einen Brand. Die Arbeiten zur Widerherstellung der Arena zogen sich über fast 20 Jahre hin. Zunächst mussten die Mauerzüge im Untergeschoss stabilisiert werden. Die bisherigen Aufzugsysteme waren schon dadurch nicht mehr zu gebrauchen. Eine Winde je Aufzugkäfig nahm zu viel Platz weg. Jetzt wurden größere Winden konstruiert, die mehrere Käfige hochziehen konnten. 


Das Kolosseum im Mittelalter

Im Mittelalter war das Kolosseum keine Arena mehr, in der Gladiatoren ihren Tod fanden. Zumindest ein Teil des Kolosseums wurde anders genutzt. Forscher haben Überreste einstiger Geschäfte und Wohnungen freigelegt. Hier gab es einen regelrechten Marktplatz,

Aber das war noch mehr. Forscher haben ein Kelterbecken entdeckt. Im Kolosseum wurde also Wein hergestellt und ganz sicher auch verkauft. Eine Herdstelle belegt das, was wir heute ein Fast Food Restaurant nennen würden. Reste von Muscheln, Schnecken und sogar Schildkröten deuten auf das hin, was hier zubereitet und verzehrt worden ist. Münzen und Keramikscherben belegen, dass das Amphitheater im 12. und 13. Jahrhundert als Gebäude zum Wohnen, Arbeiten und Einkaufen diente.

Es gibt sogar Berichte, wonach im Kolosseum ein Krankenhaus untergebracht war.


Erdbeben, Schäden, Steinbruch

Die Steine des Kolosseums wurden durch Metallklammern zusammen gehalten. So konnte das Gebäude auch Erschütterungen stand halten, die von Erdbeben ausgingen. Verwendet wurden Blei und auch Eisen. Und da dies begehrte Rohstoffe waren, wurden die Metall-Elemente im Laufe der Jahrhunderte entfernt. Das hatte für die Statik des Kolosseums natürlich Folgen. In den Jahren 847 und 1349 gab es schwere Erdbeben, die das Kolosseum beschädigten. Renovierungsarbeiten wurden nicht mehr durchgeführt. Im Mittelalter bedienten die römischen Bauherren sich vom Material des Kolosseums. Es wurde regelrecht zum Steinbruch.Papst Benedikt XIV machte dem ein Ende. Er ordnete den Erhalt des Kolosseums an. Er war der Ansicht, dass im Kolosseum zahlreiche Christen wegen ihrer Religion gestorben sind. Er erklärte das Kolosseum zur geweihten Märtyrer-Stätte. Auch richtete er einen Kreuzweg mit Kapellen ein. Im Jahr 1744 erließ er ein Edikt, das den Erhalt des Kolosseums anordnete.


Denkmal gegen die Todesstrafe

Seit dem Jahr 1999 dient das Kolosseum auch als Denkmal gegen die Todesstrafe. Wenn ein verhängtes Todesurteil irgendwo auf der Welt ausgesetzt wird, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt. Das geschieht auch, wenn ein Staat dieser Welt die Todesstrafe gänzlich abschafft.


Das Kolosseum war fast 450 Jahre in Betrieb

Als Arena war das Kolosseum fast 450 Jahre in Betrieb. Bei den Spielen kamen zahllose Menschen und Tiere ums Leben. Spiele, bei denen Menschen getötet wurden, sind zu Beginn des 5. Jahrhunderts verboten worden. Die letzte Tierhetze im Kolosseum ist für 523 n. Chr. aus Quellen belegt. 


Heute ist das Kolosseum DIE Sehenswürdigkeit für Touristen

Von außen kann das Kolosseum zu jeder Tages- und Nachtzeit besichtigt werden. Möchtest Du rein, musst Du ein Ticket kaufen. Ich empfehle unbedingt, das vorab zu erledigen. Tickets sind ganz einfach online zu bekommen. 

Man kann ein Kombiticket zusammen mit anderen Sehenswürdigkeiten kaufen. Das letzte mal, als ich in Rom war, kaufte ich ein Ticket am Forum Romanum. Damit konnte ich erst das Forum und anschließend das Kolosseum besichtigen.