Dienstag, 31. Mai 2022

31. Mai 1941: die griechische Fahne weht auf der Akropolis

2. Weltkrieg in Athen: zwei Junge Männer leisteten Widerstand 

Am 27. April 1941 besetzte die Wehrmacht Athen. Ab diesem Tag wehte die Kriegsflagge mit dem Hakenkreuz weithin sichtbar auf der Akropolis. 

Die griechische Fahne auf der Akropolis
Die griechische Fahne auf der Akropolis
Für die griechische Bevölkerung war das weit mehr als nur ein Ärgernis. Sie empfanden es als Schande, die Fahne der Besatzer auf der Akropolis wehen zu sehen. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1941 zogen zwei junge Griechen los und wagten das Unmögliche: Sie stiegen heimlich auf die Akropolis, holten die Fahne mit dem Hakenkreuz ein und hissten die griechische Fahne. 

Als Athen am 31. Mai erwachte, konnte jeder sehen, dass die griechische Fahne wieder dort wehte, wo sie hingehörte. Das war ein Zeichen, das viele Griechen zum Widerstand anregte.

Die beiden jungen Männer hießen Manolis Glezos und Apostolos Santas. Sie hatten bewusst Fingerabdrücke hinterlassen, um eine Identifizierung der Täter zu ermöglichen. So wollten sie verhindern, dass jemand anderes für diese Tat bestraft wurde. Sie hatten Glück: Sie wurden nicht gefasst und für diese Tat nicht bestraft. Apostolos lebte bis 2011, Manolis sogar bis 2020. Ihre Biographien sind sehr spannend. In späteren Beiträgen möchte ich mehr über die beiden Männer schreiben, die in jungen Jahren wirklich viel für Griechenland gewagt haben.

Montag, 30. Mai 2022

Griechenland: Die Ticketpreise der Fähren steigen um 10% bis 15%

Griechenland ist das Land der Inseln in Europa. Für die Bewohner der Eilande sind die Fährverbindungen lebensnotwendig.
Die Griechenlandzeitung berichtet, dass die Fährpreise jetzt deutlich ansteigen. Zwischen 10% und 15% mehr ist künftig pro Ticket zu bezahlen. In den Medien taucht das unter Tourismus auf. Die Touristen wird das nicht sehr schmerzen. Ich denke aber, dass die Teuerung für die Einheimischen eine heftige Belastung ist. 

Sonntag, 29. Mai 2022

Schliemann der Entdecker, Schliemann der Zerstörer

Ich habe über drei Goldfunde berichtet, die Heinrich Schliemann in Mykene gemacht hat: Eine Totenmaske, einen Siegelring und einen Dolch, auf dem eine Löwenjagd dargestellt ist.

Heinrich Schliemann - Büste im Archäologischen Nationalmuseum in Athen
Heinrich Schliemann
Entdecker dieser Artefakte war Heinrich Schliemann. 

Schliemann ist eine Person, die bis heute fasziniert. Ein Autodidakt, der im kaufmännischen Beruf zu sehr viel Geld kam und es sich leisten konnte, in späteren Jahren seinem Kindheitstraum nachzugehen: der Suche nach der antiken Stadt Troja. 

Dabei hatte er nicht als erster die Idee, anhand antiker Quellen nach den dort beschriebenen Orten zu suchen und diese freizulegen. Aber seine Suche war von Erfolg gekrönt.

Im Stern ist heute ein Bericht über Heinrich Schliemann erschienen, den ich recht lesenswert finde. Daher weise ich Euch auf diesen hin. In der Überschrift bringt der Verfasser das Leben Schliemanns gut auf den Punkt: Er wollte Troja finden, und zerstörte es. Darin liegt eine sehr harte Wertung. Schliemann war ein Stück weit Kind seiner Zeit, und so muss man ihn auch bewerten. Ich will mich in näherer Zukunft mehr mit ihm befassen. Aber nicht mehr heute.

Samstag, 28. Mai 2022

Deutschlandfunk: Bericht zur Kaltzeit in der Ägäis um 1600 v.Chr.

Palea Kameni: Vulkaninsel in der Caldera von Santorin - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Palea Kameni in der
Caldera von Santorini

Am 9. Mai habe ich Euch darüber berichtet, dass die Frage der Datierung der großen Eruption des Vulkans auf Santorin wieder offen ist. Die 
Klimaveränderungen um 1627 v.Chr. sind entgegen bisheriger Annahmen damit nicht zu erklären. Vielmehr ist dafür ein Vulkanausbruch in Alaska verantwortlich. 

Ich möchte Euch auf einen Bericht des Deutschlandfunks hinweisen, der am 27.05.2022 ausgestrahlt worden ist. Momentan kann er im Internet nachgehört werden. 

Durch Klick auf diesen Link kommt Ihr dorthin. 

Pisa Test in Griechenland: Trotz Protest der Lehrer-Gewerkschaften durchgeführt

Etwa 12.000 Schülerinnen und Schüler haben in Griechenland an den diesjährigen Pisa-Tests teilgenommen. Sie kamen zur Hälfte aus der dritten und zur anderen Hälfte aus der sechsten Klasse. 

Schule in Poros - Griechenland - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden)
Schule in Poros
Darüber berichtet die Griechenlandzeitung in ihrer Online-Ausgabe. Sie berichtet auch über Proteste der Lehrer-Gewerkschaften gegen die Durchführung der Tests. Die waren allerdings durch ein Gericht nicht zugelassen worden, so dass die Tests durchgeführt werden konnten.

Der Hintergrund der Gewerkschaftsproteste dürfte sein, dass Griechenland regelmäßig schlecht abschneidet. Das bedeutet: Eine schlechte Leistung der Lehrer wird festgestellt. 

Die Kriterien für die Pisa-Studie sind überall gleich. Und da es um die Zukunft der Kinder geht und nicht um die Gegenwart der Lehrer, finde ich es auch richtig, dass die griechischen Lehrer sich mit ihrem Protest nicht durchgesetzt haben.


Freitag, 27. Mai 2022

Strände auf Santorin: sechs Blaue Flaggen

Gestern habe ich darüber berichtet, dass Griechenland weltweit Nummer 2 in Sachen Blaue Flagge ist. 581 Strände dürfen diese Auszeichnung führen.

Der Strand von Perissa auf Santorini - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Der Strand von Perissa
Heute möchte ich mir die Sache mal etwas näher anschauen auf einer Insel, die ich recht gut kenne: Santorin. Dort dürfen sechs Strände die Blaue Flagge führen:

Den Strand von Perissa kenne ich am besten. Dort bin ich 1990 das erste mal gewesen, 2014 zuletzt. Auch wenn der Ort sich in der Zeit wirklich sehr verändert hat: Das Wasser ist heute noch so sauber und klar, wie ich es in Erinnerung habe.

Auf Santorin spielen dabei zwei Faktoren eine Rolle. Einmal die Hochseelage: Das Mittelmeer ist hier sehr sauber. Und vor allem spielt eine Rolle, dass es auf Santorin keinen Sandstrand gibt. Auf dem Foto sieht man Lavasand, der mit Steinchen durchsetzt ist. Das setzt sich ins Meer fort. Das Wasser wird wunderbar gefiltert.

Also: Wer für einen Badeurlaub ans Mittelmeer möchte, sollte die Strände auf Santorini mal anschauen. Natürlich sind auch die anderen Strände einen Blick wert. Eine Übersicht über die mit einer Blauen Flagge ausgezeichneten Strände findet Ihr auf der Seite der griechen Sektion der Blauen Flagge.

Donnerstag, 26. Mai 2022

Blaue Flagge: Dank vieler toller Strände ist Griechenland weltweit auf Platz 2

Griechenland ist sehr beliebt bei Touristen. Und es lebt auch vom Fremdenverkehr.

Ein Grund dafür sind die vielen tollen Strände, die es in Hellas gibt. Auf dem Foto sehr Ihr einen ganz normalen Hotelstrand, den ich 2015 auf Korfu genossen habe.

Griechenland hat weltweit die zweitmeisten sauberen Strände - hier: Hotelstrand auf Korfu - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) ´- www.frar.com
Hotelstrand auf Korfu
Die Qualitätsstandards der Strände werden durch eine Zertifizierungsorganisation kontrolliert: der Blauen Flagge. Dieses Umweltzeichen wird im Bereich des nachhaltigen Tourismus vergeben. Mehr als 40 Länder sind ihr angeschlossen, neben Griechenland übrigens auch Deutschland. Ein Strandgebiet, das mit der Blauen Flagge ausgezeichnet wird, möchte auf besondere Sauberkeit des Badewassers und der umliegenden Natur hinweisen. 

Die Blaue Flagge wird nicht nur für Strände, sondern auch für Marinas und Touristenboote vergeben. Auch Deutschland ist übrigens beteiligt, bei uns wird die Blaue Flagge seit 1987 vergeben.

Die griechische Sektion der Blauen Flagge meldete am 16.05.2022 voller Stolz, dass Griechenland weltweit auf Platz 2 bei der Vergabe der Blauen Flagge liege. 581 Strände, 15 Marinas und 6 Touristenboote brachten diesen Erfolg. Im Internet ist dokumentiert, wohin in Griechenland die Flagge vergeben wurde.

Zu verdanken hat Griechenland diesen Erfolg vor allem den Stränden. Marinas und Touristenboote spielen hier kaum eine Rolle bei der Blauen Flagge. Da stellt sich mir die Frage nach dem Warum.

Beispiel Touristenboote: Die gibt es im Land in Hülle und Fülle, nur 6 Boote mit Blauer Flagge scheint erst einmal sehr wenig. Man muss aber sehen, dass die Zertifizierung sehr teuer ist. So sollen die Kosten für die Zertifizierung eines Strandes in Irland bei ca. 40.000 Euro liegen. Weder für Griechenland noch für Deutschland habe ich eine Übersicht der Kosten gefunden. Das ist sehr viel Geld. 

Bei Stränden mag die Blaue Flagge mehr Besucher anlocken. Aber bei Touristenbooten spielen andere Kriterien eine Rolle: Was kann man damit unternehmen? Ist das Boot sauber? Passt der Preis ins Urlaubsbudget? Macht ein Boot mit und ein Boot ohne Blaue Flagge die selbe Tour, ist der Preis ein wichtiger Faktor um Gäste zu gewinnen. Das rechnet sich nicht.

Eingangs habe ich ja gesagt, dass Griechenland weltweit auf Platz 2 ist. Platz 1 geht an Spanien, und Platz 3 an die Türkei. In den beiden Ländern wird auch viel getan, um zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und ein Strandurlaub keine Gegensätze sein müssen.

Deutschland liegt weltweit übrigens bei uns auf Platz 9 bei der Blauen Flagge. Wir verdanken das vor allem den Marinas: 92 Häfen dürfen die Blaue Flagge hissen. Hinzu kommen 45 Strände. Eine Übersicht bietet die deutsche Sektion der Blauen Flagge auf ihrer Homepage.

Mittwoch, 25. Mai 2022

Der Dolch mit der Szene einer Löwenjagd

Im Blog befinden wir uns auf einer kleinen Gold-Reise. Erst eine goldene Totenmaske, dann ein Ring aus Gold. Heute führt sie uns zu einer Löwenjagd. 

aus Mykene: Bronzedolch mit einer in Gold gearbeiteten Löwenjagd. - Foto von F. Roland A. Richter
Bronzedolch mit Löwenjagd: Ein Löwe kämpft, zwei Löwen fliehen

Diese ist auf einem Dolch zu sehen, die Einlegearbeiten aus Gold sind von der Handwerkskunst her echt beeindruckend.

Detail der Löwenjagd im antiken Mykene: Ein Jäger wurde vom Löwen getötet
Detail: Ein Löwe tötet einen Jäger
Der Dolch wurde wahrscheinlich nie zum Kampf genutzt, sondern es diente mehr dekorativen oder kultischen Zwecken. Er selbst ist aus Bronze, neben Gold sind noch Silber und Elektron verarbeitet. Dieser Zierdolch wird in das 16. Jahrhundert vor Christus datiert. Ihr könnt ihn im Archäologischen Nationalmuseum in Athen sehen, die Inventarnummer ist 394.

Die Waffe stammt aus dem Schachtgrab IV. Das ist eine Gemeinsamkeit mit dem Ring mit der Jagdszene, den ich gestern vorgestellt hatte. 

Einige Details: Auf dem Schild eines Jägers sehe ich Muster, die an ein Rinderfell erinnern. Die drei dunklen Flächen auf dem zweiten Schild links vom Löwen sind etwas dunkler als das Schwert. Hier wurde mit Farbeffekten gearbeitet, um das Gezeigte lebendig zu machen. Gewänder, Bewaffnung und auch der Löwe sind mit feinen Linien ausgearbeitet.

Jäger und Löwen kämpfen miteinander
Jäger und Löwen kämpfen miteinander
Mich beeindruckt, wie fein die Einlegearbeiten ausgeführt sind. Die Szene wirkt auf mich lebendig, der Handwerker war ein echter Meister. Dieser Dolch ist sicherlich eines der schönsten Artefakte, die Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen in Mykene gefunden hat.

Dass die Löwenjagd für die Jäger mit großen Risiken verbunden war, sieht man vor dem Löwen. Dort liegt ein Jäger, der dem Löwen zum Opfer gefallen ist. Die Jäger arbeiten mit Lanzen, die das Tier auf Distanz halten.

Bis in die Antike lebten Löwen in Griechenland und dem südlichen Balkan. Die letzte mir bekannte Erwähnung gibt es bei Pausanias im 2. Jahrhundert n.Chr. Er gab allerdings an, dass die Löwen im Gebirge lebten. Das passt nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum. Sicher ist allerdings, dass es zur Zeit der Entstehung dieses Dolchs in Griechenland noch Löwen gab.

Dienstag, 24. Mai 2022

Ein Siegelring aus Gold, gefunden in Mykene

Heute zeige ich Euch einen Siegelring aus Gold. Er zeigt eine Jagdszene. Die Form nennt man einen Schildring.

Archäologisches Nationalmuseum Athen, Inventurnummer 240: Ring aus Gold, gefunden in Mykene - er zeigt eine Jagdszene
Der Ring mit der Jagdszene
Der Ring wurde im Schachtgrab IV in Mykene gefunden. Dort lag er zwischen einem männlichen und einem weiblichen Skelett. Wem von beiden er gehörte, ist unklar.

Zur Jagdszene: Ein Wagen wird von zwei Pferden gezogen. Es gibt einen Wagenlenker und einen Schützen, der mit Pfeil und Bogen einen Hirschen erlegt.

Ich persönlich finde die Darstellung der Waffe interessant. Pfeil und Bogen gehörten als Fernwaffen zur Standardausrüstung mykenischer Krieger. Das ist in bildlichen Darstellungen auf Gefäßen nachgewiesen. Aus Funden weiß man, dass die Technik des Baus von Kompositbögen bereits bekannt war: Holz, Horn und Sehen wurden verleimt. Es liegt nahe, dass solche leistungsfähigen Bögen nicht nur militärisch, sondern auch bei der Jagd eingesetzt wurden. Typisch für einen Kompositbogen wäre allerdings eine Gegenkrümmung an den Enden, die der Abbildung auf dem Siegenring fehlt. Da der abgebildete Bogen aber relativ klein ist, kann angenommen werden, dass es sich um einen Kompositbogen handelt.

Ich schätze das Alter dieses Ringes zwischen 1600 v.Chr. und 1500 v.Chr. Das ist aber nur eine Vermutung von mir. In den mir zugänglichen Quellen habe ich dazu leider nichts gefunden.

Die Werkstatt, in der dieser Ring gefertigt wurde, wird nach einer jüngeren Ansicht in Mykene verortet. Nach überwiegend vertretener Meinung stammt er aus Kreta. Er mag als Raub, Handelsware oder ein Geschenk nach Mykene gekommen sein.

Ich habe mir die Inventurnummer dieses Ringes mit 240 notiert. Wenn Ihr ihn sehen möchtet, geht ins Archäologische Nationalmuseum in Athen. Wenn ich das nächste Mal dort bin, versuche ich auf jeden Fall, ein etwas besseres Foto zu machen.

Dort wird noch ein zweiter Ring Kampfszene gezeigt. Dessen Inventarnummer ist 241. Beide Ringe sind in der Deutschen Fotothek zu sehen.

Die meisten mykenischen Siegel waren aus Halbedelsteinen wie etwa Karneol, Achat und Jaspis oder in späterer Zeit aus Steatit und Glas gefertigt. Gold, wie bei diesem Ring, ist schon ein sehr besonderes Material.

Übrigens sind die meisten goldenen Siegel aus der mykenischen / minoischen Zeit nicht massiv. Sie bestehen aus dickem Blech. Der Goldschmied hat das Bild durch Gravieren, Ziselieren oder Treibarbeit hergestellt. Diese Techniken kamen auch bei massiven Siegeln zum Einsatz. Sie wurden nicht gegossen. Ein Trick bei den Schilden der Ringen war, unedles Metall oder Silber zu verwenden. Das wurde mit einer starken Goldfolie überzogen, was die Herstellungskosten senkte und optisch erst einmal wie ein massiver Schild aussah.

Montag, 23. Mai 2022

Eine Maske aus Gold

Heinrich Schliemann hat in Mykene mehrere Totenmasken aus Gold gefunden. Die berühmteste ist die des Agamemnon. Die zeige ich Euch heute nicht. Natürlich war das mit Agamemnon eine Wunschfantasie Schliemanns, weil dessen Maske die schönste des Fundes war.

Da ich ein gewisses Faible für Sachen habe, die nicht ganz vorne im Rampenlicht stehen, bekommt Ihr die Maske des Agamemnon heue nicht zu sehen. Meine Wahl seht Ihr unten auf dem Foto.

Totenmaske aus Gold, gefunden in Mykene. Sie ist zu sehen im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.
Die Totenmaske aus Gold
Die Maske könnt Ihr im Archäologischen Nationalmuseum in Athen sehen. Das Museum datierte die Maske um ca. 1600 v.Chr.

Zu sehen ist ein Mann mit sehr vollen Lippen. Wer er war, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Zumindest wichtig muss er für seine Zeitgenossen gewesen sein. Denn ansonsten hätten sie das Gold für etwas anderes verwendet als eine Totenmaske. Möglicherweise war es für die Hinterbliebenen eine hohe religiöse Verpflichtung, aufgrund derer sie beim Verblichenen eine Totenmaske aus Gold gefertigt haben.

Zeigt die Maske jemand aus dem von Homer geschilderten "verfluchten Atridengeschlecht"? Darin, einem Toten eine Goldmaske mit ins Grab zu geben, kann man sicherlich den Ausdruck eines gewissen Machtbewusstseins sehen.

Sonntag, 22. Mai 2022

Der kleine Flüchtling

Auf dem Foto seht Ihr die Statue eines kleinen Jungen, der einen Hund in seinem Arm hält.

Statue des "kleinen Flüchtlings", zu sehen im Archäologischen Nationalmuseum in Athen
Der kleine Flüchtling
Die Statue stammt aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Der Junge trägt einen Kapuzenanzug, der am Nacken befestigt ist. Das Haar schaut unter der Kapuze hervor. 

In seinem Arm hält der Junge einen kleinen Hund, der als Malteserhund identifiziert wird. Die Hunderasse ist sehr alt und stammt vermutlich aus Ägypten. Phönizische Kaufleute haben die Rasse im Mittelmeer verbreitet. Sie war in der Antike sehr beliebt. Der Name leitet sich vermutlich vom semitischen Wort màlat ab. Das bedeutet Zuflucht oder Hafen.

Gefunden wurde diese Statue 1922 in Nysa, einer antiken Stadt am Nordrand der Ebene des Mäander in der heutigen Türkei. Ihr Entdecker war der Archäologe Konstantinos Kourouniotis. Zunächst brachte er sie nach Smyrna, wo er selbst wohnte. Die Zeit war hoch dramatisch, es tobte der Krieg zwischen Griechen und Türken um Kleinasien. Im September spitzte sich die kleinasiatische Katastrophe zu, als türkische Truppen Smyrna besetzten und die christliche Bevölkerung massakrierten und vertrieben. Seit Vertreibung der Griechen heißt die Stadt Izmir.

Als im September 1922 die Zerstörung von Smyrna begann, nahm Kourouniotis die Staue auf seiner Flucht mit nach Griechenland. Er brachte sie nach Athen. Aufgrund dieser Umstände wurde die Statue fortan „der kleine Flüchtling“ (Ο μικρός πρόσφυγας) genannt.

Ein letztes noch: Die Kapuzenjacke. Ähnliche Kapuzenanzüge waren noch bis in das 20. Jahrhundert in Gebrauch. 

Die Statue ist im Archäologischen Nationalmuseum in Athen zu sehen, die Inventarnummer ist 3485. Sie ist aus Marmor gefertigt. Leider hat sie einige kleinere Schäden. Das ist ihrem Alter geschuldet und dem Umstand, dass sie verschüttet war. Sie ist 63 cm groß. 

Diese Statue und ihre Geschichte berühren mich sehr.

Samstag, 21. Mai 2022

Neues Thema: Archäologie und Geschichte

Im Blog komme ich zu einem neuen Thema: Geschichte und Archäologie. Das Thema Geschichte habe ich ab und an schon angerissen. Ich möchte es gerne vertiefen. 

Das archäologische Nationalmuseum in Athen
Das archäologische Nationalmuseum in Athen
Es gibt wundervolle Museen, die Exponate aus der Vergangenheit zeigen. Ein Schwerpunkt dabei wird zunächst einmal Griechenland sein, das mich sehr interessiert. 

Ich beginne mit einigen Fundstücken, die im Archäologischen Nationalmuseum in Athen gezeigt werden. Es ist das größte derartige Museum in Griechenland und wohl eines der wichtigsten archäologischen Museen der Welt. Es befindet sich in einem imposanten Gebäude, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. 

Auf 8.000 qm Ausstellungsfläche werden über 11.000 Objekte gezeigt. Es gibt fünf ständige Sammlungen:

  • Sammlung prähistorischer Altertümer: Neolithikum, Kykladen, Mykene, Santorin: Fundstücke der großen Zivilisationen der Ägäis, die sich vom 6. Jahrtausend v.Chr. bis 1050 v.Chr. entwickelten.
  • Skulpturensammlung: Die Entwicklung der antiken Skulpturen wird durch Exponate gezeigt, die zwischen dem 7. Jahrhundert v.Chr. und dem 6. Jahrhundert n.Chr. entstanden sind.
  • Vasensammlung: Sie sehen repräsentative Werke der antiken griechischen Keramik zwischen dem 11. Jahrhundert v.Chr. bis in die Römerzeit.
  • Sammlung metallurgischer Werke: Sie sehen viele Exponate aus Metall, zum Beispiel Statuen und kleine Figuren.
  • Sammlung altägyptischer und östlicher Altertümer aus der Zeit von 5.000 v.Chr. bis hin zur römischen Zeit.

In den nächsten Tagen werde ich Euch einige dieser Funde vorstellen.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Griechenland: Die Maskenpflicht in Innenräumen entfällt ab 1. Juni

Die Pandemie hat auch vor Griechenland nicht halt gemacht. Das Land reagierte mit wesentlich strikteren Maßnahmen als Deutschland. Nicht nur in Innenräumen, auch im Freien galt eine Maskenpflicht. 


griechische Fahne
Die Maskenpflicht für Außen ist bereits im März gefallen. Ab Juni wird die Maskenpflicht für Innenräume ausgesetzt. Diese Freigabe gilt nur bis zum 15. September. Im Herbst wird - abhängig von der Entwicklung der Pandemie - neu entschieden. Das berichtet die griechische Ausgabe des Standard in einer Meldung vom 18.05.2022.

Eine Ausnahme gilt für Krankenhäuser, Altersheime und den öffentlichen Personennahverkehr. Hier sind Masken weiterhin Pflicht.

Athanasios Plevris, der Gesundheitsminister Griechenlands, wies noch auf eine weitere mögliche Einschränkung hin. Der Sachverständigenausschuss des Landes wird in der nächsten Woche darüber entscheiden, ob die Maskenpflicht für Schulen, Universitäten und Fährschiffe aufrecht erhalten bleibt. 

Ganz ausgestanden sind diese Maßnahmen also nicht. Aber deutlich gelockert. Und vor allem: Die in Griechenland konsequent erhobenen Bußgelder drohen nicht mehr. 

Trotz des weitgehenden Aussetzens der Maskenpflicht empfehle ich Touristen dringend, dass sie eine ausreichende Anzahl von Masken mit in den Urlaub nehmen. Sollte die Situation das Anlegen einer Maske erfordern, habt Ihr sie griffbereit.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Die Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten

Die Griechen haben ihre Freiheit Anfang der 1820er Jahre in einem langen und blutigen Freiheitskampf errungen. Die Uniformen, die Ihr auf diesem Bild seht, mögen für uns ungewöhnlich aussehen. Aber mal ehrlich: haben wir Deutsche es geschafft, solche Traditionen aus den Befreiungskriegen bis in die heutige Zeit lebendig zu erhalten? Ich finde es toll, dass den Griechen das gelungen ist. 

Ehrenwache am Syntagma Platz in Athen - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Ehrenwache am Syntagma Platz in Athen
Übrigens haben im griechischen Befreiungskampf viele Freiwillige aus ganz Europa im Bataillon der Philhellenen gekämpft. Darunter war ein sehr großer Anteil Deutscher, viele von ihnen waren Burschenschafter

Diese Uniformen trägt die Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten am Syntagma Platz in Athen. Wenn man weiß, dass auch deutsche Studenten im Kampf um die griechische Freiheit gefallen sind, dann sieht man das mit anderen Augen. Ich bin sehr davon beeindruckt, wie die Griechen diese Tradition lieben und leben. 

Wenn es heutzutage hart auf hart kommen sollte, wäre auf die wehrbereiten Menschen Griechenlands in militärischen Belangen vermutlich eher Verlass als auf gewisse Truppen mit Standort irgendwo in Mitteleuropa oder die autochthone Bevölkerung jener Region.

Dienstag, 17. Mai 2022

Neue Stromversorgung für Santorin steht ab diesem Sommer

Ab diesem Sommer wird Santorin über ein Unterseekabel an die Stromversorgung vom Griechischen Festland angeschlossen. Das ist Teil eines Programms, das die Stromversorgung der Kykladen insgesamt umweltfreundlicher machen soll. 

Die Caldera von Santorin mit Imerovigli und davor der Skaros Rock - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Caldera von Santorin
Das Unterseekabel verbindet Santorin zunächst einmal mit Naxos. Diese Insel wird schon seit Oktober 2020 vom griechischen Festland aus mit Strom versorgt. Bis 2040 sollen insgesamt 20 Inseln der Kykladen an die Stromversorgung vom Festland angeschlossen sein.

Auch die Umwelt wird das Abschalten des örtlichen Elektrizitätswerkes sehr danken. Es wurde mit Masut betrieben, einem bei der Destillation von Erdöl entstehendem Rückstand. 

Montag, 9. Mai 2022

Santorin: Neuer Ansatz zur Datierung der großen Eruption

Das Santorin Archipel aus der Luft
Das Santorin Archipel aus der Luft
Vor einigen Jahren wurde an der Caldera von Santorin ein verkohlter Olivenbaum entdeckt. Eine C-14 Untersuchung führte zu einer Datierung auf 1627 v.Chr. In diesem Jahr muss er verkohlt und durch Bims bedeckt worden sein. Daher gingen Forscher davon aus, dass die Eruption auf dieses Jahr datiert werden könnte.

Eine neue Untersuchung von Charlotte Pearson ist dem genauen Zeitpunkt der großen Eruption von Santorin auf die Spur gekommen. Sie hat dendrochronologische Untersuchungen durchgeführt. Eine Untersuchung des Datenmaterials ergab, dass die Eruption 1627 v.Chr. nicht Santorin betraf, sondern den Aniakchak in Alaska.

Die von Charlotte Pearson ausgewerteten Daten ergeben drei Zeiträume, die für die Eruption von Santorin in Betracht kommen: 1611 v.Chr., 1562–1555 v.Chr. und 1538 v.Chr.

Über diese Untersuchung berichtet antikewelt.de.


Sonntag, 8. Mai 2022

Athen, Wiege der Demokratie

Der Pnyx in Athen war lange der Ort der Volksversammlungen

Die Regierungsform der Demokratie ist in Athen entstanden. Will man die Wichtigkeit demokratischer Willensbildungsprozesse versinnbildlichen, kann man guten Gewissens ein Bild des Pnyx verwenden. 

Unter anderem dort fanden in der Antike die Volksversammlungen statt, auf denen über alles Wichtige entschieden wurde.

Wenn Du mal in Athen bist, dann geh hin. Der Pnyx liegt gegenüber der Akropolis, dort ist heute ein öffentlicher Park. Man kann da nicht nur ohne Eintritt hin. 

Vom Pnyx aus hat man einen tollen Blick über Athen. 

Samstag, 7. Mai 2022

Santorin: Alles dreht sich um die Liebe

Im März hat Klaus Böting in der Griechenland Zeitung einen Artikel über Santorin veröffentlicht. Alles dreht sich um die Liebe, so lautet die Überschrift. Insgesamt 9 Romane empfiehlt Klaus Böting als Unterhaltungslektüre, die (überwiegend) auf Santorin spielt. 

Fira auf Santorin - Foto von F. Roland A. Richter (Wiesbaden) - www.frar.com
Fira auf Santorin
Wer also Urlaubslektüre sucht, sollte auf den obigen Link klicken und gucken, was einen anspricht. Da ist eigentlich für jeden Geschmack ein toller Roman mit dabei.

Und nein: Ich schreibe hier nicht einfach die von Klaus Böting zusammengestellte Liste ab. Das wäre nicht nur unhöflich ihm gegenüber. Euch entginge dann, was er zu den einzelnen Büchern schreibt. Dieser Blogbeitrag soll nur ein Hinweis sein.