Mittwoch, 2. April 2025

Im Neuen Museum Berlin ist das Fotografieren der Nofretete verboten

Im Neuen Museum Berlin ist das Fotografieren erlaubt. Aber es gibt eine Ausnahme: Im Saal mit der Büste der Nofretete ist Fotografieren verboten.

Fotografieren verboten im Neuen Museum Berlin

In der Antikensammlung Berlin gibt es viele tolle und berühmte Artefakte.

Eines der wohl berühmtesten Stücke ist die Büste der Nofretete.

Nofretete lebte im 14. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten. Sie war die Hauptgemahlin des Pharaos Echnaton. Mit ihm hatte sie sechs Töchter. Eine davon wurde übrigens die Frau des berühmten Pharaos Tutanchamun.

Nofretetes Name kann mit "Die Schöne ist gekommen" übersetzt werden. Archäologen rätseln, ob das vielleicht ein Hinweis auf eine Herkunft außerhalb von Ägyptens sein kann. Fakt ist, dass die Büste in Berlin eine wirklich schöne Frau zeigt.

Möglicherweise ist das der Grund, weshalb das Fotografieren im Saal mit der Nofretete-Büste verboten ist. 

Über die Geschichte der Büste stellt das Neue Museum gute Informationen auf seiner Homepage zur Verfügung. 


Montag, 17. März 2025

Diana mit Hunden aus Elfenbein

Im Liebieghaus Frankfurt gibt es eine wunderbare Elfenbeinsammlung. In ihr ist eine Schnitzerei zu sehen, welche die römische Göttin Diana mit zwei Hunden zeigt.

Diana mit zwei Hunden
Diana mit zwei Hunden

Die Figur wird der Schule von Leonhard Kern zugeschrieben. Er kam am 22. November 1588 (gregorianischer Kalender: 2. Dezember) in Forchtenberg zur Welt.

Leonhard Kern war ein bedeutender Bildhauer des Barock. Bekannt ist er für seine meisterhaften Kleinplastiken aus Elfenbein, Alabaster und Holz. 

Die Bildhauerei bei seinem Bruder Michael Kern. Michael war - wie auch der Vater - ein bedeutender Bildhauer und hatte seine Werkstatt in Würzburg.

Nach seiner Ausbildung reiste Leonhard nach Italien, wo er die Kunst der Renaissance studierte. Überwiegend hielt er sich in Rom auf. Allerdings ist auch bekannt, dass er einen Abstecher nach Nordafrika gemacht hat.

Als er 1614 nach Deutschland zurück kehrte, heiratete er zunächst Amalia Zöllner. Mindestens 14 Kinder hatte er mit ihr, viele von ihnen starben aber früh.

Zunächst arbeitete er wieder bei seinem Bruder in Würzburg, später am Hof des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz in Heidelberg. Aufgrund der Situation im Dreißigjährigen Krieg verlies er Heidelberg und ging nach Schwäbisch Hall. Dort gründete er 1620 eine eigene Werkstatt. 

Seine Werke stellten oft religiöse und mythologische Szenen dar. Sie waren hochgeschätzt und er machte ein kleines Vermögen. Von diesem konnte er sich sogar das Schlösschen von Tullau kaufen.

Am 4. April (gregorianischer Kalender: 14. April) 1662 starb Leonhard Kern in Schwäbisch Hall. 

Leonhard Kern Kunst zeigt eine außergewöhnliche handwerkliche Präzision. Sein Vermächtnis prägt die europäische Kleinplastik bis heute. Die Diana mit Hunden ist ein wunderbares Exemplar seines Könnens.

Die römische Göttin Diana

Diana war eine der wichtigsten Göttinnen der römischen Mythologie. Verehrt haben die Menschen sie als Göttin der Jagd, der Natur und des Mondes verehrt. 

Diana
Diana

Ihr griechisches Pendant ist Artemis. Aber die Römer sehen in ihr mehr noch als die Griechen eine besondere Verbindung zur Wildnis und zur Frauenwelt. 

Oft stellen die Bildhauer der Antike Diana mit Pfeil und Bogen dar. Sie ist Diana die Beschützerin der Wälder und der Tiere. 

Zudem gilt sie als Wächterin von Frauen in Geburt und Kindheit. 

Wird sie nicht mit Pfeil und Bogen dargestellt, begleiten sie entweder Hirsche oder Hunde.

Ihre unabhängige, furchtlose Natur hat sie zu einem Symbol der Stärke und Freiheit gemacht.

Die Hunde der Diana

In dieser Skulptur sehen wir Diana mit zwei Jagdhunden. 

Die Hunde der Diana
Die Hunde der Diana

Oft wird Diana in Begleitung von Hirschen oder Hunden dargestellt. Beide Tiere haben eine tief symbolische Verbindung zu ihrer göttlichen Identität.

Die Hirsche stehen für die ungezähmte Wildnis und die mystische Verbindung Dianas zur Natur. Als Hüterin der Wälder spiegeln Hirsche ihre Rolle als Beschützerin der Tierwelt wider. Zudem symbolisieren sie Anmut und Flucht vor Gefahr – Eigenschaften, die Diana als Göttin der Jagd meisterlich verkörpert.

Hunde hingegen repräsentieren Treue und Stärke, wesentliche Qualitäten für einen erfolgreichen Jäger. Sie zeigen die Verbindung zwischen Diana und ihren Anhängern, die sich oft ihrer Schutzkraft anvertrauten. In der Jagdmythologie dienen Hunde auch als Mittler zwischen Mensch und Natur – eine Rolle, die Diana perfekt verkörpert.

Diese Tiere sind also weit mehr als dekorative Begleiter: Sie illustrieren die komplexe und kraftvolle Beziehung Dianas zur Welt der und zu ihren Anhängern unter ihnen. 

Eine Darstellung der Göttin mit Hirschen oder Hunden verkörpert somit eine Harmonie zwischen Wildheit der Tiere und Kontrolle durch die Göttin, zwischen Freiheit und Schutz.

Montag, 10. März 2025

Goldene Schmuckscheibe mit Darstellung eines männlichen Kopfes

Im Archäologischen Museum Frankfurt seht Ihr eine goldene Schmuckscheibe aus Gold. 

Schmuckscheibe aus Gold aus dem heutigen Iran
Schmuckscheibe aus Gold aus dem heutigen Iran
Leider ist der Fundort dieser wundervollen Scheibe nicht bekannt. 

Wir wissen, dass sie aus dem Nordosten des heutigen Iran stammt. Gefertigt hat man sie gegen Ende des 2. Jahrtausends vor Christus oder zu Anfang des 1. Jahrtausends vor Christus.

Auf der Schmuckscheibe sehen wir einen männlichen Kopf. Wer das sein soll, ist leider auch nicht bekannt. 

Marlik heißt ein archäologischer Fundort im Norden des Iran. Er besteht aus mehreren Hügeln. In den Jahren 1961/62 ist hier ein Friedhof freigelegt worden, der gut 3000 Jahre unberührt geblieben war. Die Forscher haben mehrere tausend Kunstobjekte gefunden, davon einige hundert aus Gold. 

Weiter haben die Archäologen Tonfiguren gefunden, die Frauen und Männer zeigen. Ebenfalls gehören Kunstwerke aus Glas zu den Funden, ebenso sehr viel Werkzeug aus Metall. 

Leider kam es zu Diebstählen und Schmuggel. Das hatte ein Ende der Grabungen in Marlik zur Folge. 

In Deutschland kann man nicht viele der dort gefundenen Objekte sehen. Aus diesem Grund meine ich, dass die goldene Schmuckscheibe im Archäologischen Museum Frankfurt etwas ganz besonderes ist.

Samstag, 1. März 2025

Dingle in Irland

Blick auf Dingle im Westen Irlands
Blick auf Dingle im Westen Irlands
Im Westen Irlands liegt die Dinge-Halbinsel mit der kleinen Stadt Dingle.

Wie alt Dingle ist, ist nicht bekannt. Im Jahr 1607 wurde der Stadt von König Jakob I ein Statut gegeben, das die von Königin Elisabeth I im Jahr 1585 in Aussicht gestellten Stadtrechte bewilligte. Die Stelle wurde jedoch weit früher besiedelt.

In einem Dokument von 1290 wird der Name der Stadt mit Dengynhuysse angegeben. Im 13. Jahrhundert kamen hier normannische Siedler an, im 14. Jahrhundert entwickelte die Stadt sich zu einem Handelshafen für Butter, Wolle, Häute, Fisch und Fleisch. Weiter war sie Importplatz für Kohle, Salz, Kleidung und Wein.

Heute ist Dingle eine schöne Stadt in einer touristisch sehr attraktiven Gegend. Wenn Ihr mal dort seid, trinkt ein Crean's Lager. Es schmeckt sehr gut.


Montag, 24. Februar 2025

Mercurius: Götterbote und Schutzgott der Händler

Den Gott Mercurius nennen wir auf Deutsch Merkur. Im römischen Pantheon ist er die Entsprechung zum griechischen Gott Hermes. Er ist der Gott der Diebe, des Handels und der Reisenden. Zugleich fungiert er als Götterbote. Er trägt entweder einen Petasos oder einen Flügelhelm. Neben diesen Kopfbedeckungen sind seine Symbole der Stab und Flügelschuhe. In der rechten Hand hält er oft auch einen Geldbeutel, was für das gute Ergebnis des Handels steht.

Der römische Gott Mercurius

Sowohl die Römer als auch die Etrusker haben Mercurius verehrt. Die Geschichten um ihn sind ganz ähnlich wie die des griechischen Gottes Hermes. 

Kopf des Mercurius
(zu sehen in der Abgusssammlung Göttingen)

Ich gehe davon aus, dass es sich im Wesentlichen um ein und dieselbe Gottheit handelt und dass diese wesentlich älter ist, als Griechen, Römer oder Etrusker.

Für die Römer war Mercurius wichtig, da es ohne ihn Rom vielleicht nicht gegeben hätte. Bekanntlich gelang es dem trojanischen Aeneas, seiner untergehenden Heimatstadt zu entfliehen und nach Westen zu fliehen. Er und seine Gefährten hatten die Mission vor Augen, irgendwo eine neue Heimat zu finden. Allerdings haben sie dieses Ziel nicht allzu sehr verfolgt. So kam es, dass Mercurius dem Aeneas erschien und ihn daran erinnerte, dass er eine Stadt gründen solle. So kam es auch. Aeneas und seine Gefährten gründeten Alba Longa, die Mutterstadt der späteren Stadt Rom. So Römer sagen es so: Ohne Mercurius kein Rom. Also verehrten sie ihn.

Im Rom befand sich der Mercuriustempel im Circus Maximus zwischen den Hügeln Aventin und Palatin. Heute gibt es keine archäologischen Nachweise mehr für diesen Tempel. Von Ovid und anderen wissen wir aber von ihm. Und auf einem Sesterz des Marcus Aurelius ist ein Tempel dargestellt, bei dem es sich möglicherweise um den des Mercurius handelt.

Mercurius war der Sohn des Jupiter, des obersten römischen Gottes. Seine Mutter Maia war eine der Plejaden. Diese göttliche Abstammung verlieh ihm eine besondere Position unter den Göttern, die ihn zu einer Vielzahl von Aufgaben und Verantwortungen führten. Zahlreiche Mythen ranken sich um Mercurius und zeigen seine listige Natur und seine Fähigkeit, sich aus kniffligen Situationen zu befreien. Eine berühmte Geschichte erzählt, wie er als Neugeborener eine Herde Rinder stahl und dennoch mit seinem Charme und seiner Klugheit ungeschoren davonkam. Ich denke, hier kann man seinen Charakter als charmanten Trickser ganz gut erkennen. 

Der Bote der Götter

Mercurius war als Bote der Götter für seine Schnelligkeit bekannt und für seine Fähigkeit, zwischen den Welten der Götter und der Welt der Menschen zu vermitteln. Er trug seinen Helm und Sandalen, die ihm mit ihren Flügeln eine übermenschliche Geschwindigkeit verliehen. Als Bote brachte er wichtige Nachrichten zu den Menschen. Er führte aber auch die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt. Diese Rolle machte ihn zu einem unverzichtbaren Vermittler und Beschützer der Kommunikation zwischen den Welten.

Einen Tag des Mercurius gibt es bis heute

Der Feiertag des Mercurius war der 15. Mai, der Mercuriustag. Dieser Tag war besonders wichtig für Händler und Reisende. In Rom gingen sie zu einer dem Mercurius geweihten Quelle, die sich an der Porta Capena befand. Sie opferten dem Gott im nahen gelegenen Tempel und besprengten an der Quelle sowohl das eigene Haus als auch die eigenen Waren mit dem geweihten Wasser. Möglicherweise hat sich dieser Brauch bis heute erhalten, wenn Priester Weihwasser auf Sachen spritzen und diese segnen.

Nach ihm wurde aber auch ein Wochentag benannt, und zwar der in der römischen Zählung vierte Tag. Das ist heute der dritte Wochentag, der auf Deutsch Mittwoch heißt. In einigen romanischen Sprachen klingt der römische Mercurii dies aber bis heute nach. Mittwoch heißt auf Italienisch mercoledì, auf Französisch mercredi, auf Spanisch miércoles und auf Rumänisch miercuri. Mit dem Albanischen kenne ich noch eine Nicht-Romanische Sprache, in der Mercurius erhalten geblieben ist. Der Mittwoch heißt auf Albanisch e mërkurë.

Dank dem römischen Schriftsteller Tacitus hat Mercurius aber auch Eingang in die Wochennamen einiger germanischer Sprachen gefunden. Tacitus setzte Mercurius mit dem Gott Wodan / Odin der Germanen gleich. Das klingt in einigen Sprachen bis heute nach. So heißt Mittwoch auf Englisch wednesday und im Schwedischen onsdag. Auch wenn man den Mittwoch im Grunde genommen als Odinstag bezeichnet, liegt die Wurzel der Benennung dieses Tags doch bei Mercurius.

Der Name des Mercurius

Ich möchte kurz auf den Namen des Gottes zu sprechen kommen. Er geht auf das lateinische Wort merx zurück, das laut Langenscheidt mit Ware oder Sache übersetzt werden kann.

Mittwoch, 22. Januar 2025

Vulcanus: Gott des Feuers und der Schmiedekunst

Vulcanus ist im römischen Pantheon die Entsprechung zum griechischen Gott Hephaistos. Er ist der Gott der Vulkane, des Feuers und der Schmiedekunst. Seine Symbole sind neben Schmiedehammer und Schmiedezange die Handwerkerkappe Pilos.

Vulcanus im Louvre,
(Bildquelle: Wikipedia)

Oft stellen Künstler Vulcanus alt, kahlköpfig und hager dar. Er soll ein lahmes Bein gehabt haben. Auf Abbildungen aus der Antike sehen wir meist eine himmelblaue Filzhaube auf seinem Kopf. Als Gehilfen stehen ihm einäugige Zyklopen zur Seite. Er soll einen sehr schroffen Charakter gehabt haben, aber friedliebend und handwerklich sehr begabt gewesen sein.

 

Zu seinen Aufgaben gehört, Geschmeide und Waffen für die Götter und die Halbgötter zu schmieden. Für Jupiter hat er die Donnerkeile hergestellt, welche der oberste Gott auf die Erde werfen konnte. Die Menschen haben diese Donnerkeile mit den Blitzen von Gewittern identifiziert. Wer von einem Blitz getroffen wurde und das überlebt hat, galt als jemand, der in der Gunst der Götter steht.

 

Seine Eltern waren Jupiter und Juno. Vulcanus Geburt war unkonventionell: Juno brachte ihn in einem Anfall von Wut oder Eifersucht zur Welt, ohne dass Jupiter eingriff. Er war leicht deformiert, was ihm ein charakteristisches Aussehen verlieh. Das führte dann zu seiner Assoziation mit Feuer und Vulkanen.

 

Natürlich stand auch eine Frau an der Seite dieses Gottes, und zwar die italische Göttin Maia. Diese wurde schon in der Antike mit der griechischen Göttin Maia gleichgesetzt.

 

Zusammen mit anderen Gottheiten haben die Römer Vulcanus als Schützer gegen Feuersbrünste verehrt. Das führte zu seinem Beinamen Mulciber, also „Besänftiger“ der Feuersbrunst. Am 23. August fanden die Volcanalia statt, sein Festtag. Die Menschen brachten dem Gott Opfergaben dar, um ihn zu besänftigen und Schutz vor Brandgefahr und Vulkanausbrüchen zu suchen. Im Rom kannst Du auf dem Forum Romanum heute noch das Volcanal sehen, das wichtigste Heiligtum für Vulcanus im Imperium Romanum.

 

In der bildenden Kunst wird Vulcanus oft als Schmied mit Hammer dargestellt, der dem Jupiter die Donnerkeile fertigt. Seine Attribute sind Hammer, Zange, Schmiedeschurz und Amboss. Die Römer verorteten seine Schmiede unter dem Vulkan Ätna auf Sizilien oder unter der Insel Vulcano. Die liegt etwas nördlich von Sizilien und ist bis heute nach ihm benannt.


Der Name des Vulcanus

Auf Deutsch nennen wir ihn Vulkan oder Vulcan. Der lateinische Name Vulcanus leitet sich von der Ursprungsform Volcanus ab. Weiter überliefert sind Volchanus, Volganus und Volkanus.

Sein Name ist mit lateinischen Worten verwandt, die mit Blitzen in Verbindung stehen. So bedeutet fulgur auf Deutsch Blitz oder Wetterleuchten. Das Verb fulgere kann mit blitzen, strahlen oder glänzen übersetzt werden. Der Blitzschlag heißt auf Latein fulmen.

Eine andere Spur zum Namen des Gottes Vulcan führt nach Kreta. Einige meinen, er leite sich von dem in der Bronzezeit dort verehrten Gott Velchanos ab. Ich glaube das nicht. Zum einen wurde Velchanos in der Antike mit Zeus gleichgesetzt, dem im römischen Pantheon Jupiter entspricht. Zum anderen haben seine Anhänger ihn mit der Vegetation in Verbindung gebracht. Das passt nicht zu dem, wofür Vulcanus steht. 


Vulcanus in anderen Religionen

Schon in der Antike hat man Vulcanus mit dem griechischen Gott Hephaistos (Ἥφαιστος) gleichgesetzt. Es gibt auch die Hypothese, dass die Römer Vulcanus von den Etruskern übernommen haben, die einen Gott namens Velkʰans mit einer ganz ähnlichen Funktion kannten. Ich persönlich denke eher, dass Etrusker, Griechen und Römer eine Gottheit aus der Zeit der Indogermanen verehrten. 


Für diese These spricht, dass auch andere Völker in ihren Sagen einen Schmiedegott oder einen gottähnlichen menschlichen Schmid kannten. Da denke ich zum Beispiel an den Schmied Wieland aus der germanischen Sagenwelt. In der nordsyrischen Stadt Ugarit verehrte man mit Kotar ein handwerklich sehr begabtes Wesen, das weder Gott noch Mensch, dafür aber Schmied war. Das sind Indizien für eine sehr alte, gemeinsame Wurzel dieser Gottheiten und mythologischen Gestalten.

Montag, 20. Januar 2025

Saturnus

In der Mythologie der antiken Römer steht Saturnus ganz am Anfang der Götterwelt. In der Deutschen Sprache nennen wir ihn meist Saturn. Er war Gott des Ackerbaus und der Aussaht. Zugleich war Symbol des mythischen Goldenen Zeitalters. 

Saturnus verschlingt eines seiner Kinder
(von Peter Paul Rubens, 1636/38)
Schon früh haben die Menschen Saturnus mit dem griechischen Gott Kronos gleichgesetzt. 

Daher gibt es auch eine sehr vergleichbare Geschichte zu Saturnus. Er soll seinen Vater überwältigt und kastriert haben. Dann habe er seine eigenen Kinder gefressen. Dieser Mythos ist von verschiedenen Künstlern immer wieder aufgegriffen worden. Zu diesem Beitrag nehme ich daher ein Bild, das Peter Paul Rubens von diesem Geschehen gemalt hat. Besonders schön anzusehen ist das nicht.

Sein sechstes Kind war Jupiter. Diesem gelang es, sich zu wehren und Saturnus zu stürzen. 

Jetzt gibt es eine Abweichung zum Mythos der Griechen. Saturnus hatte eine Frau, die altrömische Götting Ops. Sie war zuständig für die Fruchtbarkeit und eine gute Ernte. Saturnus und Ops flohen nach Latium. 

Dort fanden Sie Zuflucht bei Janus, dem Gott des Anfangs und des Endes. Saturnus brachte den Einwohnern von Latium bei, wie man Äcker bestellte und eine gute Ernte einfahren konnte. So brachte er ihnen bei, wie sie sich versorgen konnten.

Die Verehrung des Saturnus durch die Römer

Entsprechend war der Gott Saturnus im antiken Rom sehr populär. Auf dem Forum Romanum errichteten sie einen beeindruckenden Tempel für Saturnus, dessen Ruinen wir heute noch sehen können. Er befindet sich am Fuß des kapitolinischen Hügels. Dort haben die Römer ihren Staatsschatz aufbewahrt. Einer anderen Gottheit wollten sie den wohl nicht anvertrauen.

Saturnus war auch die wohl fröhlichste und beliebteste Festivität der Römer geweiht, die Saturnalien. Die begannen in jedem Jahr am 17. Dezember und setzten sich über mehrere Tage fort. An den Saturnalien stand die Gesellschaftsordnung der Römer Kopf. Die Sklaven saßen bei Tische und wurden von ihren Herren bedient. Auf den Straßen wurde fröhlich und ausgelassen gefeiert. 

Am 23. Dezember war alles vorbei, so dass man am 25. Dezember die Feierlichkeit für Sol invictus (die unbesiegte Sonne) in Würde begehen konnte. In späteren Zeiten dehnten die Römer die Saturnalien aber bis zum 30. Dezember aus.

Ich denke, dass die Saturnalien sich in zwei Feierlichkeiten der Christen bis heute noch zu spüren sind. Einmal hat man die Geburt Christi auf den 25. Dezember datiert. Das machte den heidnischen Römern die Übernahme des neuen Glaubens vermutlich sehr leicht. Und alles, was ich über die Saturnalien weiß, erinnert mich doch sehr an den heutigen Karneval. Auch dort steht die Gesellschaftsordnung auf dem Kopf und alle Menschen feiern das.

Der Planet Saturn

Die Namensähnlichkeit des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems mit Saturnus kommt nicht von ungefähr. Schon die Menschen der Antike kannten ihn. Saturn ist der in der Antike bekannte Planet, der sich von der Erde aus betrachtet am langsamsten bewegt. 

Samstag ist bis heute der Tag des Saturnus

Die Römer hatten einen neuntägigen Zeitraum der Marktwoche. Diesen nannten sie Nundinum. Das möchte ich mit "Neuntagezeitraum" übersetzen, was vielleicht nicht ganz genau ist. Aber vom Ergebnis her passt es.

Aber damals war allerdings die so genannte Inklusivzählung üblich. Sowohl der erste als auch der Schlusspunkt der Woche zählten jeweils als einer, so dass der erste dieser Tage faktisch doppelt gezählt war. Geht es um "morgen", würden wir in unserem Zählverständnis von "in einem Tag" sprechen. Die Römer haben den ersten Tag aber mitgezählt, so dass "morgen" für sie in zwei Tagen ist.

Wie dem auch sei: Der erste Tag des Nundinum war der Tag des Saturnus. Das hat sich in einigen Sprachen als Bezeichnung für den Samstag bis heute erhalten, so im Englischen (Saturday), im Albanischen (e shtunë) oder im Niederländischen (Zaterdag). 

Man kann also guten Gewissens sagen, dass der Samstag in einigen Sprachen bis heute der Tag des römischen Gottes Saturn ist.

Montag, 6. Januar 2025

Das Museum August Kestner ist vom 20. Januar bis 31. März 2025 geschlossen

Das Museum August Kestner in Hannover ist vom 20. Januar 2025 bis einschließlich 31. März 2025 geschlossen. Am 1. April 2025 öffnet es seine Pforten wieder für das Publikum. Wer es vorher noch besuchen möchte, hat nicht mehr viel Zeit.
Museum August Kestner in Hannover
Museum August Kestner in Hannover
Der Grund für die Schließung ist der Umzug von Teilen des Museumsbestandes in das neue Sammlungszentrum der Stadt Hannover. Bisher gibt es viele Depots in der Stadt. Im neuen Sammlungszentrum sollen künftig mehr als eine Million Museumsstücke und Kulturgüter aus dem Sprengel Museum Hannover, dem Historischem Museum und Museum August Kestner lagern. Dazu gibt es eine ausführliche Pressemitteilung der Stadt Hannover.
Das Museum August Kestner ist im 1. Quartal 2025 mit dem Umzug dran. Ab dem 1. April 2025 öffnet es nach Plan seine Pforten wieder für die Besucher.

Samstag, 28. Dezember 2024

Kleine Läden, Kioske und ein Kafeneion in Athen

Als ich 2015 in Athen war, habe ich einige Straßenfotos gemacht. Die möchte ich gerne mit Euch teilen.

Rechts seht Ihr einen typischen kleinen Verkaufsstand für Obst und Gemüse.

Er war irgendwo in der Plaka von Athen.

Erst seit Ende der 1990er Jahre gibt es in Griechenland Discounter wie bei uns. Traditionell kaufen die Griechen ihre Lebensmittel aber nach wie vor gerne beim Händler um die Ecke ein. 

Das gilt nicht nur für die ländlichen Regionen.

Auch in den großen Metropolen ist das so.

Übrigens kaufen die Griechen nicht nur gerne in den Läden ein. 

Beliebt sind auch die Kioske. Man nennt die auch Períptero (Περίπτερο). Ursprünglich durften sie nur anbieten, was in den Kiosk selbst hineinpasst. Inzwischen haben viele ihr "Geschäft" mit Zelten ausgebaut. Manchmal sieht man regelrechte Märkte.

Das führt mich zu einer zweiten Institution in Griechenland.

Ich meine das Kafeneion (Καφενείο oder Καφενεῖον).

In Athen habe ich viele gesehen, die auch in Deutschland locker als ein schönes Café durchgehen würden. 

In den ländlichen Regionen ist das Kafeneion aber meist nach wie vor noch das, was es eigentlich ist. 

Ein Lokal, das am Hauptplatz eines Ortes liegt.

Seine Einrichtung ist oft minimalistisch. Einfache Tische aus Blech oder Holz, dazu die typisch griechischen Stühle. 

Diese nennt man auch Klismos. Diese Art der Stühle gab es schon in der Antike. Sie sind mittlerweile wieder in Mode und eigentlich überall zu finden, wo es um griechische Lebensart geht.

Das ist eigentlich alles, was ich Euch an dieser Stelle über meine Straßenfotos von Athen berichten möchte.

Natürlich gab es noch mehr Fotos. Die habe ich in ein kleines Video zusammengestellt. Viel Spaß beim Anschauen.



Sonntag, 15. Dezember 2024

Die Russisch-Orthodoxe Kirche von Wiesbaden

Auf dem Neroberg in Wiesbaden steht eine russisch-orthodoxe Kirche. Im Volksmund wird sie auch die griechische Kapelle genannt. Das hing damit zusammen, dass im 19. Jahrhundert alle orthodoxen Kirchen als Griechische Kirchen bezeichnet wurden. 

Die russisch-orthodoxe Kirche in Wiesbaden
Die russisch-orthodoxe Kirche in Wiesbaden
Entstanden ist dieses Gotteshaus zwischen 1847 und 1855. Auftraggeber war Herzog Adolf von Nassau. Er war mit der russischen Prinzessin Jelisaweta Michailowna verheiratet, deren Onkel waren die Zaren Alexander I und Nikolaus I. 

Adolf hatte die Prinzessin 1844 geheiratet. Sie wurde alsbald schwanger, starb aber bei der Geburt des Kindes.

Auch wenn eine Liebesheirat im Adel dieser Zeit nicht selbstverständlich war, muss Adolf seine Frau sehr geliebt haben. Er war sehr traurig. 

Luftaufnahme der russisch-orthodoxen Kirche in Wiesbaden - Foto von F. Roland A. Richter - www.frar.com
Luftaufnahme der Kirche
Daher beschloss er, für seine Frau eine Grabeskirche zu errichten. Mit Zustimmung von Zar Nikolaus I konnte er dafür das Geld aus der Mitgift seiner Frau verwenden.

Mit dem Bau der Kirche wurde der Oberbaurat Philipp Hoffmann beauftragt. Dieser fuhr zunächst nach Russland, um die Bauweise der russischen Kirchen vor Ort zu studieren. Dann wurde sie gebaut.

Am 25. Mai 1855 wurde die Kirche geweiht, und zwar der Heiligen Elisabeth, der Mutter von Johannes dem Täufer.

Im Oktober 2007 wurden die fünf goldenen Kuppeln aufwändig gereinigt und für ca. 500.000 Euro neu vergoldet. Bis heute hat diese Kirche eine lebendige Gemeinde und wird als Gotteshaus genutzt.