Donnerstag, 15. Januar 2026

Römische Marschlager aus dem 3. Jahrhundert in Sachsen-Anhalt entdeckt

 Archäologen haben in Sachsen-Anhalt römische Marschlager. Sie stammen aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert. Dass römische Truppen so tief in Germanien operiert haben, ist neu.

Von dem Fund habe ich aus einer Presseinformationen erfahren, die das Landesamt für Bodenpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am 15. Januar 2026 veröffentlicht hat. Diese Meldung gebe ich im Folgenden wieder. Die Bilder aus der Meldung mache ich kenntlich.

Aus historischen Quellen sind mehrere Vorstöße römischer Legionen bis an die Elbe bekannt. Bislang fehlten vom Gebiet Sachsen-Anhalts jedoch handfeste Beweise für die überlieferten Feldzüge. Zu erwarten waren insbesondere die hochstandardisierten Marschlager, die das römische Militär täglich nach Erreichen des Marschziels anlegte. 

Intensive Forschungen der letzten Jahre am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt haben nun erstmals Belege für römische Marschlager erbracht. Es handelt sich um die bislang nordöstlichsten römischen Lager im freien Germanien – eine archäologische Sensation, die wesentlich dem Einsatz ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und moderner Fernerkundungstechnik zu verdanken ist. 

 RÖMER AN ELBE UND SAALE 

 Ab 13/12 vor Christus versuchte Kaiser Augustus (Regierungszeit 27 vor Christus bis 14 nach Christus) die Stämme rechts des Rheins zu unterwerfen und deren Gebiete dem römischen Imperium einzugliedern.

Römisches Marschlager aus der Luft aufgenommen
Römisches Marschlager aus der Luft aufgenommen
(Bildquelle: Landesamt Sachsen-Anhalt)
(c) GeoBasis-DE, LVermGeo ST, Datenlizenz Deutschland

Über 30 Jahre hinweg erfolgten zahlreiche, letztlich vergebliche Versuche, das Gebiet bis zur Elbe zu einer römischen Provinz ›Germania Magna‹ zu machen. Mehrmals führten hierfür Feldzüge bis an Elbe und Saale. 

Neben schriftlichen Erwähnungen lassen sich die Vorstöße unter den Feldherren Drusus (9 vor Christus), Ahenobarbus (3 vor Christus) und dem späteren Kaiser Tiberius (5 nach Christus) archäologisch durch Münzfunde nachvollziehen, die etwa im Abstand von 20 Kilometern, entsprechend einem Tagesmarsch, auftreten. 

Neben den Münzen sind die eisernen Nägel der Legionärssandalen, die häufig verlorengingen, oft ein guter Hinweis auf die Präsenz römischer Legionäre. Der Feldzug des Jahres 9 vor Christus endete insofern tragisch, als Drusus, neben Tiberius einer der beiden Adoptivsöhne und designierter Nachfolger des Kaisers Augustus, der Überlieferung zufolge auf dem Rückzug von der Saale nach Mainz vom Pferd fiel und kurz darauf seinen Verletzungen erlag. 

 Nach der vernichtenden Niederlage in der Varusschlacht 9 nach Christus zogen sich die Römer aus dem rechtsrheinischen Gebiet zurück. Dabei kamen alle Bemühungen zum Ausbau der für die Verwaltung einer Provinz notwendigen Infrastruktur zum Erliegen und die anfänglich wohl sogar als Provinzhauptstadt konzipierte Römerstadt bei Lahnau-Waldgirmes in Mittelhessen wurde aufgegeben. 

 Das Verhältnis zwischen Römern und Germanen war in der Folgezeit bestimmt durch die Abwehr von Einfällen in das Römische Reich, nicht zuletzt in Form von Strafexpeditionen, aber auch durch wiederholte vertragliche Vereinbarungen und die Ansiedlung von Germanen auf römischem Boden sowie die Zahlung von Geldern als Gegenleistung für das Einhalten eines Friedens. 

 Ab dem 3. Jahrhundert nach Christus kam es im germanischen Raum zu grundlegenden Veränderungen. Neue Großstämme formierten sich, die ab dem Jahr 233 das Römische Reich massiv bedrohten. Aus literarischer Überlieferung ist bekannt, dass einige der römischen Feldzüge zur Abwehr der Bedrohung tief in germanisches Gebiet hineinführten. 

 Ein erster Vorstoß nach langer Zeit des Friedens führte Kaiser Caracalla (Regierungszeit 211 bis 217 nach Christus) zu den Albanern, die man als Bewohner an der Elbe (Alba) begreifen könnte, auch wenn seitens der Geschichtsforschung bislang nur Expeditionen des Kaisers im nahen Umfeld des Limes vermutet werden. Immerhin wurde für seinen Feldzug eigens in Dalkingen im heutigen Baden-Württemberg am Limes ein Prachttor mit Inschrift für den Eintritt ins Feindesland errichtet. 

 Ein weiterer Feldzug ist für Kaiser Maximinus Thrax (Regierungszeit 235 bis 238 nach Christus) im Jahr 235/36 nach Christus überliefert. Eine spätantike Quelle, die Historia Augusta, berichtet, dass der Kriegszug die Legionäre 300 bis 400 Meilen in germanisches Gebiet führte. Mit diesem Feldzug wird ein 2008 entdeckter Kampfplatz am Westrand des Harzes (Harzhorn, Landkreis Northeim, Niedersachsen) in Verbindung gebracht. 

Augustus
Augustus
Die Schriftquellen bieten nur ein sehr unzulängliches Bild der römischen Feldzüge ins innere Germaniens. Archäologischen Entdeckungen kommt daher besondere Bedeutung zu. Bislang fehlten in Sachsen-Anhalt bauliche Zeugnisse für die Truppenbewegungen römischen Militärs bis zur Elbe wie insbesondere Marschlager. 

Römische Lager waren hochstandardisierte Anlagen. Die übliche rechteckige Lagerumwehrung besaß abgerundete Ecken. 

Von den Toren führten die rechtwinklig angelegten Lagerhauptstraßen ins Innere der Anlage. Am Kreuzungspunkt dieser Straßen lag das Stabsgebäude, die Principia. 

Ein charakteristisches Merkmal der Marschlager ist das sogenannte Titulum – ein den Tordurchlässen vorgelagertes Grabensegment mit Wall. 

 Intensive Forschungen der letzten Jahre haben nun erstmals Hinweise auf römische Marschlager zwischen Nordharz und Elbe erbracht – eine archäologische Sensation, die wesentlich dem Einsatz ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und moderner Fernerkundungstechnik zu verdanken ist. 

Denn die standardisierten Grundrisse lassen sich gut von anderen im Luftbild erfassten prähistorischen Befunden abgrenzen. 

 RÖMISCHE MARSCHLAGER IN SACHSEN-ANHALT 

 Bereits im Jahr 2020 gelang dem ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpfleger Michael Barkowski anhand eines Satellitenbilds der Nachweis eines potenziellen Marschlagers bei Aken (Aken 1; Landkreis Anhalt-Bitterfeld). 

Das freie Germanien im Bereich des heutigen Sachsen-Anhalt
Das freie Germanien im Bereich
des heutigen Sachsen-Anhalt
(Bildquelle: Landesamt Sachsen-Anhalt)
(c) Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologie Sachsen-Anhalt,
Klaus Pockrand, Nora Seeländer

Bei einer gezielten Befliegung durch den Luftbildarchäologen Ralf Schwarz vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt konnten in der Folge die südwestliche Ecke des mutmaßlichen Lagers sowie die durch ein Annäherungshindernis in Form eines Titulums geschützte Grabenunterbrechung auf der südlichen Längsseite bestätigt werden. 

Im Jahr 2023 gelang es dem Archäologen Martin Freudenreich, in digitalen Ortholuftbildern des Landesamts für Vermessung und Geoinformation ein weiteres potenzielles Marschlager bei Trabitz (Salzlandkreis) zu identifizieren. 

Die Strukturen wurden wenig später auch durch den ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpfleger René Hoffmann erkannt und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt gemeldet. Zwischen Juni und Dezember 2024 konnten wiederum von Martin Freudenreich bei Aken (Aken 2) und Deersheim (Landkreis Harz) noch zwei weitere potenzielle Lager in digitalen Orthofotos identifiziert werden. 

Hier gaben sich nicht nur die schnurgeraden Grabenverläufe der Lagerseiten, sondern ebenso die für römische Marschlager charakteristischen gerundeten Grabenecken zu erkennen.

METALLSONDIERUNGEN UND AUSGRABUNGEN 

 Um die aus den Luftbildern gewonnenen Indizien weiter zu erhärten, erfolgten großflächige geophysikalische Messungen und systematische Begehungen der mutmaßlichen Lager gemeinsam mit ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpflegern. 

römische Münzen, gefunden in Sachsen-Anhalt
römische Münzen, gefunden in Sachsen-Anhalt
(Bildquelle: Landesamt Sachsen-Anhalt)
(c) Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologie Sachsen-Anhalt, 
Anika Tauschensky

Im Rahmen der Metallprospektionen wurden über 1.500 Einzelfunde detektiert und eingemessen. Bei einem Großteil der Funde handelt es sich um Objekte aus Eisen, wobei der Anteil an deutlich erkennbarem modernem Material als verhältnismäßig gering bezeichnet werden kann. Auffallend ist die hohe Anzahl an Nägeln und Bolzen. 

Auch mehrere Fibelfragmente und Münzen, die bei der Datierung der Fundplätze helfen, wurden geborgen. Anhand der geophysikalischen Messungen konnten die aus den Luftbildern gewonnenen Informationen nicht nur bestätigt, sondern substanziell erweitert werden. 

Während in Deersheim die gesamte Anlage im Messbild erfasst wurde, gelang in Trabitz der Nachweis eines weiteren Titulums und einer gerundeten Grabenecke. Zur weiteren Absicherung der Befundinterpretation erfolgten in den Sommern 2024 und 2025 gezielte Ausgrabungen an den jeweiligen Fundplätzen. In Aken 1 wurde auf einer Fläche von 10 mal 7 Metern der noch bis zu 1,75 Meter breite und 1,55 Meter tiefe Graben erfasst. 

Er zeigt die charakteristische V-Form eines römischen Spitzgrabens. Auch in Aken 2 wurde ein charakteristischer Spitzgraben mit einer Breite von 1,8 Metern und einer Tiefe von 1,5 bis 1,6 Metern festgestellt. Im Südosten wurde zudem das Ende des Grabens (Grabenkopf) beziehungsweise der Teil einer Grabenunterbrechung dokumentiert. 

Genau hier wurde bereits im Vorfeld der Grabung aufgrund der vorausgehenden Untersuchungen der westliche Zugang ins Lagerinnere vermutet. In Trabitz gelang mit einem Grabungsschnitt von 10 mal 3,5 Metern ebenfalls der Nachweis eines Spitzgrabens – hier 1,7 Meter breit und 1,2 Meter tief. In Deersheim war der sehr gut erkennbare Spitzgraben bei einer ursprünglichen Breite von 1,5 bis 1,7 Meter nur etwa einen Meter in den Verwitterungshorizont des anstehenden Kalksteins eingetieft.

HISTORISCHE EINORDNUNG UND AUSBLICK

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse konnten den anfänglichen Verdacht, dass es sich bei den in Luftbildern entdeckten Grabenstrukturen um Reste römischer Marschlager handelt, bestätigen. 

Dabei sprechen die gegenwärtig vorliegenden Funde sowie eine Reihe von Radiokarbondaten für eine Entstehung der Lager bei Aken, Trabitz und Deersheim zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus. Unter den Münzfunden aus Trabitz bildet ein Caracalla-Denar die Schlussmünze. 

Denkbar wäre demnach eine Anlage in Zusammenhang mit einem Feldzug unter Caracalla im Jahr 213 nach Christus. Die annähernd gleichen Maße beim potenziellen Lager Aken 2 lassen eine zeitliche Nähe zur Anlage bei Trabitz vermuten. Die Forschungen an den neu entdeckten römischen Marschlagern werden vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit hoher Intensität fortgesetzt und versprechen vollkommen neue Erkenntnisse zur Präsenz römischer Truppen im Mittelelbe-Saale-Gebiet. 

Sollte sich herausstellen, dass die Feldzüge in die Zeit des Kaisers Caracalla fallen, dann bedürften auch die Vorstellungen der Historiker – die die Germanenkriege des Caracalla nur im unmittelbaren Vorfeld des Limes verorten – einer Revision.

Freitag, 9. Januar 2026

Minerva

Ich kann Dir gar nicht genau sagen, weshalb ich Minerva als eine ganz besondere Göttin im römischen Pantheon empfinde. Sie war zuständig für Weisheit, Künste und Strategie. Diese Kombination hatte schon etwas.

Minerva (Darstellung auf Jupiter-Säule, Archäologisches Museum Frankfurt)
Minerva (Darstellung auf Jupiter-Säule)
Archäologisches Museum Frankfurt

Minerva ist eine der bedeutendsten Gottheiten der römischen Mythologie. Sie war eine zentrale Figur im römischen Pantheon. Ihre Verehrung verband religiöse Frömmigkeit mit intellektueller Hochachtung. Minerva wurde nicht nur als kämpferische Schutzgöttin Roms verehrt, sondern auch als Patronin von Dichtern, Philosophen, Lehrern und Handwerkern.

Minerva ist die römische Göttin der Weisheit, der Handwerker und der klugen Kriegsführung. 

In der römischen Überlieferung gilt Minerva als Tochter des Jupiter und der Titanin Metis. Oft setzt man sie mit Athene im griechischen Pantheon gleich.

Die Legende erzählt, dass sie auf ungewöhnliche Weise geboren wurde. Auf die Welt kam sie aus dem Kopf des Jupiter. 

Dieser Mythos betont ihre Verbindung zu Verstand und Weisheit, weil sie „aus dem Kopf“ des obersten Gottes kommt, und nicht wie ein gewöhnliches Kind aus dem Schoß der Mutter.

In vielen Geschichten tritt Minerva als Beschützerin der Handwerker, Künstler und klugen Krieger auf. Sie hilft Erfindern und Lehrern und steht für kluge Planung statt roher Gewalt. In einigen Erzählungen wird sie mit dem Wettstreit gegen andere Götter oder Menschen verbunden: so gibt es Mythen, in denen sie handwerkliche Kunst prüft und auch Strafen verhängt, wenn jemand überheblich ist. Die Geschichte von Arachne, die sich mit der Göttin im Weben misst und dafür verwandelt wird, ist ein bekanntes Beispiel für die Betonung von Kunst, Stolz und göttlicher Gerechtigkeit — diese Erzählung wird in römischen und griechischen Quellen überliefert und zeigt Minervas Rolle als Hüterin der Künste.

Minerva und ihre griechische Entsprechung

Im griechischen Pantheon entspricht Athene (auch Pallas Athene) weitgehend Minerva: beide sind Göttinnen der Weisheit, des Handwerks, der Strategie im Krieg und der Künste. Gleichheiten: Beide tragen oft Helm und Speer, werden mit der Eule als Symbol der Weisheit verbunden und schützen Städte, Handwerker und kluge Denker. 

Es gibt aber auch Unterschiede. Im Rom hat Minerva eine stärkere Verbindung zu bestimmten römischen Institutionen und Festen. Auch hat man ihren Kult mit etruskischen Elementen (Menrva) verschmolzen. 

Athene dagegen ist tief in griechische Mythen und Stadtlegenden eingebettet. Ein Beispiel ist der Wettstreit mit Poseidon um Athen. Athene hat eine ausgeprägte lokale Identität. 

Montag, 15. Dezember 2025

Mumie zweier Entenschnabelsaurier gefunden

 Die Tageszeitung berichtet vom Fund der Mumie eines Entenschnabeldinosuriers. Genau genommen handelt es sich um einen Edmontosaurier.

Mumie des Edmontosauriers (Bildquelle: Tageszeitung / Foto: Tyler Keillor / Fossil Lab)
Mumie des Edmontosauriers
Bildquelle: Tageszeitung
Foto: Tyler Keillor / Fossil Lab
Der Name des Entdeckers is Paul Sereno. Er hat gleich zwei Dino-Mumien entdeckt, die rund 66 Millionen Jahre alt sind. Gefunden hat er sie in Wyoming in den USA. 

Die beiden Saurier waren Jungtiere. Sie sind während einer Dürre gestorben. Kurz danach muss es eine Springflut gegeben haben. Die beiden Kadaver wurden von Sedimenten überspült. Das war für die Tiere natürlich sehr tragisch. Für die Wissenschaft war das aber ein Glücksfall. Denn so entstanden die perfekten Rahmenbedingungen, dass die Kadaver die Zeiten bis heute überdauert haben.

Diese Edmontosaurier haben in gewaltigen Herden gelebt. Ernährt haben sie sich vom Gras der Steppe. Dementsprechend nennt man sie auch „Kühe der Kreidezeit“.

Was faszinierend ist: Viele Illustratoren haben diese Tiere bisher mit Hufen dargestellt. Das war Fantasie, angeregt durch die Lebensweise. Beweise gab es dafür bisher nicht.

Bisher. Dank des neuen Funds steht jetzt fest, dass die Edmontosaurier wirklich Hufe hatten.

Auch wissen wir jetzt mehr über ihren Körperbau. Die Haut war von winzig kleinen Schuppen überzogen. Die waren zwischen 2 und 3 mm groß. 

Und vom Kopf bis zum Rumpf trug der Edmontosaurier einen Hautkamm. Von der Hüfte bis zur Schwanzspitze trug er Stacheln. Wahrscheinlich diente das weniger der Verteidigung sondern eher dem Erkennen von Artgenossen oder der Balz.

Montag, 1. Dezember 2025

Amphoren waren Tetrapak und Seeconainer der Antike in einer Funktion

Zu allen Zeiten brauchte man vernünftige Behälter, um Waren verpacken und über eine große Strecke transportieren zu können. In der Antike waren das die Amphoren.

Vom Meeresgrund geborgene Amphoren im Archäologischen Museum Poros
Vom Meeresgrund geborgene Amphoren
im Archäologischen Museum Poros

Amphoren waren das Tetrapak und der Seecontainer der Antike in Einem. Zugleich gibt es unglaublich fein gearbeitete und schön verzierte Amphoren. Die Amphore war also mehr als als nur ein Gebrauchsgegenstand.
Auf dem Bild zu diesem Beitrag seht Ihr Amphoren, die vom Meeresgrund geborgen worden sind. Sie sind heute im Archäologischen Museum auf der Insel Poros zu sehen. Viele andere, auch kleinere Museen zeigen ganz ähnliche Artefakte. Inzwischen dürfen Taucher auch zu Wracks aus der Antike herabsteigen. Die größte Sorge des griechischen Staates war früher, dass die Leute gefundene Amphoren einfach bergen und mitnehmen. Inzwischen ist so viel Vertrauen zu örtlichen Tauschulen vorhanden, dass der Staat begleiteten Tauchgängen zu solchen Wracks nunmehr zustimmt.

Für mehr Informationen lies meinen Beitrag über Amphoren als Transportgefäß im Hellas Blog.

Samstag, 1. November 2025

Die Affen von Akrotiri

In Akrotiri auf Santorin hat man Fresken gefunden, die Affen zeigen. Die Bilder stammen aus der Zeit vor der großen Eruption, sind also ca. 3600 Jahre alt. 

Die Affen von Akrotiri
Die spannende Frage lautet: Woher kamen diese Affen?

Da solche Tiere weder auf Santorin noch sonst im Griechenland der Bronzezeit lebten, mussten die Menschen sie von woanders her kennen. 

Lange Zeit nahmen die Wissenschaftler an, dass es sich um afrikanische Affen handeln müsse. Schließlich hatte Santorin vielfältige Beziehungen nach Ägypten. 

Aber anderen Wissenschaftlern ist aufgefallen, dass die Haltung der Schwänze nicht passt. Die sieht man bei einer Affenart, die im Industal und am Rande des Himalaya lebt. 

Die spannende Erkenntnis ist: dorthin muss es in der Bronzezeit Beziehungen gegeben haben. Sonst hätten die Künstler diese Fresken nicht malen können. 

Mehr über die Affen von Akrotiri lest im Hellas Blog. 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Video zum Jaguar Tempel in Lamanai (Belize)

Anfang 2023 habe ich einen längeren Artikel über den Jaguar Tempel in Lamanai veröffentlicht. 

Heute möchte ich Euch auf ein kleines Video hinweisen, dass ich über den Jaguar-Tempel gemacht habe:



Mittwoch, 1. Oktober 2025

Vorbeifahrt an Poros

Kennt Ihr die Insel Poros im Saronischen Golf? Ich mag sie sehr, zumal ich dort mehrere Urlaube verbracht habe. Hier habe ich ein Kurzvideo von Euch, das ich beim Vorbeifahren aufgenommen habe:



Montag, 15. September 2025

Die Portara auf der Insel Naxos

 Sie ist die wahrscheinlich berühmteste Bauruine der Welt: Die Portara auf der Insel Naxos.

Die Portara von Naxos
Die Portara von Naxos

Sie gilt als das Wahrzeichen der Insel Naxos schlechthin: Die Portara.

Wie der aus dem lateinischen Wort Porta (deutsch: Tür, Eingang) hergeleitete Name dieses Bauwerks vermuten lässt, war die Portara ursprünglich als Zugang zu einem Gebäude geplant. Und zwar zu einem Tempel für Apollo, den der damalige Tyrann von Naxos bauen lassen wollte. Sein Name war Lygdamis. Als er abgesetzt war, fand sich niemand, der den Bau fortsetzen wollte.

Der bereits begonnene Tempelbau diente als Steinbruch, so dass er weitgehend verschwunden ist. Nur die Steine der geplanten Tempeltür waren für den Abtransport zu schwer. 

So kommt es, dass die Portara heute noch an Ort und Stelle steht. Sie hat sich immerhin zum Wahrzeichen von Naxos gemausert. Und wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, dann lies gerne den Beitrag zur Portara im Hellas Blog.

Juli 2025: ein Vorfall verändert die Portara 

Im Juli 2025 macht ein Vorfall die Runde, erst in sozialen Medien und dann überall. Im Hellas Blog habe ich darüber geschrieben. 

Ein Tourist hebt einen etwa 2.500 Jahre alten Stein hoch. Damit lässt er sich fotografieren und - Angeber, der er ist - postet das in sozialen Medien. 

Er dachte vermutlich, damit ist er der Held.

Alle, die das sahen, haben einen Vollidioten gesehen. 

Konsequenz: Wachen sind jetzt an der Portara. Ein Bauzaun wurde provisorisch aufgestellt. Und ich vermute,  dass es im nächsten Jahr definitiv Maßnahmen gibt, um solch einen Vorfall für die Zukunft zu unterbinden. 

Montag, 1. September 2025

Der Hannover Amun

Im Museum August Kestner in Hannover könnt Ihr in der Ägyptischen Sammlung eine beeindruckende Statue des ägyptischen Gottes Amun sehen.

Hannover Amun
Hannover Amun
Die Statue stammt aus dem Totentempel des Pharao Mentuhotep II. Sein Name wird auch Montuhotep geschrieben. 

Dieser Parao der 11. Dynastie regierte sein Reich imposante 51 Jahre lang. Er herrschte von 2061 vor Christus bis 2010 vor Christus. Diese Regentschaft ist im Königspapyrus von Turin belegt und darf deshalb als gesichert gelten.

Meiner Meinung nach war Mentuhotep II. ein sehr bedeutsamer Pharao. Zwischen seinem 30. und seinem 39. Lebensjahr gelang es ihm, ganz Ägypten unter seiner Herrschaft zu einigen. Das war auch aus seiner Sicht sehr wichtig. Denn er änderte seinen Horusnamen in Schema-taui, was so viel wie Vereiniger beider Länder bedeutet. Gemeint sind natürlich Ober- und Unterägypten.

Natürlich benötigte auch Mentuhotep II. einen Totentempel. Diesen ließ er auf dem Thebanischen Westufer im Talkessel von Deir el-Bahai errichten. Leider ist dieser aufgrund späterer Nutzungen und einem Bergsturz nicht gut erhalten.

Amun ist eine sehr facettenreiche Gottheit der alten Ägypter. Unter anderem galt er als der Schöpfer von Allem, oberste Gottheit und Sonnengott. Aber auch der Krieg war seine Angelegenheit. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Mythologie der Ägypter in Bezug auf Amun immer wieder mal ein wenig. 

Die Statue des sitzenden Amun

Der Hannover Amun besteht aus Kalzit. Entstanden ist er um 1300 v.Chr., also deutlich nach der Lebzeit des Mentuhotep II. Ursprünglich war die Skulptur bemalt. Im Museum August Kestner ist sie als Leihgabe der Fritz Behrens Stiftung zu sehen.

Man hat diese Figur 1859 bei Grabungen am Tempel gefunden. Seit 1972 ist befindet sie sich im Museum August Kestner. Eine ausführliche Beschreibung findet Ihr auf der Seite von Piepo Restaurierung Hannover, auf die ich Euch zum Abschluss dieses Beitrags hinweisen möchte.

Montag, 18. August 2025

Ichthyosaurus

Der Ichthyosaurus lebte während des Unterjura, also vor etwa 201 bis 190 Millionen Jahren. In gewisser Weise kann man sagen, dass er ein "Europäer" ist. Fundorte seiner Fossilien liegen in Belgien, Deutschland, England und der Schweiz. Vermutlich starb er infolge klimatischer Veränderungen aus. 

Der Ichthyosaurus gehört zur Gruppe der Ichthyosaurier. Diese Reptilien waren vollständig an das Leben im Wasser angepasst. Sowohl die Gattung als auch der Ichthyosaurus selbst beziehen ihren Namen aus der griechischen Sprache. Das Wort ichthys (ἰχθῦς) bedeutet Fisch und sauros (σαῦρος) bedeutet Echse.

Die Ichthyosaurier sind keine Dinosaurier. Ihre Gattung gehört zu den Meeresreptilien, die sich aus Amphibien entwickelt haben, die im frühen Trias lebten.


So lebte der Ichthyosaurus

Der Ichthyosaurus war ein hochspezialisierter Meeresräuber. Er bevorzugte Küsten- und Tiefseegebiete. Seine Lebensweise ist ähnlich der heutiger Delfine. Ich finde, dass er einem Delfin auch etwas ähnlich sieht. Beide Meeresbewohner sind aber nicht miteinander verwandt.

Ichthyosaurus
Ichthyosaurus
(generiert von ChatGPT)
Wie genau der Ichthyosaurus lebte, wissen wir bislang nicht. Dafür gibt es zu wenige Funde. Indizien legen nahe, dass er möglicherweise in Rudeln gelebt hat.

Die Wissenschaft hat klären können, dass Ichthyosaurier ihre Jungen lebend zur Welt gebracht haben. Das ist belegt durch Fossilien, bei denen Jungtiere im Körper ihres Elterntiers konserviert sind. 

Der Ichthyosaurus konnte 3 m lang werden. Das größte gefundene Exemplar brachte es auf stolze 3,30 m. Forscher schätzen, dass der Ichthyosaurus zwischen 10 und 15 Jahre alt geworden sein könnte.

Der Ichthyosaurus war ein Jäger. Ernährt hat er sich von Fischen, Weichtieren und kleinen Meeresreptilien. Das ist durch Fossilienfunde im Bauchraum belegt.

Wie bereits erwähnt, gehörte der Ichthyosaurus zur Gattung der Ichthyosaurier. Die wies deutlich größere Vertreter auf als ihn, die auch Jäger waren. Nicht nur große Ichthyosaurier bedrohten den Ichthyosaurus. Auch der Pliosaurier machte Jagd auf ihn.


Fossilienfunde des Ichthyosaurus

Fossilien des Ichthyosaurus hat man bisher ausschließlich dort gefunden, wo heute der Kontinent Europa liegt. Daraus kann man aber nicht schließen, dass er nur hier gelebt hätte. Die Fundsituation ist zu schwach, um belegbare Aussagen zu seinem Lebensraum machen zu können. 

Das erste komplette Skelett eines Ichthyosaurus hat ein erst 12 Jahre altes Mädchen namens Mary Anning im Jahr 1811 gefunden. Das war an der Jurassic Coast im Süden Englands. Der Fossile Beach bei Lyme Regis ist bis heute bekannt für seine vielen Fossilien. Im Jahr 1812 fand sie dann das restliche Skelett. Sie gilt damit als der erste Mensch, der ein vollständiges Skelett eines Ichthyosaurus gefunden hat.

Für Mary Anning war dieser Fund entscheidend für den weiteren Lebensweg. Sie blieb fasziniert von den Tieren der Urzeit und gilt als eine der ersten Paläontologinnen überhaupt.

Wer die Funde von Mary Anning sehen möchte, sollte im Natural History Museum in London und im Oxford University Museum of Natural History vorbeischauen. Auf der Seite des Museums von Oxford gibt es auch interessante Informationen zu Mary Anning.


Mein Fazit

Der Ichthyosaurus ist ein marines Reptil des Jura. Ich finde die Ähnlichkeit zu den heutigen Delfinen wirklich frappierend. Dinosaurier sind ein spannender Aspekt der Paläontologie. Das gilt auch für andere Tiere aus ihrer Zeit wie den Ichthyosaurus.

Ein Bonmot am Rande: Joseph Victor von Scheffel schrieb ein Gedicht Der Ichthyosaurus. Es wird nach der Weise des Loreley-Liedes gesungen und steht bis heute im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch.

Ansonsten hat er es nur bedingt in die Hitlist der populären Urzeittiere geschafft. In naturkundlichen Produktionen der BBC über die Urwelt taucht er immer wieder mal als ein Beispiel für maritime Reptilien auf.


Veröffentlichungen zu Ichthyosauriern

Auch wenn Ichthyosaurier vielleicht keine Popstars der modernen Unterhaltungskultur sind, sind sie doch für die wissenschaftliche Forschung von Interesse.

Hier sind einige wissenschaftliche Publikationen über Ichthyosaurus (und nahe Verwandte). Durch Klick auf den jeweiligen Link könnt ihr ein Abstract und dort ggf. auch die Veröffentlichung selbst aufrufen.

  1. Dean R. Lomax & Judy A. Massare
    Two new species of Ichthyosaurus from the lowermost Jurassic (Hettangian) of Somerset, England
    2017, Papers in Palaeontology
  2. Dean R. Lomax & Sven Sachs,
    On the largest Ichthyosaurus: A new specimen of Ichthyosaurus somersetensis containing an embryo
    2017, Acta PalaeontologicaPolonica
  3. Feiko Miedema, Dylan Bastiaans, Torsten M. Scheyer et al.
    A large new Middle Jurassic ichthyosaur shows the importance of body size evolution in the origin of the Ophthalmosauria
    2024, BMC Ecology andEvolution
  4. Henrik Stöhr & Ingmar Werneburg
    The Tübingen collection of ichthyosaurs from the Lower Jurassic (Lower Toarcian) Posidonienschiefer Formation of Württemberg: a historical and curatorial perspective
    2022, Palaeodiversity
  5. Marta S. Fernández, Lisandro Campos, Agustina Manzo & Evangelos Vlachos
    Bone Connectivity and the Evolution of Ichthyosaur Fins
    2024, Diversity
  6. Michael W. Maisch, Achim G. Reisdorf & Rudolf Schlatter
    A large skull of Ichthyosaurus (Reptilia: Ichthyosauria) from the Lower Sinemurian (Lower Jurassic) of Frick (NW Switzerland)
    2008, Swiss Journal ofGeosciences
  7. Nathan Bardet & Marcelo Fernández
    A new ichthyosaur from the Upper Jurassic lithographic limestones of Bavaria
    2015, Journalof Paleontology
  8. Torsten M. Scheyer & Markus Moser
    Survival of the thinnest: rediscovery of Bauer’s (1898) ichthyosaur tooth sections from Upper Jurassic lithographic limestone quarries, south Germany
    2011, Swiss Journal ofGeosciences
  9. Valentin Fischer et al.
    New ophthalmosaurid ichthyosaurs from the European Lower Cretaceous demonstrate extensive ichthyosaur survival across the Jurassic–Cretaceous boundary
    2012, PLoS ONE

Wenn Du Dich für den Ichthyosaurus und seine Gattungsgenossen interessierst, kommst Du hier auf den wissenschaftlich aktuellen Stand der Forschung.