Samstag, 22. November 2014

Telematik für Menschen?

Versicherungswirtschaft Heute berichtet von einem Versicherer, der Telematik für Patienten fördert. Hier dürfte es um die Krankenversicherung gehen. Die Versicherungsnehmer spielen sich eine App auf das Smartphone, welche die sportlichen Aktivitäten an den Versicherer berichtet. Der belohnt sie durch günstigere Tarife.

Konkrete Ramenbedingungen sind bislang nicht bekannt. Es gibt ja auch schon reichlich Apps, mit denen Bekannte von mir ihre Wanderungen oder Langstreckenläufe aufzeichnen und auf Facebook mit anderen teilen.

Ich persönlich möchte aber nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden. Meine Forderung, dass es zur Telematik eine gesellschaftliche Diskussion geben muss, möchte ich daher an dieser Stelle wiederholen. So warb ein Vorstand eines großen Rückversicherers bereits für Big Data bei Patienten.

Das finde ich persönlich sehr weitgehend. Und diese Diskussionen bestärken mich in meiner Entscheidung, dass ich nicht privat voll krankenversichert sein möchte.

ADAC: Umbau des Clubs geplant?

Der SPIEGEL berichtet, dass der ADAC einen Umbau seiner Organisation plane. Er wolle sich stärker der Kontrolle durch Externe unterwerfen.

Erste Schritte sind bereits deutlich geworden. So wird der ADAC sich aus dem Fernbusmarkt zurück ziehen. Das teilt der Club auf seiner Homepage mit. Ob das wirklich mit der Neuausrichtung des Clubs zu tun hat oder damit, dass sich die wirtschaftlichen Erwartungen an das Engagement im Fernbusmarkt nicht erfüllen, kann ich nicht beurteilen.

Der ADAC kündigt an, dass auf der Hauptversammlung am 06.12.2014 in München mehr über die Neuausrichtung des Clubs bekannt gegeben wird. Mit einer Bewertung der Sache halte ich mich bis dahin zurück.

Freitag, 7. November 2014

HIS ist notwendig - Betrugsbekämpfung erst recht!

Vorgestern habe ich über eine Datenpanne im Hinweis- und Informationssystem (HIS) berichtet. Ich finde es wichtig, dass darüber öffentlich gesprochen wird. Insofern bin ich denjenigen, die das aufgedeckt haben, persönlich dankbar.

Allerdings muss man auch eine Lanze für das HIS brechen. Zur Betrugsbekämpfung ist es notwendig.

Betrug ist ein sehr großes Problem. Die Wirtschaftswoche hat dem Thema einen fünfteiligen Bericht gewidmet:
Das Problem Betrug ist aber deutlich komplexer. Wenn Werkstätten ihren Kunden bei Kaskoschäden z.B. die Selbstbeteiligung erlassen und dies dem Versicherer nicht mitteilen, ist die Grenze zum Betrug schon erreicht.

Die Betrüger sind hier nicht die Kunden oder Geschädigten, die einen Versicherungsfall vortäuschen um an Geld zu kommen. Die Betrüger sind hier Werkstätten, die bei einem echten Versicherungsfall der Versicherung einen höheren Schaden vortäuschen als er den Kunden tatsächlich entstanden ist.

Das HIS ist ein Instrumentarium, um betrugsrelevante Sachverhalte zu erkennen. Was aber letzten Endes zählt ist das Knowhow des Sachbearbeiters, der Indizien erkennt und den Fall darauf untersucht, ob Betrug vorliegt oder nicht.

Experten gehen von ca. 10% Schaden durch Betrug in der Schaden- und Unfallversicherung aus. Der GDV meldet, dass der Schaden bei ca. 4 Milliarden € liege. Dieses Geld ist von den ehrlichen Kunden aufzubringen. Ich sehe die Versicherer in der Verantwortung gegenüber ihren Kunden, Betrug zu bekämpfen und wenn möglich auch zu verhindern.

Mittwoch, 5. November 2014

HIS: Panne bei neuem Betreiber

Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) ist in der Vergangenheit immer wieder in der kritischen Diskussion gewesen. 2010 sprach die Süddeutsche Zeitung von einer Schwarzen Liste, die geführt werde. Datenschützer schritten ein.

Dass die HIS-Datenbank geführt wird, ist aus Gründen der Betrugsbekämpfung (schöngeredet spricht man lieber von "Leistungsmissbrauch") notwendig. Was unter welchen Voraussetzungen und dann wie lange gespeichert werden darf, muss sich streng am Bundesdatenschutzgesetz orientieren. 

Die Versicherungswirtschaft hat ihre Lehren aus der öffentlichen Kritik gezogen. Sie hat einen Code of Conduct zum Datenschutz (CoC) verabschiedet, dem sich die meisten Unternehmen angeschlossen haben. Die selbstauferlegten Regeln sind teils noch strenger als das Bundesdatenschutzgesetz. Und sie sind verpflichtend. Kein dem CoC angeschlossenes Unternehmen kann da etwas anderes sagen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) führt die HIS-Datenbank heute auch nicht mehr selbst. Das ist auf ein externes Unternehmen verlagert worden, konkret auf die zur Bertelsmann Gruppe gehörende Informa GmbH.

In Artikel 14 des CoC gibt es darin eine Passage auch zum HIS. In Absatz 7 heißt es im Satz 1:
Die im HIS gespeicherten Daten werden spätestens am Ende des 4. Jahres nach dem Vorliegen der Voraussetzung für die Einmeldung gelöscht
Danach folgen noch sehr enge Ausnahmen, wann einmal eine längere Speicherdauer erlaubt sein kann. Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet nun von einem Fall, infolge dessen eine "Datenpanne" herausgekommen ist. Aufgedeckt hat diesen Sachverhalt Matthias Helberg, ein Versicherungsmakler. Einer seiner Kunden war mit 2006 eingemeldet worden. Nach der Vierjahresfrist im nunmehr geltenden CoC hätte also 2010 die Löschung erfolgen müssen.

Dirk Fisser von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtet,  dass Informa eine Panne habe einräumen müssen. Bei der Übertragung von Altdaten seien teilweise die Löschfristen mit den (damals geltenden) 10 Jahren und nicht mit den nach dem CoC geltenden 4 Jahren ins neue HIS-System übernommen worden. Es konnte nicht genau ermittelt werden, wie viele Gemeldete von dieser Panne betroffen sind.

Wer sich fragt, ob er persönlich im HIS gespeichert ist, kann einmal im Jahr dazu bei Informa kostenlos eine Selbstauskunft anfordern.


Dienstag, 4. November 2014

Der Tod tippt mit: Ergänzgung meines Blogbeitrages

Zum Tippen von Textnachrichten während des Autofahrens habe ich kürzlich einen Beitrag hier im Blog geschrieben.

Ein Leser war so freundlich und hat mich darauf hingewiesen, dass in der ADAC-Motorwelt 9/2014, Seite 28 f. ein Beitrag genau zu dem Thema veröffentlicht wurde. Dafür möchte ich mich bedanken. Der ADAC hat den Beitrag auch im Internet veröffentlicht - er ist wirklich gut!

Sijox: Pay-as-you-Drive-Angebot gezielt für junge Fahrer

Die Signal-Iduna Versicherung vertreibt unter der Marke Sijox ein Versicherungsangebot, das sich speziell an Leute unter 30 wendet. Für die Kfz-Versicherung gibt es dabei erhebliche Nachlässe, wenn die Kunden sich einer elektronischen Auswertung des Fahrstils unterwerfen. Der Spiegel nennt das ein Sparen per Daten-Striptease.

Die technische Einrichtung wird so beschrieben. Die Kunden schließen eine Mini-Sendestation an die Diagnose-Schnittstelle ihres Autos an.Das Gerät meldet die Fahrzeugdaten an eine Smartphone-App, die aus den Werten eine Kennzahl für den Fahrstil errechnet. Daraus errechnet die Versicherung einen Score, nach dem sich wiederum die Beitragshöhe berechnet.

Belohnt wird also ein umsichtiger Fahrstil, rücksichtsloses Rasen wird im Umkehrschluss über die Versicherungsprämie bestraft.

Sijox stellt die Details zu seinem Produkt hier im Internet bereit. Leider finde ich da aber keine Details zur elektronischen Überwachung. Mal ganz praktische Frage: mein Akku ist leer oder ich habe mein Smartphone nicht dabei. Dann funktioniert die Überwachung nicht. Darf ich dann nicht fahren oder doch? Vermutlich darf ich fahren (die Versicherung an sich ist ja in Ordnung), aber hat die Nicht-Aufzeichnung Auswirkungen auf meinen Score?
 Meine recht kritische Meinung zu Pay-as-you-Drive-Tarifen habe ich schon an anderer Stelle dargelegt. Bei der bleibt es auch. Sijox geht einen etwas anderen Weg als das, was mir bislang zu dem Thema bekannt war. Ich bin mal gespannt, wie die Sache am Markt ankommt.

Samstag, 1. November 2014

Mann sägt sich Finger ab - Versicherungsbetrug?

Am 16.10.2014 berichtete SHZ.de von einem Prozess vor dem Amtsgericht Norderstedt. Dem Angeklagten wurde der Vorwurf des Versicherungsbetruges gemacht. Er verlor an einer Kreissäge Daumen und Zeigefinger und wollte ca. 1,4 Millionen € von der Unfallversicherung haben. Die aber glaubte ihm nicht und zahlte nicht. Ein Strafverfahren wegen (wohl versuchten) Betruges zu Lasten der Versicherung wurde eingeleitet.

Am 31.10.2014 berichtete die FAZ, dass das Schöffengericht den Mann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten verurteilt hat. Im Ergebnis sah man es als nachgewiesen an, dass die Finger absichtlich abgetrennt wurden, um eine Auszahlung aus der Unfallversicherung zu erlangen.

Nach den Pressemeldungen will der Mann mit Rechtsmitteln gegen die Verurteilung angehen. Gleichzeitig läuft noch ein Zivilprozess, bei dem es um Auszahlung der Entschädigung von der Versicherung geht.

Ich finde es sehr spektakulär, dass sich jemand Gliedmaßen amputiert haben soll um an die Auszahlung einer Entschädigung von der Versicherung zu kommen. Aber das kommt immer wieder vor. Der GDV meldet, dass alleine in der Schaden- und Unfallversicherung jählich ein Betugsschaden von ca. 4 Milliarden € entsteht. Dieses Geld wird aufgebracht von den ehrlichen Versicherungskunden.

Daher muss man auch Verständnis dafür haben, dass bei ungewöhnlichen Sachverhalten die Versicherungen sehr genau prüfen, ob dem Kunden die Entschädigung zusteht oder nicht. Hier hat das Verletzungsbild nicht ganz zum geschilderten Unfallhergang gepasst. Ich finde es richtig, dass die Versicherung in solchen Fällen dann sehr genau geprüft hat.

Ob der Mann letzten Endes Recht bekommt, oder ob die Versicherung mit der Annahme eines Betrugsfalls Recht hat, haben die Gerichte zu entscheiden. Das ist der im Rechtsstaat für solche Fälle vorgesehene Weg.