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Donnerstag, 11. September 2014

Sozialgericht Stuttgart: Zahnimplantate werden bei gesetzlich versicherten Patienten nicht bezahlt

Das Sozialgericht Stuttgart hat am 18.02.2014 ein Urteil zum Umfang der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkasse bei Zahnersatz gefällt (Aktenzeichen 16 KR 4073/10). Danach gehören Zahnimplantate nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkasse mit der Folge, dass sie nicht durch diese zu bezahlen sind.

Das Versicherungsjournal nannte das ein Urteil ohne Biss - bissig formuliert, aber etwas polemisch. Am Recht orientiert ist das Urteil m.E. nämlich korrekt.

Grundsätzlich werden Implantate nicht bezahlt, sondern nur kostengünstigere Zahnbehandlungen. Der Kläger in dem in Stuttgart entschiedenen Fall litt an Kieferatrophie. Das rechtfertigt nach einer Entscheidung des zuständigen Gremiums im Gesundheitswesen nicht, dass Implantate doch ausnahmsweise bezahlt werden.

Mich interessiert ja erstmal, worum es genau geht. Was eigentlich ist "Kieferatrophie"? Atrophie ist Gewebs- oder Knochenschwund. Mit anderen Worten verlor der betreffende Mensch schlicht seine Zähne. Ob das jetzt auf einen natürlichen Alterungsvorgang oder z.B. mangelnde Hygiene zurück zu führen ist, entnehme ich den Pressemeldungen zu dem Urteil nicht. Hier werden die althergebrachten Behandlungsmethoden wie z.B. ein künstliches Gebiss oder eine Brücke bezahlt. Moderne, sehr teure Behandlungen wie eben Zahnimplantate nicht.

Jeder, der auch die Kostenübernahme teurer Behandlungen versichert haben möchte möchte, kann durch eine private Zusatzversicherung selbst vorsorgen. Kann man die z.B. aufgrund zu schlechter Zähne nicht abschließen, oder möchte man sich die Versicherungsbeiträge sparen, muss man teurere Behandlungen als die klassischen, die von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden, aus eigener Tasche berappen. So sind nun einmal die Regeln.

Aus politischer Sicht verstehe ich, dass der Gesetzgeber und die zuständigen Gremien hier einen Riegel vorgeschoben haben. Zahnersatz muss nicht per Implantat erfolgen, nur weil es für den Patienten im Ergebnis bequemer ist. Die Zahnärzte lassen sich Implantate sehr gut bezahlen. Würden diese Kosten stets durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen, führte das zu einer Ausgabenexplosion im Gesundheitswesen. Und das führt zu deutlich höheren Versicherungsprämien. Und die sind schon an einer Grenze angelangt, die kaum noch vertretbar ist.

Freitag, 14. Februar 2014

Große Koalition: Krankenkassen-"Reform" ist auf den Weg gebracht

Was heutzutag nicht alles gleich als "Reform" bezeichnet wird, auch wenn es nur eine kleine Korrektur von Bestehendem ist. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse werden etwas gesenkt und künftig zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht. Die Kassen können Zusatzbeiträge erheben. So wird es gemeldet.

Meine Bitte: nennt so eine Korrektur nicht gleich Reform. Den Begriff in diesem Kontext zu verwenden, ist einfach nur lächerlich!

Montag, 3. Februar 2014

Private Krankenversicherung: immer weniger Neukunden?

Auf Spiegel Online finde ich heute einen sehr interessanten Beitrag zu Wechseln von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung. Es wird berichtet, dass immer weniger Versicherte wechseln.

Danach hat sich zwischen 2009 und 2013 bei den drei größten gesetzlichen Kassen die Zahl der Wechsler zur PKV von ca. 88.000 auf ca. 44.000 halbiert. Offizielle Zahlen gibt es dann wohl im März.

Ich denke, die Berichte über deutliche Prämienerhöhungen für Kunden in der PKV bringen viele Leute doch ins Nachdenken. Meine persönliche Meinung, weshalb ich nicht in die PKV wechsele (obwohl ich es von Einkommen und Gesundheitsstatus her könnte), habe ich bereits im Blog dargelegt.


Samstag, 28. Dezember 2013

Keine Krankenversicherung? Sofort anmelden!

Seit 2007 besteht in Deutschland eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Jeder hat sich zu versichern, wobei es die gesetzliche und die private Versicherungsvariante gibt.

Dennoch gibt es viele Menschen, die aus dem Versicherungssystem herausgefallen sind. Sie konnten z.B. ihre Beiträge nicht mehr zahlen und sind deshalb gekündigt worden.

Solche Menschen haben bis Ende 2013 die Chance, trotz noch offener Beitragsrückstände wieder versichert zu werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat hierzu ganz tolle Hinweise gegeben. Die Empfehlungen lauten:

  • Stellen Sie sofort - noch 2013 - bei der Kasse/Versicherung, bei der Sie zuletzt waren, einen Antrag auf neuen Versicherungsschutz.
  • Wenn Sie nicht wissen, ob Sie zur gesetzlichen oder privaten Versicherung gehören: gehen Sie zu einer gesetzlichen Kasse.
  • Haben Sie mit ihrer alten Kasse/Versicherung eine Ratenzahlungsvereinbarung getroffen zu ausstehenden Versicherungsbeiträgen aus Zeiten der Nichtversicherung?
    Dann beantragen Sie Erlass!

Mein Hinweis: das geht nur bis 31.12.2013 - am 1.1.2014 ist es zu spät. Wenn Sie derzeit keine Krankenversicherung haben, bzw. wenn hohe Schulden wg. Beitragsrückständen bestehen: lesen Sie die Hinweise der Verbraucherzentrale (auch zu Säumniszuschlägen!) und gehen Sie von sich aus auf die Kasse oder Versicherung zu. Diese Chance kommt nicht noch einmal.

Dienstag, 12. November 2013

Die Gesetzliche Krankenversicherung und die Hysterie um das Lichtbild

Für Menschen, die gesetzlich Krankenversichert sind, ändert sich zum 1.1.2014 einiges. Dann wird die neue elektronische Gesundheitskarte verbindlich eingeführt.

Die Befürworter verweisen auf die leichtere Weitergabe von medizinischen Informationen von Arzt zu Arzt. Das ist gut insbesondere bei Patienten, die öfters mal zu einem anderen Arzt gehen (sei es Wechsel des Hausarztes, sei es die Konsultation eines Spezialisten). Kritiker halten das auch für eine gute Sache, sehen aber den Datenschutz nicht gewährleistet weil nicht die Patienten selbst ausschließlich über den kryptographischen Schlüssel verfügen. Denn erst dieser stellt die absolute Datensicherheit her.

Der Trend weg vom Papier hin zu mehr digitalen Informationen hat unsere gesamte Gesellschaft erfasst. Das Gesundheitswesen kann davon nicht ausgenommen bleiben. Insofern ist mir persönlich die elektronische Gesundheitskarte, die ich bei mir trage und die ich nur von mir ausgewählten Ärzten gebe, lieber als denkbare Alternativen des Informationsaustausches. Denn eMails oder sonstiger elektronischer Datenverkehr werden kaum so gesichert sein könne wie Informationen, die ich in meiner Westentasche trage und die niemand ohne dass ich es erlaube abrufen kann.

Ein Knackpunkt ist das Foto, das jeder von sich an seiner Krankenkasse geben muss. Medien berichten von vielen Verweigerern, denen die Krankenkassen jetzt deswegen hinterherlaufen.

Ehrlich gesagt finde ich das mit dem Foto noch das beste. Die Ärzte können aus einem Abgleich der Bilder mit dem Patienten, der vor ihnen steht, sehen, ob es wirklich die selbe Person ist. Denn es war in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen, dass eine Versichertenkarte für viele Personen aus dem näheren oder weiteren Verwandtenkreis herhalten musste. Mit anderen Worten: viele Leute erhalten Leistungen aus dem Versicherungssystem, die dazu keine Beiträge zahlen. Das finde ich als Beitragszahler nicht in Ordnung. Und verhindern kann diesen Missbrauch nur der Arzt, der die Identität des oder der Versicherten überprüfen muss. Das aber geschieht kaum.

Letzten Endes sind die meisten der "Verweigerer", von denen in den Medien berichtet wird, vermutlich einfach nur Leute, die keine Lust haben sich um so etwas zu kümmern. Oder die vielleicht doch einer Generation angehören, welche mit modernen Digitalfotos und der dazugehörigen Technik nichts anfangen kann. Hier finde ich es richtig und wichtig, dass die Krankenkassen auf diese Menschen zugehen.

Für echte und bewusste Verweigerer habe ich allerdings nur wenig Verständnis. Wenn man sie im Versicherungssystem duldet, dann sollten die zumindest Beiträge bezahlen in einer Höhe, die sämtliche durch ihre Verweigerungshaltung verursachten Mehrkosten auch mit abdeckt.

Sonntag, 10. November 2013

Armutsfalle private Krankenversicherung

Vor einem Monat habe ich öffentlich erklärt, weshalb ich persönlich nicht privat krankenversichert bin. Ich gebe zu: eine Zusatzversicherung habe ich. Aber meine eigentliche Krankenversicherung ist gesetzlich und werde es auch bleiben.

Ein Grund ist, dass die Beiträge aufgrund des Systems der geschlossenen Tarife mit der Zeit zwangsweise deutlich ansteigen. Und Ärzte/Krankenhäuser rechnen mehr Geld für die selbe Leisutng ab als bei gesetzlich versicherten Patienten. Auch das hat Auswirkung auf die Prämien.

Angestellte können sich nur privat Krankenversichern, wenn sie vom Einkommen her  über der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Damit können sie sich die Beiträge langfristig auch leisten.

Für Selbständige gibt es eine solche Bemessungsgrenze nicht. Sie können sich auch bei einem eher niedrigen Einkommen privat krankenversichern. Im Alter, insbesondere wenn es nur eine eher knappe Altersvorsorge gibt, gibt es ein Problem: die Krankenversicherung frisst möglicherweise fast die gesamte Rente auf.

So kann die private Krankenversicherung zur Armutsfalle werden. Das Magazin PlusMinus hat am 7.11.2013 dazu einen Beitrag gebracht, der das sehr gut zeigt. Man muss fairerweise aber auch sagen, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung Geld kostet.

Sonntag, 27. Oktober 2013

private Krankenversicherung: sind Privatpatienten Opfer oder Begünstigte?

Ich habe vor kurzem dargelegt, weshalb ich selbst nicht privat, sondern gesetzlich krankenversichert bin. Das Thema interessiert mich sehr, weil die Krankenversicherung (egal ob gesetzlich oder privat) ein elementarer Bestandteil unserer sozialen Sicherungssysteme ist.

Ich habe heute einen sehr interessanten Beitrag des Finanzberaters Peter Hiber gelesen, der offen die Gretchenfrage zur Privaten Krankenversicherung stellt: sind Privatversicherte Opfer oder Profiteure des Systems?

Peter Hieber nennt unser Krankenversicherungssystem absurd und reformbedürftig. Über das erste Attribut kann man m.E. geteilter Ansicht sein. Den zweiten Punkt sehe ich genau so.

Wer als junger Mensch in die private Krankenversicherung geht, zahlt weniger Prämie für die Versicherung, bekommt aber bessere Leistungen. Dass da die Quersubventionierung einkommensschwacher Mitglieder wie im System der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht auf die Preise kommt, ist jedem klar. Aber mit etwas  Nachdenken kann jeder eigentlich erkennen, dass es das zur Erklärung von Preis- und Leistungsunterschieden alleine nicht sein kann. Die Gesetzliche Krankenversicherung ist deswegen teurer, weil sie geschlossene Tarife wie die Private Krankenversicherung nicht kennt. Und die sind die eigentliche Sauerei, schaffen sie doch viel zu kleine Solidargemeinschaften selbst bei großen Versicherungsgesellschaften. Die zahlen dann langfristig deutlich mehr als sie in der Gesetzlichen Krankenversicherung zahlen würden.

Ich glaube aber, der Staat wird es nicht zu einer Kranken-Einheitskasse kommen lassen. Dann müsste er nämlich für die Beamten (und Politiker)  analog den normalen Angestellten die halben Krankenversicherungsbeiträge bezahlen. Und das wäre wohl teurer als das derzeitige System der Beihilfe beizubehalten.

Samstag, 26. Oktober 2013

Griechenland und die sozialen Sicherungssysteme

Auf Spiegel Online ist heute ein Artikel von Fragkiska Megaloudi veröffentlicht worden, der sich mit Griechenland und der Lage des Mittelstandes befasst. Er ist sehr interessant zu lesen, daher weise ich auf ihn hin.

Dabei geht es mir nicht (nur) um Griechenland, sondern auch um uns. Die Situation in Griechenland verdeutlicht Gefahren, die auch in Deutschland bestehen: das denkbare Zusammenbrechen der sozialen Sicherungssysteme.

Mich interessiert an dieser Stelle nicht, dass die Lage viele Griechen von Europa entfremdet hat, das sie für die Lage (mit) verantwortlich machen. Ich will nicht diskutieren, ob der Euro eine Mitverantwortung an der Krise hat, oder ob er lediglich die Mißstände mit sichtbar gemacht und ihre Wirkung katalysiert hat.

Fragkiska Magaloudi berichtet vom Geschäftsinhaber Giorgos Koutsogiannis, der mit folgenden Worten zitiert wird:
Ich kann mir meinen Krankenkassenbeitrag nicht mehr leisten. Also zahle ich einfach nicht mehr.
Megaloudi berichtet, dass fünf Jahre der Rezession Griechenlands Mittelschicht ausgezehrt haben. Seit 2009 sei das Haushaltseinkommen um fast 30 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote liege bei 27 Prozent.

Der eigentliche Knaller des Berichts liegt bei den Auswirkungen der Krise auf die sozialen Sicherungssysteme Griechenlands. Megaloudi schreibt:
Rund 65 Prozent der Beiträge zur Sozialversicherung werden inzwischen nicht mehr gezahlt - weil Bürger wie der Ladenbesitzer Koutsogiannis es sich nicht mehr leisten können. Allein bei der größten Sozialversicherung des Landes entstand so im vergangenen Jahr ein Loch von acht Milliarden Euro.
Rechnen wir diese Zahlen mal auf Deutschland hoch. Griechenland hat ca. 10 Millionen Einwohner, so das Ergebnis der Volkszählung 2011. Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, so das Statistische Bundesamt für 2013.

Unter dem Begriff Sozialversicherung fasst man Kranken-, Pflege-, Unfall-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung zusammen. In Deutschland erfolgt die Finanzierung überwiegend aus Beiträgen, zum Teil auch aus Steuermiteln. Insbesondere bei der Rentenversicherung haben wir ein Umlagesystem. Die laufenden Einnahmen werden dafür verwendet, Ansprüche zu bezahlen.

Es soll bitte keiner glauben, in Deutschland wäre alles prima nur weil unsere Eliten sich nicht so maßlos selbst bedient haben wie in anderen Ländern. Auch wir haben erhebliche strukturelle Probleme. Die fehlende Nachhaltigkeit unserer Sicherungssysteme ist so ein Problem. Ich bin kein Fan einer ausschließlichen Kapitaldeckung - auch die hat erhebliche Risiken. Aber ein gesunder Mix tut not.

Ich will nicht völlig schwarz malen. Aber hier ein Zahlenspiel ausgehend von dem Szanario, dass 65% der Beitragseinnahmen nicht mehr gezahlt werden. Mein Beispiel ist die gesetzliche Rente.

Im Monat gibt die gesetzliche Rentenversicherung ca. 16 MRD € für Rentenleistungen aus. Dieses Geld wird im Umlageverfahren finanziert. Das heißt, wenn die Einnahmen wegbrechen, um 65% wie in Griechenland, gibt es ein Problem. Dann werden nicht mehr monatlich 16 MRD € eingenommen, sondern nur noch ca. 6 MRD €. Man hat keine 16 MRD € mehr, die zur Auszahlung der Renten verwendet werden können. Und nein, auch über den Steuertopf kann man das in so einer Situation nicht ausgleichen. Das Geld ist schlicht nicht da.

Dass es zu Rentenkürzungen in so einer Krise kommen muss, verstehe ich. Aber ein System zu belassen, das den Rentnern aufgrund fehlender Einnahmen nur noch 35% ihrer Rentenansprüche auszahlen kann, halte ich in höchstem Maße für fahrlässig.

Was Griechenland angeht, darf Europa es nicht im Stich lassen. So meine Meinung. Das mögen in Deutschland politisch wohlfeile Worte sein. Aber gesagt werden müssen sie. Weil sie richtig sind.

Aber: wir müssen dringend auch bei uns die Hausaufgaben machen. Wir sind die größte Volkswirtschaft in Europa. Und erkennbare Mißstände dürfen wir nicht so anbrennen lassenn, dass sie Europa wirklich erschüttern und das  Vertrauen unserer Bürger in unser politisches System nachhaltig zerstören können.

Es scheint, dass sich derzeit Union und SPD zu einer großen Koalition mit so nie gekannter politischer Macht zusammentun. Ich hoffe, sie nutzen diese Gelegenheit die Dinge in Deutschland zum Guten zu wenden und unsere sozialen Sicherungssysteme nachhaltig und damit zukunftssicher zu machen.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Persönliche Meinung: weshalb ich nicht privat krankenversichert bin

Der Journalist Frank Stocker berichtete am 06.10.2013 in der Welt von seinen Erfahrungen als Privatpatient im heutigen Gesundheitssystem. Er hat dabei das Gefühl, die Melkkuh des Systems zu sein. Und zwar für Versicherer wie auch für Ärzte - wenn ich ihn richtig verstanden habe.
Ich selbst war in der meisten Zeit meines Lebens gesetzlich versichert. Während des Referendariats war ich Beamter auf Widerruf - und damit beihilfeberechtigt. Die gesetzliche passte nicht mehr, also habe ich mich privat versichert. Ich hatte dabei eine Anwartschaft, mich nach Ende des Referendariats ohne weitere Gesundheitsprüfung voll privat versichern zu können.
Anschließend begann ich mit meiner Tätigkeit bei meinem heutigen Arbeitgeber, einer Kfz-Versicherung. Die Bezahlung war so, dass ich unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze lag. Also musste ich mich gesetzlich versichern. Ich bin dann einer BKK beigetreten. Und da bin ich heute noch.
Als es mir vom Einkommen her möglich war in die Private Krankenversicherung zu wechseln, habe ich mich dagegen entschieden. Stattdessen habe ich eine Zusatzversicherung abgeschlossen, von der ich mich manchmal frage, ob sie sinnvoll ist oder nicht. Aber echt blöde Erkrankungen sind bislang ausgeblieben. Das ist auch gut.

Warum bin ich nicht privat versichert?
Das, was ich jetzt schreibe, ist meine persönliche, höchst private Auffassung. Ich finde es wichtig, über solche Meinungen in der Öffentlichkeit zu sprechen. Daher mache ich bei mir selbst den Anfang. Aber ich habe durchaus nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zur Sache zu verkünden. Nur meine subjektive Sicht der Dinge steht hier zu lesen. 

Gegenargument: das Werben damit, dass Alltagshilfen unlimitiert bezahlt werden
Ich erinnere mich noch daran, wie seinerzeit alle Versicherungsvertreter mir erklärten, dass ich jährlich eine neue Brille haben könne, egal was die koste. Da ich weiß, dass es einige sehr kostspielige Modelle gibt, fragte ich mich wie das funktionieren kann. Es kann nicht funktionieren, ohne dass die Sache für alle Beteiligte immer teurer wird. Das läuft auf 'wenig geben, viel nehmen' hinaus. Solidarität geht anders. So ein System bereitet mir Bauchschmerzen.
Inzwischen, so habe ich gelernt, haben auch die privaten Krankenversicherungen bemerkt, dass das nicht funktioniert. Solche Positionen sind in den Versicherungsbedingungen jetzt limitiert. Das ist richtig und notwendig, weil sonst die Kalkulation stabiler Prämien nicht möglich sein kann. Aber die Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf.

Gegenargument: Anheben der Eintrittshürden
Dann habe ich bemerkt, dass die Hürden für Angestellte immer mehr angehoben wurden, um sich privat versichern zu können. Man sieht das ganz gut an der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze, wie sie bei Wikipedia dokumentiert ist.
Wenn aber (bei ohnehin sinkender Bevölkerungszahl) die Hürden für den Neueintritt in ein Solidarsystem kontinuierlich angehoben werden, dann betrifft das über kurz oder lang das Fundament dieses Systems. Jede Versichertengemeinschaft ist auf potentielles Wachstum angewiesen.

Gegenargument: die Schließung der Tarife
Zum Hintergrund meiner Sensibilität. Meine Eltern sind beide als Ärzte selbständig gewesen und bis heute bewusst gesetzlich versichert und nicht privat. Eine Entscheidung, über die sie immer recht froh waren. Sie haben nämlich gesehen, dass ältere Kollegen teils sehr über die hohen Prämien zu ihren Krankenversicherung klagen. Als junger Mann habe ich mich gefragt, weshalb meine Eltern die Vorteile einer privaten Krankenversicherung nicht für sich gesichert haben. Als inzwischen nicht mehr ganz so junger Mann kenne ich die Antwort: weil sie nicht blöd sind und an die Zukunft gedacht haben.
Aber woran liegt das? Die Krankenversicherer legen einen Tarif auf, für den dann Kunden geworben werden. Kommt einige Jahre später eine neue Tarifvariante, wird der bisherige Tarif geschlossen. Neue Kunden kommen nicht mehr dazu.
Was das bedeutet merkt man auf lange Sicht: die Kunden dieses Tarifs werden miteinander alt. Und dann eben, wie es so ist im Leben, immer kränker. Sie müssen als (recht kleine) Solidargemeinschaft die Heilbehandlungskosten ihrer Tarifgemeinschaft tragen. Und das führt dazu, dass die Beiträge zur Krankenversicherung erheblich ansteigen müssen. Da helfen auch die Altersrückstellungen nur bedingt weiter.  Frank Stocker hat diesen Effekt in seinem Artikel gut beschrieben.
Meine Meinung ist, dass eine Solidargemeinschaft etwas sehr langfristiges ist. Und sie ist auf einen generationenübergreifenden Zusammenhalt angelegt. Die Schließung von Krankenversicherungstarifen passt nicht dazu.
Vertrauen hätte ich in eine Private Krankenversicherung, die solche geschlossenen Tarife nicht kennt. Nicht in das System, wie es jetzt ist.

Gegenargument: die hohen Vermittlerprovisionen
Da ist noch etwas anderes. Ich habe lernen müssen, dass für die Vermittlung von Personenversicherungen enorm hohe Provisionen bezahlt werden. Warum? Klar, dahinter steht auch eine Beratungsleistung des Vermittlers mit dem Risiko, im Falle einer Fehlberatung schadensersatzpflichtig zu werden. Aber auch hier gilt, dass alles sein Maß haben muss. Ein oder zwei Monatsbeiträge als Provision könnte ich noch verstehen. Vielleicht auch drei. Aber dann ist das Maß dessen, was noch angemessen ist, irgendwo erreicht. Ich lese in der Presse von einer zulässigen Obergrenze für die Vermittlung von 9 Monatsbeiträgen.
Meine spontane Frage lautet: geht's noch?
Wird über eine zulässige Obergrenze von 9 Monatsbeiträgen als "Deckelung" berichtet, wird es wohl auch Ausreißer nach oben gegeben haben. Ganz ehrlich: wie marode muss ein Produkt kalkuliert sein, wenn man es nur durch Zahlung so hoher Vermittlungsgebühren mit ausreichend Neukunden versorgen kann?
Wie ich höre, zahlen die wirklich guten Krankenversicherer deutlich niedrigere Vermittlungsprovisionen als 9 Monatsbeiträge. Das ist auch richtig so. Aber mein Mißtrauen in die Branche wird dadurch nicht geringer.

Mein Fazit: dann doch lieber gesetzlich versichert
All die vorstehenden Punkte zusammen führten zu meinem Entschluß, im System der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben. Ich möchte mein Schicksal nicht in ein Solidarsystem geben, das politisch ausgetrocknet wird und das es offenbar nicht schafft, sich von internen Unmäßigkeiten zu befreien. Den Punkt mit den Tarifschließungen kann ich zwar nachvollziehen, um für die Neukundenwerbung günstige Preise darstellen zu können. Aber letzten Endes empfinde ich es als Sauerei gegenüber Bestandskunden, die in viel zu kleinen Solidargemeinschaften (nämlich den geschlossenen Tarifen) zusammengefasst sind. Zum Glück können die inzwischen in einen Basis-Tarif analog der gesetzlichen Kasse gehen.
Ich bin Frank Stocker für seinen Beitrag dankbar. Ich hoffe, er führt mit zu einer gesellschaftlichen Diskussion über das Krankenversicherungssystem. Mit dieser persönlichen Stellungnahme in meinem Blog, die meine ganz private Sicht der Dinge wiedergibt, möchte ich meinerseits dazu einen Beitrag leisten.