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Donnerstag, 4. Dezember 2014

Sascha Lobo: Wider die Vermessung durch die Zahnbürste

Sascha Lobo ist als Blogger bekannt. Und er schreibt regelmäßig eine Kolumne bei Spiegel Online. Ich lese sie regelmäßig. Mir gefällt einiges nicht was er schreibt. Das ist meine Motivation, seine Kolumne zu lesen. Das aber nur am Rande.

Heute lese ich seinen Beitrag über die Bevormundung durch die Zahnbürste. Er geht auf das Thema Telematik ein, u.a. Telematik für Menschen durch eine Krankenversicherung.

Es gefällt mir nicht, was Sascha Lobo hier schreibt. Die Macht über die Daten entwickelt sich inmitten freier Gesellschaften zu einem Instrumentarium, Herrschaft über Menschen auszuüben. Lobo bringt das so knallhart nicht auf den Punkt, deutet aber eloquent genau in diese Richtung. Und mir gefällt sein Hinweis am Ende, dass er bei Versicherungen bezahlte Workshops und Vorträge abgehalten hat. Er weist auf mögliche (nicht auf bestehende, nur auf mögliche) Interessenkollisionen hin. Das ist Ehrlichkeit, die ich mir im Journalismus öfter wünsche. Diese zwei Gründe machen seinen Beitrag lesenswert. Auch wenn sein Inhalt nicht gefällt. Das kann er m.E. nämlich auch nicht.

Samstag, 22. November 2014

Telematik für Menschen?

Versicherungswirtschaft Heute berichtet von einem Versicherer, der Telematik für Patienten fördert. Hier dürfte es um die Krankenversicherung gehen. Die Versicherungsnehmer spielen sich eine App auf das Smartphone, welche die sportlichen Aktivitäten an den Versicherer berichtet. Der belohnt sie durch günstigere Tarife.

Konkrete Ramenbedingungen sind bislang nicht bekannt. Es gibt ja auch schon reichlich Apps, mit denen Bekannte von mir ihre Wanderungen oder Langstreckenläufe aufzeichnen und auf Facebook mit anderen teilen.

Ich persönlich möchte aber nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden. Meine Forderung, dass es zur Telematik eine gesellschaftliche Diskussion geben muss, möchte ich daher an dieser Stelle wiederholen. So warb ein Vorstand eines großen Rückversicherers bereits für Big Data bei Patienten.

Das finde ich persönlich sehr weitgehend. Und diese Diskussionen bestärken mich in meiner Entscheidung, dass ich nicht privat voll krankenversichert sein möchte.

Donnerstag, 27. März 2014

Private Krankenversicherung - Patienten als Melkkuh?

Ich möchte Euch auf einen Artikel auf Spiegel Online hinweisen. Darin geht es um die Erkenntnis, dass Privatpatienten mehr oder weniger die Melkkuh des Gesundheitssystems sind. Frederik Jötten berichtet, was ihm als privat versichertem Patienten so widerfahren ist.

Verbraucherschützer warnen schon länger, dass Patienten zu unnötigen Untersuchungen gedrängt werden. Das habe ich im Bekanntenkreis allerdings nur bei Privatpatienten mitbekommen, die sich nicht allzu sehr mit den Rechnungen beschäftigen, die vom Doktor kommen. Ich kenne einige Leute, die bei sehr hohen Arztrechnungen oder für sie nicht nachvollziehbaren abgerechneten Leistungen das Gespräch mit ihrem Arzt suchen.

Ich persönlich habe mich ganz bewusst gegen eine private Vollversicherung entschieden und bleibe gesetzlich krankenversichert. Teils sind Zusatzleistungen von mir privat versichert worden (für eine neue Brille bekäme ich so bis zu 180 € Zuschuss), teils akzeptiere ich sie selbst zahlen zu müssen. Die Entscheidung, ob ich Zusatzleistungen will, treffe ich aber jedesmal aufs Neue.

Freitag, 14. Februar 2014

Große Koalition: Krankenkassen-"Reform" ist auf den Weg gebracht

Was heutzutag nicht alles gleich als "Reform" bezeichnet wird, auch wenn es nur eine kleine Korrektur von Bestehendem ist. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse werden etwas gesenkt und künftig zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht. Die Kassen können Zusatzbeiträge erheben. So wird es gemeldet.

Meine Bitte: nennt so eine Korrektur nicht gleich Reform. Den Begriff in diesem Kontext zu verwenden, ist einfach nur lächerlich!

Dienstag, 31. Dezember 2013

Silvester: welche Versicherung kommt für Schäden auf?

Feuerwerk, aufgenommen in Nizza
Wir haben Silvester. Um das neue Jahr zu begrüßen, werden heute um Mitternacht wieder viele, viele Böller und Raketen abgefackelt werden.

Leider ist es wie jedes Jahr auch: es wird dabei zu Schäden kommen. Vielleicht wird das Auto beschädigt, eine Rakete fliegt ins Haus oder es wird gar ein Mensch verletzt. All das passiert vermutlich heute Nacht. Dann stellt sich immer die Frage, wer den Schaden bezahlen muss.

Im Grundsatz gilt: derjenige hat zu zahlen, der den Schaden verursacht hat.

Hat mir also jemand anderes den Schaden zugefügt, muss er ihn mir ersetzen. Das klingt gut, nützt aber nichts wenn dieser Mensch kein Geld hat. Und wenn ich selbst unvorsichtig war, muss ich mir den Schaden selbst ersetzen. Das hilft bei größeren Schaden auch nicht wirklich weiter.

In all diesen Fällen stellt sich die Frage nach einer Versicherung, die für den Schaden aufkommt. Der GDV hat einige sehr gute Verbrauchertipps gegeben, auf die ich hier hinweisen möchte.

Wichtig finde ich vor allem die Hinweise zum Versicherungsschutz, die ich zusammenfassen und etwas ergänzen möchte:

Verletzte Menschen
Heilbehandlungskosten werden von der Krankenversicherung bezahlt, egal ob Sie privat oder gesetzlich versichert sind.
Wer einen dauerhaften Schaden aufgrund einer Verletzung durch Feuerwerkskörper davon trägt, kann aus der privaten Unfallversicherung Leistungen erhalten.

Wohnung, Gebäude
Brandschäden in Ihrer Wohnung werden von der Hausratversicherung bezahlt. Das gilt auch für Schäden durch Löschwasser.
Ob Sie in einem eigenen Haus oder einem Mehrfamilienhaus wohnen - Schäden am Gebäude selbst zahlt die Wohngeäudeversicherung.

Auto
Des Deutschen liebstes Kind ist durch die Kasko versichert. Hierzu finden sich auch die meisten Beiträge, die ich zum Thema im Netz gefunden habe - beispielsweise im AutoBlog oder bei News.de.
Hierbei gilt:
  • Schäden, die durch Feuerwerkskörper oder sonst durch Brand entstehen, sind im Rahmen der Teilkasko versichert.
  • Kommt es zu Randale und beschädigen irgendwelche Idioten Ihr Auto mut- und böswillig, sind solche Vandalismusschäden nur durch die Vollkasko gedeckt.

Was tun, wenn ich jemand anderen geschädigt habe?
Haben Sie jemanden durch Feuerwerkskörper verletzt, seine Wohnung in Brand gesetzt oder sein Auto beschädigt? Nehmen Sie unverzüglich Kontakt mit Ihrer privaten Haftpflichtversicherung auf und melden den Schaden. Versicherungsschutz besteht allerdings - wie bei jeder Schadensversicherung - nur, wenn Sie den Schaden nicht vorsätzlich herbeigeführt haben. Wer einen anderen mit Absicht geschädigt hat, kann auf keine Solidargemeinschaft hoffen, sondern muss für die finanziellen Folgen selbst gerade stehen.


Dieser Beitrag wird der letzte für 2013 sein. Im neuen Jahr werde ich weitermachen. Allen Lesern meines Blogs - den Freunden wie auch den kritischen Besuchern - wünsche ich einen guten und sicheren Rutsch in das neue Jahr. Für 2014 wünsche ich Euch und Ihnen allen Gesundheit, Frieden und Gottes Segen.

Samstag, 28. Dezember 2013

Keine Krankenversicherung? Sofort anmelden!

Seit 2007 besteht in Deutschland eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Jeder hat sich zu versichern, wobei es die gesetzliche und die private Versicherungsvariante gibt.

Dennoch gibt es viele Menschen, die aus dem Versicherungssystem herausgefallen sind. Sie konnten z.B. ihre Beiträge nicht mehr zahlen und sind deshalb gekündigt worden.

Solche Menschen haben bis Ende 2013 die Chance, trotz noch offener Beitragsrückstände wieder versichert zu werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat hierzu ganz tolle Hinweise gegeben. Die Empfehlungen lauten:

  • Stellen Sie sofort - noch 2013 - bei der Kasse/Versicherung, bei der Sie zuletzt waren, einen Antrag auf neuen Versicherungsschutz.
  • Wenn Sie nicht wissen, ob Sie zur gesetzlichen oder privaten Versicherung gehören: gehen Sie zu einer gesetzlichen Kasse.
  • Haben Sie mit ihrer alten Kasse/Versicherung eine Ratenzahlungsvereinbarung getroffen zu ausstehenden Versicherungsbeiträgen aus Zeiten der Nichtversicherung?
    Dann beantragen Sie Erlass!

Mein Hinweis: das geht nur bis 31.12.2013 - am 1.1.2014 ist es zu spät. Wenn Sie derzeit keine Krankenversicherung haben, bzw. wenn hohe Schulden wg. Beitragsrückständen bestehen: lesen Sie die Hinweise der Verbraucherzentrale (auch zu Säumniszuschlägen!) und gehen Sie von sich aus auf die Kasse oder Versicherung zu. Diese Chance kommt nicht noch einmal.

Dienstag, 3. Dezember 2013

private Krankenversicherung: Prämienanstieg um bis zu 50% ?

Die Welt meldet heute, dass für einige Privatpatienten ein Beitragsschock bevorstehe. Manche private Krankenversicherungen heben die Prämien nach dieser Meldung um bis zu 50% an. Etwas komisch mutet das an vor dem Hintergrund, dass die Welt erst vor kurzem ein teilweises Absenken der Prämien vor allem durch die Allianz verkündet hat.

Wahrscheinlich stimmt aber beides.

Vor allem ältere Versicherte seien betroffen.  Das System der geschlossenen Tarife macht die private Krankenversicherung so für manche zur Armutsfalle.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Mitleid haben soll.

Natürlich tut es mir leid, wenn jemand aufgrund eingegangener vertraglicher Verpflichtungen oder weil das Geld für Medizin drauf geht kaum genügend Mittel hat, um sein gewohntes Leben zu bestreiten.

Aber Privatversicherte gehen meist in jungen Jahren in die PKV. Sie gehen in eine Versicherung, die für niedrigere Beiträge höhere Leistungen verspricht als die gesetzliche Krankenkasse. Das geht nur, weil in den Tarifen junge, gesunde Menschen zusammengefasst sind. Insofern entzieht man sich der Solidarität mit älteren Krankenversicherten, die in einem anderen (bereits geschlossenen) Tarif versichert sind.

Natürlich, die Solidarität mit den älteren Versicherten würde Geld kosten. Und das sparen sich Leute, die sich jung privat versichern.

Wenn diese Menschen dann selbst älter werden und kränker, befinden sie sich in geschlossenen Tarifen. Die jungen, gesunden Risiken sind in neuen, billigen Tarifen zusammengefasst. Wenn jetzt also ältere Versicherte deutliche Prämiensteigerungen hinnehmen müssen, ist das die Auswirkung fehlender Solidarität der jüngeren Versicherten. Sie bekommen so die Kehrseite des eigenen unsolidarischen Verhaltens in jungen Jahren zu spüren.

So betrachtet hält mein Mitleid sich ehrlich gesagt in Grenzen. Wem die klassische Krankenvollversicherung zu teuer wird, der kann immer noch in einen günstigeren Basistarif wechseln. Der hat zwar nicht so umfangreiche Leistungen, kostet dafür aber weniger.

Freitag, 22. November 2013

Private Krankenversicherung: geht es noch ein bischen billiger?

Ich habe heute beim abendlichen surfen einen Artikel bei Finanz-Artikel.eu gefunden. Auf den möchte ich hinweisen. Er ist meiner Meinung nach ein gelungenes Beispiel dafür, wie man nicht über das Thema Private Krankenversicherung (PKV) informieren sollte.

Gut finde ich, dass der Leser darauf hingewiesen wird, dass er sich informieren möge.

Aber ansonsten ist der Beitrag verdammt oberflächlich. Es wird nur auf den (derzeitigen) Preis als Kriterium hingewiesen, ohne darauf einzugehn welche Aspekte für den Preis der PKV relevant sind. Auch steht die Möglichkeit, die PKV zu wechseln wie z.B. die Kfz-Versicherung zwar auf dem Papier. Man kann heute die Altersrückstellungen mitnehmen. Aber wirklich rechnet sich das meist nur für den Vermittler der neuen Versicherung, der eine recht hohe Provision einstreichen kann.

Was - und das finde ich schade - bei dem Artikel überhaupt nicht besprochen wird, ist die sehr kleine Solidargemeinschaft in den PKV-Tarifen. Wer in die PKV wechselt, entzieht sich der Solidarität mit deutlich älteren und krankeren Menschen. Dadurch ist seine Prämie sehr günstig. Wird er selbst (mit seiner inzwischen geschlossenen Tarifgemeinschaft) älter und kränker, gehen die jungen und gesunden Versicherten in einen neuen Tarif und entziehen sich so ihrerseits der Solidarität. Daher wird der PKV-Tarif in späteren Jahren verhältnismäßig teuer. Manche Geringverdiener können die Beiträge kaum mehr aufbringen. So sprechen manche dann auch von einer Armutsfalle, die die PKV sei.

Ich hätte erwartet, dass auf diesen Aspekt hingewiesen wird. Eine seriöse Beratung muss auf diesen Aspekt hinweisen. So meine persönliche Meinung. Und bei dem Artikel von Finanz-Artikel.eu hätte ich das auch gut gefunden. Denn der (teure) Preis ist ja sein inhaltlicher Aufhänger.

Sonntag, 10. November 2013

Armutsfalle private Krankenversicherung

Vor einem Monat habe ich öffentlich erklärt, weshalb ich persönlich nicht privat krankenversichert bin. Ich gebe zu: eine Zusatzversicherung habe ich. Aber meine eigentliche Krankenversicherung ist gesetzlich und werde es auch bleiben.

Ein Grund ist, dass die Beiträge aufgrund des Systems der geschlossenen Tarife mit der Zeit zwangsweise deutlich ansteigen. Und Ärzte/Krankenhäuser rechnen mehr Geld für die selbe Leisutng ab als bei gesetzlich versicherten Patienten. Auch das hat Auswirkung auf die Prämien.

Angestellte können sich nur privat Krankenversichern, wenn sie vom Einkommen her  über der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Damit können sie sich die Beiträge langfristig auch leisten.

Für Selbständige gibt es eine solche Bemessungsgrenze nicht. Sie können sich auch bei einem eher niedrigen Einkommen privat krankenversichern. Im Alter, insbesondere wenn es nur eine eher knappe Altersvorsorge gibt, gibt es ein Problem: die Krankenversicherung frisst möglicherweise fast die gesamte Rente auf.

So kann die private Krankenversicherung zur Armutsfalle werden. Das Magazin PlusMinus hat am 7.11.2013 dazu einen Beitrag gebracht, der das sehr gut zeigt. Man muss fairerweise aber auch sagen, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung Geld kostet.

Samstag, 2. November 2013

Soziale Sicherungssysteme: Bedingung für die Akzeptanz unseres politischen Systems

Vor kurzem habe ich mich mit Griechenland und dessen sozialen Sicherungssystemen beschäftigt. Heute habe ich einen tollen Artikel von Matthaios Tsimitakis auf der Seite von Al Jazeera gelesen, der sich mit der Gruppierung Goldene Morgenröte beschäftigt. Diese hat es in Griechenland trotz eines offenen neonazistischen Auftretens immerhin in das Parlament geschafft.

Tsimitakis sieht die Goldene Morgenröte als Produkt der Krise im Land. Damit hat er zum Teil Recht, auch wenn die Partei schon viel länger besteht. Aber erst die Krise und die Auswirkung für den normalen Bürger im Mittelstand des Landes gab ihr den Nährboden, den sie heute hat. Das ist aber nicht Thema dieses Blogs.

Die Situation in Griechenland kann mit Deutschland nur bedingt verglichen werden. Griechenland wird  im Kern von zwei großen Familienclans regiert, die mit den beiden großen Parteien (Sozialisten und Konservative) das Land unter sich aufgeteilt haben. Ihre Machtbasis schufen sie sich durch hemmungslose Klientelpolitik. Das funktioniert in Zeiten der Krise nicht mehr. Und während der Mittelstand ökonomisch regelrecht ausblutet, bleiben die ganz reichen Familien bislang noch weitgehend unangetastet. Das schafft den Zorn, der einer Goldenen Morgenröte Unterstützer zuführt. In Deutschland ist es, bei allen Fehlern die auch wir haben, nicht ganz so schlimm.

Aber sollten unsere sozialen Sicherungssysteme nicht mehr funktionieren, wird sich für viele Bürger auch die Systemfrage stellen. Weshalb soll man ein politisches System unterstützen, in dem eine gute Krankenversicherung für den Durchschnittsverdiener nicht mehr bezahlbar ist? Weshalb soll man ein politisches System unterstützen, dass ein wirklich nachhaltiges System der Altersvorsorge für alle nicht schafft, weil die notwendigen Reformen einigen Gruppierungen weh tun könnten?

Der Blick nach Griechenland  ist enorm wichtig. Denn das Zutagetreten von Bruchstellen im politischen und sozialen System in Hellas offenbart auch unsere Schwachstellen. An denen sollten wir in Deutschland arbeiten.

Freitag, 25. Oktober 2013

Der Arzt und die Einstellung

Gestern habe ich vom Fall eines Arztes berichtet, der sich in einem jahrelangen Strafverfahren befand. Heute berichtet die WELT, dass das Verfahren gegen Auflage einer Zahlung von 150.000 € nach § 153a StPO eingestellt wird.

Ein weiteres mir bislang nicht bekanntes Detail ist dem Bericht der Welt ebenfalls zu entnehmen: Die Anzeige, wegen derer es zu dem Strafprozess wegen Betruges kam, stammt von einem Versicherer.

Ob die Sache für den Arzt dann mit Zahlung dieser Auflage wirklich erledigt ist, da habe ich meine Zweifel. Das eine ist das Strafverfahren, das wird erledigt sein. Aber eine Anzeige wegen Betrug bedeutet, das jemand der Meinung ist, einen Vermögensschaden erlitten zu haben. Das wird im Zweifel der Versicherer sein.

Und der Versicherer wird in einem zweiten Schritt losgehen und versuchen, den ihm entstandenen Schaden bei demjenigen geltend zu machen, den er für verantwortlich hält. Ob das der Arzt, dessen Klinikum oder eine andere Stelle ist, kann ich den öffentlich zugänglichen Informationen nicht entnehmen.

Meine Prognose: beendet wird die Angelegenheit wohl nicht sein. Vielleicht erfahren wir in Zukunft noch mehr. Die Rechtsfragen, welche die am Strafprozess beteiligten Juristen sich offenbar zu klären scheuten, werden dann wohl beantwortet werden.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Persönliche Meinung: weshalb ich nicht privat krankenversichert bin

Der Journalist Frank Stocker berichtete am 06.10.2013 in der Welt von seinen Erfahrungen als Privatpatient im heutigen Gesundheitssystem. Er hat dabei das Gefühl, die Melkkuh des Systems zu sein. Und zwar für Versicherer wie auch für Ärzte - wenn ich ihn richtig verstanden habe.
Ich selbst war in der meisten Zeit meines Lebens gesetzlich versichert. Während des Referendariats war ich Beamter auf Widerruf - und damit beihilfeberechtigt. Die gesetzliche passte nicht mehr, also habe ich mich privat versichert. Ich hatte dabei eine Anwartschaft, mich nach Ende des Referendariats ohne weitere Gesundheitsprüfung voll privat versichern zu können.
Anschließend begann ich mit meiner Tätigkeit bei meinem heutigen Arbeitgeber, einer Kfz-Versicherung. Die Bezahlung war so, dass ich unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze lag. Also musste ich mich gesetzlich versichern. Ich bin dann einer BKK beigetreten. Und da bin ich heute noch.
Als es mir vom Einkommen her möglich war in die Private Krankenversicherung zu wechseln, habe ich mich dagegen entschieden. Stattdessen habe ich eine Zusatzversicherung abgeschlossen, von der ich mich manchmal frage, ob sie sinnvoll ist oder nicht. Aber echt blöde Erkrankungen sind bislang ausgeblieben. Das ist auch gut.

Warum bin ich nicht privat versichert?
Das, was ich jetzt schreibe, ist meine persönliche, höchst private Auffassung. Ich finde es wichtig, über solche Meinungen in der Öffentlichkeit zu sprechen. Daher mache ich bei mir selbst den Anfang. Aber ich habe durchaus nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zur Sache zu verkünden. Nur meine subjektive Sicht der Dinge steht hier zu lesen. 

Gegenargument: das Werben damit, dass Alltagshilfen unlimitiert bezahlt werden
Ich erinnere mich noch daran, wie seinerzeit alle Versicherungsvertreter mir erklärten, dass ich jährlich eine neue Brille haben könne, egal was die koste. Da ich weiß, dass es einige sehr kostspielige Modelle gibt, fragte ich mich wie das funktionieren kann. Es kann nicht funktionieren, ohne dass die Sache für alle Beteiligte immer teurer wird. Das läuft auf 'wenig geben, viel nehmen' hinaus. Solidarität geht anders. So ein System bereitet mir Bauchschmerzen.
Inzwischen, so habe ich gelernt, haben auch die privaten Krankenversicherungen bemerkt, dass das nicht funktioniert. Solche Positionen sind in den Versicherungsbedingungen jetzt limitiert. Das ist richtig und notwendig, weil sonst die Kalkulation stabiler Prämien nicht möglich sein kann. Aber die Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf.

Gegenargument: Anheben der Eintrittshürden
Dann habe ich bemerkt, dass die Hürden für Angestellte immer mehr angehoben wurden, um sich privat versichern zu können. Man sieht das ganz gut an der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze, wie sie bei Wikipedia dokumentiert ist.
Wenn aber (bei ohnehin sinkender Bevölkerungszahl) die Hürden für den Neueintritt in ein Solidarsystem kontinuierlich angehoben werden, dann betrifft das über kurz oder lang das Fundament dieses Systems. Jede Versichertengemeinschaft ist auf potentielles Wachstum angewiesen.

Gegenargument: die Schließung der Tarife
Zum Hintergrund meiner Sensibilität. Meine Eltern sind beide als Ärzte selbständig gewesen und bis heute bewusst gesetzlich versichert und nicht privat. Eine Entscheidung, über die sie immer recht froh waren. Sie haben nämlich gesehen, dass ältere Kollegen teils sehr über die hohen Prämien zu ihren Krankenversicherung klagen. Als junger Mann habe ich mich gefragt, weshalb meine Eltern die Vorteile einer privaten Krankenversicherung nicht für sich gesichert haben. Als inzwischen nicht mehr ganz so junger Mann kenne ich die Antwort: weil sie nicht blöd sind und an die Zukunft gedacht haben.
Aber woran liegt das? Die Krankenversicherer legen einen Tarif auf, für den dann Kunden geworben werden. Kommt einige Jahre später eine neue Tarifvariante, wird der bisherige Tarif geschlossen. Neue Kunden kommen nicht mehr dazu.
Was das bedeutet merkt man auf lange Sicht: die Kunden dieses Tarifs werden miteinander alt. Und dann eben, wie es so ist im Leben, immer kränker. Sie müssen als (recht kleine) Solidargemeinschaft die Heilbehandlungskosten ihrer Tarifgemeinschaft tragen. Und das führt dazu, dass die Beiträge zur Krankenversicherung erheblich ansteigen müssen. Da helfen auch die Altersrückstellungen nur bedingt weiter.  Frank Stocker hat diesen Effekt in seinem Artikel gut beschrieben.
Meine Meinung ist, dass eine Solidargemeinschaft etwas sehr langfristiges ist. Und sie ist auf einen generationenübergreifenden Zusammenhalt angelegt. Die Schließung von Krankenversicherungstarifen passt nicht dazu.
Vertrauen hätte ich in eine Private Krankenversicherung, die solche geschlossenen Tarife nicht kennt. Nicht in das System, wie es jetzt ist.

Gegenargument: die hohen Vermittlerprovisionen
Da ist noch etwas anderes. Ich habe lernen müssen, dass für die Vermittlung von Personenversicherungen enorm hohe Provisionen bezahlt werden. Warum? Klar, dahinter steht auch eine Beratungsleistung des Vermittlers mit dem Risiko, im Falle einer Fehlberatung schadensersatzpflichtig zu werden. Aber auch hier gilt, dass alles sein Maß haben muss. Ein oder zwei Monatsbeiträge als Provision könnte ich noch verstehen. Vielleicht auch drei. Aber dann ist das Maß dessen, was noch angemessen ist, irgendwo erreicht. Ich lese in der Presse von einer zulässigen Obergrenze für die Vermittlung von 9 Monatsbeiträgen.
Meine spontane Frage lautet: geht's noch?
Wird über eine zulässige Obergrenze von 9 Monatsbeiträgen als "Deckelung" berichtet, wird es wohl auch Ausreißer nach oben gegeben haben. Ganz ehrlich: wie marode muss ein Produkt kalkuliert sein, wenn man es nur durch Zahlung so hoher Vermittlungsgebühren mit ausreichend Neukunden versorgen kann?
Wie ich höre, zahlen die wirklich guten Krankenversicherer deutlich niedrigere Vermittlungsprovisionen als 9 Monatsbeiträge. Das ist auch richtig so. Aber mein Mißtrauen in die Branche wird dadurch nicht geringer.

Mein Fazit: dann doch lieber gesetzlich versichert
All die vorstehenden Punkte zusammen führten zu meinem Entschluß, im System der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben. Ich möchte mein Schicksal nicht in ein Solidarsystem geben, das politisch ausgetrocknet wird und das es offenbar nicht schafft, sich von internen Unmäßigkeiten zu befreien. Den Punkt mit den Tarifschließungen kann ich zwar nachvollziehen, um für die Neukundenwerbung günstige Preise darstellen zu können. Aber letzten Endes empfinde ich es als Sauerei gegenüber Bestandskunden, die in viel zu kleinen Solidargemeinschaften (nämlich den geschlossenen Tarifen) zusammengefasst sind. Zum Glück können die inzwischen in einen Basis-Tarif analog der gesetzlichen Kasse gehen.
Ich bin Frank Stocker für seinen Beitrag dankbar. Ich hoffe, er führt mit zu einer gesellschaftlichen Diskussion über das Krankenversicherungssystem. Mit dieser persönlichen Stellungnahme in meinem Blog, die meine ganz private Sicht der Dinge wiedergibt, möchte ich meinerseits dazu einen Beitrag leisten.