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Freitag, 27. November 2015

Martin Schulz - der Mann mit den kurzen Beinen

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz macht wieder einmal von sich reden. In einem Essay für die Zeit fordert er, die Grundrechte auf europäischer Ebene auszubauen. Ziel sei es, einen digitalen Totalitarismus zu verhindern.

In diesem Sinne hatte er sich schon vor der letzten Europawahl geäußert. Sein beschworenes Feindbild waren die Versicherungen, die Kundendaten auswerten und die damit ganz besonders böse sind. Das war schon damals eine Lüge - denn unter seiner Ägide ist gerade eine staatlich verordnete Pflicht zur Einführung von eCall auf europäischer Ebene durchgepeitscht worden.

Ich glaube diesem Menschen kein Wort, wenn es um Datenschutz geht. Mittlerweile mißtraue ich der Politik allgemein in diesem Punkt. Weshalb werden Überwachungstechnologien wie eCall denn eingeführt? An die fadenscheinige Begründung, dadurch werden so und so viele Menschen nach Unfällen künftig gerettet werden, glaube ich nämlich nicht. Und wenn Leute wie Martin Schulz dann auch noch versuchen, mir Sand in die Augen zu streuen durch Engagement für "mehr Grundrechte" und "gegen digitalen Totalitarismus", dann wächst mein Mißtrauen nur.

Solche Politiker sind der Feind jeder Demokratie, wenn sie Spitzenpositionen haben. Denn sie sind nicht integer und zerstören dadurch jedes Vertrauen in demokratische Strukturen.

Mittwoch, 2. September 2015

Telematik bringt viele Kosten und keinen Ertrag für Versicherungswirtschaft oder Kunden

Eine kleine Box enthält den Telematik-Chip.
Telematik war schon öfters ein Thema in meinem Blog. Ich sehe das sehr kritisch. Letzten Endes handelt es sich um ein Gimmick und keine Revolution für den Kfz-Versicherungsmarkt. Die Erwartungen an die Auswertung von Funkchips, welche in die Autos eingebaut sind, werden derzeit sehr hoch geredet. Allerdings hat die Versicherungswirtschaft mit dem bisherigen System der Schadensfreiheitsklassen ein Tarifierungsmodell, welches die Risiken einzelner Fahrzeuge bereits heute sehr gut und schadensgerecht kalkulierbar macht. Ob jemand auf einer Autobahn nun im Schnitt 120 km/h fährt oder doch lieber 150 km/h, macht für seine Schadenshäufigkeit nämlich keinen Unterschied, der sich nicht über den Schadensfreiheitsrabatt bereits heute erkennen ließe.

Hinzu kommen für mich noch Bedenken bzgl. des Datenschutzes, der durch Telematik und vor allem durch die Einführung von eCall (Schuld hier ist die Politik!) gefährdet wird.

Auf Versicherungswirtschaft heute wird gerade darauf hingewiesen, dass die Telematik-Technologie vermutlich mehr kostet als sie einbringen wird. Zudem darf man auch die mit der modernen Technik verbundenen Sicherheitsrisiken nicht außer Acht lassen. Darauf möchte ich Euch hinweisen.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Neues Datenschutzrecht ab 2018 geplant

Es ist geplant, in das Datenschutzrecht in Europa zu vereinheitlichen. Die Verhandlungen dazu werden nach einer Meldung der Welt derzeit aufgenommen. Ziel ist die Umsetzung bis 2018.

Es scheint, dass sich die Rechtslage gerade für Internetnutzer deutlich verbessern werden. Auf dem ganzen Kontinent soll dann das gleiche Recht gelten. Die derzeitige Grundlage für die nationalen Regeln ist die Datenschutzrichtlinie von 1995. Die ist zwar gut, aber durch die Entwicklung gerade im Bereich des Internet doch renovierungsbedürftig.

Ich bin trotzdem ein wenig skeptisch. Mit der verpflichtenden Einführung von eCall sehe ich Europa auf dem Weg in den Überwachungsstaat. Dass eine Technik eingeführt wird die Daten in erheblichem Umfang sammelt, dann aber durch neues Recht so getan wird, dass möglicherweise die Daten besser geschützt seien denn je, könnte sich als Augenwischerei entpuppen. Ich finde, hier ist bürgerliche Wachsamkeit angesagt.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Totalüberwachung durch westliche Staaten?

Der SPIEGEL berichtet, dass Frankreich seinen Geheimdiensten sehr weitgehende Rechte bei der Überwachung des digitalen Datenverkehrs seiner Bürger einführt. Bürgerrechts-Aktivisten sehen das sehr kritisch.

Die Erfassung von Metadaten der Kommunikation ist keineswegs neu. 2013 wurde bekannt, dass die Briefpost in den USA diesbezüglich seit mehr als einem Jahrzehnt schon im Focus der Dienste ist.

Ich finde, man muss aber in dem Kontext auch sehen, welche ihrer Daten die Menschen großen Unternehmen freiwillig zur Verfügung stellen. Die Datensammelei von Facebook war schon öfters Thema in meinem Blog. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht Google bereits auf dem Weg zur eigenen Staatlichkeit.

Ja, ich sehe auch Tendenzen in der westlichen Welt, bei uns den Überwachungsstaat einzuführen. In Europa sind die Einführung von eCall oder in Deutschland die Pkw-Maut für mich erste Schritte. Aber die Auswertung der ja bereits vorhandenen Datenströme durch staatliche Dienste finde ich relativ unproblematisch.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Datenschutz: Europa auf dem Weg in den Überwachungsstaat

Autohaus Online hat am 9.1.2015 berichtet, dass die Regeln zu eCall jetzt konkreter werden.

Die verräterische Botschaft: in 40 Monaten wird es für Neuwagen ohne eCall keine Typenzulassung mehr geben. Das bedeutet, sie dürfen in der Europäischen Union nicht mehr verkauft werden. Und aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der EU in der Welt wird das Thema wohl auch über unseren Kontinent hinaus ausstrahlen. Wer mehr wissen will, der soll nur mal hier bei Wikipedia zur ECE-Homologation nachlesen.

Meine Befürchtung, die ich im April 2014 dargelegt habe, verdichtet sich: unter dem Vorwand Leben retten zu wollen wird der Überwachungsstaat eingeführt.

Die Frage nach dem Knackpunkt kann ich auf Basis der mir vorliegenden Informationen nicht beantworten: werden Fahrzeuge ihre Betriebserlaubnis verlieren, wenn man das eCall System wieder ausbaut? Warten wir es ab.

Dienstag, 16. Dezember 2014

eCall, 170 Milliarden € und das Europäische Parlament

Telematikbox auf Autobatterie
Telematik war schön öfters Thema in meinem Blog. Insbesondere vermisse ich nach wie vor die in einer breiten Öffentlichkeit geführte Diskussion. Für diese dürfte es, da die Politik die Weichen schon gestellt hat, vermutlich aber schon zu spät sein.

Ich denke, das Thema ist zu komplex damit es - bis auf ein paar Internetfreaks mit Durchblick zu den Möglichkeiten der Datennutzung - jemanden interessiert.

Anfang Dezember erschein bei ZDNet ein hochinteressanter Artikel zum Thema. Auf den möchte ich Euch hinweisen. Die Autoren sprechen von 170-Milliarden-Euro, um die es geht. Ganz unberechtigt ist, wenn diese Zahl stimmt, der Hinweis auf wirtschaftliche Interessen nicht.

Immerhin hat das Europäische Parlament reichlich Material zur Einführung von eCall veröffentlicht. Der Vorwurf, dass die Sache heimlich, still und leise durchgezogen wurde, kann insofern nicht gemacht werden. Allerdings muss man doch die Frage stellen, weshalb unsere Medien diese verkappte Einführung des Überwachungsstaates nicht kritisch begleitet haben? So sehe ich die Einführung von eCall jedenfalls, wie ich im Blog auch schon dargelegt habe.


Dienstag, 24. Juni 2014

Portfolio International: lesenswerter Bericht über eCall und Telematik

nachträglich eingebaute Telematikbox
Das Thema eCall taucht inzwischen ab und an doch in den Medien auf. Und das ist gut so, wenn auch etwas spät. Denn die politischen Weichen sind längst gestellt.

Aktuell möchte ich Euch auf einen Artikel von Hans Pfeifer hinweisen, der auf Portfolio International erschienen ist. Im ersten Teil weist er auf folgende Möglichkeiten hin, die mit der neuen Technologie verbunden ist:
  • Daten über Zustand und Wartungsbedarf des Fahrzeugs können an Hersteller und Werkstätten übermittelt werden, z.B. zu Bremsbelägen und Autobatterie. Diese melden sich beim Autobesitzer, ehe das Fahrzeug liegen bleibt.
  • Versicherer könnten leichter ein Mitverschulden des Autofahrers bei einem Unfall nachweisen. Denn sein Fahrverhalten wird aufgezeichnet.
  • Bei einer Panne oder einem Unfall wird sofort Hilfe organisiert.
  • Polizei oder Nachrichtendienste können auf die Daten zugreifen und sie auswerten.
  • Die Europäische Union erwartet sich bis zu 2.500 Verkehrstote pro Jahr weniger durch die neue Technologie.
Im zweiten Teil zeigt er auf, dass vor allem die Versicherer Wettbewerbsnachteile gegenüber den Kfz-Herstellern befürchten.

Über all diese Punkte muss öffentlich gesprochen werden.

Dass der Fahrzeugzustand an Hersteller oder Werkstätten gemeldet wird, ist eine zweischneidige Sache. Gut finde ich, wenn die Gefahr des Liegenbleibens nicht so groß ist. Aber wer eine echte Schrottkarre fährt, den wird ein Anruf des Herstellers mit der Bitte in der nächsten Markenwerkstatt vorstellig zu werden wohl kaum interessieren. Und überhaupt: ist die Gefahr nicht groß, dass dem Autohalter etwas verkauft wird, dessen Sinnhaftigkeit ihm nicht klar ist?

Das Versicherer leichter ein Mitverschulden nachweisen können, wird gerne als Argument dafür angeführt, um ihnen den Zugang zu den Daten zu verwehren. Führt der Einwand des Mitverschuldens doch dazu, dass der Geschädigte seinen Schaden nicht voll ersetzt bekommt. Doch diese Sicht ist auch einseitig, denn es sind in der Regel zwei Autofahrer an einem Crash beteiligt. Sie sind beide Geschädigte. Bekommt der eine seinen Schaden wegen eines Mitverschuldens nicht voll ersetzt, bekommt der andere aber zumindest einen Teil seines Schadens ersetzt. Gerade hier muss man alle Beteiligte sehen. Für die Versicherungswirtschaft wird es nicht wirklich billiger, denn die Kfz-Versicherer müssen zwei Schäden bearbeiten und (zum Teil) ersetzen. Ist es gerecht, wenn einer seinen Schaden nicht voll ersetzt bekommt, weil ihm ein Mitverschulden nachzuweisen ist? Das Gesetz (§ 254 BGB) beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja.

Dies sind nur zwei Punkte. Hier kann man sicher auch viele weitere Argumente pro und contra aufführen. Dazu lade ich die Leser dieses Blogs und alle Menschen in Europa herzlich ein.

Diese Punkte beantworten aber nicht, weshalb die größte quasi-staatliche Organisation auf dem Kontinent - die Europäische Union - mit aller Macht die eCall-Technologie durchboxt. Wenn die Polizei mit ihrer Hilfe auf Verbrecherjagd geht, mag das noch akzeptiert werden. Wer möchte nicht, dass Einbrecher, Vergewaltiger oder Mörder gefasst werden?
 Die Wettbewerbsnachteile der Versicherer können diese durch etwas Mut zu klaren Produkten kompensieren. Weshalb sollen Versicherer das Geschäft der Hersteller bezahlen, wenn diese die Schadenssteuerung übernehmen? Lässt ein Kunde die Hersteller auf umfangreiche Daten zugreifen und ihn im Schadensfall in dessen Werkstätten bringen, wird sich das durch eine höhere Prämie niederschlagen müssen als wenn der Kunde dem Hersteller den Zugriff nicht erlaubt. Wer eine sehr günstige Versicherungsprämie will, kann sein Fahrzeug nicht komplett den Markenwerkstätten überlassen. Qualität mag ihren Preis haben, der muss dann aber auch bezahlt werden. Auch das ist nur eine Scheindebatte. Sowohl Hersteller als auch Versicherer werden ihre Chancen durch die neue Technik zu nutzen versuchen, beiden wird es nicht vollständig gelingen. Am Ende entscheidet der Bürger, der zumindest in Bezug auf die eigene Geldbörse in der Regel noch mündig ist.

Die Sorgen um oder von Kfz-Herstellern oder Versicherern sind aber nicht der Kernpunkt der neuen Technologie. Was ist mit den Nachrichtendiensten? Welche Macht haben diese über uns, wenn sie die Bewegungsprofile aller Bürger auswerten können?

Meine Meinung ist, dass die eCall Technologie nichts anderes ist als eine Teilstrecke des Marsches in den Überwachungsstaat. Die angeblich 2.500 Verkehrstote weniger sind nicht wirklich belegt, sondern eine Behauptung die lediglich als Totschlagargument gegen Kritiker dient. Die Diskussion über Datenmacht für Versicherer und Kfz-Hersteller halte ich für eine Scheindebatte, die vom eigentlichen Anliegen ablenkt. Der Verbraucher kann entscheiden, ob diese auf seine Daten zugreifen dürfen oder nicht.

Worüber der Verbraucher aber nicht entscheiden kann ist, ob in sein (ab 2015 neu gebautes) Fahrzeug die eCall Technologie eingebaut wird oder nicht. Warum das so ist, warum der Verbraucher gezwungen wird ein Überwachungsgerät mit sich herumzutragen, das ist die Frage, die von uns mündigen Bürgern an die Politik gestellt werden sollte. Die Frage, die bislang zu wenig gestellt wird.

Sonntag, 4. Mai 2014

Telematik, Datenschutz und der langsame Marsch in den Überwachungsstaat

Meine persönliche, ablehnende Haltung zu den Telematikboxen, die ab nächstem Jahr in allen neuen Autos in der EU verbaut werden (müssen), habe ich Euch Mitte April ausführlich dargelegt.

Am 29.04.2014 erschien bei Versicherungswirtschaft heute ein sehr interessanter Beitrag zum Thema, auf den ich meine Leser hiermit hinweisen möchte.

Die Sparkassen Direktversicherung hat ja einen ersten Tarif mit Telematik-Komponente gestartet. Die Politik, z.B. der Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl Martin Schulz, nutzt so etwas für den politischen Fingerzeig auf möglichen Datenmißbrauch durch Privatunternehmen.

Jürgen Cramer, Vorstandsmitglied der S Direkt, wird jetzt wie folgt zitiert:
Gerade die Datenschutz-Thematik wurde von uns vorab intensiv mit Datenschützern abgestimmt. Im Gegensatz zu den Autoherstellern, die darauf keine Rücksicht nehmen, haben wir von Anfang an Wert auf die Trennung von Datenkreisen gelegt, das heißt die Klärung der spannenden Frage, was kommt bei uns an, und was verbleibt beim Versicherten?
 Dass den Nutzern die gesammelten Daten transparent gemacht werden, ist auch meine Erfahrung aus Teilnahme an der Studie eines großen Versicherers (siehe Berichte Nummer 1, Nummer 2 und Nummer 3).

Dem Fingerzeig auf die Automobilhersteller wird an anderer Stelle noch einmal nachzugehen sein.

Fest steht aber, dass weder Versicherer noch Automobilhersteller den zwangsweisen Einbau der Telematik-Vorrichtungen in Neufahrzeuge beschlossen haben. Das war die Politik, und zwar auf europäischer Ebene. Für mich ist das der schleichende Marsch in den Überwachungsstaat.

Mittwoch, 16. April 2014

Telematik, eCall, Datenschutz und meine Meinung

Ich habe jetzt von eigenen Erfahrungen in Sachen Telematik berichtet, die ich als Teilnehmer einer (inzwischen beendeten) Studie gemacht habe. Dabei habe ich festgestellt, dass folgende Daten durch die Aufzeichnung meines Fahrverhaltens gewonnen werden können:

Diese kleine Box ermöglicht die Überwachung

Brauchen Kfz-Versicherer diese Überwachung?
Meiner Meinung nach nicht.

Telematik scheint im Augenblick ein Modethema für Versicherungen zu sein. Jedenfalls wirkt es so auf mich.

Nach meiner Meinung lassen sich faire Versicherungsprämien nach dem herkömmlichen System des Schadensfreiheitsrabattes sehr gut kalkulieren. Es gibt keinen wirklichen Bedarf nach noch mehr Daten als Berechnungsgrundlage für die Kfz-Versicherung.

Aber letzten Endes muss jeder Versicherer für sich selbst klären, ob er hier einen echten Mehrwert für sich und seine Kunden (sonst werden Pay-As-You-Drive Tarife nicht akzeptiert) generieren kann.


Warum will die Politik die Überwachung?
Das ist ein politisch getriebenes Projekt. Heute habe ich im Spiegel gelesen, dass das EU-Parlament jetzt die eCall Pflicht beschlossen hat. Das bedeutet, dass ab 2015 jedes neu gebaute Auto in der Europäischen Union über so eine Überwachungsbox verfügen muss. Politisch verkauft wird dies als automatischer Notruf. Kritiker nennen dieses System einen verräterischen Lebensretter. Ich glaube der Politik dieses Motiv nicht.

Geradezu verräterisch finde ich, was ein Spitzenpolitiker in diesem Zusammenhang von sich gibt. Parlamentspräsident Martin Schulz, zeitgleich Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl, hat sich vor kurzem in einem Interview mit der BILD wie folgt geäußert:
Wenn also zukünftig die Autoversicherungen ihre Tarife immer stärker am Verhalten ihrer Kunden ausrichten und gleichzeitig mein Auto unzählige Daten über mein Fahrverhalten übermittelt, dann könnten meine Daten aus meinem Auto gegen mich verwendet werden. Deshalb brauchen wir europaweite strenge Datenschutzrechte,  ...
Ganz ehrlich: ich halte Martin Schulz mit seinen Äußerungen zu eCall durch und durch für verlogen. Und dass er Präsident des Parlamentes ist, das die eCall-Pflicht soeben ohne gesellschaftliche Debatte durchgewunken hat, macht Angst. Ich habe die Befürchtung, dass wir ohne große Ankündigung in einen Überwachungsstaat geraten, wie ihn sich selbst George Orwell nicht schlimmer hat ausdenken können.

Begründung für diese - zugegeben hart formulierte - Meinung:
  • Datenschutz wird in der Versicherungswirtschaft sehr groß geschrieben. Dass hier ein Code of Conduct, der sogar über geltendes Datenschutzrecht hinausgeht, als Selbstverpflichtung verabschiedet wurde, war vielleicht nicht ganz freiwillig. Aber für den Datenschutz ist das eine gute Sache. Und das gilt nicht nur für die deutschen Versicherer, sondern auf europäischer Ebene.
  • Der Anbieter, an dessen Telematik-Studie ich teilgenommen habe, hat allen Teilnehmern absolute Einsicht in die gewonnenen Daten über ihn selbst gewährt. Daher stammten ja auch die Grafiken, die ich hier leider nicht veröffentlichen konnte.
    Ich bin diesem Anbieter ehrlich gesagt für die Teilnahme an der Studie sehr dankbar. Denn sonst hätte ich nicht begriffen, in welchem Maße hier Daten gesammelt werden.
  • Zur Verlogenheit des Herrn Schulz: die Technologie, die das Datensammeln erst möglich macht, wurde aufgrund einer Initiative europäischer Institutionen erst verpflichtend eingeführt. Martin Schulz bewirbt sich um das höchste Amt in Europa. Gerade eben hat das Parlament die letzten Beschlüsse dazu gefasst. Es soll doch niemand einem Parlamentspräsidenten glauben, der in dieser Situation auf die Versicherungswirtschaft zeigt und laut ruft: "das sind die Brandstifter" und zum Löschen nach neuen Gesetzen verlangt. Die sollen dann ebenfalls von ihm und seinen Politkumpels beschlossen werden. Geht's eigentlich noch?
  • Ich glaube den europäischen Einrichtungen nicht, dass es zum schnelleren Erreichen von Verkehrsopfern hilfreich ist, die Voraussetzungen zu schaffen um die Daten aller Fahrten aufzuzeichnen (inkl. des akutellen Standortes, der letzten Endes nur der letzte Wert in einer langen Liste ist). 

Meine Meinung: das ist der Weg in den Überwachungsstaat
Hier hat man von staatlicher Seite aus die Möglichkeit geschaffen, Bewegungsprofile aller Fahrzeuge aufzuzeichnen und so die Bürger total zu überwachen. Daher meine Meinung, dass die neuen eCall Systeme ein böser und kaum mehr rückgängig zu machender Schritt in einen totalen Überwachungsstaat sind. Das Gerede über die bösen Versicherer, die ihre Kunden total überwachen, ist doch nur eine propagandistische Nebelgranate. Mehr nicht!

Wenn jemand so etwas freiwillig möchte, habe ich kein Problem damit. Es gibt auch genügend Leute, die sich Trackingprogramme auf ihren Handys installieren, mit denen Wander- oder Laufrouten aufgezeichnet und dann über soziale Medien ins Internet gestellt werden. Wenn man das für sich so entscheidet, ist das für mich in Ordnung.

Aber ich möchte nicht verpflichtet werden, eine Datensammelvorrichtung mit mir führen zu müssen. Und eCall ist eine Verpflichtung.

Für mich kann ich ganz klar sagen: das möchte ich nicht. Und ich möchte die Möglichkeit haben, auch nach 2015 einen Neuwagen zu kaufen, der kein eCall System an Bord hat.


Das einzige, was wir Bürger jetzt noch tun können: darüber reden
Soweit ich es sehe, sind die politischen Weichen jetzt wohl gestellt. Im Mai sind Europawahlen. Das einzige was wir Bürger noch tun können: darüber reden.

Sind bei Euch Veranstaltungen von Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien? Geht hin und fragt sie nach dem Thema.

Und: redet darüber in der Öffentlichkeit. Schreibt Eure eigene Meinung in Blogs, auf Facebook oder als Leserkommentare in den Zeitungen. Redet mit Euren Freunden darüber. Oder verbreitet meinetwegen meinen Blogeintrag im Internet. Ich habe nichts dagegen.

Demokratie lebt vom Mitmachen und nicht davon, sich die Dinge gefallen zu lassen. Und Demokratie lebt eben auch davon, dass der Staat nicht Zugriff auf alle Daten seiner Bewohner hat. Nur nicht überwachte Bürger sind wirklich frei!

Neue Zugriffsmöglichkeiten wie eCall zu schaffen sehe ich daher mit sehr, sehr großer Sorge.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 4 - genaue Aufzeichnung der Fahrten

In diesem Teil meines Berichtes wollte ich eigentlich eine Grafik zeigen, die ein typisches Fahrtprotokoll aus dem Webangebot meines Telematik-Anbieters zeigt. Das muss leider unterbleiben.

Dort wurden zwischen dem 4.1.2014 und dem 18.1.2014 insgesamt acht Fahrten festgestellt.

Protokolliert sind folgende Werte:
  • Datum
  • Uhrzeit des Fahrtantritts
  • Dauer
  • Länge

Beispiel Trip 1:
  • Datum: 4.1.2014
  • Fahrtantritt: 12.20 Uhr
  • Dauer der Fahrt: 7.2 Minuten
  • Länge: 1,09 km
Diese Werte sind für alle acht Fahrten im genannten Zeitraum abrufbar. In einer weiteren Grafik, die ich ebenfalls nicht veröffentlichen kann, kann man die genannte Fahrtstrecke auf einer Karte eingezeichnet sehen.

Dienstag, 15. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 3

Heute gab es für mich eine kleine Überraschung.

Der Anbieter, an dessen Studie ich teilgenommen habe, ist auf mich zugekommen mit der Bitte, die Grafiken aus dem internen Account nicht im Internet zu veröffentlichen. Dieser Bitte komme ich nach.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 2

Gestern habe ich einen ersten Bericht von meinen Erfahrungen mit dem Thema Telematik gebracht. Heute folgt der zweite Teil.

In einer weiteren Grafik wird gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit ich so unterwegs gewesen bin.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt

Man sieht zum Beispiel, dass ich einmal das Auto mal richtig ausgefahren habe. Anders formuliert: ich habe aufs Gas getreten und rausgeholt, was ging.

Dabei kann ich mich eigentlich nur an eine solche Fahrt erinnern. Freie Straße, gute Laune, schöne Sonne... ich geb's zu. Aber diese eine Fahrt scheint das System nachhaltig beeindruckt zu haben (genauso mich beim erforderlichen Tanken auf halber Strecke... normalerweise reicht ein Tank für die gesamte Fahrt, die ich unternommen habe).

Man kann sich noch Werte für Bremsen, Beschleunigen, das Fahren von Kurven oder Spurwechsel anzeigen lassen. Die Daten für meine Box, die ich mir angeschaut habe, waren sehr ungenau. Aber wenn diese Systeme noch etwas lernen, können Anbieter die Daten mit Kartenmaterial (wie es in jedem Navigationssystem verwendet wird) abgleichen und dann kann man sehen, wo der Fahrer wie unterwegs gewesen ist.

Montag, 14. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 1

Ich habe berichtet, dass ich an einer Studie zum Thema Telematik teilgenommen habe. Mir ging es dabei darum herauszufinden, was man mit so einer Box im Auto alles messen kann.

An dieser Stelle möchte ich die Sache nicht bewerten. Ich möchte Euch vielmehr einige Informationen vorstellen, die ich im vom Anbieter unter dem von ihm bereitgestellten Account habe entnehmen können. Heute möchte ich mit Informationen über mein Fahrverhalten beginnen, die so für mich auch neu waren.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt.

Die meiste Zeit fahre ich mit dem Auto in der Stadt, was mich nicht wirklich überrascht hat. Die meiste Strecke bin ich aber auf der Autobahn unterwegs. Das hätte ich so nicht gedacht, eben weil ich geführt (und von der Zeit her tatsächlich) primär in der Stadt mit dem Auto fahre. Dass ich hauptsächlich am Tage unterwegs bin, war mir auch klar. Den Anteil der Nachtstrecken hätte ich selbst etwas höher eingeschätzt.

In der nächsten Zeit werde ich von weiteren Erfahrungen mit der Telematik berichten.

Sonntag, 6. April 2014

Pay as you drive: ein unsinniges Modethema

Spricht man mit Leuten über die Zukunft der Kfz-Versicherung, taucht immer wieder mal das Stichwort "pay as you drive" auf. Die Versicherungsprämie soll sich nach dem Fahrverhalten berechnen, was gerechter sei und zu einem sichereren Verhalten im Straßenverkehr erziehe. So der Grundgedanke.

Ich persönlich halte das für ziemlichen Schwachsinn, zumal es bei uns in Deutschland mit dem System des Schadensfreiheitsrabattes da auch schon vernünftige, seit Jahren bewährte Lösungen gibt.

Warum bezeichne ich diese Idee als Schwachsinn?

Ganz einfach: in Deutschland haften wir aus Betriebsgefahr, d.h. auch ohne Verschulden kann es zu einer Schadensersatzpflicht kommen. So müssen Fahrzeughalter haften, wenn z.B. ihr Auto aufgrund eines technischen Defekts abbrennt und jemand anderem einen Schaden zufügt. Dies gilt auch dann, denn die Halter dafür persönlich nichts können, sie also überhaupt keine Schuld trifft.

Pay as you drive suggeriert, dass man für die Versicherung nur zahlen muss, wenn man das Auto tatsächlich benutzt. So ist es aber nicht, eben wegen der Haftung aus Betriebsgefahr. Daher muss die Versicherung richtigerweise auch bezahlt werden, wenn das Auto überwiegend am Straßenrand geparkt steht.

Und für eine Versicherung kann das Risiko eines versicherten Fahrzeugs nach Typen- und Regionalklasse berechnet werden. Das Risiko des Versicherungsnehmers ist auch nach seinem Schadensfreiheitsrabatt und anderen Kriterien (z.B. erhalten Eigentümer von selbst genutzten Immobilien oft einen kleinen Rabatt) einzuschätzen. Einer elektronischen Überwachung des Fahrverhaltens bedarf es da nicht. Bei "pay as you drive" handelt es ich um ein durch die technische Entwicklung bedingtes Modethema, nicht aber um eine echte Neuerung.

Den Medien entnehme ich, dass die S-Direktversicherung als erste Gesellschaft in Deutschland nun einen "pay as you drive" Tarif anbietet. Wenn man dies bei einem Direktversicherer tut, ist das ein Indiz dafür, dass die hinter der S-Direkt stehende Versicherungen aus dem Sparkassen-Bereich das Thema für sich einmal austesten möchte. Findet so ein Tarif Akzeptanz bei den Kunden? Gibt es für die anbietende Gesellschaft irgendwelche echten Vorteile? Auf die Ergebnisse bin ich mal gespannt.


Ich habe selbst knapp ein Jahr lang an einer Pilotstudie eines großen deutschen Versicherers teilgenommen. eCall und Telematik sind von Europa gesetzte Themen, an denen jeder einzelne Verbraucher nicht vorbeikommt. Eine echte gesellschaftliche Diskussion dazu fehlt bislang.

Die wünsche ich mir. Versicherungsthemen sind - auch wenn sie unter Aspekten des Datenschutzes debattiert werden - dabei nach meiner Meinung nur eine Nebensache. Dazu kommt mehr in den nächten Tagen hier im Blog.

Freitag, 8. November 2013

Telematik und Datenschutz: die Diskussion beginnt

Endlich beginnt die gesellschaftliche Diskussion. Allerdings reichtlich spät und deshalb auch am Thema vorbei.

Ende Oktober berichtete Auto Bild über Datenspeicherung im Auto. So späht Ihr Auto Sie aus lautete die Warnung.

Auto Bild berichtete über seine neue Ausgabe, dass darin Verkehrsrechtler diskutieren, wem die Daten gehören. Ich finde, so wird aus einem eigentlich wichtigen Thema letzten Endes nur eine Verkaufsmasche für das Heft. Legitim, aber eben nur Masche.

Fakt ist, dass ab nächstem Jahr in ganz Europa in Neuwagen Telematik-Systeme eingebaut sein müssen. Datenschützer haben damit offenbar bislang wenig Probleme, jedenfalls ist von ihnen dazu nichts laut geworden als diese Vorschriften in der politischen Diskussion waren.

Ich finde, eine gesellschaftliche Debatte dazu tut not. Auch wenn es spät ist - wann, wenn nicht jetzt?

Freitag, 1. November 2013

eCall und Telematik - wo bleibt die gesellschaftliche Diskussion?

Die Telematik-Box wird auf die Batterie
im Auto monitiert - ganz einfach.
Im August 2013 habe ich im Blog die Frage gestellt, ob wir die Notrufsäulen an unseren Autobahnen noch brauchen. Die Frage ist vor dem Hintergrund der Einführung der eCall Technik in Europa legitim.

Zum Begriff Telematik habe ich im Lexikon der Auto-Bild eine brauchbare Erklärung gefunden. Leider findet man dort unter dem Buchstaben E bislang nichts zum Thema eCall.

Aber bei Wikipedia ist eCall gut erklärt. Die entscheidende Information lautet: ab Oktober 2015 wird eCall in allen Neuwagen in Europa eingebaut.

Eigentlich zu spät, aber immerhin kommt langsam eine gesellschaftliche Debatte zum Thema zustande. So schreibt Sascha Rhode in der Deutschen Handwerks Zeitung zum Thema. Allerdings unter dem Aspekt der Kfz-Versicherer mit denkbaren pay-as-you-drive Tarifen. Man bezahlt nach diesem Modell nur für den Versicherungsschutz wenn man das Auto auch tatsächlich nutzt. An dieser Stelle möchte ich diese Idee nicht diskutieren. Nur so viel: eCall und Telematik haben echte Relevanz nicht gegenüber den Versicherungen.

Was mir fehlt ist eine Debatte um die Frage, mit welchem Recht staatliche Stellen den Bürgern vorschreiben, in ihre Fahrzeuge Geräte einzubauen, mit denen die gefahrenen Routen komplett transparent und nachvollziehbar werden. Es gibt divernse Datenschutzbeauftragte, sogar einen für Europa.

Aber wenn Daten gesammelt werden, sind sie vorhanden. Sind sie vorhanden, werden sie genutzt. Gibt es staatliche Stellen, die ein Interesse daran haben zu wissen was einzelne Bürger machen, werden sie auf die Daten zugreifen wollen. Egal wie die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen - das wird versucht werden.

Daher ist eine gesellschaftliche Diskussion zum Thema Telematik und eCall meiner Meinung nach sehr wichtig. Auch wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Donnerstag, 29. August 2013

Notrufsäulen an der Autobahn - brauchen wir die noch?

Am 06. Mai 2013 berichtete Spiegel Online, dass die Notrufsäulen an den deutschen Autobahnen genutzt werden. In 2012 gab es von ihnen ganze 74.171 Anrufe. Dazu muss man wissen, dass es ca. 16.700 Notrufsäulen gibt. Das bedeutet, jede von ihnen wurde im Laufe des Jahres ungefähr 4,4 mal benutzt. Einige viermal. Andere fünfmal. Im Durchschnitt betrachtet. Die Welt bringt es genauer auf den Punkt: 20% der Säulen wurde gar nicht genutzt, die übrigen 80% mindestens einmal.

Die Idee der Notrufsäulen ist eine sehr gute gewesen. Die ersten wurden 1924 in Berlin aufgestellt. Heute stehen sie an jeder Autobahn, teils auch außerhalb. Betrieben wird das Netz seit 1999 von der Dienstleistungsgesellschaft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Grundidee ist nach wie vor gut. Aber die technische Entwicklung ist doch weiter gegangen und weder 1924 noch 1999 stehen geblieben.

Ich stelle mir daher die Frage, ob man diese Dinger heute noch braucht. Der GDV wird sie nicht ohne entsprechenden gesellschaftlichen und politischen Rückhalt einstellen. Aber sie kosten Geld, das letzten Endes (indirekt) von den Versicherungskunden aufgebracht werden muss. Die Frage, ob das sein muss, halte ich deswegen für legitim.

Einmal hat fast jeder Autofahrer heute ein Handy. Nimmt er es nicht mit und hat er dann auf der Autobahn eine Panne, ist er dankbar für die Notrufsäulen. Aber wer heute noch Auto fährt und zu geizig ist sich ein Handy (einfache Handys gibt es für 20 Euro), hat der einen Anspruch darauf, daß extra für ihn das doch relativ teure Netz der Notrufsäulen unterhalten wird? Ich finde nicht. Und mit einem Handy kann man problemlos beim Zentralruf der Autoversicherer anklingeln. Dort gehen die selben Leute an den Apperat, die auch Gespräche von den Notrufsäulen annehmen würden.

Zum anderen wird eCall demnächst standardmäßig in neue Fahrzeuge eingebaut werden. Auch lassen sich Telematik-Boxen in Fahrzeuge nachrüsten. Für meinen Arbeitgeber nehem ich z.B. an einer Studie teil, die sich "wir fahren voraus" nennt. Was ich davon halten soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber die Grundidee von eCall, daß ein kleiner Rechner an Bord bemerkt wenn es einen Unfall mit heftiger Einwirkung auf das Fahrzeug gibt, und der dann Rettungskräfte alarmiert, finde ich sinnvoll. Über die Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten kann man sich natürlich Gedanken machen... aber nicht im Rahmen dieses Beitrags.

Die Frage, ob man die Kosten für die Notrufsäulen weiter aufbringen oder sich das Geld nicht lieber sparen sollte, finde ich legitim. Ich möchte mich an dieser Stelle mit meiner Meinung noch zurückhalten, freue mich aber über jeden Eintrag im Blog.