Posts mit dem Label Unfallschaden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Unfallschaden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 10. April 2015

Ehrlich währt am längsten - zwei Urteile zur Bedeutung unfallfremder Schäden im Schadensersatz

Stammt dieser Schaden wirklich aus diesem Unfall?
Ich möchte Euch auf zwei interessante Gerichtsurteile zum Ersatz von Schäden durch die Haftpflichtversicherung nach einem Unfall aufmerksam machen.

In beiden Urteilen geht es um die Frage, welche Folgen für Geschädigten aber auch für (angeblichen) Schadensverusacher in Betracht kommen, wenn ein nach Unfall geltend gemachter Schaden gar nicht aus diesem herrührt.

Einmal ist da das Urteil des Amtsgerichts München vom 05.07.2013 (Aktenzeichen 331 C 13903/12). Hier gab es eine leichte Kollision beim Ausparken. Die Fahrerin des "schulidgen" Fahrzeugs meinte, keinen Schaden verursacht zu haben und fuhr nach einer kurzen Kontrolle weg. Es wurde Anzeige wegen Fahrerflucht erstattet. Zwei Zeuginnen bestätigten der Polizei gegenüber die Verursachung. Die Kfz-Versicherung der weggefahrenen Frau bezahlte daraufhin eine Entschädigung in Höhe von 985,78 Euro. Die Frau ließ ein Gutachten fertigen das nachwies, dass der geltend gemachte Schaden nicht durch die hier gegenständliche Kollision verursacht worden sein konnte. Im Ergebnis hatte sie also Recht, wenn sie sagte "ich war es nicht". Allerdings hatte sie das ihrer Versicherung so nicht gesagt, vielmehr kamen vor der Auszahlung der Entschädigung kaum Informationen von ihr. Daher hat das Amtsgericht entschieden, dass es hier in Ordnung war, dass die Versicherung eine Entschädigung ausbezahlt hat, obwohl der Schaden nicht durch das versicherte Fahrzeug verursacht wurde. Denn zum Zeitpunkt der Auszahlung konnte die Versicherung davon nichts wissen. Die angebliche Unfallverursacherin muss daher nicht nur die Höherstufung ihres Kfz-Vertrages akzeptieren. Sie muss auch die Kosten des von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Unfallursächlichkeit des Schadens selbst tragen.

Dann weise ich noch auf das Urteil des OLG Hamm vom 15.10.2013 (Aktenzeichen 9 U 53/13) hin. Hier ging es auch um einen Unfallschaden nach Kollision zweier Fahrzeuge. Die fand statt. Allerdings machte der geschädigte Kläger hier Schäden geltend, die nicht auf den gegenständlichen Unfall zurück zu führen waren. Das führte dazu, dass er im Ergebnis überhaupt keinen Schadensersatz zugesprochen bekam.

Aus beiden Urteilen kann man sehen, dass Folgendes zu empfehlen ist:
  • für den Unfallverusacher: er muss seiner Kfz-Versicherung den Schaden schnellstmöglich melden. Gibt es Bedenken, dass der behauptete Schaden nicht durch ihn verursacht wurde, muss er das seiner Versicherung auch sagen.
  • für den Geschädigten: er darf nur die Schäden geltend machen, die ihm durch den konkreten Unfall wirklich zugefügt worden sind. Macht er unfallfremde Schäden geltend, kann das im Ergebnis dazu führen, dass er gar keine Entschädigung erhält.