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Sonntag, 24. November 2013

Große Koalition: die Lügen beginnen leise und bei den Managergehältern

Bild am Sonntag berichtete heute, Union und SPD seien sich bei der Begrenzung von Managergehältern einig. Wörtlich heißt es:
Union und SPD haben sich darauf geeinigt, Managergehälter stärker zu kontrollieren. Der Aufsichtsrat jedes börsennotierten Unternehmens muss künftig ein Maximalverhältnis zwischen dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen in der Firma und dem jedes Vorstandsmitgliedes festlegen.
Ich denke, hier beginnt die Volksverarschung. Es gibt eine gewisse Neigung in der Bevölkerung, dass man es "denen da oben" mal zeigen müsse. Und bei teils ultrahohen Managervergütungen spielt auch Sozialneid mit hinein.

Es gibt bereits ein Vergütungsregister. Seit 2006 werden hier die Vergütungsberichte der im Prime Standard der Frankfurter Börse notierten Unternehmen veröffentlicht.

Wer es möchte, kann bereits heute nachschauen, was Vorstände verdienen. Hier ist ein Link zur Recherche von Vorstandsvergütungen. Interessenten können sich da austoben.

Wie hoch das durchschnittliche Arbeitnehmereinkommen in den Unternehmen ist, wäre in der Tat eine interessante Information. So etwas kenne ich bislang nur vom Statistischen Bundesamt.

Ich halte das, was Union und SPD da zu beschließen ankündigen, für Verarschung der Bevölkerung. Das ist politischer Aktionismus, durch den Sozialneid bedient wird. Sonst nichts.

Weshalb komme ich zu dieser Bewertung.

Alle an der Börse notierten Unternehmen dürften so groß sein, dass sie einen Betriebsrat haben. Die Mitarbeiter bestellen auch Mitglieder für den Aufsichtsrat. Man darf nach meiner Erfahrung davon ausgehen, dass die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten und die jeweiligen Betriebsräte einen guten Draht zueinander haben. Oft sind das die selben Personen.

Man darf auch unterstellen, dass sowohl Betriebsräte als auch Aufsichtsräte über die in der jeweiligen Firma übliche Vergütung und das Durchschnittseinkommen informiert sind.

Der Aufsichtsrat vertritt das Unternehmen gegenüber dem Vorstand, vgl. § 112 AktG. Damit fällt auch die Vorstandsvergütung in seinen Zuständigkeitsbereich.

Also: den Beteiligten in den jeweiligen Unternehmen sind die entsprechenden Daten bereits bekannt. Veröffentlicht werden nur die Vorstandsgehälter, nicht aber die in den Unternehmen gezahlten Durchschnittsgehälter.

Das mag auch seinen Grund haben. Jeder, der Durchschnittliches leistet, aber unterdurchschnittlich bezahlt wird, wird sich als ungerecht entlohnt empfinden. Dass die Entlohnung im Alter i.d.R. höher ist als bei jungen Berufsanfängern, muss bei solchen Durchschnittswerten über alle Mitarbeiter auch unberücksichtigt bleiben. Ich bin skeptisch, ob die Veröffentlichung eines Wertes für das Durchschnittseinkommen dem Betriebsfrieden wirklich förderlich ist. Auf junge Mitarbeiter, die in der Regel weniger verdienen als ältere Mitarbeiter die das selbe tun, muss das auch demotivierend wirken.

Vielleicht beschließt man, dass die Durchschnittswerte zwar festgelegt, nicht aber veröffentlicht werden müssen. Aber wenn die Zahl zum Verhältnis nicht veröffentlicht werden muss, ist die ganze Sache eine witzlose Effekthascherei. Denn das ist indirekt heute doch schon der Fall!

Die Politik hatte nicht die Eier in der Hose zu sagen, dass die Privatautonomie im Zivilrecht ein hohes Gut ist, dass nicht angetastet werden darf. Und die Vorstandsvergütung fällt da nun einmal auch drunter.

Ich sehe ja auch gute Ansätze bei den laufenden Koalitionsverhandlungen. Liebe Politiker und Machthaber bei Union und SPD: bitte lasst von politischen Veralberungen des Wahlvolks ab. Uns für dumm zu verkaufen, werden wir nicht verzeihen.