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Donnerstag, 12. Juni 2014

Unwetterschäden: was zahlt die Versicherung?

In den vergangenen Tagen hat es erhebliche Unwetter in Deutschland gegeben. Neue Gewitter sind vorhergesagt, so das Handelsblatt.

In der Welt gibt es einen ganz guten Artikel dazu, für welche Unwetterschäden eine Versicherung aufkommt. Auf diesen möchte ich Euch hier hinweisen.

Es gibt eine Reihe von Versicherungen, an die man hier denken kann. Die wohl wichtigsten sind:


  • Auto: hier hilft die Teilkasko.
  • eigenes Wohngebäude: das Risiko von Unwetterschäden sollte bei der Gebäudeversicherung mit dabei sein.
  • eigener Hausrat durch Elementarschaden beschädigt: hier wenden Sie sich an Ihre Hausratversicherung.
Bitte lesen Sie sich die Hinweise in der Welt durch. Ich möchte die hier nicht komplett wiedergeben. Aber zum Abschluß noch zwei Empfehlungen von mir:
  • Wenn es zu einem Schaden kommt: fotografieren sie den, so umfangreich und gut wie möglich. Eine heute gängige Handykamera sollte ausreichen. Und die Bilder mailen Sie Ihrer Versicherung um den Schaden zu dokumentieren. 
  • kontaktieren Sie unverzüglich die Versicherung und melden den Schaden. Lassen Sie sich beraten, wie Sie in Ihrer Situation verfahren sollen.
 Allerdings wünsche ich allen Lesern, dass sie diese Hinweise nie im wirklichen Leben brauchen werden.

Donnerstag, 28. November 2013

Auto Motor Sport, Schadenmanagement und Betrug durch Versicherungen?

Vor einigen Tagen erschien bei Auto Motor und Sport ein knackicker Artikel über böse Kfz-Versicherungen. Er war überschrieben mit "Betrug beim Schadenmanagement" und "Die Tricks der Versicherungen".

Worum ging es da?

  • Das Auto eines Kunden namens Johannes D. wurde vom Hagelschlag in diesem Sommer getroffen. Er musste einen Monat warten, bis er einen Termin zur Begutachtung des Schadens bekam. Dort schätzte man den Aufwand zur Schadensbeseitigung auf ca. 2.000 € und nannte ihm auch einen auf Hagelentfernung spezialisierten Betrieb. Ein - nicht genannter - Herrn D. bekannter Gutachten war der Meinung, der Schaden sei "viel höher". Moniert wird, dass der Kunde der Kasko-Versicherung nicht das Recht der freien Gutachterwahl hat.
  • Am Fahrzeug von Anja B. entstand durch einen Unfall ein Schaden. Diesen schätzte ein Gutachter auf Basis einer Markenwerkstatt mit 2.100 € ein - das Geld wollte Anja B. ausbezahlt bekommen. Die einstandspflichtige Versicherung kalkulierte den Schaden auf Basis einer günstigeren, qualitativ gleichwertigen regionalen Werkstatt neu und zog über 500 € ab. Nachdem Anja B. einen Anwalt einschaltete, wurde ein Teil nachgezahlt - der Rest wird jetzt wohl vor Gericht ausgetragen.
  • Lars D. hatte einen Totalschaden, so das Ergebnis des von ihm eingeholten Gutachtens. Die einstandspflichtige Versicherung meinte, dass der Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall darin zu hoch geschätzt wurde - und kürzte 1.500 €. Nachdem Klage eingereicht wurde, zahlte die Versicherung.
  • Rechtsanwalt Dr. Frank Häcker nahm ebenfalls Stellung zu Punkten, in denen nach seiner Meinung Versicherer systematisch zu Lasten von Geschädigten Zahlungen nicht erbringen.

Ich kenne die einzelnen Fälle selbst nicht. Aber auf Basis der Informationen in dem Bericht gibt es doch einiges zu sagen.

Kommen wir zu Herrn D. Die Hagelschäden in diesem Jahr waren schlimm und zahlreich wie noch nie. Ca. 450.000 Fahrzeuge in Deutschland waren lt. einer Meldung der Versicherungswirtschaft beschädigt worden. Zum 1. Januar 2013 gab es in Deutschland lt. Kraftfahrt Bundesamt ca. 58,7 Millionen Kraftfahrzeuge (inkl. Anhänger und Krafträder). Damit sind etwas mehr als 0,7% aller Fahrzeuge durch die Hagelereignisse in 2013 beschädigt worden. Klingt nicht viel.  Ist es aber! 

Das muss man wissen, wenn man ein Urteil darüber fällen möchte, dass der geschädigte Fahrzeughalter so lange auf den Besichtigungstermin hat warten müssen.

Und ja: viele Versicherungen haben Werkstätten und Hagel-Spezialisten organisiert, die die Schäden beseitigen. Sind "nur" Beulen im Fahrzeug, kann man die mit der Hebelmethode entfernen. Das ist kostengünstiger als die herkömmliche Reparaturmethode mit Spachteln und neu lackieren. Auch Markenbetriebe empfehlen sie. Der Original-Lack bleibt erhalten. Laut dem im Bericht dargestellten Sachverhalt war der Schaden am Fahrzeug von Herrn D. für so eine Reparatur wohl geeignet.

Natürlich findet man immer jemanden, der sagt "ich mache die selbe Arbeit für mehr Geld" oder "ich mache es anders, das wird teurer".

Ich finde es legitim, dass die Versicherungen durch ein Schadenmanagement die Kunden für die kostengünstigere Variante zu gewinnen versuchen. In diesem Jahr werden die Hagelschäden wohl auch so hoch ausfallen, dass sich das lt. Spiegel auf die Versicherungsprämien auswirken wird.

Herrn D. ging es nach dem Bericht darum, dass er das Geld lt. Gutachten ausbezahlt bekommt. Ihm ging es nicht darum, dass der Schaden am Auto durch einen Fachbetrieb beseitigt wird. Es steht auch nichts davon zu lesen, dass er in eine andere Werkstatt seines Vertrauens gegangen wäre.

Ich weiß, die Meinungen gehen da auseinander. Aber ich finde, Versicherungen sind dafür da, die Beseitigung tatsächlich entstandener Schäden zu bezahlen. Sie sind nicht dafür da, möglichst hohe Gelder auszuzahlen, so dass Zahlungsempfänger immer noch "etwas übrig" haben, wenn sie den Schaden beseitigt haben. So jedenfalls meine private Meinung.

Durch einen Unfall beschädigtes Auto
Zu den genannten Haftpflichtschäden kann ich nicht viel sagen. Die Autorin hat nicht erwänt, dass sie mit den betroffenen Versicherungen Kontakt aufgenommen und deren Sichtweise erfragt hätte. Möglicherweise ist das passiert, dann hätte man das aber auch erwähnen müssen. So oder so ein handwerklicher Fehler der Journalistin.

Dass bei Reparaturschäden an älteren Fahrzeugen nicht immer die Preise der Markenwerkstätten zu bezahlen sind, ist Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Zu dem Thema hat es bei der Autobild auch schon einen Artikel gegeben.

Haftpflichtversicherungen haben einen klaren Auftrag. Sie müssen berechtigte Ansprüche von Geschädigten ersetzen. Bei unberechtigten Forderungen müssen Sie für die Abwehr sorgen. Das ergibt sich im Prinzip schon aus § 100 Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Dazu gehört halt auch "nein" zu sagen, wenn mehr Geld verlangt wird, als zur Schadenbeseitigung erforderlich.

Und: auch beim Verweis auf die Werte eines günstigeren, qualitativ einer Markenwerkstatt gleichwertigen Reparaturbetriebes in der Region des Geschädigten geht es nie darum, dass dieser gezwungen wäre, dort wirklich reparieren zu lassen. Wer so etwas behauptet, lügt. Ein Geschädigter kann die Werkstatt seines persönliches Vertrauens aufsuchen und sein Fahrzeug dort reparieren lassen. Die Reparaturrechnung der Markenwerkstatt muss auch bei älteren Fahrzeugen immer bezahlt werden. Nur: er muss die Rechnung halt vorlegen.

Wo ich der Kritik allerdings recht geben muss: wenn eine Versicherung sagt, dass sie eine Forderung nicht oder nur zum Teil ausgleicht, dann muss sie auch sagen warum. Und sie sollte zu der Begründung auch stehen und sie vor Gericht verteidigen, wenn es sein muss. Aus den Worten des Rechtsanwalts Dr. Häcker klingt etwas Zorn darüber, dass er Fälle erlebt in denen das so nicht war. Und das kann ich nachvollziehen.

Aber ich sehe in dem, was die Journalistin dort berichtet, nichts, was als Betrug zu bezeichnen wäre. Meinungsverschiedenheiten zur Höhe des zu leistenden Schadensersatzes sind das eine. Betrug ist aber schon eine andere Hausnummer.

Auto, Motor und Sport hat den Bericht mit "Betrug beim Schadenmanagement" überschrieben. Der einzige Fall von Schadenmanagement, um den es im Artikel geht, ist der des hagelgeschädigten Herrn D. Der findet es vielleicht doof, dass man den Schaden kostengünstiger beseitigen kann als es ihm lieb wäre. Aber wo bitte ist da der Betrug? Hier ist im Bericht nicht nur die Tatsachenschilderung mit einem wertenden Kommentar eingeleitet worden, die Wertung ist schlicht daneben. 

Man erlebt allerdings immer wieder, dass bestimmte Interessenkreise diese Polemik gezielt in die Medien treiben. Ich gehe davon aus, dass der Journalistin das nicht entgangen ist. Da wären wir wieder beim Thema handwerklicher Fehler, dem ich an dieser Stelle jedoch nicht weiter nachgehen möchte.