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Freitag, 21. April 2017

Glasbruch: Wann ist die Reparatur für den Kunden kostenlos?

Gestern habe ich besprochen, wann überhaupt eine Glasreparatur statt eines Austausches gemacht werden darf. Heute komme ich zur Frage, wann die Reparatur für den Kaskoversicherten wirklich kostenlos ist.

Ein Steinschlagschaden!
Kostenlos ist die Reparatur auf jeden Fall dann, wenn für die Teilkasko keine Selbstbeteiligung vereinbart wurde und wenn keine Werkstattbindung in der Kasko besteht.

Achtung: Bei einigen Versicherungen besteht bei Glasbruch immer eine Werkstattbindung. Bitte seht auf jeden Fall in Euren Vertragsunterlagen nach!

Wenn eine Selbstbeteiligung vereinbart wurde, dann solltet ihr folgendes machen, damit die Reparatur wirklich für Euch kostenlos ist:
  1. Ruft erst einmal bei Eurer Versicherung an und meldet den Schaden.
  2. Lasst Euch von Eurer Versicherung zu einem ihrer Glaspartner vermitteln.
Geht auf keinen Fall einfach selbst in irgend eine Werkstatt und gebt dieser den Reparaturauftrag. Dann kann es nämlich sein, dass die Selbstbeteiligung doch angerechnet wird, so dass ihr die Rechnung im Ergebnis bezahlen müsst.

Donnerstag, 20. April 2017

Glasbruch an der Windschutzscheibe: Wann darf eine Reparatur gemacht werden?

Ich habe vor kurzem erklärt, dass die Reparatur einer Windschutzscheibe für Kunden mit Kaskoversicherung nicht immer kostenlos ist.

Aber wenn eine Scheibe gebrochen ist - wann kann sie überhaupt repariert werden statt sie zu tauschen?

Der Bruch darf nicht im Sichtbereich des Fahrers sein. Warum dem so ist, wird klar wenn man sich so einen Schaden mal anguckt.


Man sieht sehr gut, dass der Fahrer den Schaden immer sieht. Auch wenn die Bruchstelle mit Harz ausgefüllt wird, bleibt er im Sichtbereich abgelenkt. Das geht nicht. Daher ist es verboten, im Sichtbereich des Fahrers eine Glasreparatur durchzuführen.

Aus technischen Gründen ist die Reparatur auch dann nicht mehr möglich, wenn der Bruch am Rand der Scheibe ist oder wenn es längere Risse gibt. Dann hat die Scheibe nicht mehr die nötige Stabilität und muss aus Sicherheitsgründen getauscht werden.

Damit ist klar: Nur ein verhältnismäßig kleiner Bruchschaden, der weder die Stabilität der Scheibe gefährdet und der auch nicht im Sichtbereich ist, darf repariert werden. Ansonsten muss die Scheibe ausgetauscht werden.

Samstag, 15. April 2017

Glasreparatur: Für Kaskoversicherte NICHT immer kostenlos!

Ist die Scheibe stark beschädigt, muss sie getauscht werden.
Hat eine Windschutzscheibe nur einen kleinen Bruchschaden, dann gibt es eine kostengünstige Alternative zum Austausch. Ein Bruchschaden kann repariert werden. Das kostet meist nur zwischen 80 Euro und 110 Euro.

Ein Glasbruchschaden am Fahrzeug ist in der Teilkasko versichert. Die meisten Kunden haben jedoch eine Selbstbeteiligung von 150 Euro je Schadensfall.

Viele Kfz-Versicherungen verzichten auf Anrechnung der Selbstbeteiligung, wenn die Kunden den Glasschaden reparieren lassen. Für die Versicherungen ist das deutlich günstiger als der Austausch der Scheiben. Diesen Kostenvorteil geben sie an ihre Kunden weiter.

Allerdings hat es hier in den zurückliegenden Jahren sehr viel Mißbrauch und auch Betrug gegeben. Daher knüpfen alle mir bekannten Versicherungsbedingungen den Verzicht auf Anrechnung der Selbstbeteiligung an zwei Bedingungen.

Einmal wird verlangt, dass der Kunde sich vor Beauftragung einer Glasreparatur mit der Versicherung in Verbindung setzt. So kann geklärt werden, ob eine Reparatur überhaupt zulässig ist. Das ist nämlich nicht der Fall, wenn der Schaden im Sichtbereich des Fahrers oder am Scheibenrand ist.

Zum anderen verlangen die Versicherungen inzwischen, dass die Reparatur in einer von ihnen ausgewählten oder zumindest empfohlenen Werkstatt durchgeführt wird. So ist sichergestellt, dass die Arbeiten in bester Qualität durchgeführt werden. Zudem werden Aufträge nur an vertrauenswürdige Werkstätten vermittelt. Leistungsmissbrauch kann  so ausgeschlossen werden.

Mit diesen marktüblichen Versicherungsbedingungen nicht zu vereinbaren ist jedoch Werbung großer Autoglaser, die ein "für Kaskoversicherte kostenlos" marktreißerisch in den Vordergrund stellt. Allenfalls in Anmerkungen zur Werbeaussage wird der Kunde darauf hingewiesen, dass die Kostenlosigkeit eben nicht immer so ist. Meine persönliche Meinung ist, dass ein durchschnittlicher Kunde nicht erkennen kann, dass er hier möglicherweise selbst zahlen muss und nicht seine Versicherung.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Halle a.d. Saale: Droht 2.500 Kunden der Staatsanwalt, weil der Autoglaser die Selbstbeteiligung erlassen hat?

Glasbruch ist in der Teilkasko versichert.
Am 02.02.2016 brachte die ostdeutsche Ausgabe der Bild einen großen Bericht dazu. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte wegen bekannt gewordener Abrechnungspraktiken und anderer kriminieller Machenschaften eine Hausdurchsuchung bei einem Autoglaser gemacht.

Dabei ging es auch um Sachverhalte, in denen die Kunden bei der Abrechnung von Glasbruchschäden die Selbstbeteiligung nicht bezahlt haben. Das kann nämlich Betrug sein. Die Bild berichtet in ihrer Druckausgabe, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund festgestellter Sachverhalte nunmehr die Eröffnung von Ermittlungsverfahren gegen 2.500 Kunden dieses Autoglasers prüft. Online habe ich diesen Bericht nicht gefunden.

Ich sehe das so:
  • Wenn die Werkstatt in einem Kaskofall sagt, die Selbstbeteiligung müsse man ganz oder zum Teil nicht bezahlen, stellt dies einen Rabatt auf die Reparaturkosten dar. Das muss dann der Versicherung offenbart werden. Das gehört zur wahrheitsgemäßen Angabe der Schadenshöhe.
  • Verschweigt derjenige diesen Rabatt, der eine Rechnung bei der Versicherung zur Erstattung einreicht, täuscht er diese über die Höhe des Schadens. Hier liegt die Betrugshandlung.
  • Den Betrug begeht also, wer die Rechnung bei der Versicherung zur Erstattung der Kosten einreicht und den Rabatt verschweigt. Das gilt nicht nur bei Glasbruch, sondern generell bei Kaskoschäden.
Haben wirklich 2.500 Kunden durch aktives Handeln ihre Versicherungen betrogen, handelt die Staatsanwaltschaft gegen diese Leute ganz richtig. Angesichts eines jährlichen Betrugsschadens von ca. 2 Milliarden Euro in der Kfz-Versicherung liegt das auch ganz im Interesse aller ehrlichen Versicherungskunden, die so etwas durch ihre Beiträge mit bezahlen müssen.

Donnerstag, 26. November 2015

Kasko: Kunde zahlt seine Selbstbeteiligung nicht - Werkstatt muss in den Knast!

Glasbruch ist über die Teilkasko versichert. Dabei wird viel gemogelt.
Bei Kasko-Schäden kommt es immer wieder vor, dass die Werkstatt einem Kunden sagt 'komm zu mir, dann musst du die Selbstbeteiligung nicht bezahlen'.

Ganz so heftig, dass gleich alle Mitarbeiter einer Werkstatt in den Knast müssen, ist es natürlich nicht. Aber man muss schon damit rechnen, dass es Ärger gibt. Denn das läuft auf einen Betrug hinaus. Insbesondere bei Glasbruchschäden ist so eine Praxis auch heute noch weit verbreitet. Aber auch bei anderen Kaskoschäden kommt sowas vor. Manche Werkstätten - insbesondere auf Parkplätzen auftretende Autoglaser - gehen mit dieser Masche auf Kundenfang.

Ich höre in diesem Zusammenhang immer wieder ein naives 'das machen doch alle' und dann haben auf einmal viele Leute Verständnis für den Versicherungsbetrug. Das lese ich auch immer wieder in Strafurteilen.

In Fachkreisen ist es aber schon längst bekannt, dass es nicht in Ordnung ist, Kunden die Selbstbeteiligung nicht abzuverlangen und das dem Versicherer gegenüber zu verschweigen.

Hier möchte ich zunächst auf eine interessante Diskussion im Forum von Motor-Talk hinweisen, die schon seit 2005 läuft. Die letzten Beiträge sind aus 2015.

Bei autoglasmeister.de wird unter den Stichworten Betrug und Wettbewerbswidrigkeiten auf viele einschlägige Urteile hingewiesen.

Samstag, 24. Oktober 2015

SVR 10/2015: Besprechung des Beschlusses des LG Rostock vom 16.06.2015

Vor kurzem hatte ich Euch auf den Beschluss des LG Rostock vom 16.06.2015 (3 O 320/13 (1) ) aufmerksam gemacht, durch den ein Autoglaser zu einem Ordnungsgeld von 2.000 Euro verurteilt wurde. Er hatte einem Kunden die Selbstbeteiligung erlassen und dies dem Kfz-Versicherer gegenüber bei der Abrechnung des Schadens verschwiegen. Da er so etwas schon früher gemacht hatte, gab es auch schon ein Urteil, welches ihn zum Unterlassen verpflichtet hat. Das hat er ignoriert. Dafür hat er jetzt die Quittung bekommen. Das Urteil ist mit einer kurzen Besprechung von mir in Heft 10/2015 der Zeitschrift Straßenverkehrsrecht (SVR) auf Seite 387 erschienen.

Dienstag, 28. Juli 2015

Amtsgericht Bretten: Autoglaser wegen Betruges bestraft

Das Geschäft mit Glasbruchschäden ist für manche eine Versuchung.
Wie jetzt bekannt wurde, hat das Amtsgericht Bretten einen Autoglaser bestraft. Der Mann hatte einem Kunden die Selbstbeteiligung erlassen und dies bei der Abrechnung mit dessen Kaskoversicherung verschwiegen. Darin kann man einen Betrug zu Lasten der Versicherung sehen.

Da der Mann bislang nicht in Erscheinung getreten war, wurde die Sache mit einem Strafbefehl geahndet (vom 15.05.2015, Aktenzeichen Cs 220 Js 11787/15) und nicht mit einer Verurteilung nach öffentlichem Strafverfahren.

Montag, 13. Juli 2015

Carglass übernimmt Junited Autoglas

Autglas - ein Fall für die Teilkasko.
Der Markt für Arbeiten am Autoglas ist sehr lukrativ. In 2013 haben die deutschen Versicherer Leistungen für 2,35 Millionen Glasbruchschäden erbracht. Nach meiner Einschätzung dürften es 2014 deutlich weniger gewesen sein. Denn große Hagelereignissen blieben weitgehend aus. Auch gab es realtiv milde Winter. Zahlen dazu sind seitens der Versicherungswirtschaft bislang nicht veröffentlicht worden.

Das Risiko, dass Fahrzeugglas bricht und deshalb repariert oder ausgetauscht werden muss, ist über die Teilkasko versichert.

Die Versicherungswirtschaft hat 2013 Entschädigungen in Höhe von 1,15 Milliarden Euro bezahlt. Berücksichtigt man bei den damit verbundenen Einnahmen der Autoglasbranche, dass viele Kunden ja auch eine Selbstbeteiligung haben die sie zahlen müssen und berücksichtigt man, dass z.B. große Fahrzeugflotten ihre Glasschäden selbst zahlen und sie nicht versichern, darf man von einem wesentlich größeren Marktvolumen für die Autoglasbranche ausgehen.

Martführer in dem Bereich ist Carglass. Carglass teilt auf seiner Homepage mit, dass man einen weiteren großer Spieler am Markt gekauft habe: Junited Autoglas.

Autohaus berichtet, dass das Bundeskartellamt dem Zusammenschluss noch zustimmen müsse.

Dienstag, 14. April 2015

Kasko: Schummeln bei der Selbstbeteiligung ist Betrug

Glasbruch wird durch die Teilkasko bezahlt.
Im März habe ich Euch auf ein Strafurteil des AG Köln (vom 03.04.2013 - Aktenzeichen 523 Ds 77/13) hingewiesen. Hier hatte ein Autoglaser seinem Kunden die Selbstbeteiligung 'erlassen' und das bei der Abrechnung mit der Versicherung des Fahrzeugs verschwiegen. Dafür ist er wegen Betruges bestraft worden.
Weshalb beim 'Erlass' der Selbstbeteiligung ein Betrug i.S.d. § 263 StGB vorliegt, habe ich hier im Blog ausführlich erklärt. Betrüger ist dabei derjenige, der die Rechnung bei der Versicherung einreicht und um Auszahlung der Entschädigung bittet. Das kann die Werkstatt sein. Aber reicht der Kunde die Rechnung bei seiner Versicherung selbst ein und verschweigt dabei den Rabatt auf die Selbstbeteiligung (oder in anderer Höhe), ist er es der seine Versicherung täuscht und damit betrügt.

Das Urteil des AG Köln hat einige Aufmerksamkeit in den Medien gefunden: Aachener Zeitung, Focus, Süddeutsche Zeitung und auch der Versicherungsbote.

Bei Werkstätten sehr viel gelesen ist Unfallregulierung Effektiv, das ebenfalls auf das Thema hinweist. Damit dürfte sich auch in 'Fachkreisen' herumgesprochen haben, dass Mogeleien mit der Selbstbeteiligung kriminell sein können. Die Unfallzeitung bringt es klar auf den Punkt: so ein Rabatt steht der Versicherung zu, nicht dem Kunden der den Reparaturauftrag erteilt.

Besonders interessant fand ich den Bericht bei Motor-Talk zu dem Urteil des AG Köln. Was hier die Lektüre lohnt ist die Diskussion der Leser unten auf der Seite. Sie zeigt mir, dass viele Leute da überhaupt kein Unrechtsbewusstsein haben und meinen, dass an der strafrechtlichen Beurteilung etwas zu ändern ist, wenn man nur genügend trickst. Das funktioniert aber nicht.

Das Phänomen des Erlasses der Selbstbeteiligung durch Werkstätten in Kaskoschäden kommt viel bei Glasbruchschäden vor, aber auch bei anderen Schäden. Letzten Endes liegt es an den Werkstätten, ob sie Kunden durch das Versprechen eines Rabattes anlocken, der dann nicht auf der Rechnung ausgewiesen und der Versicherung gegenüber verschwiegen wird.

Sonntag, 29. März 2015

AG Köln: Autoglaser wegen Erlass der Selbstbeteiligung in einem Kaskoschaden verurteilt

Ich habe im Blog schon darauf hingewiesen, dass es ein Betrug sein kann, wenn eine Werkstatt ihrem Kunden einen Nachlass auf die Reparatur - z.B. ganz oder teilweise Erlass der Selbstbeteiligung - gewährt und das gegenüber dem Versicherer bei der Abrechnung verschweigt. Worin dabei genau der Betrug liegt, habe ich hier erörtert.

Heute möchte ich Euch auf ein Strafurteil des AG Köln (vom 03.04.2013 - Aktenzeichen 523 Ds 77/13) hinweisen. Hier hat ein Strafgericht einmal deutlich ausgesprochen, dass es sich um strafbaren Betrug des Autoglasers handelt, wenn er dem Kunden die Selbstbeteiligung ganz oder zum Teil erlässt.

Das Urteil habe ich in Heft 1/2015 der Straßenverkehrsrecht besprochen (S. 35 f.). Das Urteil ist schon etwas älter, aber inzwischen dafür auch rechtskräftig.

Nach meiner Einschätzung werden in Zukunft wesentlich öfter als früher noch solche Geschäftspraktiken - Kundengewinnung durch Versprechen eines Vorteils - Gegenstand strafrechtlicher Verfahren. Verantwortungsvolle Versicherer gehen mehr und mehr dazu über, Anzeige zu erstatten. Meine Hoffnung ist, dass bekannt werdende Verurteilungen doch spürbare Auswirkungen in die "Szene" der Autoglaser und Kfz-Werkstätten haben, so dass diese nach wie vor relativ verbreitete Praxis irgendwann mal ein Ende findet.

Donnerstag, 27. November 2014

Betrug bei Glasbruchschäden, wenn Werkstatt die Selbstbeteiligung nicht einkassiert

Ich habe heute einen - wie ich finde - sehr informativen Hinweis bei eBay gelesen. Ein Nutzer dort erklärt, dass der Abschluss von Werbepartnerverträgen beim Scheibentausch als Betrug einzustufen ist.

In der Tat kann der 'Erlass der Selbstbeteiligung' durch die Werkstatt bei Kasko-Schäden als Betrug einzustufen sein. Das habe ich für die Teilkasko bei Glasschäden auch schon ausführlich hier im Blog erläutert.

Meine Empfehlung an Kunden, denen die Werkstatt anbietet dass sie die Selbstbeteiligung nicht zahlen müssen wenn sie dorthin gehen, ist das nicht zu tun. Geht lieber zu einer anderen Werkstatt. Wer keine Selbstbeteiligung bei Kaskoschäden zahlen möchte, kann einen Vertrag ohne Selbstbeteiligung abschließen. Das ist zwar etwas teurer, aber dann muss man im Schadensfall nichts selbst bezahlen.

Meine Empfehlung an Werkstätten, deren Kunden verlangen die Selbstbeteiligung nicht zahlen zu müssen, lautet dagegen diese Kunden wieder weg zu schicken. Einmal ist es eine klare Mißachtung vor guter handwerklicher Arbeit, wenn der Kunde sagt, dass die Rechnung dann aber nicht voll bezahlt werden muss. Zum anderen geratet ihr, wenn das rauskommt (und das passiert inzwischen immer öfter) ins Visir der Betrugsermittlungen bei Versicherungen. Sich mit dem Staatsanwalt auseinandersetzen zu müssen lohnt sich wohl kaum.

Donnerstag, 7. November 2013

Landgericht Berlin: Autoglaser zum Unterlassen verdeckter Rabatte verurteilt

LG Berlin in der Littenstraße 12-17
Ich habe schon öfters über das Thema geschrieben, dass Werkstätten ihren kaskoversicherten Kunden sagen "bei mir musst Du die Selbstbeteiligung nicht zahlen", um sie zur Erteilung eines Werkstattauftrages zu verleiten.

Das kann als Betrug bewertet werden.

Gestern, am 06.11.2013, fand am Landgericht Berlin die mündliche Verhandlung in der Sache 101 O 86/13 statt. Hier klagte ein Kfz-Versicherer gegen einen Autoglaser, der einigen seiner Kunden die Selbstbeteiligung nicht abverlangt hatte. Der Versicherung gegenüber wurde das bei der Abrechnung dann allerdings nicht gesagt.

Der Autoglaser wollte die Unterlassungserklärung nicht abgeben, weil er sagte, er würde die Selbstbeteiligung jetzt immer abverlangen wenn er mit dieser Versicherung direkt abrechnet. Außerdem wollte die Versicherung Auskunft dazu, in welchen Schäden außer den bekannten der Glaser noch die Selbstbeteiligung nicht abverlangt hatte.

Nach der mündlichen Verhandlung wurde der Klageantrag leicht modifiziert - und der Glaser erkannte an. Im Urteil - einem Anerkenntnisurteil - steht jetzt kein Tatbestand und keine rechtliche Würdigung des Sachverhalts.

Ich glaube, damit hat er aus seiner Lage noch das beste gemacht was ging. Denn hätte das Gericht entscheiden müssen, hätte der Glaser vermutlich ähnliches im Urteil stehen gehabt, wie das OLG Köln im letzten Jahr in ein Urteil geschrieben hat.

Klare Erkenntnis: Leute, insbesondere Werkstätten: lasst es den Kunden zu sagen, wenn die Kaskoversicherung xxx bezahlt, nehme ich Euch dazu nichts ab. Die Werkstätten müssen solche Nachlässe - nicht nur in Zusammenhang mit Glasbruchschäden - bei der Abrechnung mit der Versicherung offenbaren. Es lohnt sich für niemanden, es da auf Trubel ankommen zu lassen.

Freitag, 25. Oktober 2013

8000 € Ordnungsgeld für Autoglaser

Ich möchte auf Heft 10/2013 der NZV hinweisen.

Hier wird von einem Beschluss des Landgerichts Köln vom 27.02.2013 berichtet (Aktenzeichen 84 O 99/12 SH I). Die Entscheidung ist bei OpenJUR nachzulesen.

Worum ging es? Ein Autoglaser war mehrfach erwischt worden, dass er Versicherungskunden die Selbstbeteiligung "erlassen" hat, was dem Versicherer gegenüber bei der Abrechnung dann verschwiegen wurde.

Gegen diese Praxis klagte der Versicherer und bekam im Ergebnis Recht. Das Gericht untersagte dem Autoglaser diese Praxis. Den interessierte das aber wohl nicht, und er machte weiter. Da wurde er wieder erwischt mit Nachlässen von jeweils 100 € auf die Selbstbeteiligung.

Ehrlich währt immer noch am längsten. Und unehrlich kann richtig teuer werden, wie man an diesem Beispiel sehen kann. Übrigens: aus sicherer Quelle weiß ich, dass die Angelegenheit für den Autoglaser damit noch nicht erledigt sein dürfte. Wie man hört, ist auch die Staatsanwaltschaft am Thema dran. Was dabei rauskommt, ist allerdings noch offen. Und bis dahin, das muss man deutlich sagen, greift noch die Unschuldsvermutung.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Autoglas: Vorsicht bei "für Sie kostenlos"

Eine Windschutzscheibe kann getauscht werden.
Qualifizierte Autoglaser machen das einwandfrei.
Im Forum von Motor-Talk bin ich auf eine sehr interessante Diskussion aus Oktober 2011 gestoßen.

Ein Autobesitzer hatte einen Glasbruchschaden. Auf einem Parkplatz traf er auf Autoglaser, die ihm den Austausch anboten. Endgültig geködert haben sie den Mann damit, dass er die Selbstbeteiligung nicht zahlen sollte.

Dann kamen die Monteure und setzten eine neue Scheibe ein, und waren weg. Der Autobesitzer war aber mit der Qualität der ganzen Sache nicht sehr zufrieden. Blöd nur, dass die mobilen Autoglaser für ihn nicht mehr greifbar waren.

Er nennt eine konkrete Firma. Die ist mir bekannt, es gibt sie inzwischen auch nicht mehr. Sie ist aufgelöst worden, nachdem ihr gerichtlich verboten wurde, Kunden die Selbstbeteiligung zu erlassen ohne dass dies vom Versicherer vorher ausdrücklich genehmigt wurde. Im August habe ich von einem großen Betrugsfall im Raum Köln / Bonn berichtet. Dazu gehört u.a. die Firma, deren Opfer hier nicht nur die Versicherung, sondern auch der Autobesitzer aus dem Forum von Motor-Talk wurde.

Ganz klar: gehen Werkstätten hin und versprechen Kunden, sie müssten die Selbstbeteiligung nicht bezahlen, kann dies Betrug sein. Das schlimme an solchen Geschäftspraxis zur Akquise von Werkstattaufträgen ist, dass die arglosen Kunden von den Werkstätten in kriminelle Sachverhalte verstrickt werden. Daran denkt nur niemand, wenn mit der Botschaft "Du kannst sparen" die Geiz-ist-geil-Mentalität bedient wird.

Meine Bitte an alle: seid vorsichtig, wenn eine Werkstatt Euch etwas erlassen will, und im Hintergrund noch die Abrechnung mit einer Versicherung steht. Die müsste das nämlich wissen. Und bekommt es nur in den allerwenigsten Fällen gesagt.

Und Ihr zahlt es über Eure Beiträge mit. Keiner soll glauben, dass die Inhaber von Werkstätten nur noch Billig-Kartoffeln essen, damit die Kunden sich die Selbstbeteiligung sparen können. Durch eine geschickte Rechnungsgestaltung machen auch die ihr Geschäft. Bezahlen müssen solche Praktiken letzten Endes alle Kunden über zu hohe Versicherungsbeiträge.

Freitag, 11. Oktober 2013

Motor-Talk: interessante Diskussion zum "Test" der Autoglaser

Glasbruch - ein häufiger Schaden am Auto
Am 2.10.2013 habe ich über einen Test deutscher Autoglaser berichtet. Ganz begeistert war ich von der Aktion nicht, da doch eine deutliche Aussage getroffen wurde ohne (nach meiner Meinung) ausreichende Datengrundlagen.

Auf Motor-Talk.de wurde auch über das Thema berichtet. Lesenswert finde ich die Diskussionsbeiträge der Teilnehmer, auf die ich hiermit hinweisen möchte.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Bild.de: unzulässige Aussagen über Autoglasspezialisten aufgrund von nur 18 Tests

Am 1.10.2013 berichtete Bild über einen Test, den die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien durchgeführt hat.

Die DtGV hat nähere Informationen zu der Studie auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wurden jeweils 3 Werkstätten aus dem Netz von 6 großen Ketten mit präparierten Schäden an der Windschutzscheibe konfrontiert. Die DtGV nennt das einen Mystery-Check, was wohl auf die Methode des Mystery-Shoppings anspielt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Messung von Dienstleistungsqualität.

Untersucht wurden jeweils 3 Filialen von
Damit sind insgesamt 18 Autoglaser auf die Probe gestellt worden. Wenn ich die obigen Zahlen addiere, komme ich auf 1.360 Autoglaser, über die ein Urteil gefällt wird. Davon wurden 18 Glaser getestet. Das entspricht einem Anteil von 1,32%. Ich finde, das ist eine sehr, sehr geringe Quote um eine belastbare Aussage zu treffen.

Ich halte die Aussagen und Wertungen, die ich basierend auf dieser Studie bei Bild lese, so für unzulässig.

Ich war in diesem Jahr in Potsdam auf der Jahrestagung von Junited und habe einige von den Glasern kennengelernt. Das sind durchweg Profis, die ihr Handwerk verstehen. Es sind inhabergeführte Werkstätten. Von Bekannten, die dort ihre Scheiben haben wechseln lassen, bekam ich ein gutes Feedback. Um zu den anderen Glasern etwas sagen zu können, fehlt es mir aber an persönlichen Erfahrungen.

Dass Junited in dem Bericht der Bild als Junited das Schlusslicht der Branche sein soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Eine solche Aussage halte ich bei der geringen Stichprobe doch für sehr fragwürdig.

Meine Empfehlung an die Leser dieses Blogs ist, dass sie sich ein eigenes Bild von den Glasern bei ihnen vor Ort machen sollen. Ein ordentlich geführter Betrieb lässt meist auch Rückschlüsse auf gute Arbeit zu. Schlampt ein Inhaber in Sachen Sauberkeit und Ordnung, würde ich ihn nicht an mein Auto lassen. Das Erscheinungsbild eines Betriebes ist für mich immer die erste Arbeitsprobe.

Montag, 9. September 2013

Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe?

Gestern habe ich mich mal wieder beim Fernsehgucken mächtig geärgert. Während eines Films lief Werbung (darüber ärgere ich mich nicht, irgendwie müssen die privaten Sender sich finanzieren). Und da war auch die aktuelle Werbung des mutmaßlichen Marktführers in Sachen Autoglas.

Der Tenor lautete: "Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe? Dann gleich ab zu ...glass!"

Eine "gefährlichen Riss" in der Scheibe gibt es nicht.

im Juni hat ein großer deutscher Versicherer in seinem Unternehmensblog hierzu das Notwendige gesagt.
  • Nur oberflächliche Abplatzer oder Kratzer erfordern gar keine Maßnahmen.
  • Nicht jeder in die Tiefe gehende Schaden erfordert den Austausch der Scheibe. Oft kann man reparieren, d.h. den Schaden mit Harz ausfüllen.
  • Wegen der Kosten: hat man eine Selbstbeteiligung in der Teilkasko vereinbart, darf man nie auf das Versprechen der Kostenfreiheit bei Glasschäden vertrauen.

    • Kostenfreiheit gibt es nur bei Reparatur statt Austausch.
    • Hier ist oft aber Voraussetzung, dass man sich erstmal bei seiner Versicherung meldet und nicht einfach zu irgendeinem Glaser geht. Das gilt auch, wenn es sich um den Marktführer in Sachen Autoglas handelt. Selbst der hat nicht mit allen großen Kfz-Versicherungen Kooperationsverinbarungen (auch wenn die meisten es akzeptieren, wenn ein Kunde mal dorthin gehen sollte).
  • Hat man eine Selbstbeteiligung vereinbart, ist diese bei Austausch immer zu zahlen. Versprechen Glaser hier "Kostenfreiheit" und "erlassen dem Kunden" die Selbstbeteiligung, kann dies der erste Schritt in Richtung Gefängnis sein. Denn so etwas kann Ermittlungen wegen Betruges nach sich ziehen. Autoglas ist auch deswegen immer mal wieder Thema in meinem Blog.
Meine Empfehlungen bei einem Bruchschaden im Autoglas:
  • Wenn was mit der Windschutzscheibe ist, geht nur zu einem Glaser mit dem Eure Versicherung fest zusammenarbeitet. Euer Makler oder Versicherungsagent kann Euch die nächste Adresse in Eurer Nähe geben, oder Ihr ruft bei der Versicherung direkt an.
  • Der Glaser soll sich die Sache erstmal angucken! Muss man wirklich etwas machen? Geht eine Reparatur, oder muss ausgetauscht werden?
  • Erst denken, dann handeln: lasst Euch nicht von irgendwelchen Leuten, denen Ihr auf Parkplätzen begegnet, zur Unterschrift unter Reparaturaufträge verleiten.
  • Wer im Schadensfall nichts bezahlen möchte, sollte eine Teilkasko ohne Selbstbeteiligung vereinbaren. Das kostet zwar etwas mehr als mit Selbsbeteiligung, aber man hat seine Ruhe wenn die Scheibe doch mal ausgetauscht werden muss.

Dienstag, 27. August 2013

Glasbruch: Vorsicht bei Werbung "für Sie kostenlos"

In der Werbung gibt es äußerst nervige Anzeigen / Spots, welche für Glasbruchschäden die Botschaft "für Sie kostenlos dank Ihrer Teilkasko" rüberbringen. Auf einen Link verzichte ich jetzt mal.

Das gilt aber nicht für jede Art von Glasbruchschäden. In der Werbung kommt das nach meinem Empfinden nicht so deutlich rüber. Andere sehen das wohl ähnlich.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Austausch der Windschutzscheibe und der Reparatur einer kleinen Bruchstelle mit einem speziellem Glasharz.

Der Austausch ist wesentlich teurer. Hier ist die Selbstbeteiligung immer zu zahlen.

Die Reparatur der Windschutzscheibe ist wesentlich kostengünstiger. Wenn er fachgerecht gemacht wird, ist die Scheibe danach auch "wieder gut". Die Versicherungen verzichten zumeist in solchen Fällen auf Abzug der Selbstbeteiligung. Aufgrund massiven Missbrauchs durch Autoglaser machen die meisten Versicherungen allerdings die Einschränkung, dass der Kunde zunächst Rücksprache mit ihnen halten und dann in einer vom Versicherer vermittelten oder zumindest empfohlenen Werkstatt die Reparatur durchführen lassen muss.

Wenn Autoglaser also versprechen, dass die Reparatur auf jeden Fall für den Kunden kostenlos sei, ist Vorsicht geboten. Darauf wies die Wettbewerbszentrale mit Meldung vom 17.12.2009 auch schon hin.

Fällt der Kunde auf ein leichtfertig gegebenes Versprechen eines Autoglaserers herein, geht das aber auf das Risiko des Glasers. Das AG Meiningen (Urteil vom 18.02.2010, 11 C 651/09) hat entschieden, der Glaser müsse sich an sein Versprechen einer kostenlossen Reparatur halten. Zahle die Versicherung nicht und habe der Glaser es unterlassen, sich vor Auftragsdurchführung von der Versicherung die Kostenübernahme erklären zu lassen, könne er seinen Werklohn vom Kunden nicht fordern.

Montag, 26. August 2013

Kasko: 'Erlass der Selbstbeteiligung' durch Werkstatt kann Betrug sein

Der Bundesgerichtshof hatte sich mit einem Sachverhalt zu befassen, in dem ein Versicherer gegen eine Werkstatt vorging. Die Werkstatt bot ihren Kunden den Erlass der Selbstbeteiligung von 150,- Euro an, wenn sie einen Teilkaskoschaden (konkret: Hagel) mit Reparaturkosten über 1000,- Euro dort reparieren lassen.

Eine Versicherung war der Meinung, dass dies unzulässig sei. Sie ging dagegen vor. Die Gerichte bestätigten ihre Meinung.

Das Landgericht Arnsberg entschied mit Urteil vom 02.04.2006 (8 O 10/06), daß der 'Erlass der Selbstbeteiligung' durch dei Werkstatt wettbewerbsrechtlich nicht zulässig ist. Einen Nachlass in Höhe der Selbstbeteiligung zu gewähren und das der Versicherung gegenüber zu verschweigen, bewertete es dabei als Betrug.

Diese Bewertung hat der Bundesgerichtshof durch Urteil vom 08.11.2007 (I ZR 192/06) im Egebnis bestätigt.

Im Fall hatte die Werkstatt in der Zeitung eine Anzeige mit Angebot des Nachlasses geschaltet. Darin sah der BGH allenfalls eine Anstiftung zum versuchten Betrug. Das ist richtig, weil es ja nur das entsprechende Angebot gab. Nicht die vollendete Tat. Und da nicht die Abrechnung des Schadens durch die Werkstatt in der Anzeige angekündigt wurde, konnte die Werkstatt darauf verweisen, dass es ja eine Angelegenheit der Kunden sei. Daher, so der Bundesgerichtshof, konnte man nur von der Anstiftung zum Versicherungsbetrug ausgehen.

Zieht eine Werkstatt es jedoch durch, dass sie dem Kunden die Selbstbeteiligung "erlässt", die Abrechnung mit der der Versicherung übernimmt und den Rabatt dieser gegenüber verschweigt, liegt dann doch ein Betrug vor. Das sah nicht nur das Oberlandesgericht Köln (Urteil vom 12.10.2012, 6 U 93/12) so. Wie ich berichtet habe, können das auch Strafgerichte und Staatsanwälte so sehen. Und Hausdurchsuchungen hat es in diesem Zusammenhang auch schon gegeben.

Donnerstag, 15. August 2013

Autoglas: großer Betrugsfall im Raum Köln / Bonn / Rhein-Sieg-Kreis

Der Kölner Stadtanzeiger berichtete am 11.04.2013 von Hausdurchsuchungen in Zusammenhang mit einem großen Betrugsfall in Zusammenhang mit Autoglas.

Die Täter betrieben verschiedene Autoglas-Firmen. Ihre Kunden gewannen sie unter anderem dadurch, daß sie ihnen versprachen die vertragliche Selbstbeteiligung (in der Regel 150 €) nicht zahlen zu müssen. Bei der Abrechnung mit der Kaskoversicherung der Kunden wird dieser Rabatt dann in der Regel verschwiegen.

Durch Urteil vom 12.10.2012 (6 U 93/12) hatte das OLG Köln bereits festgestellt, daß so ein Vorgehen als Betrug gesehen werden kann. Diese Entscheidung erging in einem Zivilrechtsverfahren zwischen einer Versicherung und einem Autoglaser. Das Portal Autoglasmeister.de warnte die Branche, daß mit solchen Geschäftspraktiken Betrug begangen werde.

Ich greife jetzt noch mal den Sachverhalt auf. In einem anderen Beitrag habe ich bereits auf die strafrechtliche Relevanz solcher Sachverhalte hingewiesen. Am Wochenende beabsichtige ich, einige Hintergrundinfos zum Thema zu bringen.