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Freitag, 13. Dezember 2013

LV 1871 zur Provisionierungspraxis

Am 7.12. habe ich berichtet, weshalb die Lebensversicherung von 1871 a.G. (LV 1871) für mich eine Heldin der Freiheit ist. Die Unisextarife muss sie anbieten. Der Vertrieb wird für männliche Neukunden besser bezahlt, als wenn er einen weiblichen Neukunden wirbt. Damals habe ich gesagt, dass ich keine öffentliche Erklärung der LV 1871 zu den Vorwürfen gesehen habe.

In ihrem Unternehmensblog erklärt die LV 1871 inzwischen, warum sie so vorgeht. Darauf möchte ich die Leser meines Blogs hinweisen.

Samstag, 7. Dezember 2013

Die LV 1871: eine Heldin der Freiheit

Fondsprofessionell berichtet über einen vermeintlichen Skandal: Die Lebensversicherung von 1871 a.G. (LV 1871) zahlt Vermittlern eine höhere Provision für die Werbung eines männlichen Neukunden, als sie für die Werbung einer weiblichen Neukundin zahlen würden.

Der Aufschrei ist groß, sieht man darin doch einen Verstoß gegen die Gleichstellungsrichtlinie der EU sowie das Urteil des EuGH vom 11.03.2011 (Rechtssache C‑236/09). Auf der Presseseite der LV 1871 habe ich dazu keine Stellungnahme gesehen. Dem Bericht entnehme ich, dass die LV 1871 meint, gegen geltendes Recht durch diese Praxis nicht zu verstoßen.

Nach der EU Gleichstellungsrichtlinie darf das Geschlecht bei der Berechnung von Leistungen und Prämien eines Versicherungsprodukts kein Kriterium sein. Deswegen gibt es heute so genannte Unisex-Tarife.

Das war u.a. bei Lebens- und Rentenversicherungen deswegen zuvor anders, weil Frauen statistisch länger leben als Männer. Daher war für die Kalkulation eines Versicherungsproduktes von längeren Leistungszeiträumen für die Auszahlung wiederkehrender Versicherungsleistungen auszugehen. 

Übersetzt bedeutet dies: Frauen leben länger, und beziehen deswegen z.B. länger Renten aus einer Rentenversicherung (die im Kern eine Lebensversicherung ist, nur dass die Ausschüttung nicht auf einmal erfolgt, sondern in definierten monatlichen Beträgen). Das zu beachten ist jetzt rechtlich verboten.

Deswegen bekommen Männlein und Weiblein bei Unisextarifen die gleiche Prämie, und im Alter auch die gleiche Leistung. Obwohl die Männer statistisch kürzer leben, darf man ihnen nicht mehr auszahlen damit sie (statistisch) bei Lebensende die selbe Versicherungsleistung erhalten haben wie Frauen. In nach Geschlecht unterschiedlich hohen Leistungen wird eine Diskriminierung der Frauen gesehen.

Schauen wir uns die Sache mal an.

Ich denke, über diesen Teil des Leitsatzes der EuGH-Entscheidung kann man doch nachdenken:
Um Diskriminierungen aus Gründen des Geschlechts zu verhindern, sollte diese Richtlinie sowohl für unmittelbare als auch für mittelbare Diskriminierungen gelten.
Und auch folgende Passage ist wichtig:
Die Anwendung geschlechtsspezifischer versicherungsmathematischer Faktoren ist im Bereich des Versicherungswesens und anderer verwandter Finanzdienstleistungen weit verbreitet. Zur Gewährleistung der Gleichbehandlung von Männern und Frauen sollte die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer versicherungsmathematischer Faktoren nicht zu Unterschieden bei den Prämien und Leistungen führen. 

Dass durch eine geschlechtsabhängige Provisionierung unmittelbar diskriminiert wird, kann man nicht sagen. Egal ob ein Männlein oder Weiblein vermittelt wird: die Prämie ist für alle gleich.

Aber über das Vorliegen einer mittelbaren Diskriminierung wird man nachdenken dürfen.

Der Ausgangspunkt ist, dass Männer kürzer leben als Frauen. Im Ergebnis zahlen die Männer zwar die selben Prämien wie die Frauen. Sie erhalten auch die selbe Leistung ausbezahlt. Sie haben aber nicht so viel davon. Denn sie sterben (statistisch) früher als Frauen. So kommt es, dass sie im Unisextarif etwas höhere Prämien zahlen als in verschiedengeschlechtlichen Tarifen. Dafür erhalten sie im Ergebnis weniger Leistung. Dass dies keine mittelbare Diskriminierung der Männer sein soll, ist eine im Kern politische Entscheidung. Diese geht auf eine Ideologie zurück, die sich Gender Mainsdtreaming nennt. 

Das Kernproblem der 'Kritiker' scheint zu sein, dass die LV 1871 es wagt, durch die Provisionierung je nach Geschlecht des Neukunden die rechtlichen Vorgaben zum Unisextarif auf intelligente Weise zu umgehen. Denn die Provisionierungspraxis ist geeignet, eine positive Risikoselektion herbeizuführen. Da schäumt manchem der Wutschaum vor dem Mund. 

Für mich aber macht diese Intelligenz, gegeossen in eine Provisionierungspraxis, die LV 1871 zu einer Heldin der Freiheit.