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Samstag, 10. September 2016

Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten - jetzt erst meldet sich Captain HUK

Am 28.06.2016  hatte ich Euch auf ein Urteil des BGH zur Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten aufmerksam gemacht. Am 03.09.2016 hat nun auch das Interessenportal Captain HUK über dieses Urteil berichtet. Der anonyme Nutzer Muenchhausen hat eine sehr kritische Bewertung dieses Urteils vorgenommen, die ich lesenswert finde.

Ob man alle Kommentare lesen muss, sei jedem selbst überlassen. Dass einige Kommentatoren fast schon die Werte des Grundgesetzes in Frage gestellt sehen, weil das oberste deutsche Zivilgericht urteilt, dass berechnete Sachverständigenkosten nicht in jedem Fall in beliebiger Höhe zu erstatten sind, wundert mich allerdings nicht.

Die Diskussion bei Captain HUK illustriert sehr schön, dass diese selbst ernannten Verbraucherschützer massive eigene wirtschaftliche Interessen haben. Nur die wenigsten von ihnen haben den Mut, sich offen mit ihrem Namen zu ihrer Position zu bekennen. Das finde ich schade.  Denn eine Diskussion auf Augenhöhe kann so nicht stattfinden.

Dienstag, 31. Mai 2016

Amtsgericht Leipzig, Captain HUK und die Rolle der Frau in der Gesellschaft

Das Amtsgericht Leipzig hat mit Urteil vom 23.05.2016 (108 C 9223/15) zur Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten entschieden. Die Plattform Captain HUK hat die Entscheidung veröffentlicht, man war dort nicht glücklich. Eingestellt wurde sie durch den - anonymen - Autoren Hans Dampf. Von diesem ist zumindest bekannt, dass es sich um einen Kfz-Sachverständigen handelt. Dass ein solcher nicht glücklich ist, wenn ein Gericht einmal den Ersatz von Sachverständigenkosten nicht in voller Rechnungshöhe zuspricht, ist zumindest nachzuvollziehen. Er kommentiert das Urteil mit
Frecher geht es mit der Rechtsbeugung wohl nimmer, oder?
Zu dem Urteil gibt es inzwischen einige Kommentare. Vom - ebenfalls anonymen - Leser Juri wird die Entscheidung durch die Richterin am Amtsgericht Leipzig wie folgt kommentiert:
Original-Zitat aus Captain HUK: Frauen können besser Kuchen backen als einparken.
Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem Anonymling Juri um ein ganz besonders armes Würstchen, welches der Schreibergemeinde bei Captain HUK geradezu zur Zierde gereicht. Die Richterin am AG Leipzig hat in einer Verkehrssache entschieden, darauf bezieht sich die Spitze mit dem Einparken. Ich verstehe diesen Beitrag so, dass Juri der Richterin die Kompetenz zur Entscheidung in einer Verkehrssache deshalb abspricht, weil sie eine Frau ist. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Mir scheint, den Autoren und Lesern bei Captain HUK scheinen gewisse Grundlagen der Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland nicht zu gefallen. Eine davon ist die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz. Ein Kommentar wie dieser ist für jede an einem Gericht tätige Frau geradezu eine Ohrfeige. Der in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes zum Ausdruck kommenden Werteentscheidung wird geradezu eine Ohrfeige erteilt. 

Deutlich mutiger ist der Kommentator Iven Hanske, bei dem es sich auch um einen Kfz-Sachverständigen handelt. Er hatte den Mut, seine Meinung zum Urteil unter Nennung seines Klarnamens bei Captain HUK zu veröffentlichen. Seine Meinung geht in die Richtung von Hans Dampf, wenn er formuliert:
Ja bei dieser weiblichen… hat selbst der Schuhputzer keine Chance auf vollständige Zahlung. Die hat auch plamäßig den 249 missachtet, denn Sie hat einschlägig zitiert. 
 Man kann ja über die Entscheidung eines jeden Gerichts geteilter Meinung sein. Eine Sache geht nicht zu Gericht, wenn die beteiligten Parteien nicht unterschiedlicher Ansicht wären. Ich denke, der auf Captain HUK angeschlagene Ton spricht für sich.

Donnerstag, 15. Oktober 2015

War 3 Wochen weg - bin wieder da

Drei Wochen war ich weg, in der Zeit gab es kaum etwas neues auf meinem Blog. Langsam läuft es aber wieder an. Oben auf den meist aufgerufenen Beiträgen stehen der zum Bußgeld und der zur Steuer bei Privatverkäufen. Interessanterweise folgt auf Platz 3 der Beitrag zu den armen Würsten. Ich nehme an, der wird aber in der nächsten Zeit nach unten sinken und verschwinden.

Dienstag, 8. September 2015

Die armen Würste von Captain HUK

Mein Beitrag zu einem Urheberrechts-Thread bei Captain HUK hat doch einige lustige Reaktionen hervorgerufen. Da war wohl insbesondere das Angebot an "Willi Wacker" ausschlaggebend, ihm eine Flasche Wein zu spendieren wenn er sich traut, sich mal persönlich bei mir zu melden.

Die Nutzer Hans-Werner F. und Franz E. spendieren ihm jeweils eine Flasche dafür, dass er sich nicht bei mir meldet. Damit haben sie mich überboten.

Geradezu entsetzt scheinen die beiden über meinen Blog zu sein. Denn sie nehmen meinen Beitrag so wahr, dass ich auf dem Blog von Captain HUK geradezu herumhacke. Meine größte Missetat dabei: Im Versicherungslager zu stehen. Eine eigene Meinung zu haben, und dazu noch eine andere als sie selbst: Das scheint mir wahrhaft ein schlimmes Gedankenverbrechen zu sein.

Meine berufliche Tätigkeit ist bekannt. Dazu habe ich in meinem Impressum auch klargestellt, dass ich in meinem Blog nur meine persönliche Meinung schreibe und nicht für jemand anderen sprechen kann oder möchte. Das findet sich unter Punkt b) der rechtlichen Hinweise.

Das schöne bei Captain HUK ist aber, dass sie sich immer wieder selbst demaskieren. Nach eigenem Verständnis sehen sich die Aktivisten dort als Verbraucherschützer. Aus sehr vielen im Blog veröffentlichten Urteilen wird deutlich, dass es sich um Sachverständige & Friends handelt, die vor allem ihre recht hohen Rechnungen immer wieder vor Gericht verteidigen möchten. Es geht nicht um Verbraucherschutz (der Verbraucher muss deren Honorare durch seine Versicherungsbeiträge bezahlen und weiß als Auftraggeber oft nicht, was für Kosten er durch den Auftrag an den Sachverständigen verursacht).

Es geht diesen Leuten darum, die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu propagieren.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte das für legitim. So wie ich in meinem Blog auch meine eigene Meinung zu diversen Themen kund tue.

Willi Wacker bin ich geradezu dankbar, dass er in einer Einleitung zu einem Urteil dann doch etwas zu meinem gestrigen Eintrag gesagt hat. Seine Entscheidung, sich mir gegenüber nicht outen zu wollen, lasse ich ihm natürlich. Ich finde sie feige. Wenn man seine Ansichten in der Öffentlichkeit sagt, sollte man auch dazu stehen. Aber es ist in unserer Gesellschaft erlaubt, ein Feigling zu sein.

So schlimm ist das, was er postet, ja nun auch wieder nicht. Es ist schlicht nur eine Vertretung seiner wirtschaftlicher Interessen. Und so berichtet er von einem Urteil eines Amtsgerichts, das sehr hohe Sachverständigenkosten, die außergerichtlich nicht in voller Höhe bezahlt worden waren, dann doch zugesprochen hat. Damit schließt sich der Kreis. Denn nur darum geht es: Die maximale Kohle herauszuholen und nicht darum, Verbraucher zu schützen.

Montag, 7. September 2015

Captain HUK, Textteile eines Gutachtens, die Gothaer Versicherung und das Urheberrecht

Bilder und Fotos - sind beide in jedem Fall urheberrechtlich geschützt?
Gestern habe ich auf einen Beitrag auf der Online-Plattform Captain HUK hingewiesen. In diesem und der anschließenden Diskussion geht es um das Urheberrecht, welches von einer Versicherung (hier die Gothaer) in verletzender Weise verwendet (so der Autor Willi Wacker in seinem Vorwort) werde.

Worum geht es beim Urheberrecht? Es geht darum Werke zu schützen, welche eine persönliche geistige Schöpfung des Urhebers sind. Das ergibt sich aus § 2 Abs. 2 UrhG.

Im Blogbeitrag bei Captain HUK ging es um einen Text. Im Umkehrschluss aus § 2 Abs. 2 UrhG darf man sagen, dass nicht jeder Text geschützt ist. Sondern nur ein Text, der die dafür erforderliche Schöpfungshöhe hat.

Wie sieht es dann mit dem Textteil eines Gutachtens aus?

Der Textteil eines Gutachtens weist nicht die für einen Urheberrechtsschutz erforderliche Schöpfungshöhe aus. So wurde es entschieden durch LG Berlin, Urteil vom 03.07.2012 (16 O 309/11). 

Hier ging es um das Verbot der Weitergabe eines Gutachtens (zu dem Gutachter nicht genehmen Zwecken, nämlich der Überprüfung). Das hatte dieser Gutachter in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) so verfügt. Das LG Berlin hat herausgearbeitet, dass ein in AGB enthaltenes Verbot zur Weitergabe eines Gutachtentextes nur den Vertragspartner binde, nicht jedoch Dritte, zu denen keine vertragliche Beziehung besteht.

Es gibt in dem Zusammenhang noch eine andere Entscheidung, nämlich durch das LG Hamburg mit Urteil vom 15.05.2009 (308 O 580/08). Hier ging es um ein Gutachten zum Wert einer Immobilie.

Ein Wertermittlungsgutachten könne als wissenschaftliches Sprachwerk Urheberrechtsschutz genießen, wenn es aufgrund seiner strukturierten Gedankenführung und sprachlichen Gestaltung die nach § 2 Abs. UrhG erforderliche Gestaltungshöhe aufweise. Bei dem vom LG Hamburg entschiedenen Sachverhalt ging es um ein Verkehrswertgutachten zu einer Immobilie. Ein solches Gutachten wird nicht mit Hilfe einer Software wie Audatex erstellt, sondern weitgehend individuell anhand der Gegebenheiten der Immobilie um die es geht. Insofern sehe ich in dem Urteil aus Hamburg keinen Widerspruch zur Entscheidung des LG Berlin.

Im Beitrag bei Captain HUK ging es um ein ärztliches Gutachten.

Bei ärztlichen Gutachten wird man wohl differenzieren müssen. Bei kleineren Verletzungen (z.B. HWS-Schleudertraumata) sind strukturierte Auskunftsbögen üblich, mit denen ein ärztliches Zeugnis angefordert wird. Werden solche Vordrucke handschriftlich oder am Computer ausgefüllt, läuft es letzten Endes auf eine Beantwortung von gestellten Fragen über den Gesundheitszustand des betroffenen Patienten hinaus. Das ist von der geistigen Schöpfungstiefe vergleichbar mit einem Schadensgutachten für ein beschädigtes Fahrzeug, welches durch entsprechende Software erstellt wird.Sie ist kaum vorhanden, der Schutz durch das Urheberrecht greift hier noch nicht.

Bei besonders gravierenden Verletzungen (z.B. Querschnittslähmungen oder verbleibenden Dauerschäden, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken) werden individuelle Untersuchungen vorgenommen, welche die Ausgangsbasis für einen individuell formulierten Gutachtentext haben. Das dürfte ganz sicher eine "geistige Schöpfungshöhe" haben, die für das Urheberrecht relevant ist.

Der Beitrag bei Captain HUK wurde von einem anonymen, im Übrigen aber recht fleißigen Schreiber mit dem Pseudonym Willi Wacker veröffentlicht. Er hat vermutlich nur vergessen, den Hintergrund des Schreibens der Gothaer Versicherung zu erwähnen. Leider ermöglicht er dem geneigten Leser daher nicht, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Aber vielleicht ist es auch so, dass Tatsachen, welche sein fest gefügtes Meinungsbild erschüttern könnten, auch bewusst ausgeblendet werden. Ob die Aussage der Gothaer zum Urheberrecht nun stimmt oder nicht, kann auf Basis der von Willi Wacker veröffentlichten Fakten nicht beurteilt werden.

Sehr bedauere ich, dass Willi Wacker sich bislang noch nicht bei mir gemeldet hat. Die ausgelobte Flasche Rotwein für ihn steht selbstverständlich noch.

P.S.: Wenn es bei Captain HUK wirklich in der Sache um Beachtung des Urheberrechts im Allgemeinen und nicht um wirtschaftliche Interessen von Kfz-Sachverständigen mit sehr hohen Gebührenrechnungen ginge, würde man sich dort wohl fragen, ob nicht im Abdruck des Textes aus dem Textbaustein der Gothaer eine Verletzung des Urheberrechts liegen könnte. Ich bin fast schon dankbar dafür, dass man sich bei Captain HUK auf diese Weise selbst demaskiert hat.

P.P.S.: Bei ärztlichen Gutachten spielt das Urheberrecht meines Erachtens eine nur untergeordnete Rolle. Entscheidend sind doch wohl Fragen des Datenschutzes. Oder käme Willi Wacker auf die Idee, ein ärztliches Gutachten im Netz veröffentlichen zu wollen? Wohl kaum. Und zwar nicht, weil er die Verletzung des Urheberrechts befürchten würde. Sondern wohl eher, weil er die Rechte des verletzten Menschen respektiert, von dem das Gutachten berichtet.

P.P.P.S.: Zur Frage unter dem Bild: Fotos sind nach der Rechtsprechung in jedem Fall durch das Urheberrecht geschützt.

Sonntag, 6. September 2015

Urheberrecht und Captain HUK

Auf der Plattform Captain HUK gibt es einen Beitrag und dazu eine interessante Diskussion zum Thema Urheberrecht. Darauf möchte ich Euch an dieser Stelle hinweisen. Inhaltlich werde ich Anfang nächster Woche dazu etwas sagen.

Captain HUK lese ich regelmäßig mit, manchmal sage ich auch etwas zu dem, was dort einige schreiben.

Dienstag, 25. August 2015

Sanktionsklauseln und der unwissende Virus

Ich lese ja regelmäßig den Blog von Captain HUK. Aktuell wundert sich der Kommentator virus, was Versicherungen sich bei Sanktionsklauseln in Versicherungsverträgen denken. Wörtlich schreibt er:
Ich kann mir keinen Sachverhalt vorstellen, bei dem bei einem „normalen“ Gebrauch meines Fahrzeuges, Sanktionen welcher Art auch immer greifen sollten.
Ich greife seinen Eintrag auf, um etwas zu Sanktionsklauseln in Versicherungsverträgen zu sagen.

Es gibt Staaten, gegen die wurden z.B. durch die Europäische Union Wirtschaftssanktionen beschlossen. Ein Beispiel dafür wäre die  EU-Verordnung Nr. 36/2012 vom 18.01.2012 über restriktive Maßnahmen angesichts der Lage in Syrien. Hier ist z.B. in Artikel 3a ein Verbot für bestimmte Versicherungen ausgesprochen. Artikel 26 spricht weitere Verbote für Versicherungen aus, die allerdings für Syrer mit Wohnsitzt innerhalb der EU wieder eingeschränkt werden. Man muss im Detail genau hingucken.

Rechtswirkung auf den Versicherungsvertrag entfaltet das m.E. über § 134 BGB und § 139 BGB. Man könnte argumentieren, dass Sanktionsklauseln nicht notwendig sind, weil ja eine gesetzliche Bestimmung auf das Bestehen des Versicherungsvertrages wirkt. Sie haben aber eine klarstellende und damit hilfreiche Funktion. Mit den Verbotsgesetzen sind i.d.R. Strafandrohungen verbunden. Sanktionsklauseln helfen, Sanktionen zu beachten und damit eine Strafbarkeit zu vermeiden.

Eine sorgfältige Sachbearbeitung insbesondere bei Vorgängen mit Auslandsbezug können Sanktionsklauseln aber nicht ersetzen.

Montag, 24. August 2015

Reaktion auf BGH-Urteil im Internet

Am vergangenen Donnerstag habe ich über das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofes zur Abrechnung eines Fahrzeugschadens im Rahmen der so genannten 130% Opfergrenze berichtet. Inzwischen gibt es einige recht interessante Reaktionen im Internet.

Im bekannten Blog von Captain HUK gab es eine interessante Diskussion, auf die ich Euch hinweisen möchte. Einige Teilnehmer ergehen sich in Polemiken, andere dagegen ordnen dieses Urteil schon sehr richtig ein.

Der Versicherungsbote titelt, dass der BGH Manipulationen bei Totalschäden gestoppt habe. Das ist wohl richtig so. Die Welt betont, dass dem Gutachten von Kfz-Sachverständigen in solchen Fällen eine ganz besondere Bedeutung zukomme. Und der Fachdienst Beck Aktuell bringt es auf den Punkt, dass eine unvollständige Reparatur den Ersatz von Reparaturkosten innerhalb der 130% Opfergrenze ausschließe.

Für die Abrechnung innerhalb der 130% Opfergrenze gilt, dass eine Abrechnung der Reparaturkosten nach Gutachten nicht möglich ist. Die vollständige und fachgerechte muss durch eine Reparturrechnung nachgewiesen werden. Hierzu siehe auch die Ausführungen in Kapitel 4 des Handbuch des Fachanwalts Verkehrsrecht, Rn. 340 ff. zur 130% Opfergrenze.

Dienstag, 20. Januar 2015

Zum entgangenen Gewinn: Diskussion auf Captain HUK

Am 15.01.2015 habe ich Euch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aufmerksam gemacht. Darin ging es um die Frage, ob dem Betreiber einer Tank- und Rastanlage Ersatz für den entgangenen Gewinn zusteht. Er hatte den Betrieb geschlossen, weil die Autobahn wegen der Beseitigung von Unfallfolgen gesperrt werden musste. Der BGH hat entschieden, dass ein Schadensersatzanspruch nicht besteht.

Auf der Plattform Captain HUK gibt es zu diesem Urteil eine Diskussion. Auf diese möchte ich Euch hinweisen.

Mittwoch, 20. August 2014

Captain HUK freut sich abermals über Rolands Blog - und ich lade die Nutzer von Captain HUK ein, hier einen Gastbeitrag zu schreiben

Lebensfreude auf den Straßen
Ende letzten Jahres habe ich schon einmal darauf hingewiesen, dass mein Blog sich bei den Aktiven des Blogs Captain HUK einer gewissen Beliebtheit erfreut. Dass dem so ist, konnte ich zwischendurch immer wieder mal feststellen.

In meinem Blogeintrag vom 15.08.2014 hatte ich auf ein Urteil des BGH vom 22.07.2014 hingewiesen. Captain HUK hat das Urteil am 17.08.2014 veröffentlicht. Besonders hinweisen möchte ich auf die Kommentare.

Anlass für diesen Blogeintrag sind Nutzerkommentare bei Captain HUK zu meinem Blogeintrag vom 15.08.2014. Auf diese möchte ich meine Leser hinweisen, die Lektüre lohnt!

Anhand der Nutzerkommentare kann sich jeder ein eigenes Bild machen. Ein Nutzer namens "RA NW" stellt sich die Frage, woher ich Kenntnis dieses Urteils habe und mutmaßt eine Verschwörung der deutschen Versicherer. So klingt es jedenfalls für mich wenn er schreibt:
Es fragt sich daher, woher der Betreiber des Richterblogs seine Kenntnisse hat. Haben die Buschtrommeln der Versicherungen bereits entsprechende Trommelgeräusche von sich gegeben? 
Das kann ich "RA NW" beruhigen, meine Informationen stammen nicht aus abgehörten Trommelklängen. Die Auflösung des Rätsels ist viel einfacher. Aber es aufzulösen wäre langweilig.

Die Kommentare nehme ich zum Anlass etwas klarzustellen: ich lege absoluten Wert darauf, dass ich in diesem Blog ausschließlich meine Meinung schreibe und keinesfalls für irgendwelche Versicherer (zur Klarstellung: erst recht nicht für meinen Arbeitgeber) spreche. Im Impressum habe ich das auch deutlich gemacht. Das scheint einigen Leuten entgangen zu sein.

Dass manchem Nutzer von Captain HUK meine Meinung nicht gefallen mag, ist okay für mich. Umgekehrt ist es ja auch so. Und vor einer sachlich geführten Auseinandersetzung muss sich auch niemand fürchten.

Ich spreche hiermit öffentlich eine Einladung an alle Nutzer von Captain HUK aus. Ich lade jeden von Ihnen dazu ein, hier in meinem Blog einen Gastbeitrag zu einem selbst gewählten Thema zu veröffentlichen.

Zwei Bedingungen muss ich dabei stellen. Einmal ist es erforderlich, dass der Beitrag unter dem Klarnamen des Verfassers veröffentlicht wird, der für die Inhalte dann persönlich gerade zu stehen hat (sollte kein Problem sein). Zum anderen bitte ich um Sachlichkeit. Insbesondere möchte ich keine Beschimpfungen oder Unterstellungen in meinem Blog veröffentlichen (aber auch das sollte kein Problem sein). Wer Interesse hat, kann mich über die im Impressum angegebenen Kontaktdaten ansprechen.

Donnerstag, 7. August 2014

BGH zur fiktiven Abrechnung von Fahrzeugschäden

Fahrzeugschaden
Nach einem Unfall lassen viele Geschädigte ein Sachverständigengutachten erstellen und rechnen den Fahrzeugschaden auf dessen Basis ab. Diese Gutachten werden in der Regel auf Basis von Reparaturkosten erstellt, die bei einer markengebundenen Fachwerkstatt anfallen würden.

Bei älteren Fahrzeugen, die nicht mehr durchgehend in einer Markenwerkstatt repariert werden, darf der Geschädigte jedoch auf die Reparaturkosten verweisen, die bei einer regionlen freien Werkstatt anfangen würden. Das hat der Bundesgerichtshof mit klaren Vorgaben dazu so auch gebilligt.

Nicht jedem Gericht gefällt das, und teilweise wird so ein Verweis mit dem Argument für unbeachtlich gehalten,  dass ein solcher Verweis nicht zu spät erfolgen dürfe.

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 14.05.2013 (VI ZR 320/12) entschieden, dass ein solcher Verweis grundsätzlich erst auch noch im Prozess erfolgen darf, wenn geklagt wird. Das hat der Bundesgerichtshof nun noch einmal mit  Urteil vom 15.07.2014 (VI ZR 313/13) ausdrücklich bestätigt.

Meines Erachtens ist dies richtig. Jeder, der verklagt wird, hat das Recht Einwände gegen die erhobene Forderung zu erheben und zu begründen, warum er die Forderung für unberechtigt hält. Das gilt nicht nur zum Grund einer Forderung, sondern auch zur Höhe in der die Forderung erhoben wird. Das gilt losgelöst von Themen rund um den Verkehrsunfall für das gesamte deutsche Zivilrecht.

Das bedeutet, auch nach Klageerhebung darf noch begründet werden, weshalb die Forderung nicht besteht. Die Zivilprozessordnung stellt in § 296a ZPO die Regel auf, dass man mit so einem Vortrag nach Schluss der mündlichen Verhandlung nicht mehr gehört wird.

Das heißt übersetzt, dass der Schädiger (bzw. dessen Versicherer) grundsätzlich noch bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung begründen darf, weshalb Reparaturkosten in der geforderten Höhe nicht geschuldet sind. Das stößt auf Kritik, z.B. in einer aktuellen Diskussion im Blog von Captain HUK. Aber es entspricht nun einmal dem Gesetz.

Was man sehen muss ist folgendes: ein Sachverständigengutachten ist immer nur eine Schätzung der erforderlichen Reparaturkosten. Es legt nicht verbindlich fest, wie viel Geld eine Werkstatt bekommt wenn sie die Reparatur auführt. Stellt sich nämlich bei Durchführung der Reparatur heraus, dass es etwas teurer wird, muss der Schädiger das auch bezahlen.

Wie hoch die Reparaturkosten tatsächlich ausfallen, weiß man also erst, wenn die Rechnung vorliegt. Was ein Geschädigter also immer tun kann, ist die Reparaturrechnung vorzulegen und Ersatz der tatsächlich aufgewendeten Reparaturkosten zu verlangen.

Dadurch ist der Geschädgte hinreichend geschützt. Denn er kann in einer von ihm selbst ausgewählten Werkstatt reparieren lassen und bekommt die dort anfallenden Kosten auch bezahlt.

Will der Geschädigte nicht reparieren, sondern die Entschädigung für etwas anderes verwenden, darf er das grundsätzlich. Dann aber - weil man eben nur im Bereich geschätzter Reparaturkosten ist - muss er damit rechnen, dass der Schädiger (bzw. dessen Versicherer) eine kostengünstigere, gleichwertige Reparaturmöglichkeit aufzeigt. Schadensersatz ist dann nur in Höhe der dort anfallenden Reparaturkosten geschuldet.

Samstag, 15. März 2014

Neues zur Werkstattoffensive der HUK Coburg

Am letzten Sonntag habe ich darüber berichtet, dass Kunden der HUK Coburg voraussichtlich in Kürze auch ihre Inspektionen im Werkstattnetz der Versicherung machen lassen können. Dies hat für reichlich Aufmerksamkeit in allen interessierten Kreisen geführt. Auf die Beiträge von Autohaus oder einen neuen Beitrag beim Blog Captain HUK möchte ich in diesem Zusammenhang hinweisen.

Nun entnehme ich einem Beitrag der Welt doch noch mehr Details. Danach hat die HUK eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die dieses Geschäft betriebt. Details kenne ich nicht, aber das Verbot versicherungsfremder Geschäfte dürfte so kein Thema mehr sein. Das letzte Wort zum Thema wird dann aber vermutlich die BaFIN haben.

Denn die Versicherungsgesellschaft selbst betreibt das Geschäft jedenfalls nicht, wenn es eine rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft tut. Die HUK hat zu dem Thema selbst aber noch keine Mitteilung gemacht, jedenfalls finde ich auf deren Presseseite bislang nichts.

Ich finde das eine sehr spannende Entwicklung. Ob so ein Angebot angenommen wird oder nicht, liegt im Ergebnis ohnehin in der Hand der Verbraucher. Ich selbst gehe mit meinem Auto jedenfalls weiterhin in meine Markenwerkstatt und bin auch bereit, die dortigen Preise zu zahlen. Weil ich weiß, dass diese Werkstatt qualitativ sehr gut arbeitet. Insofern liegt die Meßlatte aus meiner Sicht sehr hoch.

Die HUK geht hier ein gewisses Wagnis ein. Wie es ausgeht, bleibt abzuwarten. Für die Kunden ist es jedenfalls ein attraktives zusätzliches Angebot, über dessen Wahrnehmung sie selbst zu entscheiden haben.

Dienstag, 11. März 2014

Sonntag, 9. März 2014

Werkstattnetz der HUK Coburg: können Kunden hier kostengünstig den Service machen lassen?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die HUK Coburg ein eigenes Netz von Kfz-Werkstätten vorbereite. Für Unfallreparaturen gibt es ein solches Netz bereits. In diesem sollen Kunden künftig auch Wartungen und Nicht-Versicherungsschäden zu günstigen Konditionen durchführen lassen. Soweit ich es verstanden habe, geht es der HUK dabei primär um Kundenbindung.

Das finde ich einen sehr interessanten Ansatz, den man aber durchaus aber auch kritisch sehen kann. Diese Kritik macht sich in Blogs wie z.B. Captain HUK bereits Luft.

Der Bundesgerichtshof hat im letzten Jahr die Werkstattklausel für Gebrauchtwagen gekippt. Es ist folgerichtig, dass sich Marktteilnehmer Gedanken machen, wie sie diese Chance für eigene Angebote nutzen können.

Aber ob eine Versicherung selbst so ein Netz betreiben darf, sehe ich kritisch. § 7 Abs. 2 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) statuiert ein Verbot versicherungsfremder Geschäfte. Diese Grenze sehe ich erreicht, wenn zum Kfz Werk- oder Dienstleistungen angeboten oder vermittelt werden, die mit Versicherungsfällen nichts zu tun haben. Inwiefern das bei den Überlegungen der HUK ein Thema ist, kann ich mangels näherer Kenntnis aber nicht beurteilen.

Eines muss man der HUK aber lassen. Sie ruht sich nicht auf ihrem Erfolg als mittlerweile wohl größtem deutschen Kfz-Versicherer (2012 waren dort 9,3 MIO Fahrzeuge versichert) aus. Sie macht sich Gedanken, wie sie sich ihre Position sichern kann.

Auch Fahrzeughersteller betreiben Versicherungsdienste, so z.B. VW mit der Volkswagen Versicherung AG. Insofern kann man Überlegungen bei Kfz-Versicherern, auch über reine Versicherungsdienste hinausgehende Angebote zu machen, nur als legitim bezeichnen. Über die Grenzen dessen, was zulässig ist und was nicht, muss letzten Endes ohnehin die BaFIN entscheiden.

Dienstag, 12. November 2013

Captain HUK, ein Amtsrichter aus Berlin und die Freude über Rolands Blog

Ich habe schon an anderer Stelle bemerkt, dass die Freude von Captain HUK über meinen Blog auch mir eine Freude ist. Heute lese ich erneut bei Captain HUK, wie erfreut man über meinen Blog ist. In dem Beitrag geht es um einen Amtsrichter und dessen Auffassung von der Verknüpfung von Straf- und Zivilrecht.

Dem mutigen Willi Wacker, der sich leider nicht traut seinen realen Namen zu offenbaren, danke ich.

Sollte er sich doch trauen, bitte ich um Meldung bei mir. Meine Kontaktdaten stehen im Impressum.

Ich würde ihm gerne eine gute Flasche Rotwein zukommen lassen. Diskretion bezüglich des realen Namens wird an dieser Stelle bereits zugesagt.

Samstag, 9. November 2013

Schwacke, Mietwagenkosten und der Wunsch, dass festgefügte Meinungen nicht mit Tatsachen erschüttert werden mögen

Am 6.11.2013 berichtet der Blog Capatin-HUK von einem Urteil des Landgerichts Köln (vom 20.6.2013, Aktenzeichen 6 S 254/12) zum Ersatz von Mietwagenkosten.

Worum ging  es?

Nach einem unverschuldeten Unfall mietete der Geschädigte einen Mietwagen. Die Versicherung, welche die Rechnung bezahlen sollte, war der Meinung, dass der Preis dafür zu hoch gewesen sei. Sie zahlte weniger. Vor Gericht ging es darum, dass sie noch mehr zahlen solle.

Beim Schadensersatz ist es so, dass marktübliche Kosten des Schadensersatzes verlangt werden können. Wird es teurer, muss der Geschädigte gute Gründe dafür liefern, weshalb er deutlich teurere Kosten für erforderlich halten durfte. Das ist nicht nur so, wenn es um den Ersatz von Mietwagenkosten geht. Aber eben auch.

Nur was ist marktüblich? Es gibt zwei anerkannte Schätzlisten, eine von Fraunhofer und eine von Schwacke. Die Preise, die Schwacke als "marktüblich" ausweist, liegen nach meiner Beobachtung in der Regel zwischen 80% und 120% über denen von Fraunhofer. Genau werde ich mir das für die Ausgaben der Listen in 2013 mal angucken, wenn ich die vorliegen habe.

Eine Versicherung kann bei Mietwagenkosten nicht einfach sagen: ich zahl dir das nicht. Sie muss es begründen. Dabei reicht es, wenn die Begründung ausführlich erst vor Gericht gebracht wird. Im August habe ich schon einmal darauf hingewiesen, dass es auf Seiten der Autovermieter wohl die Bestrebung gibt, so hohe Preise zu verlangen, dass auch unverschuldet geschädigte Mieter oft vor Gericht landen, obwohl sie "nur" ein Auto gemietet haben.

Aber kommen wir zurück auf Einwendungen gegen besonders hohe Mietwagenkosten, die zu begründen sind. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs reicht es nicht, wenn die Versicherungen ausschließlich inhaltliche Argumente gegen eine der Schätzlisten bringt. Diese mögen zwar richtig sein, sind aber allgemeiner Natur. Gebracht werden müssen sie, aber da muss noch mehr kommen.

Konkret bedeutet dies: wenn die Autovermietung nach den teuren bei Schwacke ausgewiesenen Preisen abrechnet, reicht es für die Versicherung nicht zu sagen, warum sie Schwacke nicht gut findet oder dass die Preise bei Fraunhofer deutlich niedriger sind.

Beim Schadensersatz geht es immer um konkrete Einzelfälle. Entsprechend muss die Versicherung durch Vorlage günstigerer Mietangebote aus der Region belegen, dass der marktübliche Mietpreis dort deutlich niedriger ist, als von der Autovermietung oder vom Geschädigten behauptet. Dann - erst dann - muss das Gericht Einwendungen gegen Schwacke als Schätzgrundlage nachgehen. Es darf sie nicht ignorieren.

Und hier wird es interessant. Ich zitiere dazu jetzt mal aus dem Urteil des Landgerichts Köln, wie es bei Captain-HUK wiedergegeben ist:
Um die Eignung der Schwacke-Liste als Schätzgrundlage in Frage zu stellen, reicht es nach Auffassung der Kammer auch nicht, dass die Beklagte Screenshots von günstigeren Angeboten aus dem Internet vorgelegt hat.
Man glaubt fast, da ist man bei alten Leuten, deren festgefügtes Meinungsbild zu irgendwas um Himmels Willen nicht mit Tatsachen verwirrt werden darf. Die alten Leute wären damit nämlich völlig überfordert. Sie müssten etwas hinterfragen, an dessen Richtigkeit sie möglicherweise schon sehr lange glauben. Und die Erkenntnis, dass dieser Glaube eigentlich schon immer falsch war, wirft zu viele Folgefragen auf.

Der Bundesgerichtshof hat mehrfach entschieden, dass Screenshots von günstigeren Angeboten aus dem Internet sehr wohl ausreichen, um konkrete Zweifel am Schwacke-Mietpreisspiegel zu begründen. Dies zuletzt durch Urteil vom 18.12.2012 (VI ZR 316/11). Zum Schätzermessen des Tatrichters führt der Bundesgerichtshof aus:
Die Schadenshöhe darf lediglich nicht auf der Grundlage falscher oder offenbar unsachlicher Erwägungen festgesetzt werden und ferner dürfen wesentliche die Entscheidung bedingende Tatsachen nicht außer Betracht bleiben.
(Seite 6 des Urteils)
Hierbei geht es um das Schätzermessen des Tatrichters zur Schadenshöhe, das nach § 287 ZPO sehr frei sein soll. Aber diese Freiheit hat eben auch ihre Grenzen. Dass Gericht darf nämlich Tatsachen, welche für seine Entscheidungsfindung wesentlich sind, nicht ignorieren. Für Einwendungen gegen den Schwacke Automietpreisspiegel formuliert der Bundesgerichtshof dann:
Die Eignung von Listen oder Tabellen, die bei der Schadensschätzung Verwendung finden können, bedarf allerdings dann, aber auch nur dann, der Klärung, wenn mit konkreten Tatsachen aufgezeigt wird, dass geltend gemachte Mängel der Schätzungsgrundlage sich auf den zu entscheidenden Fall in erheblichem Umfang auswirken.
Im Streitfall begegnet die uneingeschränkte Übernahme der in der Schwacke-Liste ausgewiesenen Mietpreise deshalb Bedenken, weil die Beklagte - wie die Revision mit Recht geltend macht - deutlich günstigere Angebote anderer Anbieter aufgezeigt hat. Sie hat bereits in ihrer Klageerwiderung auf Online-Anfragen bei großen Anbietern - jeweils bezogen auf deren Stationen in B., dem Sitz der Klägerin - verwiesen und zugleich vorgetragen, dass...
(Seite 7 des Urteils)
Besonders pikant finde ich, dass der Bundesgerichtshof am 18.12.2012 mit dieser Begründung eine Entscheidung des Landgerichts Köln aufgehoben hat. Hierbei handelt es sich um das Urteil vom 26.10.2011 (Aktenzeichen 9 S 190/11).

Für mich liest sich das neue Urteil so, als wenn das Landgericht Köln beleidigt sei, dass der Bundesgerichtshof seine bisherige Rechtsprechung zum Ersatz von Mietwagenkosten nicht gebilligt hat. Deshalb wird diese Rechtsprechung mit leicht veränderter Begründunug aufrechterhalten. Das erinnert mich dann doch ein wenig an die alten Leute mit halsstarrig festgefügter Weltsicht, die auch durch Tatsachen nicht erschüttert werden kann.

Rechtsstaat geht anders, habe ich immer gedacht. Aber macht nichts! Köln ist auch außerhalb der Fastnachtssaison immer mal für Geschichtchen gut, die man eigentlich nicht glauben mag. Vielleicht sollte man dort bei der Anwendung des § 287 ZPO auch Artikel 1 des Kölschen Grundgesetzes berücksichtigen. Rechtsfehlerhaft wäre das im Ergebnis wohl nicht. Der Bundesgerichtshof sagt ja auch, dass ein Gericht Tatsachen bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen hat.


Donnerstag, 7. November 2013

Captain HUK freut sich über Rolands Blog

Im Oktober habe ich einen Beitrag auf Captain HUK kommentiert.

Bei der Sache ging es darum, dass Kfz-Versicherer eingerichte Schadensunterlagen durch Sachverständige und spezialisierte Prüforganisationen kontrollieren lassen. Bei älteren Fahrzeugen dürfen Geschädigte für die Abrechnung nach Gutachten oder Kostenvoranschlag auf die Werte einer günstigeren, aber qualitativ gleichwertigen Werkstatt in der Region verwiesen werden. Das entspricht den Leitlinien des Bundesgerichtshofes.

Das Risiko, wenn man in einem Zivilprozess Einwendungen gegen eine Forderung erhebt, ist immer, dass man sich mit seinen Einwendungen nicht durchsetzen kann. In dem von mir kommentierten Beitrag bei Captain HUK sah der dortige Autor darin einen Betrug seitens der Versicherung. Ich bin der Meinung, diese rechtliche Bewertung ist klarer Unsinn.

Offenbar habe ich bei Captain HUK mit meinem Kommentar für große Freude gesorgt. Gestern berichtete man dort über ein Urteil des AG Hattingen vom 4.1.2013 (Aktenzeichen 15 C 126/12), in dem eine beklagte Versicherung ebenfalls zur Zahlung weiteren Schadensersatzes verurteilt wurde.

Dort schrieb man über meinen Blogeintrag wie folgt:
Jetzt kann auch in Rolands Blog (Blog des Herrn Roland Richter, Mitautor des Himmelreich/Halm/Staab) wieder darüber hergezogen werden, dass auch dies wieder nur ein Versehen gewesen sei. Systematische Betrugsversuche der Versicherungen könnten darin nicht gesehen werden.
Meine Meinung aus meinem Blogeintrag zur strafrechtlichen Bewertung der Angelegenheit bleibt. Ich sehe bei Captain HUK kein vorgetragenes rechtliches Argument zu dem Thema.

Bei Willi Wacker, dem Verfasser dieser Zeilen, möchte ich mich für die Nennung meines Blogs sehr bedanken. Eine Bitte für die Zukunft: setzt doch einen Link auf meine Blogeinträge. Dann können sich Eure Leser direkt ein eigenes Bild von der Sache machen.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Strafrechtler voran?

Im Blog Captain HUK wurde ein vom Nutzer Babelfisch mit dem Titel "Strafrechtler voran ......" überschriebener Beitrag veröffentlicht. Ich finde diesen Beitrag recht interessant, daher greife ich ihn in meinem Blog auf.

Worum geht es?

Es geht um ein beschädigtes Kfz. In einem Zivilprozess wurde darum gestritten, in welcher Höhe Schadensersatz für Reparaturkosten auf Basis eines Sachverständigengutachtens geschuldet ist. Der Geschädigte hatte wohl von seinem guten Recht Gebrauch gemacht, fiktiv abzurechnen und keine Reparaturrechnung vorzulegen.

Auf das Thema, dass die Reparaturkosten nach Gutachten auf Werte einer freien, aber gleichwertigen regionalen Werkstatt gekürzt werden dürfen, hatte ich im September schon einmal hingewiesen. Im vorliegenden Fall scheint der beklagte Versicherer sich an die Leitlinien des  BGH zur fiktiven Abrechnung von Reparaturkosten gehalten zu haben. Allerdings scheint es bei den Werten, die dem im Auftrag des Versicherers erstellten Prüfbericht zu entnehmen waren, einen Irrtum gegeben zu haben. Babelfisch berichtet von folgendem Sachverhalt:

Allerdings stellt der Sachverständige fest, dass die vom Versicherer – auch im gerichtlichen Verfahren – behaupteten Stundensätze der Referenzwerkstatt nicht zutreffend sind für das Jahr 2011. So lagen die Stundensätze für Mechanikerstunden erstaunlicherweise 0,75 € unterhalb der behaupteten Sätze, allerdings lagen die Sätze für Karosseriearbeiten 10,50 € über den behaupteten Sätzen. Die tatsächlichen Stundensätze für Lackierarbeiten lagen konkret 6,98 € über den vom Versicherer behaupteten und vorgetragenen Sätzen. Insgesamt besteht eine Differenz zu den tatsächlichen Stundensätzen in Höhe von ca. 180,00 €.
 Dann bittet er um die Einschätzung anderer Blogaktivisten,
ob dies nicht den klassischen Fall eines versuchten Prozessbetruges darstellt, wenn der Versicherer im Verfahren niedrigere Stundensätze behauptet, als tatsächlich erhoben werden.
 Möglicherweise ist ein Blick ins Gesetz ein guter Weg zur Rechtsfindung. Prozessbetrug ist strafrechtlich Betrug, dazu steht in § 263 StGB:
Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Dabei verlangt das Gesetz nicht nur den objektiven Tatbestand der Vorspiegelung einer falschen Tatsache. Darüber kann man sich hier wohl unterhalten, wenn sich der Parteivortrag der Versicherung als unzutreffend herausgestellt hat. Das Wort "Absicht" im Gesetz macht deutlich, dass der Täter (eine konkrete Person, nicht 'die Versicherung') mit entsprechendem Vorsatz gehandelt haben muss. Er muss also in dem von Babelfisch beschriebenen Fall nicht nur gewusst haben, dass die im Prüfbericht benannten Werte unzutreffend sind. Und er muss auch gewollt haben, dass das Gericht auf diesen unzutreffenden Werten basierend entscheidet, dass keine weitere Entschädigung zu bezahlen ist.

Und jetzt wollen wir die Kirche mal im Dorf lassen. Um welche Versicherung es sich handelte, die da im von Babelfisch beschriebenen Sachverhalt tätig war, ist mir nicht bekannt. Das ist aber auch egal.  Jede Versicherung geht wie folgt vor, wenn ein Gutachten zu einem Kfz-Schaden kommt. Sie lässt dieses Gutachten durch einen Sachverständigen oder eine auf derartige Prüfung spezialisierte Organisation prüfen. Ist die Sache in sich schlüssig? Stimmen die kalkulierten Werte? Und gibt es in der Region eine Werkstatt, die die notwenigen Arbeiten in gleicher Qualität wie eine Markenwerkstatt ausführt, aber zu einem günstigeren Preis?

Bei der fiktiven Abrechnung von Reparaturkosten wird immer um die Höhe des Schadens gestritten, wenn denn gestritten wird. Und der BGH hat klar gesagt, dass es legitim ist, eine niedrigere Entschädigung zu bezahlen, wenn eine regionale Werkstatt zu günstigeren Preisen mit vergleichbarer Qualität arbeitet. Dass der Geschädigte sein Auto dort reparieren lassen muss, ist ja nicht der Fall. Er kann hingehen, wohin er will. Aber er kann nicht verlangen, dass mehr bezahlt wird als in der günstigtsten Qualitätswerkstatt vor Ort, wenn nur nach Gutachten abgerechnet wird. Das kann man finden wie man will, es ist aber so.

Die Sachverständigen und Prüforganisationen gehen nicht wegen jeden Gutachtens in der Region herum und ermitteln, welche Werkstatt gerade welchen Preis hat. Da diese Preise sich auch nicht so oft verändern, reicht es wenn mehrmals im Jahr aktualisierte Datenbanken genutzt werden. Und es werden ja auch viele Reparaturrechnungen bei Versicherungen eingereicht, denen dann zu entnehmen ist, welche Preise von den Werkstätten tatsächlich abgerechnet werden.

Hier scheint es einen Fehler in der Datenbank gegeben zu haben, der zu den von Babelfisch beanstandeten Werten bei der Entschädigung geführt hat. Das ist nicht schön, aber es kommt vor. Und das hat auch niemand gemacht in der Absicht, irgendwem dadurch zu schaden.

Damit wurde ein Fehler gemacht, aber nicht mit Vorsatz und schon gar nicht in der Absicht jemandem zu schaden. Eine Strafbarkeit nach § 263 StGB scheidet damit aus.

Sachverständige, Prüforganisationen und vor allem die Versicherer legen sehr großen Wert darauf, dass die Werte in den Prüfberichten korrekt sind. Trotz aller Bemühung um eine möglichst hohe Datenqualität - alle die in dem Bereich arbeiten, sind nur Menschen. Und es kann sein, dass jemand da bei der Ermittlung der Daten, die später im Prüfbericht verwendet wurden, einen Fehler gemacht hat. Das ist bedauerlich, aber auch menschlich. Menschen machen nun einmal (auch) Fehler.

Ein Schreiber mit Namen "Willi Wacker" bei Captain HUK scheint fest überzeugt zu sein, dass hier ein schlimmes Verbrechen begangen wurde. Er schreibt in seinem Kommentar:
Zu der strafrechtlichen Seite meine ich, obwohl ich kein Strafrechtler bin,
dass in Übereinstimmung mit den Feststellungen des Amtsrichters des AG Mitte in Berlin dereinst, die Vorlage der Akte an die zuständige Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes des Prozessbetruges durchaus gerechtfertigt ist. Der Strafanzeige sollte dann auch das Urteil des AG Mitte, das hier veröffentlicht wurde, beigefügt werden.
Ich meine, das ist völliger Blödsinn. Natürlich kann man immer einen Sachverhalt der Staatsanwaltschaft vorlegen, wenn man ehrlichen Herzens meint, eine Straftat sei begangen worden. Aber hier liegt nun einmal keine vor. Willi Wacker scheint kein Jurist zu sein, sonst würde er solchen klar erkennbaren Unfug nicht schreiben. Naja, die Traute seinen richtigen Namen zu nennen hat er auch nicht.

Was ich aber interessant und bemerkenswert finde: die Autoren scheinen aus dem Kreis von Sachverständigen zu kommen, die primär für Unfallgeschädigte ihre Gutachten erstellen. Eine Tätigkeit, die ich völlig in Ordnung und für besonders große Fahrzeugschäden auch notwendig finde.

Aber was bewegt diese Menschen zu überlegen, wie man Versicherer oder deren Mitarbeiter strafrechtlich belangen kann?

Mein Gefühl ist, dass das treibende Motiv von Leuten wie Babelfisch und Willi Wacker ist, dass die von ihnen erstellten Gutachten nicht mehr geprüft werden sollen. Ganz ehrlich: wenn mir jemand so kommt, schaue ich persönlich erst recht genau hin. Egal, worum es geht.

Mittwoch, 4. September 2013

Der ADAC, die trippsende Nachtigall...?

Am 30. August habe ich über den Werkstatt-Test des ADAC berichtet. Der Automobilclub sprach von "schockierenden Ergebnissen".

Jetzt lese ich in RP Online vom 04.09.2013, dass der ADAC in Kooperation mit der Versicherungskammer Bayern ein Werkstattnetz mit mehr als 1.000 angeschlossenen Werkstätten auf die Beine stellt.

Ist der Werkstatt-Test mit einer statistisch völlig unzureichenden Testgruppe da nur Vorgeplänkel gewesen? Sollten nicht dem ADAC-Netz angehörende Werkstätten schlecht gemacht werden, um dann mit dem eigenen Angebot um so besser da zu stehen?

Der ADAC hat ein eigenes Konzept mit derzeit vier Werkstattpartnern aufgesetzt. Da geht es um Haupt-/Abgasuntersuchung, Reifenwechsel (mit Wuchten/Einlagern), Sicherheitschecks, Klimaanlagenservice, Ölwechsel und Inspektion. Ein Teil des Spektrums war auch Thema im Werkstatt-Test.

Und da sollen jetzt 1000 Werkstätten zukommen? Da klingt mir der Test doch fast wie eine Marketing-Vorlage für die Einführung.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ADAC so komisch unterwegs ist und sich selber pusht. Aber etwas klingt es so. Jedenfalls war das eine Steilvorlage für den Blog Captain HUK, eine deutliche Meinung zum Thema zu formulieren.