Posts für Suchanfrage Autoglas werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Autoglas werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Montag, 9. September 2013

Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe?

Gestern habe ich mich mal wieder beim Fernsehgucken mächtig geärgert. Während eines Films lief Werbung (darüber ärgere ich mich nicht, irgendwie müssen die privaten Sender sich finanzieren). Und da war auch die aktuelle Werbung des mutmaßlichen Marktführers in Sachen Autoglas.

Der Tenor lautete: "Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe? Dann gleich ab zu ...glass!"

Eine "gefährlichen Riss" in der Scheibe gibt es nicht.

im Juni hat ein großer deutscher Versicherer in seinem Unternehmensblog hierzu das Notwendige gesagt.
  • Nur oberflächliche Abplatzer oder Kratzer erfordern gar keine Maßnahmen.
  • Nicht jeder in die Tiefe gehende Schaden erfordert den Austausch der Scheibe. Oft kann man reparieren, d.h. den Schaden mit Harz ausfüllen.
  • Wegen der Kosten: hat man eine Selbstbeteiligung in der Teilkasko vereinbart, darf man nie auf das Versprechen der Kostenfreiheit bei Glasschäden vertrauen.

    • Kostenfreiheit gibt es nur bei Reparatur statt Austausch.
    • Hier ist oft aber Voraussetzung, dass man sich erstmal bei seiner Versicherung meldet und nicht einfach zu irgendeinem Glaser geht. Das gilt auch, wenn es sich um den Marktführer in Sachen Autoglas handelt. Selbst der hat nicht mit allen großen Kfz-Versicherungen Kooperationsverinbarungen (auch wenn die meisten es akzeptieren, wenn ein Kunde mal dorthin gehen sollte).
  • Hat man eine Selbstbeteiligung vereinbart, ist diese bei Austausch immer zu zahlen. Versprechen Glaser hier "Kostenfreiheit" und "erlassen dem Kunden" die Selbstbeteiligung, kann dies der erste Schritt in Richtung Gefängnis sein. Denn so etwas kann Ermittlungen wegen Betruges nach sich ziehen. Autoglas ist auch deswegen immer mal wieder Thema in meinem Blog.
Meine Empfehlungen bei einem Bruchschaden im Autoglas:
  • Wenn was mit der Windschutzscheibe ist, geht nur zu einem Glaser mit dem Eure Versicherung fest zusammenarbeitet. Euer Makler oder Versicherungsagent kann Euch die nächste Adresse in Eurer Nähe geben, oder Ihr ruft bei der Versicherung direkt an.
  • Der Glaser soll sich die Sache erstmal angucken! Muss man wirklich etwas machen? Geht eine Reparatur, oder muss ausgetauscht werden?
  • Erst denken, dann handeln: lasst Euch nicht von irgendwelchen Leuten, denen Ihr auf Parkplätzen begegnet, zur Unterschrift unter Reparaturaufträge verleiten.
  • Wer im Schadensfall nichts bezahlen möchte, sollte eine Teilkasko ohne Selbstbeteiligung vereinbaren. Das kostet zwar etwas mehr als mit Selbsbeteiligung, aber man hat seine Ruhe wenn die Scheibe doch mal ausgetauscht werden muss.

Montag, 13. Juli 2015

Carglass übernimmt Junited Autoglas

Autglas - ein Fall für die Teilkasko.
Der Markt für Arbeiten am Autoglas ist sehr lukrativ. In 2013 haben die deutschen Versicherer Leistungen für 2,35 Millionen Glasbruchschäden erbracht. Nach meiner Einschätzung dürften es 2014 deutlich weniger gewesen sein. Denn große Hagelereignissen blieben weitgehend aus. Auch gab es realtiv milde Winter. Zahlen dazu sind seitens der Versicherungswirtschaft bislang nicht veröffentlicht worden.

Das Risiko, dass Fahrzeugglas bricht und deshalb repariert oder ausgetauscht werden muss, ist über die Teilkasko versichert.

Die Versicherungswirtschaft hat 2013 Entschädigungen in Höhe von 1,15 Milliarden Euro bezahlt. Berücksichtigt man bei den damit verbundenen Einnahmen der Autoglasbranche, dass viele Kunden ja auch eine Selbstbeteiligung haben die sie zahlen müssen und berücksichtigt man, dass z.B. große Fahrzeugflotten ihre Glasschäden selbst zahlen und sie nicht versichern, darf man von einem wesentlich größeren Marktvolumen für die Autoglasbranche ausgehen.

Martführer in dem Bereich ist Carglass. Carglass teilt auf seiner Homepage mit, dass man einen weiteren großer Spieler am Markt gekauft habe: Junited Autoglas.

Autohaus berichtet, dass das Bundeskartellamt dem Zusammenschluss noch zustimmen müsse.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Bild.de: unzulässige Aussagen über Autoglasspezialisten aufgrund von nur 18 Tests

Am 1.10.2013 berichtete Bild über einen Test, den die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien durchgeführt hat.

Die DtGV hat nähere Informationen zu der Studie auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wurden jeweils 3 Werkstätten aus dem Netz von 6 großen Ketten mit präparierten Schäden an der Windschutzscheibe konfrontiert. Die DtGV nennt das einen Mystery-Check, was wohl auf die Methode des Mystery-Shoppings anspielt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Messung von Dienstleistungsqualität.

Untersucht wurden jeweils 3 Filialen von
Damit sind insgesamt 18 Autoglaser auf die Probe gestellt worden. Wenn ich die obigen Zahlen addiere, komme ich auf 1.360 Autoglaser, über die ein Urteil gefällt wird. Davon wurden 18 Glaser getestet. Das entspricht einem Anteil von 1,32%. Ich finde, das ist eine sehr, sehr geringe Quote um eine belastbare Aussage zu treffen.

Ich halte die Aussagen und Wertungen, die ich basierend auf dieser Studie bei Bild lese, so für unzulässig.

Ich war in diesem Jahr in Potsdam auf der Jahrestagung von Junited und habe einige von den Glasern kennengelernt. Das sind durchweg Profis, die ihr Handwerk verstehen. Es sind inhabergeführte Werkstätten. Von Bekannten, die dort ihre Scheiben haben wechseln lassen, bekam ich ein gutes Feedback. Um zu den anderen Glasern etwas sagen zu können, fehlt es mir aber an persönlichen Erfahrungen.

Dass Junited in dem Bericht der Bild als Junited das Schlusslicht der Branche sein soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Eine solche Aussage halte ich bei der geringen Stichprobe doch für sehr fragwürdig.

Meine Empfehlung an die Leser dieses Blogs ist, dass sie sich ein eigenes Bild von den Glasern bei ihnen vor Ort machen sollen. Ein ordentlich geführter Betrieb lässt meist auch Rückschlüsse auf gute Arbeit zu. Schlampt ein Inhaber in Sachen Sauberkeit und Ordnung, würde ich ihn nicht an mein Auto lassen. Das Erscheinungsbild eines Betriebes ist für mich immer die erste Arbeitsprobe.

Donnerstag, 15. August 2013

Autoglas: großer Betrugsfall im Raum Köln / Bonn / Rhein-Sieg-Kreis

Der Kölner Stadtanzeiger berichtete am 11.04.2013 von Hausdurchsuchungen in Zusammenhang mit einem großen Betrugsfall in Zusammenhang mit Autoglas.

Die Täter betrieben verschiedene Autoglas-Firmen. Ihre Kunden gewannen sie unter anderem dadurch, daß sie ihnen versprachen die vertragliche Selbstbeteiligung (in der Regel 150 €) nicht zahlen zu müssen. Bei der Abrechnung mit der Kaskoversicherung der Kunden wird dieser Rabatt dann in der Regel verschwiegen.

Durch Urteil vom 12.10.2012 (6 U 93/12) hatte das OLG Köln bereits festgestellt, daß so ein Vorgehen als Betrug gesehen werden kann. Diese Entscheidung erging in einem Zivilrechtsverfahren zwischen einer Versicherung und einem Autoglaser. Das Portal Autoglasmeister.de warnte die Branche, daß mit solchen Geschäftspraktiken Betrug begangen werde.

Ich greife jetzt noch mal den Sachverhalt auf. In einem anderen Beitrag habe ich bereits auf die strafrechtliche Relevanz solcher Sachverhalte hingewiesen. Am Wochenende beabsichtige ich, einige Hintergrundinfos zum Thema zu bringen.

Donnerstag, 27. August 2015

Landgericht Rostock: 2.000 € Ordnungsgeld für Autoglaser wegen Erlass der Selbstbeteiligung

Das Landgericht Rostock hat einen Autoglaser durch Beschluss vom 16.06.2015 (3 O 320/13 (1)) dazu verpflichtet, ein Ordnungsgeld in Höhe von 2.000 € zu zahlen. Sollte nicht bezahlt werden, droht ersatzweise je ein Tag Haft pro 500 €, zu vollstrecken am Geschäftsführer.

Wie ist es dazu gekommen? 

Dieser Autoglaser war bereits 2012/2013 dadurch aufgefallen, dass er Kunden einen Rabatt in Höhe der Selbstbeteiligung gewährte, wenn diese den Auftrag zum Austausch der Windschutzscheibe nach einem Glasbruch dorthin erteilte. Die Abrechnung erfolgte dann per Abtretung mit dem Kaskoversicherer des Fahrzeugs, wobei dem Versicherer der dem Kunden gewährte Rabatt verschwiegen wurde. 

Als der Kaskoversicherer davon erfuhr, nahm er die Werkstatt daraufhin u.a. auf Unterlassen in Anspruch. Die Unterlassungserklärung wurde nicht abgegeben, worauf Klage erhoben wurde. Darauf erkannte die Werkstatt an. Mit Anerkenntnisurteil vom 01.10.2013 (3 O 320/13 (1)) tenorierte das Landgericht Rostock u.a.:
Die Beklagte wird verurteilt,

1.    es bei Meldung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000,00 €, ersatzweise Ordnungshaft bis zu zwei Jahren, zu unterlassen, Versicherungsnehmern der … Versicherungs-AG Nachlässe, Rabatte, Auslagenerstattungen oder sonstige geldwerte Vorteile jeglicher Art auf Reparaturkosten zu gewähren, die nicht in der Abrechnung der Reparaturleistungen gegenüber dem Versicherungsnehmer ausdrücklich als solche erkennbar sind;
2.    – 6. wird nicht abgedruckt
Im August 2014 gewährte die Werkstatt einem Kunden einen Rabatt in Höhe der Selbstbeteiligung, welcher nicht auf der Rechnung über den Austausch einer Windschutzscheibe ausgewiesen wurde. Allerdings erfolgte die Abrechnung jetzt nicht durch den Autoglaser selbst per Abtretung. Die Abrechnung sollte der Versicherungsnehmer mit seiner Kaskoversicherung selbst erledigen.

Der Versicherungsnehmer reichte die Rechnung bei seinem Kaskoversicherer ein und gab auf dessen Nachfrage hin den gewährten Rabatt dorthin bekannt.


In diesem Fall hatte der Autoglaser es nicht eingesehen, dass er gegen das Anerkenntnisurteil verstoßen habe. Sein Argument war, dass er selbst die Rechnung nicht bei der Versicherung eingereicht habe. Das sei der Kunde gewesen. Dessen Handeln könne ihm nicht zugerechnet werden. Damit ist er jedoch nicht durchgekommen. Seine Beschwerde hat das OLG Rostock durch Beschluss vom 14.08.2015 (2 W 24/15) zurück gewiesen.

Es ist schon öfters thematisiert worden, dass der Erlass der Selbstbeteiligung Betrug sein kann. In der Kfz-Versicherung geht man von jährlichen Betrugsschäden von ca. 2 Milliarden aus. Im Bereich Autoglas handelt es sich zwar immer nur um sehr kleine Beträge (hier: 150,- €), aber gerade im Bereich Autoglas tun die sehr weh. Denn diese Praktiken kommen sehr häufig vor. Daher handeln verantwortungsvolle Versicherer auch bei kleinen Betrugsdelikten sehr konsequent und gehen den Sachen nach. 

Auch der ADAC hat vor Machenschaften, durch welche die Selbstbeteiligung faktisch erlassen wird, bereits gewarnt.

Freitag, 25. April 2014

Großer Betrugsfall bei einer Autoglas-Kette?

Dass der "Erlass der Selbstbeteiligung" durch eine Werkstatt rechtlich als Betrug anzusehen sein kann, war bereits Thema hier im Blog. Auch habe ich über einen großen Betrugsfall im Raum Köln/Bonn/Rhein Sieg berichtet.

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet jetzt von einem großen Betrugsfall aus Halle. Hier hat ein Autoglas-Spezialist mit vielen Filialen Kunden Rabatte eingeräumt, die bei der Abrechnung mit Versicherungen dann verschwiegen worden sind. Betroffen ist die ÖSA, die in 1.300 Fällen Strafanzeige gestellt hat.

Donnerstag, 15. August 2013

Autoglaser: Betrug durch Erlass der Selbstbeteiligung

Hier im Blog habe ich von Hausdurchsuchungen bei Autoglas-Firmen im Raum Köln / Bonn / Sieg berichtet. Das Thema möchte ich durch einige Hintergrundinformationen ergänzen. In der Presse wurde nicht berichtet, welche Autoglaser betroffen sind. Daher weiß ich das natürlich nicht. Aber die Betrugsmasche, um die es geht, ist fast immer die selbe:
  • Autofahrer mit einer beschädigten Scheibe Am Kfz werden auf Parkplätzen oder woanders angesprochen, ob sie nicht die Scheibe tauschen lassen möchten.
  • Der Hinweis ist, daß das ja die Versicherung bezahlt. Sie selbst hätten keine Kosten.
  • Weisen die Kunden darauf hin, daß sie eine Selbstbeteiligung haben, wird ihnen angeboten, daß sie die nicht zahlen müssen.
  • Die Scheibe wird ausgetauscht, der Kunde unterschreibt eine Abtretung und der Glaser schickt Rechnung und Abtretung an die Versicherung. Die Versicherung soll dann an ihn zahlen.
  • Der Knackpunkt ist: daß die Selbstbeteiligung "erlassen" wurde, wird vom Glaser der Versicherung gegenüber verschwiegen.
Das ist ein Betrug zu Lasten der Versicherung. So beurteilt das nicht nur das Oberlandesgericht Köln, das sehen auch Wettbewerbsrechtler, verschiedene Presseorgane (Financial Times, WDR, Legal Tribune) und selbst Medien für die Kfz-Betriebe so.


Worin liegt der Betrug?
Bei der Abrechnung wird der Versicherung ein höherer Schaden vorgespiegelt, als er dem Kunden tatsächlich entstanden war.


Was genau versteht man unter "Schaden"?
Der "Schaden", das ist der tatsächliche finanzielle Nachteil, der dem Kunden entsteht. Nicht der Geldbetrag, den die Werkstatt auf ihre Rechnung schreibt. Nur das, was tatsächlich davon ggf. durch den Kunden zu bezahlen ist. Wird gesagt, daß ein bestimmter Geldbetrag nicht zu zahlen sei, dann verringert sich der Schaden entsprechend.

Wie genau sieht das in der Kasko aus?
In der Kaskoversicherung ist der Schaden versichert, der einem Kunden aus dem versicherten Risiko entsteht. Nicht versichert ist das Risiko, daß die Werkstatt eine Rechnung in einer bestimmten Höhe schreibt. Es kommt also darauf an, wie viel Geld tatsächlich geschuldet ist. Wird ein Rabatt gewährt, verringert sich der Schaden des Kunden entsprechend. Und zu sagen, die Selbstbeteiligung müsse nicht bezahlt werden, ist ein solcher Rabatt.

Wer begeht den Betrug?
Der Betrug wurd durch denjenigen begangen, der die Rechnung für den Glasschaden bei der Versicherung einreicht und dabei verschweigt, dass es seitens der Werkstatt einen Rabatt auf die Selbstbeteiligung gegeben hat. Das ist die Werkstatt, wenn sie direkt mit der Versicherung abrechnet. Das ist der Kunde, wenn er selbst die Rechnung bei seiner Kfz-Versicherung einreicht.

Was genau bedeutet "Selbstbeteiligung"?
Ein anderes Wort für Selbstbeteiligung ist "Eigenanteil". Beides meint das selbe. Es bedeutet, dass man den Schaden in dieser Höhe selbst zahlt. Übersteigt der Schaden diesen Eigenanteil, steht die Versicherung dafür ein. Es ist also keine "Strafe", die der Kunde zahlen muss. Der Kunde hat ja die Möglichkeit, den Vertrag ohne Selbstbeteiligung abzuschließen. Dann zahlt die Versicherung alles, der Kunde aber auch eine etwas höhere Prämie.

Windschutzscheibe kaputt? Die Kaskoversicherung ist dafür da!
Wie verstricken kriminelle Autoglaser die Kunden in die Sache?
Den Kunden wird von den Glasern, die sagen "Du musst die Selbstbeteiligung nicht bezahlen," gerne vorgespiegelt, daß alles in Ordnung sei und "mit der Versicherung geklärt" werde. Beides ist eine Lüge.
Der Versicherung wird von dem Rabatt nichts gesagt. Und darüber gesprochen wird regelmäßig auch nicht. Und das ist der Punkt, ab dem es kriminell wird: der Versicherung wird durch die Werkstatt vorgespiegelt, daß der Schaden höher ist als er wirklich war.
Die Kunden sind meist in gutem Glauben, daß alles stimmt, was der Glaser ihnen versprochen hat. Sie trifft keine Schuld an der Sache in dem Sinne, dass die sich strafbar machen. Aber es kann sein, daß sie die Selbstbeteiligung im Nachhinein doch noch bezahlen müssen.

Sind alle Autoglaser kriminell?
Ein ganz klares Nein.
Das ist nur eine Minderheit. Eine Minderheit jedoch, die einen erheblichen Schaden anrichtet.
Nach meiner Einschätzung sind die meisten Autoglaser redliche Handwerker, die Wert auf gute Arbeit und eine ehrliche Abwicklung der Bezahlung legen.

Worauf sollten Kunden achten?
Die Gefahr, in unredliche Sachen verstrickt zu werden, besteht vor allem bei Autoglasern, die Kunden auf Parkplätzen, an Waschstraßen oder sonst im öffentlichen Verkehrsraum ansprechen. Hier ist Vorsicht geboten.
Haben Sie einen Glasbruchschaden an der Autoscheibe, sollten Sie diesen ihrer Stammwerkstatt zeigen, oder Sie lassen sich von Ihrer Versicherung an einen Autoglas-Fachbetrieb vermitteln.

Wie soll man sich verhalten, wenn man auf einem öffentlichen Platz von einem Autoglaser angesprochen wird?
Das muß jeder selbst wissen. Ich persönlich würde Arbeiten an meinem Auto nur durch die Werkstatt erledigen lassen, zu der ich immer gehe. Das würde ich dem Glaser auch sagen und ihn bitten, mich in Ruhe zu lassen.

Sind Nachteile für die Kunden möglich, wenn die Selbstbeteiligung erlassen wurde?
Ein klares Ja.
Versicherungen, die eine verantwortungsvolle Schadenregulierung betreiben, bringen Betrug oder Betrugsversuche oft zur Anzeige. Die Kunden werden dann als Zeuge befragt, was genau vereinbart wurde.
Autoglaser behaupten gelegentlich, dass die Kunden von ihnen verlangt hätten, dass sie die Selbstbeteiligung nicht bezahlen müssen. Manchmal stimmt das auch, oft aber nicht. Die Konsequenz so einer behauptung ist dann wirklich unangenehm. Die Kunden müssen damit rechnen, dass gegen sie selbst ein Strafverfahren eingeleitet wird. Der Autoglaser, der sich durch Erlass der Selbstbeteiligung eben noch als ihr größter Kumpel aufgespielt hat, wird so zu ihrem ärgsten Feind. Es kann auch sein, dass die Versicherung noch eine Zahlung in Höhe der Selbstbeteiligung verlangt. Das ist nicht wirklich ein Nachteil. Denn es entspricht im Ergebnis dem, was im Versicherungsvertrag vereinbart wurde. Aber unangenehm ist es doch.

Dienstag, 18. April 2017

Amtsgericht Hannover: Glasreparatur für Kaskoversicherten nicht kostenlos

Vor kurzem war Thema im Blog, dass die Glasreparatur für den Kunden eben nicht immer kostenlos ist.

Das Amtsgericht Hannover hatte jetzt über die Klage eines Kaskoversicherten zu entscheiden, der sich vor Beauftragung der Glasreparatur eben nicht mit seinem Versicherer in Verbindung gesetzt hat. Dabei hatte er sogar einen Kaskovertrag mit Werkstattbindung bei Glas. Vielmehr war er zu einem führenden Autoglas-Spezialisten gefahren, der in seiner Werbung mit der angeblich kostenlosen Reparatur auf sich aufmerksam macht.

Die Kosten für die Glasreparatur betrugen 99,90 Euro und lagen damit unter der für den Vertrag vereinbarten Selbstbeteiligung. Die Versicherung lehnte die Bezahlung ab mit der Begründung, dass die Reparaturkosten unterhalb der Selbstbeteiligung lagen. Die Voraussetzungen für einen Verzicht auf Anrechnung der Selbstbeteiligung lägen nicht vor, da der Kunde sich vorab weder mit der Versicherung in Verbindung gesetzt und auch nicht eine von der Versicherung vermitte Werkstatt aufgesucht hatte. Der Kunde meinte aber, dass die Versicherung die Rechnung sehr wohl bezahlen müsse. Schließlich habe er auf die Aussage des Autoglasers vertrauen dürfen. Dieser habe in der Werbung immer wieder betont, dass die Glasreparatur in der Regel für Kaskoversicherte kostenlos sei.

Das Amtsgericht Hannover hat am 20.10.2016 durch Urteil (Aktenzeichen 557 C 6909/16) so entschieden: 

Die Teilkaskoversicherung hat die Kosten einer Verbundglasreparatur nicht zu bezahlen, wenn der Versicherungsnehmer
  • eine Selbstbeteiligung vereinbart hat, die höher als die Kosten der Glasreparatur ist und
  • sich vor Beauftragung der Reparatur nicht mit seinem Versicherer abgestimmt hat.

Damit ist klar, dass die Versicherung diesen Schaden nicht bezahlen muss.

Wie der Kunde mit dem Autoglaser verblieben ist, weiß ich nicht. 

Sollte er vor Erteilung des Auftrags zur Kostenfreiheit unzureichend beraten worden sein, hat er eine gute Chance, dass er die Rechnung am Ende doch nicht bezahlen muss.

Denn wenn eine Werkstatt vor Annahme eines Reparaturauftrages verspricht, dass eine Versicherung die Arbeiten bezahlen wird, muss sie das vorher mit der Versicherung geklärt haben. Ansonsten ist das ein so genanntes Beratungsverschulden mit dem rechtlichen Ergebnis, dass der Kunde, der im Vertrauen auf die Richtigkeit der Werbung den Auftrag erteilt hat, wirklich nichts bezahlen muss.

Montag, 13. Januar 2014

Autoglas: Gutscheine von Werkstätten sind wettbewerbswidrig

Autohaus Online hat auf eine Ende letzten Jahres ergangene Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm hingewiesen.

Am 12.11.2013 hat das OLG Hamm in der Sache 4 U 31/13 durch Urteil folgendes entschieden:
Gutscheine von Kfz-Werkstätten für Folgeaufträge können bei der Reparatur eines Kaskoschadens mit Selbstbeteiligung des Kunden wettbewerbswidrig sein.
Hier ging es um eine große Kette, die Kunden mit Gutscheinen in Höhe der  Selbstbeteiligung in ihre Häuser lockte, wenn diese einen Glasbruchschaden hatten. Durfte eine Werkstattt dieser Kette die Scheibe austauschen und mit der Versicherung abrechnen, erhielt der Kunde einen Gutschein in Höhe seiner Selbstbeteiligung.

Das OLG Hamm hat nunmehr entschieden, dass dies unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten so nicht in Ordnung ist.

Dass Rabatte auf die Selbstbeteiligung bei Glasschäden gegeben werden, kommt leider häufig vor. Teils wird die gesamte Selbstbeteiligung erlassen, teils nur ein etwas niedrigerer Betrag. Dem Versicherer gegenüber wird dieser Rabatt dann bei der Abrechnung verschwiegen, was im Ergebnis sogar als Betrug angesehen werden kann. Im Urteil des OLG Hamm findet sich zur dortigen Konstellation allerdings kein Hinweis auf das Betrugsdelikt. Erlaubt ist es trotzdem nicht, Kunden mit Gutscheinen für Folgeaufträge anzulocken.

Autobesitzern muss dringend geraten werden vorsichtig zu sein, wenn eine Scheibe ausgetauscht werden muss und der Autoglaser ihn damit anzulocken versucht, dass die Selbstbeteiligung durch ihn nicht zu bezahlen sei.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Europäische Union vermutet gigantisches Kartell bei Autoteilen

Der Stern berichtet, dass die Europäische Union ein Kartell bei fast allen Autoteilen festgestellt habe. Die EU-Kommission werde in den kommenden Monaten mehrere Strafen gegenüber Herstellern der Automobilindustrie verhängen, so Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gegenüber dem Blatt.

Bereits im Juli 2013 wurde in Zusammenhang mit Kabelbäumen von illegalen Absprachen berichtet. Und im Mai 2010 verhängte die EU-Kommission Strafen gegen das Autoglas-Kartell.

Für die Verbraucher ist es sehr gut, wenn hier eingegriffen wird. Überall dort, wo sich Preise nicht ausschließlich an den Gegebenheiten von Angebot und Nachfrage orientieren, zahlen sie im Ergebnis zu viel. Sei es als Käufer der Autos, sei es als Werkstattkunden bei Reparaturen. Und die Werkstätten vor Ort können da nicht viel machen, wenn alle Hersteller sich zu den Preisen abgesprochen haben.

Insofern bin ich sehr gespannt, was da noch an Details bekannt wird. Dass dies jetzt schon der dritte große Kartellfall der letzten Zeit ist, macht jedenfalls deutlich, dass sich die Industrie durch bisherige Kartellmaßnahmen nicht hat abschrecken lassen.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Autoglas: Vorsicht bei "für Sie kostenlos"

Eine Windschutzscheibe kann getauscht werden.
Qualifizierte Autoglaser machen das einwandfrei.
Im Forum von Motor-Talk bin ich auf eine sehr interessante Diskussion aus Oktober 2011 gestoßen.

Ein Autobesitzer hatte einen Glasbruchschaden. Auf einem Parkplatz traf er auf Autoglaser, die ihm den Austausch anboten. Endgültig geködert haben sie den Mann damit, dass er die Selbstbeteiligung nicht zahlen sollte.

Dann kamen die Monteure und setzten eine neue Scheibe ein, und waren weg. Der Autobesitzer war aber mit der Qualität der ganzen Sache nicht sehr zufrieden. Blöd nur, dass die mobilen Autoglaser für ihn nicht mehr greifbar waren.

Er nennt eine konkrete Firma. Die ist mir bekannt, es gibt sie inzwischen auch nicht mehr. Sie ist aufgelöst worden, nachdem ihr gerichtlich verboten wurde, Kunden die Selbstbeteiligung zu erlassen ohne dass dies vom Versicherer vorher ausdrücklich genehmigt wurde. Im August habe ich von einem großen Betrugsfall im Raum Köln / Bonn berichtet. Dazu gehört u.a. die Firma, deren Opfer hier nicht nur die Versicherung, sondern auch der Autobesitzer aus dem Forum von Motor-Talk wurde.

Ganz klar: gehen Werkstätten hin und versprechen Kunden, sie müssten die Selbstbeteiligung nicht bezahlen, kann dies Betrug sein. Das schlimme an solchen Geschäftspraxis zur Akquise von Werkstattaufträgen ist, dass die arglosen Kunden von den Werkstätten in kriminelle Sachverhalte verstrickt werden. Daran denkt nur niemand, wenn mit der Botschaft "Du kannst sparen" die Geiz-ist-geil-Mentalität bedient wird.

Meine Bitte an alle: seid vorsichtig, wenn eine Werkstatt Euch etwas erlassen will, und im Hintergrund noch die Abrechnung mit einer Versicherung steht. Die müsste das nämlich wissen. Und bekommt es nur in den allerwenigsten Fällen gesagt.

Und Ihr zahlt es über Eure Beiträge mit. Keiner soll glauben, dass die Inhaber von Werkstätten nur noch Billig-Kartoffeln essen, damit die Kunden sich die Selbstbeteiligung sparen können. Durch eine geschickte Rechnungsgestaltung machen auch die ihr Geschäft. Bezahlen müssen solche Praktiken letzten Endes alle Kunden über zu hohe Versicherungsbeiträge.