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Samstag, 19. März 2016

Die Datensammelwut Eurer Autos und Kühlschränke

Holger Appel hat in der FAZ einen kurzen Beitrag über Autos geschrieben, die Daten sammeln. Die Überschrift 1984 nimmt Bezug auf das Buch von George Orwell. Er berichtet davon, dass die HUK auf Basis des Fahrverhaltens maßgeschneiderte Tarife für ihre Kunden anbieten wolle. Telematik ist in der Versicherungswirtschaft ein Modethema. Es bringt für die Kunden jedoch keinen wirklich messbaren Vorteil. Das bisherige System der Schadensfreiheitsklassen bildet einen "guten" oder "gefährlichen" Fahrstil heute bereits ab.

Das Internet der Dinge ist ein beliebter Werbeslogan. Bislang konnte ich mir recht wenig darunter vorstellen. Die Firma Bosch steigt nunmer in die digitale Datensammlung ein, und zwar mit einer eigenen Cloud. Worin der Vorteil für mich als Kunden liegen soll, wenn digitale Informationen über meinen Kühlschrank oder meine Waschmaschine in der Cloud von Bosch liegen, weiß ich nicht. Bei einer Qualitätsmarke erwarte ich, dass diese Teile recht lange funktionieren. Und was in beiden liegt, weiß ich selbst. Dafür brauche ich keine Information aus dem Internet.

Ich nehme wahr, dass es in allen großen und innovativen Unternehmen Leute gibt, die jeder neuen technischen Möglichkeit offen gegenüber (das ist gut) stehen und die diese Möglichkeit fast um jeden Preis für ihr Unternehmen nutzen wollen (das ist oft nicht sinnvoll). Das muss man sehen. Technik ist kein Selbstzweck, sie muss mir als Kunden unmittelbar nutzen.

Ein Unternehmen, dass diesen echten Mehrwert für die Kunden aus dem Auge verliert, ist nach meiner Meinung ein schlechtes Unternehmen. Das gilt sowohl für Kfz-Versicherungen als auch für die Hersteller von Kühlschränken oder Waschmaschinen. Insofern bin ich gespannt, was uns da noch alles so blühen wird.

Dienstag, 1. März 2016

Telematik - ein Irrweg

Telematik war schon öfters Thema in meinem Blog. Persönlich sehe ich das Thema sehr kritisch. Es ist teuer eine solche Technik aufzubauen und auszurollen. Und weder für Versicherungen noch für die Kunden ist sie wirklich von Nutzen. Denn das bisherige System mit einem individuellen Schadensfreiheitsrabatt funktioniert genauso gut.

Versicherungswirtschaft heute berichtet über den Kfz-Experten der GenRe, Marco Morawetz. Dieser bezeichnet die neue Technik als telematischen Irrweg. Die Technik bringt nicht nur für die Versicherer nichts. Auch die Kunden reagieren da sehr verhalten.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Kalifornien: an diese Regeln müssen selbstfahrende Autos sich halten

In Deutschland wird das Thema Telematik unter dem Gesichtspunkt von Versicherungstarifen diskutiert. In den USA geht es primär um autonomes Fahren. Die Welt berichtet, dass Kalifornien nun als erster Staat dafür Regeln aufstellen will.

Fahrzeuge, die komplett autonom ohne Fahrer operieren können, sollen danach nicht zugelassen werden. Für den Anfang finde ich das völlig richtig, denn die Technologie ist nun einmal neu.

Zudem dürfen die autonom fahrenden Autos nur von den Herstellern selbst betrieben oder nur verliehen werden. Leasing wäre demnach zulässig. Aber nach Ende des Leasingvertrages müssen die Hersteller die Fahrzeuge dann zurück nehmen.

Für Schäden soll der Betreiber des Fahrzeugs haften. Eine solche Halterhaftung kennen wir in Deutschland auch. Diesen Punkt halte ich für selbstverständlich.

Letzten Endes ist die Technologie neu. Und der Umgang des Gesetzgebers damit - nicht nur in Kalifornien - ist auch nicht ganz einfach. Ich denke, nach einiger Zeit werden Technik und rechtliche Anforderungen sich aufeinander eingespielt haben. Dass unbeteiligte Dritte geschützt werden müssen, ist klar. Und dieses Ziel sehe ich bei dem, was in Kalifornien derzeit diskutiert wird.

Dienstag, 12. Januar 2016

Telematik als die neue Mode im Kleiderschrank von Autoindustrie und Versicherungen

Telematik: Eine kleine Box auf dem Motor verbindet diesen mit der Welt.
Auf das Thema Telematik setzen immer mehr 'zukunftsorientierte' Marktteilnehmer in Autoindustrie und der Versicherungswirtschaft. Es geht nicht um das Mögliche, sondern um das Sinnvolle - so Eric Schreiber in einem Interview mit VWheute, das am 18.12.2015 veröffentlicht wurde. In einem heute veröffentlichten Dossier zeigt Rafael Kurz auf, dass der Wettbewerb sich nicht über den Preis entscheiden wird. Es komme vielmehr darauf an, den Versicherten konkrete Vorteile aufzuzeigen.

Geht es um den Preis von Versicherungsprodukten, sind die deutschen Kfz-Versicherer mit ihrem heutigen System mit einem individuellen Schadensfreiheitsrabatt bestens aufgestellt. Über die Chips im Auto, die jetzt aus politischen Gründen in jedem Auto verbaut werden, lässt sich hier kein Vorteil für die Kunden generieren. Auch die Kalkulation der Prämien für Fahrzeugflotten kommt ohne die technische Unterstützung aus. Dennoch können die Versicherer sich nicht komplett aus der Sache rausziehen. Denn die Entwicklung bei Herstellern und Großkunden müssen sie begleiten, um sich nicht aus dem Markt herauszuentwickeln.

Die Hersteller können über die Anbindung des Fahrzeug schnell Vorteile für sich erzeugen. Durch eine Verbindung des Bordcomputers mit dem Telematik-Chip kennen sie genau den Zustand des Autos und können den Kunden ansprechen, wenn sein Fahrzeug zur Inspektion muss, wenn die Reifen abgefahren sind oder wenn sonst ein messbarer Defekt auftritt. Zudem sind sie bei der Pannen- und Unfallhilfe gleich mit am Zug.

Für die Betreiber von Fahrzeugflotten gibt es auch schon jetzt einen Vorteil. Die Autos enthalten einen GPS-Chip, so dass sie immer wissen, wo die Autos sich befinden. Das ist nicht nur hilfreich im Fall einer Entwendung. Wenn mit Dienstfahrzeugen unerlaubte Privatfahrten gemacht werden, kommt man dem künftig auch schneller auf die Spur.

Meine Prognose ist, dass Bedenken des Datenschutzes bei dieser Entwicklung langfristig - mit ausdrücklich erklärtem Einverständnis der Kunden - auf der Strecke bleiben werden. Das ist die Entwicklung, die wir heute auch schon bei unseren Smartphones kennen. Diese protokollieren sehr genau unser Bewegungsbild und melden diese an Google, Appel und Co.


Zukunftstrend autonomes Fahren: Was durch Telematik erst möglich gemacht wird, sind selbstfahrende Autos. Diese wurden gerade auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Bei allen Vorbehalten, die ich persönlich gegen Telematik habe: Diesen Punkt muss man sehen. Und ich bin mir sicher, dass es für Fahrzeuge mit Autopiloten künftig einen Markt geben wird. Bei solchen Fahrzeugen kann die Versicherungswirtschaft nicht außen vor bleiben, wenn es um die technologische Anbindung bleibt.

Mein Fazit: Schneller Gewinner der Telematik wird die Autoindustrie sein. Die Versicherungswirtschaft wird zur Prämienkalkulation erst mit Einführung selbstfahrender Autos Vorteile für die Kunden generieren können.

Mittwoch, 2. September 2015

Telematik bringt viele Kosten und keinen Ertrag für Versicherungswirtschaft oder Kunden

Eine kleine Box enthält den Telematik-Chip.
Telematik war schon öfters ein Thema in meinem Blog. Ich sehe das sehr kritisch. Letzten Endes handelt es sich um ein Gimmick und keine Revolution für den Kfz-Versicherungsmarkt. Die Erwartungen an die Auswertung von Funkchips, welche in die Autos eingebaut sind, werden derzeit sehr hoch geredet. Allerdings hat die Versicherungswirtschaft mit dem bisherigen System der Schadensfreiheitsklassen ein Tarifierungsmodell, welches die Risiken einzelner Fahrzeuge bereits heute sehr gut und schadensgerecht kalkulierbar macht. Ob jemand auf einer Autobahn nun im Schnitt 120 km/h fährt oder doch lieber 150 km/h, macht für seine Schadenshäufigkeit nämlich keinen Unterschied, der sich nicht über den Schadensfreiheitsrabatt bereits heute erkennen ließe.

Hinzu kommen für mich noch Bedenken bzgl. des Datenschutzes, der durch Telematik und vor allem durch die Einführung von eCall (Schuld hier ist die Politik!) gefährdet wird.

Auf Versicherungswirtschaft heute wird gerade darauf hingewiesen, dass die Telematik-Technologie vermutlich mehr kostet als sie einbringen wird. Zudem darf man auch die mit der modernen Technik verbundenen Sicherheitsrisiken nicht außer Acht lassen. Darauf möchte ich Euch hinweisen.

Dienstag, 27. Januar 2015

Telematik: Revolution für den Kfz-Versicherungsmarkt?

Telematik-Box im Motorraum
Zuletzt bin ich im Oktober 2014 auf das Thema Telematik eingegangen. Das war aber schon öfters Gegenstand meiner Überlegungen hier im Blog.

Volker Schipmann, der bei NTT DATA Deutschland als
Executive Advisory tätig ist, hat zu dem Thema bei Versicherungswirtschaft heute einen Gastbeitrag verfasst.

Durch die Digitalisierung des Autos werde der "Markt neu definiert" und um eine zentrale Funktion erweitert. Telematik in Kfz bewege als eine Innovation die Versicherungswirtschaft. Hieraus ergäben sich Chancen in Bezug auf die Verbesserung der Kundenzufriedenheit sowie des Risikomanagements.

Ganz verstanden habe ich seine Überlegungen offengestanden nicht. Die Kundenzufriedenheit ergibt sich aus einem guten Preis-Leistungsverhältnis (eine günstige Versicherungsprämie scheint mir der Haupt-Gesichtspunkt zu sein) und wenn man was passiert, aus einer guten Abwicklung des eigenen Schadens. Die Telematik eröffnet einen zusätzlichen Kommunikationsweg zur eigenen Versicherung, nämlich dass man nach einem Unfall nur noch auf einen Knopf drücken muss oder dass eine Meldung automatisiert abgesetzt wird - und schon kommt jemand.

Auf diese weitere Stimme zum Thema Telematik möchte ich Euch lediglich hinweisen. Am besten, jeder denkt selbst darüber nach. Mich überzeugt das Thema nach wie vor nicht. Die "Revolution für den Kfz-Versicherungsmarkt" kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

eCall, 170 Milliarden € und das Europäische Parlament

Telematikbox auf Autobatterie
Telematik war schön öfters Thema in meinem Blog. Insbesondere vermisse ich nach wie vor die in einer breiten Öffentlichkeit geführte Diskussion. Für diese dürfte es, da die Politik die Weichen schon gestellt hat, vermutlich aber schon zu spät sein.

Ich denke, das Thema ist zu komplex damit es - bis auf ein paar Internetfreaks mit Durchblick zu den Möglichkeiten der Datennutzung - jemanden interessiert.

Anfang Dezember erschein bei ZDNet ein hochinteressanter Artikel zum Thema. Auf den möchte ich Euch hinweisen. Die Autoren sprechen von 170-Milliarden-Euro, um die es geht. Ganz unberechtigt ist, wenn diese Zahl stimmt, der Hinweis auf wirtschaftliche Interessen nicht.

Immerhin hat das Europäische Parlament reichlich Material zur Einführung von eCall veröffentlicht. Der Vorwurf, dass die Sache heimlich, still und leise durchgezogen wurde, kann insofern nicht gemacht werden. Allerdings muss man doch die Frage stellen, weshalb unsere Medien diese verkappte Einführung des Überwachungsstaates nicht kritisch begleitet haben? So sehe ich die Einführung von eCall jedenfalls, wie ich im Blog auch schon dargelegt habe.


Freitag, 5. Dezember 2014

Bergarbeiter in der Datenmine

Wahlplakat der Piratenpartei zur Überwachung
Über die gesellschaftlichen Gefahren von Big Data habe ich öfters hier im Blog gesprochen, so gestern oder davor Ende November. Die nach wie vor notwendige Debatte zu eCall und Telematik - das sind Überwachungstechnologien - wird immer wieder gefordert, bleibt faktisch aber aus.

Versicherungswirtschaft heute berichtet jetzt über das neue Berufsbild des Data Scientists. Das ist ein Berufsbild mit Zukunft.

Das finde ich okay und spannend. Davon losgelöst muss man aber doch darüber sprechen, was an Überwachungstechnologie der Einzelne möchte und was nicht.

Dass Versicherungen elektronisch ermitteln, wann ihr Kunde ansprechbereit ist für das nächste Versicherungsangebot, ist auf den ersten Blick ein Gimmick. Wer mich beim Frühstück nervt, wird kein Geschäft mit mir abschließen. Ich denke, das gilt für alle Branchen. Aber die Perspektive, dass Menschen sich einer Datenkontrolle unterwerfen um Anbietern zielgerichtete Werbung zu ermöglichen, finde ich erschreckend. Hier sind wir nicht nur in der Versicherungsbranche, das dürfte generell für das Marketing ein Trick sein. Und für große Handelsketten und Internetkaufhäuser sehe ich da ganz andere Chance als für Versicherungen, jedenfalls bei Privatkunden.

Big Data hin oder her. Das ist mehr als ein Schlagwort. Wenn neue Berufsbilder im Data Mining entstehen, ist das eine spannende Sache. Aber unsere Gesellschaft sollte vorsichtiger umgehen, und sich der Entwicklung bewusster werden als bisher!

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Sascha Lobo: Wider die Vermessung durch die Zahnbürste

Sascha Lobo ist als Blogger bekannt. Und er schreibt regelmäßig eine Kolumne bei Spiegel Online. Ich lese sie regelmäßig. Mir gefällt einiges nicht was er schreibt. Das ist meine Motivation, seine Kolumne zu lesen. Das aber nur am Rande.

Heute lese ich seinen Beitrag über die Bevormundung durch die Zahnbürste. Er geht auf das Thema Telematik ein, u.a. Telematik für Menschen durch eine Krankenversicherung.

Es gefällt mir nicht, was Sascha Lobo hier schreibt. Die Macht über die Daten entwickelt sich inmitten freier Gesellschaften zu einem Instrumentarium, Herrschaft über Menschen auszuüben. Lobo bringt das so knallhart nicht auf den Punkt, deutet aber eloquent genau in diese Richtung. Und mir gefällt sein Hinweis am Ende, dass er bei Versicherungen bezahlte Workshops und Vorträge abgehalten hat. Er weist auf mögliche (nicht auf bestehende, nur auf mögliche) Interessenkollisionen hin. Das ist Ehrlichkeit, die ich mir im Journalismus öfter wünsche. Diese zwei Gründe machen seinen Beitrag lesenswert. Auch wenn sein Inhalt nicht gefällt. Das kann er m.E. nämlich auch nicht.

Samstag, 22. November 2014

Telematik für Menschen?

Versicherungswirtschaft Heute berichtet von einem Versicherer, der Telematik für Patienten fördert. Hier dürfte es um die Krankenversicherung gehen. Die Versicherungsnehmer spielen sich eine App auf das Smartphone, welche die sportlichen Aktivitäten an den Versicherer berichtet. Der belohnt sie durch günstigere Tarife.

Konkrete Ramenbedingungen sind bislang nicht bekannt. Es gibt ja auch schon reichlich Apps, mit denen Bekannte von mir ihre Wanderungen oder Langstreckenläufe aufzeichnen und auf Facebook mit anderen teilen.

Ich persönlich möchte aber nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden. Meine Forderung, dass es zur Telematik eine gesellschaftliche Diskussion geben muss, möchte ich daher an dieser Stelle wiederholen. So warb ein Vorstand eines großen Rückversicherers bereits für Big Data bei Patienten.

Das finde ich persönlich sehr weitgehend. Und diese Diskussionen bestärken mich in meiner Entscheidung, dass ich nicht privat voll krankenversichert sein möchte.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Telematik-Tarife der Kfz-Versicherungen - nur ein "Gimmick"?

Telematik-Box im Motorraum
Im April diesen Jahres habe ich dargelegt, weshalb ich Pay-as-you-Drive Tarife für Kfz-Versicherungen als ein unsinniges Modethema empfinde.

Selbst habe ich an einer Studie zum Thema teilgenommen, meine Erfahrungen habe ich hier, hier und hier im Blog zusammengefasst. Im Ergebnis ist die von der EU angeordnete Einführung der Telematik schlicht ein Marsch in den Überwachungsstaat ohne echten Mehrwert für den Bürger. Die Behauptung, dass durch diese Technologie Menschenleben tatsächlich gerettet werden, ist durch nichts belegt.

In der Diskussion sind solche Telematik-Tarife in der Versicherungsbranche weiterhin. Marco Morawetz von der GenRe hat jetzt in einem Vortrag dargelegt, dass diese Tarife letzten Endes ein Gimmick sind. Das bestätigt meine Einschätzung. Auf den bei Versicherungswirtschaft heute veröffentlichten Bericht dazu möchte ich Euch hinweisen.

Weiter möchte ich Euch auf einen Artikel in Heft 6/2014 der Zeitschrift für Versicherungswirtschaft hinweisen. Auch hier kommen die Autoren zum Ergebnis, dass es aus Sicht der Privatkunden keinen wirtschaftlichen Vorteil durch Telematik-Tarife gibt.

Dieses Mode-Thema verlangt nur große Investitionen in eine IT-Infrastruktur ab, mit der eine Menge Geld ausgegeben wird. Informationen über die Risikoeinstufung von Fahrern lassen sich heute aber bereits dem klassischen Schadenfreiheitssystem entnehmen. Insofern geben Versicherungen, die in Pay-as-you-Drive Tarife investieren, möglicherweise nur Geld aus ohne für sich und ihre Kunden einen echten Mehrwert zu generieren. Ich denke, das haben auch viele Unternehmen erkannt. Jedenfalls solche, in denen in Ruhe nachgedacht wird und die sich nicht zu modischen Schnellschüssen haben verleiten lassen.

Dienstag, 24. Juni 2014

Portfolio International: lesenswerter Bericht über eCall und Telematik

nachträglich eingebaute Telematikbox
Das Thema eCall taucht inzwischen ab und an doch in den Medien auf. Und das ist gut so, wenn auch etwas spät. Denn die politischen Weichen sind längst gestellt.

Aktuell möchte ich Euch auf einen Artikel von Hans Pfeifer hinweisen, der auf Portfolio International erschienen ist. Im ersten Teil weist er auf folgende Möglichkeiten hin, die mit der neuen Technologie verbunden ist:
  • Daten über Zustand und Wartungsbedarf des Fahrzeugs können an Hersteller und Werkstätten übermittelt werden, z.B. zu Bremsbelägen und Autobatterie. Diese melden sich beim Autobesitzer, ehe das Fahrzeug liegen bleibt.
  • Versicherer könnten leichter ein Mitverschulden des Autofahrers bei einem Unfall nachweisen. Denn sein Fahrverhalten wird aufgezeichnet.
  • Bei einer Panne oder einem Unfall wird sofort Hilfe organisiert.
  • Polizei oder Nachrichtendienste können auf die Daten zugreifen und sie auswerten.
  • Die Europäische Union erwartet sich bis zu 2.500 Verkehrstote pro Jahr weniger durch die neue Technologie.
Im zweiten Teil zeigt er auf, dass vor allem die Versicherer Wettbewerbsnachteile gegenüber den Kfz-Herstellern befürchten.

Über all diese Punkte muss öffentlich gesprochen werden.

Dass der Fahrzeugzustand an Hersteller oder Werkstätten gemeldet wird, ist eine zweischneidige Sache. Gut finde ich, wenn die Gefahr des Liegenbleibens nicht so groß ist. Aber wer eine echte Schrottkarre fährt, den wird ein Anruf des Herstellers mit der Bitte in der nächsten Markenwerkstatt vorstellig zu werden wohl kaum interessieren. Und überhaupt: ist die Gefahr nicht groß, dass dem Autohalter etwas verkauft wird, dessen Sinnhaftigkeit ihm nicht klar ist?

Das Versicherer leichter ein Mitverschulden nachweisen können, wird gerne als Argument dafür angeführt, um ihnen den Zugang zu den Daten zu verwehren. Führt der Einwand des Mitverschuldens doch dazu, dass der Geschädigte seinen Schaden nicht voll ersetzt bekommt. Doch diese Sicht ist auch einseitig, denn es sind in der Regel zwei Autofahrer an einem Crash beteiligt. Sie sind beide Geschädigte. Bekommt der eine seinen Schaden wegen eines Mitverschuldens nicht voll ersetzt, bekommt der andere aber zumindest einen Teil seines Schadens ersetzt. Gerade hier muss man alle Beteiligte sehen. Für die Versicherungswirtschaft wird es nicht wirklich billiger, denn die Kfz-Versicherer müssen zwei Schäden bearbeiten und (zum Teil) ersetzen. Ist es gerecht, wenn einer seinen Schaden nicht voll ersetzt bekommt, weil ihm ein Mitverschulden nachzuweisen ist? Das Gesetz (§ 254 BGB) beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja.

Dies sind nur zwei Punkte. Hier kann man sicher auch viele weitere Argumente pro und contra aufführen. Dazu lade ich die Leser dieses Blogs und alle Menschen in Europa herzlich ein.

Diese Punkte beantworten aber nicht, weshalb die größte quasi-staatliche Organisation auf dem Kontinent - die Europäische Union - mit aller Macht die eCall-Technologie durchboxt. Wenn die Polizei mit ihrer Hilfe auf Verbrecherjagd geht, mag das noch akzeptiert werden. Wer möchte nicht, dass Einbrecher, Vergewaltiger oder Mörder gefasst werden?
 Die Wettbewerbsnachteile der Versicherer können diese durch etwas Mut zu klaren Produkten kompensieren. Weshalb sollen Versicherer das Geschäft der Hersteller bezahlen, wenn diese die Schadenssteuerung übernehmen? Lässt ein Kunde die Hersteller auf umfangreiche Daten zugreifen und ihn im Schadensfall in dessen Werkstätten bringen, wird sich das durch eine höhere Prämie niederschlagen müssen als wenn der Kunde dem Hersteller den Zugriff nicht erlaubt. Wer eine sehr günstige Versicherungsprämie will, kann sein Fahrzeug nicht komplett den Markenwerkstätten überlassen. Qualität mag ihren Preis haben, der muss dann aber auch bezahlt werden. Auch das ist nur eine Scheindebatte. Sowohl Hersteller als auch Versicherer werden ihre Chancen durch die neue Technik zu nutzen versuchen, beiden wird es nicht vollständig gelingen. Am Ende entscheidet der Bürger, der zumindest in Bezug auf die eigene Geldbörse in der Regel noch mündig ist.

Die Sorgen um oder von Kfz-Herstellern oder Versicherern sind aber nicht der Kernpunkt der neuen Technologie. Was ist mit den Nachrichtendiensten? Welche Macht haben diese über uns, wenn sie die Bewegungsprofile aller Bürger auswerten können?

Meine Meinung ist, dass die eCall Technologie nichts anderes ist als eine Teilstrecke des Marsches in den Überwachungsstaat. Die angeblich 2.500 Verkehrstote weniger sind nicht wirklich belegt, sondern eine Behauptung die lediglich als Totschlagargument gegen Kritiker dient. Die Diskussion über Datenmacht für Versicherer und Kfz-Hersteller halte ich für eine Scheindebatte, die vom eigentlichen Anliegen ablenkt. Der Verbraucher kann entscheiden, ob diese auf seine Daten zugreifen dürfen oder nicht.

Worüber der Verbraucher aber nicht entscheiden kann ist, ob in sein (ab 2015 neu gebautes) Fahrzeug die eCall Technologie eingebaut wird oder nicht. Warum das so ist, warum der Verbraucher gezwungen wird ein Überwachungsgerät mit sich herumzutragen, das ist die Frage, die von uns mündigen Bürgern an die Politik gestellt werden sollte. Die Frage, die bislang zu wenig gestellt wird.

Sonntag, 4. Mai 2014

Telematik, Datenschutz und der langsame Marsch in den Überwachungsstaat

Meine persönliche, ablehnende Haltung zu den Telematikboxen, die ab nächstem Jahr in allen neuen Autos in der EU verbaut werden (müssen), habe ich Euch Mitte April ausführlich dargelegt.

Am 29.04.2014 erschien bei Versicherungswirtschaft heute ein sehr interessanter Beitrag zum Thema, auf den ich meine Leser hiermit hinweisen möchte.

Die Sparkassen Direktversicherung hat ja einen ersten Tarif mit Telematik-Komponente gestartet. Die Politik, z.B. der Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl Martin Schulz, nutzt so etwas für den politischen Fingerzeig auf möglichen Datenmißbrauch durch Privatunternehmen.

Jürgen Cramer, Vorstandsmitglied der S Direkt, wird jetzt wie folgt zitiert:
Gerade die Datenschutz-Thematik wurde von uns vorab intensiv mit Datenschützern abgestimmt. Im Gegensatz zu den Autoherstellern, die darauf keine Rücksicht nehmen, haben wir von Anfang an Wert auf die Trennung von Datenkreisen gelegt, das heißt die Klärung der spannenden Frage, was kommt bei uns an, und was verbleibt beim Versicherten?
 Dass den Nutzern die gesammelten Daten transparent gemacht werden, ist auch meine Erfahrung aus Teilnahme an der Studie eines großen Versicherers (siehe Berichte Nummer 1, Nummer 2 und Nummer 3).

Dem Fingerzeig auf die Automobilhersteller wird an anderer Stelle noch einmal nachzugehen sein.

Fest steht aber, dass weder Versicherer noch Automobilhersteller den zwangsweisen Einbau der Telematik-Vorrichtungen in Neufahrzeuge beschlossen haben. Das war die Politik, und zwar auf europäischer Ebene. Für mich ist das der schleichende Marsch in den Überwachungsstaat.

Mittwoch, 16. April 2014

Telematik, eCall, Datenschutz und meine Meinung

Ich habe jetzt von eigenen Erfahrungen in Sachen Telematik berichtet, die ich als Teilnehmer einer (inzwischen beendeten) Studie gemacht habe. Dabei habe ich festgestellt, dass folgende Daten durch die Aufzeichnung meines Fahrverhaltens gewonnen werden können:

Diese kleine Box ermöglicht die Überwachung

Brauchen Kfz-Versicherer diese Überwachung?
Meiner Meinung nach nicht.

Telematik scheint im Augenblick ein Modethema für Versicherungen zu sein. Jedenfalls wirkt es so auf mich.

Nach meiner Meinung lassen sich faire Versicherungsprämien nach dem herkömmlichen System des Schadensfreiheitsrabattes sehr gut kalkulieren. Es gibt keinen wirklichen Bedarf nach noch mehr Daten als Berechnungsgrundlage für die Kfz-Versicherung.

Aber letzten Endes muss jeder Versicherer für sich selbst klären, ob er hier einen echten Mehrwert für sich und seine Kunden (sonst werden Pay-As-You-Drive Tarife nicht akzeptiert) generieren kann.


Warum will die Politik die Überwachung?
Das ist ein politisch getriebenes Projekt. Heute habe ich im Spiegel gelesen, dass das EU-Parlament jetzt die eCall Pflicht beschlossen hat. Das bedeutet, dass ab 2015 jedes neu gebaute Auto in der Europäischen Union über so eine Überwachungsbox verfügen muss. Politisch verkauft wird dies als automatischer Notruf. Kritiker nennen dieses System einen verräterischen Lebensretter. Ich glaube der Politik dieses Motiv nicht.

Geradezu verräterisch finde ich, was ein Spitzenpolitiker in diesem Zusammenhang von sich gibt. Parlamentspräsident Martin Schulz, zeitgleich Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl, hat sich vor kurzem in einem Interview mit der BILD wie folgt geäußert:
Wenn also zukünftig die Autoversicherungen ihre Tarife immer stärker am Verhalten ihrer Kunden ausrichten und gleichzeitig mein Auto unzählige Daten über mein Fahrverhalten übermittelt, dann könnten meine Daten aus meinem Auto gegen mich verwendet werden. Deshalb brauchen wir europaweite strenge Datenschutzrechte,  ...
Ganz ehrlich: ich halte Martin Schulz mit seinen Äußerungen zu eCall durch und durch für verlogen. Und dass er Präsident des Parlamentes ist, das die eCall-Pflicht soeben ohne gesellschaftliche Debatte durchgewunken hat, macht Angst. Ich habe die Befürchtung, dass wir ohne große Ankündigung in einen Überwachungsstaat geraten, wie ihn sich selbst George Orwell nicht schlimmer hat ausdenken können.

Begründung für diese - zugegeben hart formulierte - Meinung:
  • Datenschutz wird in der Versicherungswirtschaft sehr groß geschrieben. Dass hier ein Code of Conduct, der sogar über geltendes Datenschutzrecht hinausgeht, als Selbstverpflichtung verabschiedet wurde, war vielleicht nicht ganz freiwillig. Aber für den Datenschutz ist das eine gute Sache. Und das gilt nicht nur für die deutschen Versicherer, sondern auf europäischer Ebene.
  • Der Anbieter, an dessen Telematik-Studie ich teilgenommen habe, hat allen Teilnehmern absolute Einsicht in die gewonnenen Daten über ihn selbst gewährt. Daher stammten ja auch die Grafiken, die ich hier leider nicht veröffentlichen konnte.
    Ich bin diesem Anbieter ehrlich gesagt für die Teilnahme an der Studie sehr dankbar. Denn sonst hätte ich nicht begriffen, in welchem Maße hier Daten gesammelt werden.
  • Zur Verlogenheit des Herrn Schulz: die Technologie, die das Datensammeln erst möglich macht, wurde aufgrund einer Initiative europäischer Institutionen erst verpflichtend eingeführt. Martin Schulz bewirbt sich um das höchste Amt in Europa. Gerade eben hat das Parlament die letzten Beschlüsse dazu gefasst. Es soll doch niemand einem Parlamentspräsidenten glauben, der in dieser Situation auf die Versicherungswirtschaft zeigt und laut ruft: "das sind die Brandstifter" und zum Löschen nach neuen Gesetzen verlangt. Die sollen dann ebenfalls von ihm und seinen Politkumpels beschlossen werden. Geht's eigentlich noch?
  • Ich glaube den europäischen Einrichtungen nicht, dass es zum schnelleren Erreichen von Verkehrsopfern hilfreich ist, die Voraussetzungen zu schaffen um die Daten aller Fahrten aufzuzeichnen (inkl. des akutellen Standortes, der letzten Endes nur der letzte Wert in einer langen Liste ist). 

Meine Meinung: das ist der Weg in den Überwachungsstaat
Hier hat man von staatlicher Seite aus die Möglichkeit geschaffen, Bewegungsprofile aller Fahrzeuge aufzuzeichnen und so die Bürger total zu überwachen. Daher meine Meinung, dass die neuen eCall Systeme ein böser und kaum mehr rückgängig zu machender Schritt in einen totalen Überwachungsstaat sind. Das Gerede über die bösen Versicherer, die ihre Kunden total überwachen, ist doch nur eine propagandistische Nebelgranate. Mehr nicht!

Wenn jemand so etwas freiwillig möchte, habe ich kein Problem damit. Es gibt auch genügend Leute, die sich Trackingprogramme auf ihren Handys installieren, mit denen Wander- oder Laufrouten aufgezeichnet und dann über soziale Medien ins Internet gestellt werden. Wenn man das für sich so entscheidet, ist das für mich in Ordnung.

Aber ich möchte nicht verpflichtet werden, eine Datensammelvorrichtung mit mir führen zu müssen. Und eCall ist eine Verpflichtung.

Für mich kann ich ganz klar sagen: das möchte ich nicht. Und ich möchte die Möglichkeit haben, auch nach 2015 einen Neuwagen zu kaufen, der kein eCall System an Bord hat.


Das einzige, was wir Bürger jetzt noch tun können: darüber reden
Soweit ich es sehe, sind die politischen Weichen jetzt wohl gestellt. Im Mai sind Europawahlen. Das einzige was wir Bürger noch tun können: darüber reden.

Sind bei Euch Veranstaltungen von Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien? Geht hin und fragt sie nach dem Thema.

Und: redet darüber in der Öffentlichkeit. Schreibt Eure eigene Meinung in Blogs, auf Facebook oder als Leserkommentare in den Zeitungen. Redet mit Euren Freunden darüber. Oder verbreitet meinetwegen meinen Blogeintrag im Internet. Ich habe nichts dagegen.

Demokratie lebt vom Mitmachen und nicht davon, sich die Dinge gefallen zu lassen. Und Demokratie lebt eben auch davon, dass der Staat nicht Zugriff auf alle Daten seiner Bewohner hat. Nur nicht überwachte Bürger sind wirklich frei!

Neue Zugriffsmöglichkeiten wie eCall zu schaffen sehe ich daher mit sehr, sehr großer Sorge.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 4 - genaue Aufzeichnung der Fahrten

In diesem Teil meines Berichtes wollte ich eigentlich eine Grafik zeigen, die ein typisches Fahrtprotokoll aus dem Webangebot meines Telematik-Anbieters zeigt. Das muss leider unterbleiben.

Dort wurden zwischen dem 4.1.2014 und dem 18.1.2014 insgesamt acht Fahrten festgestellt.

Protokolliert sind folgende Werte:
  • Datum
  • Uhrzeit des Fahrtantritts
  • Dauer
  • Länge

Beispiel Trip 1:
  • Datum: 4.1.2014
  • Fahrtantritt: 12.20 Uhr
  • Dauer der Fahrt: 7.2 Minuten
  • Länge: 1,09 km
Diese Werte sind für alle acht Fahrten im genannten Zeitraum abrufbar. In einer weiteren Grafik, die ich ebenfalls nicht veröffentlichen kann, kann man die genannte Fahrtstrecke auf einer Karte eingezeichnet sehen.

Dienstag, 15. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 3

Heute gab es für mich eine kleine Überraschung.

Der Anbieter, an dessen Studie ich teilgenommen habe, ist auf mich zugekommen mit der Bitte, die Grafiken aus dem internen Account nicht im Internet zu veröffentlichen. Dieser Bitte komme ich nach.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 2

Gestern habe ich einen ersten Bericht von meinen Erfahrungen mit dem Thema Telematik gebracht. Heute folgt der zweite Teil.

In einer weiteren Grafik wird gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit ich so unterwegs gewesen bin.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt

Man sieht zum Beispiel, dass ich einmal das Auto mal richtig ausgefahren habe. Anders formuliert: ich habe aufs Gas getreten und rausgeholt, was ging.

Dabei kann ich mich eigentlich nur an eine solche Fahrt erinnern. Freie Straße, gute Laune, schöne Sonne... ich geb's zu. Aber diese eine Fahrt scheint das System nachhaltig beeindruckt zu haben (genauso mich beim erforderlichen Tanken auf halber Strecke... normalerweise reicht ein Tank für die gesamte Fahrt, die ich unternommen habe).

Man kann sich noch Werte für Bremsen, Beschleunigen, das Fahren von Kurven oder Spurwechsel anzeigen lassen. Die Daten für meine Box, die ich mir angeschaut habe, waren sehr ungenau. Aber wenn diese Systeme noch etwas lernen, können Anbieter die Daten mit Kartenmaterial (wie es in jedem Navigationssystem verwendet wird) abgleichen und dann kann man sehen, wo der Fahrer wie unterwegs gewesen ist.

Montag, 14. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 1

Ich habe berichtet, dass ich an einer Studie zum Thema Telematik teilgenommen habe. Mir ging es dabei darum herauszufinden, was man mit so einer Box im Auto alles messen kann.

An dieser Stelle möchte ich die Sache nicht bewerten. Ich möchte Euch vielmehr einige Informationen vorstellen, die ich im vom Anbieter unter dem von ihm bereitgestellten Account habe entnehmen können. Heute möchte ich mit Informationen über mein Fahrverhalten beginnen, die so für mich auch neu waren.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt.

Die meiste Zeit fahre ich mit dem Auto in der Stadt, was mich nicht wirklich überrascht hat. Die meiste Strecke bin ich aber auf der Autobahn unterwegs. Das hätte ich so nicht gedacht, eben weil ich geführt (und von der Zeit her tatsächlich) primär in der Stadt mit dem Auto fahre. Dass ich hauptsächlich am Tage unterwegs bin, war mir auch klar. Den Anteil der Nachtstrecken hätte ich selbst etwas höher eingeschätzt.

In der nächsten Zeit werde ich von weiteren Erfahrungen mit der Telematik berichten.

Sonntag, 6. April 2014

Pay as you drive: ein unsinniges Modethema

Spricht man mit Leuten über die Zukunft der Kfz-Versicherung, taucht immer wieder mal das Stichwort "pay as you drive" auf. Die Versicherungsprämie soll sich nach dem Fahrverhalten berechnen, was gerechter sei und zu einem sichereren Verhalten im Straßenverkehr erziehe. So der Grundgedanke.

Ich persönlich halte das für ziemlichen Schwachsinn, zumal es bei uns in Deutschland mit dem System des Schadensfreiheitsrabattes da auch schon vernünftige, seit Jahren bewährte Lösungen gibt.

Warum bezeichne ich diese Idee als Schwachsinn?

Ganz einfach: in Deutschland haften wir aus Betriebsgefahr, d.h. auch ohne Verschulden kann es zu einer Schadensersatzpflicht kommen. So müssen Fahrzeughalter haften, wenn z.B. ihr Auto aufgrund eines technischen Defekts abbrennt und jemand anderem einen Schaden zufügt. Dies gilt auch dann, denn die Halter dafür persönlich nichts können, sie also überhaupt keine Schuld trifft.

Pay as you drive suggeriert, dass man für die Versicherung nur zahlen muss, wenn man das Auto tatsächlich benutzt. So ist es aber nicht, eben wegen der Haftung aus Betriebsgefahr. Daher muss die Versicherung richtigerweise auch bezahlt werden, wenn das Auto überwiegend am Straßenrand geparkt steht.

Und für eine Versicherung kann das Risiko eines versicherten Fahrzeugs nach Typen- und Regionalklasse berechnet werden. Das Risiko des Versicherungsnehmers ist auch nach seinem Schadensfreiheitsrabatt und anderen Kriterien (z.B. erhalten Eigentümer von selbst genutzten Immobilien oft einen kleinen Rabatt) einzuschätzen. Einer elektronischen Überwachung des Fahrverhaltens bedarf es da nicht. Bei "pay as you drive" handelt es ich um ein durch die technische Entwicklung bedingtes Modethema, nicht aber um eine echte Neuerung.

Den Medien entnehme ich, dass die S-Direktversicherung als erste Gesellschaft in Deutschland nun einen "pay as you drive" Tarif anbietet. Wenn man dies bei einem Direktversicherer tut, ist das ein Indiz dafür, dass die hinter der S-Direkt stehende Versicherungen aus dem Sparkassen-Bereich das Thema für sich einmal austesten möchte. Findet so ein Tarif Akzeptanz bei den Kunden? Gibt es für die anbietende Gesellschaft irgendwelche echten Vorteile? Auf die Ergebnisse bin ich mal gespannt.


Ich habe selbst knapp ein Jahr lang an einer Pilotstudie eines großen deutschen Versicherers teilgenommen. eCall und Telematik sind von Europa gesetzte Themen, an denen jeder einzelne Verbraucher nicht vorbeikommt. Eine echte gesellschaftliche Diskussion dazu fehlt bislang.

Die wünsche ich mir. Versicherungsthemen sind - auch wenn sie unter Aspekten des Datenschutzes debattiert werden - dabei nach meiner Meinung nur eine Nebensache. Dazu kommt mehr in den nächten Tagen hier im Blog.

Dienstag, 11. März 2014

Autonomes Fahren - der Bruder wird immer größer, den Politik und Autohersteller da für uns basteln

Auf Spiegel Online habe ich heute einen sehr, sehr interessanten Bericht zum autonomen Fahren gesehen. Danach macht Volvo Tests mit einer neuen Technologie, die wesentlich zuverlässiger ist als z.B. eine auf GPS basierende Technik. Es werden in die Straße Magnete eingelassen, die vom Auto erkannt werden. Dieses kann mit einer Präzision bis auf 10 cm seine Position bestimmen und autonom fahren.

Die andere Technik, mit der so etwas möglich werden könnte, stützt sich auf GPS und wird als Telematik bezeichnet. Unter datenschutzpolitischen Gesichtspunkten halte ich sie für höchst problematisch. Aber unsere Politiker haben in Europa und den nationalen Staaten die entsprechenden Gesetze bereits gemacht, so dass die Fakten geschaffen sind.

Wenn die Bürger bemerken, dass ihnen der totale Überwachungsstaat verordnet wurde (das funktioniert genauso gut wie die Positionsbestimmung mit dem Handy), wird es zu spät sein. Die neue von Volvo getestete Technologie birgt diese Gefahr nicht.

Aber, und das muss man sehen: verbindet man die Informationen, die sich aus beiden Techniken gewinnen lassen, ist eine Echtzeitüberwachung jedes (ab 2015 neu zugelassenen) Autos in Europa bis auf eine Präzision von 10 cm möglich.

Ich kann mir vorstellen, dass sich ein Markt von spezialisierten Werkstätten etablieren wird, die Telematik-Systeme aus den Autos ausbauen. Selbst entwickele ich immer mehr Sympathie für derartige subversive Maßnahmen. Ganz ehrlich: was uns da an Möglichkeiten für den Überwachungsstaat droht, gefällt mir überhaupt nicht!