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Samstag, 28. März 2015

Der Selbstmord des Copiloten hätte erkannt werden können!

Schlagzeile der Bild vom 28.03.2015: der Selbstmord war abzusehen!
In der BILD vom heutigen Tage befinden sich mehrere Seiten zu dem tragischen Absturz der German Wings Maschine.

Gestern habe ich dazu aufgefordert, eine Debatte darüber zu führen, dass Ärzte in bestimmten Fällen die Arbeitgeber von der Krankschreibung ihrer Arbeitnehmer informieren müssen. Was ich heute in der BILD lese, bestärkt mich in meiner Meinung, dass eine solche Debatte unbedingt notwendig ist.

Die Exfreundin des Selbstmord-Copiloten berichtet, dass dieser schon länger erhebliche psychische Probleme hatte. Und dass er angedeutet hat, er werde mit einem Flugzeug Selbstmord begehen. Das war weit vor dieser Tat, und weit vor dieser Tat scheiterte diese Beziehung auch. Der Exfreundin kann man keinen Vorwurf daraus machen, dass sie niemandem bei Germanwings etwas davon gesagt hat.

Aber ich frage mich, warum der Arbeitgeber - hier Germanwings - keine psychologischen Untersuchungen des Flugpersonals gemacht hat. Ein Psychologe hätte erkannt, dass mit dem Mann was nicht stimmt. Aufgrund dessen, was die Exfreundin in der BILD schildert, bin ich sicher, dass die Selbstmordabsichten des Copiloten hätten erkannt werden können.

Ich habe zu dem Thema ein sehr interessantes Interview gelesen, das die Deutsche Welle mit dem Fliegerarzt Dr. Thorsten Onno Bender geführt hat. Darauf möchte ich Euch hinweisen.

Gut finde ich, dass die Vereinten Nationen jetzt regelmäßige psychologische Tests für Piloten fordern.

Das kann eine Alternative zur Einschränkung des Arztgeheimnisses für bestimmte Berufsgruppen sein. Dennoch können solche Erkrankungen auch zwischen regelmäßig durchzuführenden Tests auftreten.

Daher ist es notwendig, diese Debatte zu führen - jetzt!

Freitag, 27. März 2015

Wir brauchen eine Debatte darüber, ob in bestimmten Fällen Ärzte die Arbeitgeber von dem Grund einer Krankschreibung informieren müssen.

Über den Wolken - muss die Freiheit dort grenzenlos sein?
Ich gebe zu, ich bin ratlos. Der Absturzt der German Wings Maschine ist - so berichten es die Medien - auf einen Selbstmord des Copiloten zurückzuführen.

Das ist sehr schrecklich.

Heute erfahren wir, dass der Copilot am Unglückstag krankgeschrieben war. Er hat seine Krankschreibung ignoriert und ist zur Arbeit gegangen.

Der Arbeitgeber konnte von der Krankschreibung nichts wissen. Aufgrund des Arztgeheimnisses durfte der behandelnde Arzt dem Arbeitgeber nichts sagen. Im Regelfall darf der Arbeitgeber auch nicht nach dem Grund der Krankschreibung fragen. Das geht ihn im Prinzip nichts an.

Die Rechte des erkrankten Arbeitnehmers sind bei uns ein hohes Gut.

Für dieses hohe Gut sind jetzt 149 Menschen in den Tod gerissen worden.

Mir gibt das sehr zu denken. Und ich meine, wir müssen über die Regeln nachdenken, die bei der Erkrankung eines Arbeitnehmers gelten. Es gibt Berufe, in denen der Arbeitnehmer im Job die Verantwortung für das Leben vieler anderer Menschen trägt. Kann er dieser Verantwortung aufgrund seiner Erkrankung nicht gerecht werden, muss der Arbeitgeber davon etwas wissen. Denn der Arbeitgeber muss alles dafür tun um sicher zu stellen, dass die Menschen die ihm vertrauen auch sicher sind. Dazu gehört, dass er bestimmte Arbeitnehmer, die trotz Krankschreibung zum Dienst kommen, wieder nach Hause schicken kann.

Zugleich plädiere ich dafür, diese Debatte mit sehr viel Augenmaß zu führen. Der Pilot mit Suizidabsichten ist ein sehr krasses Beispiel. Leider haben wir gelernt, dass es auch ein reales Beispiel ist. Dass ein Arzt den Arbeitgeber informieren muss, muss dabei eine absolute Ausnahme bleiben. Und weil es dazu auch eines hohen gesellschaftlichen Konsenses bedarf, muss das Parlament dazu entscheiden - per Gesetz. Und in dem Gesetz müssen die Fälle, in denen eine solche Informationspflicht besteht, klar und abschließend geregelt sein.

Das Ergebnis der Debatte ist aus meiner Sicht offen. Der Schutz des Arbeitnehmers ist ein hohes Rechtsgut. Und es ist bekannt, dass es Arbeitgeber gibt, die doch etwas weit in ihrem Wissensdurst über private Angelegenheiten ihrer Angestellten gegangen sind.

Aber eben weil auch das Leben von Menschen, für die bestimmte Arbeitnehmer nun einmal verantwortlich sind, ein hohes Rechtsgut ist, müssen wir diese Debatte führen. Das sind wir den 149 Menschen schuldig, die leben und nicht sterben wollten!