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Samstag, 23. September 2017

Reparatur der Windschutzscheibe und Selbstbeteiligung in der Kasko: Der Kunde muss sich von seinem Versicherer in eine Werkstatt vermitteln lassen.

Im April hatte ich auf eine Entscheidung des AG Hannover hingewiesen. Diese ist nun mit einer von mir verfassten Besprechung in NZV 2017, 440 erschienen.

In der Sache ging es um die Reparatur einer Windschutzscheibe. Jemand hatte einen kleinen Schaden an der Frontscheibe. Er suchte die Filiale eines großen Autoglasers auf, der bundesweit mit Werbeaussagen wie "für Kaskoversicherte kostenlos" Werbung macht.

Der Kunde hatte allerdings in seiner Teilkasko eine Selbstbeteiligung vereinbart. Die Kosten für die Glasreparatur waren niedriger. Der Versicherer hat die Rechnung daher nicht bezahlt. Der Kunde hat den Versicherer daraufhin verklagt - und verloren.

Ich kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass auf Werbeaussagen von Werkstätten zu Leistungen einer Kaskoversicherung nicht blind vertraut werden sollte. Oft stimmen sie zwar - manchmal eben aber auch nicht. Und dann kann es teuer werden.

Dienstag, 18. April 2017

Amtsgericht Hannover: Glasreparatur für Kaskoversicherten nicht kostenlos

Vor kurzem war Thema im Blog, dass die Glasreparatur für den Kunden eben nicht immer kostenlos ist.

Das Amtsgericht Hannover hatte jetzt über die Klage eines Kaskoversicherten zu entscheiden, der sich vor Beauftragung der Glasreparatur eben nicht mit seinem Versicherer in Verbindung gesetzt hat. Dabei hatte er sogar einen Kaskovertrag mit Werkstattbindung bei Glas. Vielmehr war er zu einem führenden Autoglas-Spezialisten gefahren, der in seiner Werbung mit der angeblich kostenlosen Reparatur auf sich aufmerksam macht.

Die Kosten für die Glasreparatur betrugen 99,90 Euro und lagen damit unter der für den Vertrag vereinbarten Selbstbeteiligung. Die Versicherung lehnte die Bezahlung ab mit der Begründung, dass die Reparaturkosten unterhalb der Selbstbeteiligung lagen. Die Voraussetzungen für einen Verzicht auf Anrechnung der Selbstbeteiligung lägen nicht vor, da der Kunde sich vorab weder mit der Versicherung in Verbindung gesetzt und auch nicht eine von der Versicherung vermitte Werkstatt aufgesucht hatte. Der Kunde meinte aber, dass die Versicherung die Rechnung sehr wohl bezahlen müsse. Schließlich habe er auf die Aussage des Autoglasers vertrauen dürfen. Dieser habe in der Werbung immer wieder betont, dass die Glasreparatur in der Regel für Kaskoversicherte kostenlos sei.

Das Amtsgericht Hannover hat am 20.10.2016 durch Urteil (Aktenzeichen 557 C 6909/16) so entschieden: 

Die Teilkaskoversicherung hat die Kosten einer Verbundglasreparatur nicht zu bezahlen, wenn der Versicherungsnehmer
  • eine Selbstbeteiligung vereinbart hat, die höher als die Kosten der Glasreparatur ist und
  • sich vor Beauftragung der Reparatur nicht mit seinem Versicherer abgestimmt hat.

Damit ist klar, dass die Versicherung diesen Schaden nicht bezahlen muss.

Wie der Kunde mit dem Autoglaser verblieben ist, weiß ich nicht. 

Sollte er vor Erteilung des Auftrags zur Kostenfreiheit unzureichend beraten worden sein, hat er eine gute Chance, dass er die Rechnung am Ende doch nicht bezahlen muss.

Denn wenn eine Werkstatt vor Annahme eines Reparaturauftrages verspricht, dass eine Versicherung die Arbeiten bezahlen wird, muss sie das vorher mit der Versicherung geklärt haben. Ansonsten ist das ein so genanntes Beratungsverschulden mit dem rechtlichen Ergebnis, dass der Kunde, der im Vertrauen auf die Richtigkeit der Werbung den Auftrag erteilt hat, wirklich nichts bezahlen muss.

Samstag, 15. April 2017

Glasreparatur: Für Kaskoversicherte NICHT immer kostenlos!

Ist die Scheibe stark beschädigt, muss sie getauscht werden.
Hat eine Windschutzscheibe nur einen kleinen Bruchschaden, dann gibt es eine kostengünstige Alternative zum Austausch. Ein Bruchschaden kann repariert werden. Das kostet meist nur zwischen 80 Euro und 110 Euro.

Ein Glasbruchschaden am Fahrzeug ist in der Teilkasko versichert. Die meisten Kunden haben jedoch eine Selbstbeteiligung von 150 Euro je Schadensfall.

Viele Kfz-Versicherungen verzichten auf Anrechnung der Selbstbeteiligung, wenn die Kunden den Glasschaden reparieren lassen. Für die Versicherungen ist das deutlich günstiger als der Austausch der Scheiben. Diesen Kostenvorteil geben sie an ihre Kunden weiter.

Allerdings hat es hier in den zurückliegenden Jahren sehr viel Mißbrauch und auch Betrug gegeben. Daher knüpfen alle mir bekannten Versicherungsbedingungen den Verzicht auf Anrechnung der Selbstbeteiligung an zwei Bedingungen.

Einmal wird verlangt, dass der Kunde sich vor Beauftragung einer Glasreparatur mit der Versicherung in Verbindung setzt. So kann geklärt werden, ob eine Reparatur überhaupt zulässig ist. Das ist nämlich nicht der Fall, wenn der Schaden im Sichtbereich des Fahrers oder am Scheibenrand ist.

Zum anderen verlangen die Versicherungen inzwischen, dass die Reparatur in einer von ihnen ausgewählten oder zumindest empfohlenen Werkstatt durchgeführt wird. So ist sichergestellt, dass die Arbeiten in bester Qualität durchgeführt werden. Zudem werden Aufträge nur an vertrauenswürdige Werkstätten vermittelt. Leistungsmissbrauch kann  so ausgeschlossen werden.

Mit diesen marktüblichen Versicherungsbedingungen nicht zu vereinbaren ist jedoch Werbung großer Autoglaser, die ein "für Kaskoversicherte kostenlos" marktreißerisch in den Vordergrund stellt. Allenfalls in Anmerkungen zur Werbeaussage wird der Kunde darauf hingewiesen, dass die Kostenlosigkeit eben nicht immer so ist. Meine persönliche Meinung ist, dass ein durchschnittlicher Kunde nicht erkennen kann, dass er hier möglicherweise selbst zahlen muss und nicht seine Versicherung.

Dienstag, 27. August 2013

Glasbruch: Vorsicht bei Werbung "für Sie kostenlos"

In der Werbung gibt es äußerst nervige Anzeigen / Spots, welche für Glasbruchschäden die Botschaft "für Sie kostenlos dank Ihrer Teilkasko" rüberbringen. Auf einen Link verzichte ich jetzt mal.

Das gilt aber nicht für jede Art von Glasbruchschäden. In der Werbung kommt das nach meinem Empfinden nicht so deutlich rüber. Andere sehen das wohl ähnlich.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Austausch der Windschutzscheibe und der Reparatur einer kleinen Bruchstelle mit einem speziellem Glasharz.

Der Austausch ist wesentlich teurer. Hier ist die Selbstbeteiligung immer zu zahlen.

Die Reparatur der Windschutzscheibe ist wesentlich kostengünstiger. Wenn er fachgerecht gemacht wird, ist die Scheibe danach auch "wieder gut". Die Versicherungen verzichten zumeist in solchen Fällen auf Abzug der Selbstbeteiligung. Aufgrund massiven Missbrauchs durch Autoglaser machen die meisten Versicherungen allerdings die Einschränkung, dass der Kunde zunächst Rücksprache mit ihnen halten und dann in einer vom Versicherer vermittelten oder zumindest empfohlenen Werkstatt die Reparatur durchführen lassen muss.

Wenn Autoglaser also versprechen, dass die Reparatur auf jeden Fall für den Kunden kostenlos sei, ist Vorsicht geboten. Darauf wies die Wettbewerbszentrale mit Meldung vom 17.12.2009 auch schon hin.

Fällt der Kunde auf ein leichtfertig gegebenes Versprechen eines Autoglaserers herein, geht das aber auf das Risiko des Glasers. Das AG Meiningen (Urteil vom 18.02.2010, 11 C 651/09) hat entschieden, der Glaser müsse sich an sein Versprechen einer kostenlossen Reparatur halten. Zahle die Versicherung nicht und habe der Glaser es unterlassen, sich vor Auftragsdurchführung von der Versicherung die Kostenübernahme erklären zu lassen, könne er seinen Werklohn vom Kunden nicht fordern.