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Donnerstag, 10. September 2015

ERGO, Allianz und die Lebensversicherung

Gestern noch habe ich über die Abenddämmerung für die klassische Lebensversicherung berichtet. Aufhänger war, dass die ERGO den Rückzug aus diesem Produktbereich angekündigt hat.

Schöne Abenddämmerung...
Auf Twitter hat die ERGO zur Frage Stellung genommen, weshalb ich als Kunde zu einer Versicherung gehen sollte. Dabei verweist sie auf ein eigenes Produkt, die ERGO Rente Garantie. Eine Rentenversicherung ist sicherlich eine gute Form der Altersvorsorge. Aber die klassische Kombination von Vermögensaufbau mit späterer Auszahlung des angesparten Betrages und Absicherung der Angehörigen, die man über die Lebensversicherung erreicht, ist das eben nicht. Kombiprodukten, die "alles" können, stehe ich aufgrund der damit verbundenen Kosten und Kalkulationsschwierigkeiten persönlich skeptisch gegenüber.

Aber die ERGO steht mit dem Rückzug von der klassischen Lebensversicherung nicht alleine da. So berichtet das Assekuranz Info-Portal, dass auch der Branchenprimus Allianz diesen Schritt geht, wenn auch nicht in der Radikalität und Konsequenz der ERGO. Dort will man die klassischen Lebensversicherungsprodukte nicht mehr aktiv anbieten, sondern nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch verkaufen.

Man kann das sehen wie man will. Die Niedrigzinsphase macht die klassische Lebensversicherung mit einer attraktiven Garantieverzinsung unkalkulierbar. Rentenversicherungen und vor allem die betriebliche Altersvorsorge sind da wohl die Spielfelder der Zukunft. Aber auch dort müssen die Kapitalerträge am Markt erwirtschaftet werden. Und das ist nicht einfach, wenn ein Großteil der Finanzanlagen in kaum oder gar nicht verzinste Staatspapiere fließen muss. Insofern bleibe ich dabei, dass ich derzeit das Versicherungsprodukt Lebensversicherung in seiner Abenddämmerung sehe.

Mittwoch, 9. September 2015

ERGO: Ausstieg aus den klassischen Lebensversicherungen

Abenddämmerung für die Lebensversicherungsbranche?
Im Juli habe ich mir Gedanken dazu gemacht, dass die Niedrigzinsphase die Branche der Lebensversicherer bedroht. Mit einer - nach Herbert Fromme - einzigartigen Radikalität trennt sich nun die ERGO vom Neugeschäft im klassischen Bereich. Künftig will man nur noch kapitalmarktnahe Produkte anbieten.

Damit wird das klassische Versicherungsgeschäft aufgegeben zugunsten von Produkten, die auch durch Banken angeboten werden. Weshalb ich als Kunde dann zu einer Versicherung gehen sollte, ist mir jedenfalls unklar.

Aus meiner Sicht ist das nichts anderes als das Eingeständnis der ERGO, dass man dort in früheren Jahren vieles wirklich falsch gemacht hat. Das betrifft nicht nur die Sex-Parties für erfolgreiche Vertriebler. Es betrifft offenbar auch den Kern des eigenen Geschäfts. Es wird in vielen großen Unternehmen so sein, dass das obere und mittlere Management findet alles toll zu machen, bis die Zahlen in den Bilanzen eine unüberhörbar deutliche Sprache sprechen. Und die Niedrigzinsphase dreht gewissen Geschäftsmodellen schlicht die Luft zum Atmen ab. Nur die seriös und zurückhaltend agierenden Lebensversicherer werden ihre Versprechen dauerhauft einlösen können, auch für neue Kunden. Ob die Lebensversicherung ein auslaufendes Geschäftsmodell ist, kann daher nicht generell gesagt sein.

In diesem negativen Befund liegt aber auch der Kern von etwas Gutem. Wenn man jetzt das Ruder herumreißt, kommt man eher wieder in offenes Fahrwasser und der Konzern kann Fahrt aufnehmen in Richtung Zukunft. Insofern finde ich den offenen Schritt, den die ERGO nunmehr geht, doch recht mutig.

Dienstag, 17. September 2013

Die Kleinrechner der Autobild: Schadenbelege werden geprüft, ehe sie bezahlt werden

In der Autobild 37/2013 (Seite 120) findet sich ein Artikel über "Die Kleinrechner".

In dem Artikel gemeint sind weniger die Versicherer selbst, sondern eher für diese arbeitende Prüforganisationen. Als Beispiel genannt wird Carexpert, ein Sachverständigenunternehmen. Carexpert prüft im Auftrag mehrerer Versicherer Unterlagen, die in Versicherungsschäden eingereicht werden. Das ist kein Geheimnis, sondern wird auf der Homepage von Carexpert ausdrücklich als Dienstleistung angeboten.

Im Artikel wird Rechtsanwältin Daniela Mielchen aus Hamburg damit zitiert, dass Sinn und Zweck von Unternehmen wie Carexpert sei, "die Ausgaben der Versicherern zu verringern." Und das sei "durchaus rechtswidrig."

Diese Aussage halte ich für Unsinn.

Ist Dein Auto kaputt, lässt Du es reparieren und reichst Du die Rechnung ein, gibt es eigentlich nie Probleme. Was Versicherer lediglich tun: sie prüfen Rechnungen, ob die aufgeführten Positionen aus dem genannten Unfall herrühren (dann werden sie bezahlt) oder nicht. Positionen, die nicht durch den Unfall verursacht worden sind, werden rausgestrichen. Beispiel: Auffahrunfall mit Heckschaden. In der Rechnung steht auch die Instansetzung eines Kotflügels vorne, was mit dem Unfall nichts zu tun hat. Ich finde es sehr legitim, dass die Versicherung das dann nicht bezahlt. Es hat mit dem konkreten Schaden nichts zu tun.

Worauf der Autor des Artikels anspielt ist die Situation, wenn der Schaden auf Basis eines Gutachtens oder eines Kostenvoranschlages abgerechnet werden soll. Also nicht die tatsächlichen Reparaturkosten sollen bezahlt werden, sondern das Geld, das die Reparatur voraussichtlich kosten wird. Das nennt man dann eine fiktive Abrechnung.

Sachverständige erstellen ihre Schätzung in der Regel auf Basis der Preise, die in einer örtlichen Markenwerkstatt zu zahlen sind. Hierzu hat der Bundesgerichtshof einige klare Leitlinien aufgestellt:
  • Eine Versicherung darf nicht willkürlich kürzen. Sie muss jeweils im Einzelfall eine Begründung dafür geben. Pauschale Behauptungen "das geht auch billiger" reichen nicht. Im Gegensatz zum im Artikel abgedruckten "Prüfbericht" einer fiktiven "Kleinrechner GmbH" kommt so etwas in der Realität auch nicht vor.
  • Wenn die Versicherung Einwände gegen die Kosten laut einem Gutachten oder einem Kostenvoranschlag erheben will, muss sie eine gleichwertige regionale Werkstatt benennen und darf auf deren Werte verweisen. 
  • Die Werkstatt ist nur dann einer Markenwerkstatt gleichwertig, wenn sie nach Herstellervorgaben repariert, Original-Ersatzteile verwendet und von einer anerkannten Prüforganisation (TÜV, DEKRA etc.) zertifiziert ist. Auf irgendeinen dubiosen Hinterhofschrauber wird nicht verwiesen. 
  • Auch muss auf die jedermann zugänglichen Hofpreise solcher Werkstätten verwiesen werden, nicht auf vielleicht zwischen einer Versicherung und der Werkstatt ausgehandelte niedrigere Preise.
  • Ist das Fahrzeug noch keine drei Jahre alt, darf so eine Verweisung nur auf Preise einer regionalen Markenwerkstatt gemacht werden. 
  • Ist das Fahrzeug durchgängig in einer markengebundenen Werkstatt gewartet und repariert worden, darf auch bei älteren Autos nicht auf die Werte einer (günstigeren) freien Werkstatt verwiesen werden. 
  • Bei der fiktiven Abrechnung darf ein Gutachten oder Kostenvoranschlag also nur bei Fahrzeugen auf die Werte einer günstigeren Werkstatt gekürzt werden, wenn es sich um ein älteres Auto handelt, das nicht durchgehend in einer Markenwerkstatt gewartet und repariert wurde. 
So die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes.

Und der Geschädigte kann nicht gezwungen werden, in einer bestimmten Werkstatt tatsächlich reparieren zu lassen. Er kann immer die Rechnung einer von ihm ausgesuchten Werkstatt vorlegen und bekommt die Differenz zu dem erstattet, was die Versicherung im Rahmen der fiktiven Abrechnung erstattet hat. Was daran "durchaus rechtswidrig" sein soll, ist nicht nachvollziehbar. 

Bleibt noch die Frage, weshalb Versicherungen das machen. Ich habe mal in die Suche von Autobild das Stichwort "Versicherungen" eingegeben. Solltet Ihr auch mal tun. Dann  findet Ihr viele Hinweise, wo man das Auto noch günstiger versichern kann. Mein Suchergebnis habe ich mal auf dem Bild links veröffentlicht.

Jedem muss doch klar sein, dass Versicherungen nur das Geld ausgeben können, was sie zuvor eingenommen haben. Und ich finde es auch gut, dass transparente Angebote und der Sparwille der Kunden die Versicherungen dazu zwingen, ihre Preise immer wieder aufs neue zu prüfen, ob da nicht doch was geht.

Dass zu jedem Jahresende gewechselt wird wie verrückt, und dass man sich über die Versicherungsprämien im Internet zu jeder Zeit gut informieren kann, hat natürlich einen Effekt. Unterm Strich zahlen die Kunden weniger Prämie für ihre Versicherung, was bedeutet, dass weniger Geld pro Vertrag in den Kassen der Versicherungsunternehmen landet, als es früher der Fall war. Ein funktionierender Markt und intensiver Wettbewerb führt tendenziell zu niedrigeren Preisen für die Kunden - und ich kenne niemanden, der das nicht gut finden würde.

An dem Spaß scheint Autobild auch über entsprechende Werbeanzeigen gut zu verdienen. Das sieht man über die als erstes auftauchenden Werbeanzeigen recht gut. Ich finde das auch in Ordnung.

Aber wenn weniger Geld pro Vertrag in der Kasse eines Unternehmens landet, muss das Unternehmen bei seinen Ausgaben genauer hinschauen als das in der Vergangenheit der Fall gewesen sein mag. Der Wettbewerb zwingt Versicherer dazu, sehr an sich zu arbeiten. Und das geht nicht nur bei den Ausgaben für Schäden. Viele Versicherungen arbeiten ja an sich um effizienter zu werden und die internen Kosten zu senken. Das muss nicht immer Personalabbau bedeuten, den hat es aber auch schon gegeben. Aktuell gibt es dazu Berichte über die ERGO oder die Basler, in der Vergangenheit war die Allianz entsprechend in den Schlagzeilen.

Das ist die andere Seite der Medaille. Und die sollte man auch sehen. Damit Einnahmen und Ausgaben eines Versicherungsunternehmens zusammen passen, können aber nicht beliebig viele Mitarbeiter auf die Straße gesetzt werden. Sonst gibt es am Ende dort niemanden mehr, der Schäden bearbeitet und Entschädigungen ausbezahlt. Vor diesem Hintergrund finde ich es mehr als legitim - und in der Sache auch ganz richtig - wenn eingereichte Schadensbelege systematisch und gründlich geprüft werden.

Geschädigte sollen ihren Schaden ersetzt bekommen. Die Versicherungen haben aber auch eine Verantwortung gegenüber ihren Kunden, die die Prämien zahlen. Und die geht dahin, keinen höheren Ersatz zu leisten als an Schaden tatsächlich entstanden ist. Und wenn im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshof lediglich gedachte Reparaturkosten - nicht wirklich angefallene - gekürzt werden, finde ich das auch in Ordnung. In welche Werkstatt der Geschädigte geht, entscheidet er immer noch selbst. Und wenn es etwas teurer wird als die Versicherung sich das zunächst dachte, legt der Geschädigte eine Rechnung vor und bekommt sein Geld.

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Der guten Form halber noch ein Hinweis: jeder weiß und kann sehen, dass ich für eine Kfz-Versicherung arbeite. Dieser Artikel gibt nicht die Ansicht meines Arbeitgebers wieder und ist mit diesem in keiner Weise abgestimmt. Was ich schreibe, ist meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema. Und da ich weiß, dass die nicht jedem gefällt, lade ich insbesondere Leute mit anderer Ansicht ein, hier auch ihre Meinung zum Thema zu schreiben.