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Samstag, 15. April 2017

Glasreparatur: Für Kaskoversicherte NICHT immer kostenlos!

Ist die Scheibe stark beschädigt, muss sie getauscht werden.
Hat eine Windschutzscheibe nur einen kleinen Bruchschaden, dann gibt es eine kostengünstige Alternative zum Austausch. Ein Bruchschaden kann repariert werden. Das kostet meist nur zwischen 80 Euro und 110 Euro.

Ein Glasbruchschaden am Fahrzeug ist in der Teilkasko versichert. Die meisten Kunden haben jedoch eine Selbstbeteiligung von 150 Euro je Schadensfall.

Viele Kfz-Versicherungen verzichten auf Anrechnung der Selbstbeteiligung, wenn die Kunden den Glasschaden reparieren lassen. Für die Versicherungen ist das deutlich günstiger als der Austausch der Scheiben. Diesen Kostenvorteil geben sie an ihre Kunden weiter.

Allerdings hat es hier in den zurückliegenden Jahren sehr viel Mißbrauch und auch Betrug gegeben. Daher knüpfen alle mir bekannten Versicherungsbedingungen den Verzicht auf Anrechnung der Selbstbeteiligung an zwei Bedingungen.

Einmal wird verlangt, dass der Kunde sich vor Beauftragung einer Glasreparatur mit der Versicherung in Verbindung setzt. So kann geklärt werden, ob eine Reparatur überhaupt zulässig ist. Das ist nämlich nicht der Fall, wenn der Schaden im Sichtbereich des Fahrers oder am Scheibenrand ist.

Zum anderen verlangen die Versicherungen inzwischen, dass die Reparatur in einer von ihnen ausgewählten oder zumindest empfohlenen Werkstatt durchgeführt wird. So ist sichergestellt, dass die Arbeiten in bester Qualität durchgeführt werden. Zudem werden Aufträge nur an vertrauenswürdige Werkstätten vermittelt. Leistungsmissbrauch kann  so ausgeschlossen werden.

Mit diesen marktüblichen Versicherungsbedingungen nicht zu vereinbaren ist jedoch Werbung großer Autoglaser, die ein "für Kaskoversicherte kostenlos" marktreißerisch in den Vordergrund stellt. Allenfalls in Anmerkungen zur Werbeaussage wird der Kunde darauf hingewiesen, dass die Kostenlosigkeit eben nicht immer so ist. Meine persönliche Meinung ist, dass ein durchschnittlicher Kunde nicht erkennen kann, dass er hier möglicherweise selbst zahlen muss und nicht seine Versicherung.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Halle a.d. Saale: Droht 2.500 Kunden der Staatsanwalt, weil der Autoglaser die Selbstbeteiligung erlassen hat?

Glasbruch ist in der Teilkasko versichert.
Am 02.02.2016 brachte die ostdeutsche Ausgabe der Bild einen großen Bericht dazu. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte wegen bekannt gewordener Abrechnungspraktiken und anderer kriminieller Machenschaften eine Hausdurchsuchung bei einem Autoglaser gemacht.

Dabei ging es auch um Sachverhalte, in denen die Kunden bei der Abrechnung von Glasbruchschäden die Selbstbeteiligung nicht bezahlt haben. Das kann nämlich Betrug sein. Die Bild berichtet in ihrer Druckausgabe, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund festgestellter Sachverhalte nunmehr die Eröffnung von Ermittlungsverfahren gegen 2.500 Kunden dieses Autoglasers prüft. Online habe ich diesen Bericht nicht gefunden.

Ich sehe das so:
  • Wenn die Werkstatt in einem Kaskofall sagt, die Selbstbeteiligung müsse man ganz oder zum Teil nicht bezahlen, stellt dies einen Rabatt auf die Reparaturkosten dar. Das muss dann der Versicherung offenbart werden. Das gehört zur wahrheitsgemäßen Angabe der Schadenshöhe.
  • Verschweigt derjenige diesen Rabatt, der eine Rechnung bei der Versicherung zur Erstattung einreicht, täuscht er diese über die Höhe des Schadens. Hier liegt die Betrugshandlung.
  • Den Betrug begeht also, wer die Rechnung bei der Versicherung zur Erstattung der Kosten einreicht und den Rabatt verschweigt. Das gilt nicht nur bei Glasbruch, sondern generell bei Kaskoschäden.
Haben wirklich 2.500 Kunden durch aktives Handeln ihre Versicherungen betrogen, handelt die Staatsanwaltschaft gegen diese Leute ganz richtig. Angesichts eines jährlichen Betrugsschadens von ca. 2 Milliarden Euro in der Kfz-Versicherung liegt das auch ganz im Interesse aller ehrlichen Versicherungskunden, die so etwas durch ihre Beiträge mit bezahlen müssen.

Donnerstag, 26. November 2015

Kasko: Kunde zahlt seine Selbstbeteiligung nicht - Werkstatt muss in den Knast!

Glasbruch ist über die Teilkasko versichert. Dabei wird viel gemogelt.
Bei Kasko-Schäden kommt es immer wieder vor, dass die Werkstatt einem Kunden sagt 'komm zu mir, dann musst du die Selbstbeteiligung nicht bezahlen'.

Ganz so heftig, dass gleich alle Mitarbeiter einer Werkstatt in den Knast müssen, ist es natürlich nicht. Aber man muss schon damit rechnen, dass es Ärger gibt. Denn das läuft auf einen Betrug hinaus. Insbesondere bei Glasbruchschäden ist so eine Praxis auch heute noch weit verbreitet. Aber auch bei anderen Kaskoschäden kommt sowas vor. Manche Werkstätten - insbesondere auf Parkplätzen auftretende Autoglaser - gehen mit dieser Masche auf Kundenfang.

Ich höre in diesem Zusammenhang immer wieder ein naives 'das machen doch alle' und dann haben auf einmal viele Leute Verständnis für den Versicherungsbetrug. Das lese ich auch immer wieder in Strafurteilen.

In Fachkreisen ist es aber schon längst bekannt, dass es nicht in Ordnung ist, Kunden die Selbstbeteiligung nicht abzuverlangen und das dem Versicherer gegenüber zu verschweigen.

Hier möchte ich zunächst auf eine interessante Diskussion im Forum von Motor-Talk hinweisen, die schon seit 2005 läuft. Die letzten Beiträge sind aus 2015.

Bei autoglasmeister.de wird unter den Stichworten Betrug und Wettbewerbswidrigkeiten auf viele einschlägige Urteile hingewiesen.

Montag, 23. November 2015

Erlass Selbstbeteiligung: Amtsgericht Passau verurteilt Autoglaser wegen Betrugs

In Passau ist ein Autoglaser wegen Betrugs zum Nachteil von Versicherungen in zwei Fällen verurteilt worden. Im Urteil vom 05.05.2015 (Aktenzeichen 9 Cs 35 Js 4140/13) hat das Amtsgericht Passau ihm eine Verwarnung ausgesprochen. Aufgrund seiner persönlichen Gesamtumstände ist der Autoglaser damit recht glimpflich davon gekommen. Interessant sind aber die rechtlichen Ausführungen des Gerichts:
... geht die Rechtsprechung davon aus, dass ein mit der Werkstatt ausgehandelter Rabatt an den Versicherer zivilrechtlich weitergegeben werden muss, weil der Versicherer nur den Schaden (abzüglich der jeweils vereinbarten Selbstbeteiligung) zu ersetzen hat, der konkret entstanden ist...
Die Meldung der ursprünglichen Gesamtsumme - also ohne Abzug des versteckten Rabatts - wäre danach eine aktive Täuschung über Tatsachen, nämlich über die Höhe der Gesamtrechnung. 
Der Erlass der Selbstbeteiligung durch einen Autoglaser ist Betrug, wenn das der Versicherung bei der Abrechnung verschwiegen wird.

Samstag, 24. Oktober 2015

SVR 10/2015: Besprechung des Beschlusses des LG Rostock vom 16.06.2015

Vor kurzem hatte ich Euch auf den Beschluss des LG Rostock vom 16.06.2015 (3 O 320/13 (1) ) aufmerksam gemacht, durch den ein Autoglaser zu einem Ordnungsgeld von 2.000 Euro verurteilt wurde. Er hatte einem Kunden die Selbstbeteiligung erlassen und dies dem Kfz-Versicherer gegenüber bei der Abrechnung des Schadens verschwiegen. Da er so etwas schon früher gemacht hatte, gab es auch schon ein Urteil, welches ihn zum Unterlassen verpflichtet hat. Das hat er ignoriert. Dafür hat er jetzt die Quittung bekommen. Das Urteil ist mit einer kurzen Besprechung von mir in Heft 10/2015 der Zeitschrift Straßenverkehrsrecht (SVR) auf Seite 387 erschienen.

Donnerstag, 27. August 2015

Landgericht Rostock: 2.000 € Ordnungsgeld für Autoglaser wegen Erlass der Selbstbeteiligung

Das Landgericht Rostock hat einen Autoglaser durch Beschluss vom 16.06.2015 (3 O 320/13 (1)) dazu verpflichtet, ein Ordnungsgeld in Höhe von 2.000 € zu zahlen. Sollte nicht bezahlt werden, droht ersatzweise je ein Tag Haft pro 500 €, zu vollstrecken am Geschäftsführer.

Wie ist es dazu gekommen? 

Dieser Autoglaser war bereits 2012/2013 dadurch aufgefallen, dass er Kunden einen Rabatt in Höhe der Selbstbeteiligung gewährte, wenn diese den Auftrag zum Austausch der Windschutzscheibe nach einem Glasbruch dorthin erteilte. Die Abrechnung erfolgte dann per Abtretung mit dem Kaskoversicherer des Fahrzeugs, wobei dem Versicherer der dem Kunden gewährte Rabatt verschwiegen wurde. 

Als der Kaskoversicherer davon erfuhr, nahm er die Werkstatt daraufhin u.a. auf Unterlassen in Anspruch. Die Unterlassungserklärung wurde nicht abgegeben, worauf Klage erhoben wurde. Darauf erkannte die Werkstatt an. Mit Anerkenntnisurteil vom 01.10.2013 (3 O 320/13 (1)) tenorierte das Landgericht Rostock u.a.:
Die Beklagte wird verurteilt,

1.    es bei Meldung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000,00 €, ersatzweise Ordnungshaft bis zu zwei Jahren, zu unterlassen, Versicherungsnehmern der … Versicherungs-AG Nachlässe, Rabatte, Auslagenerstattungen oder sonstige geldwerte Vorteile jeglicher Art auf Reparaturkosten zu gewähren, die nicht in der Abrechnung der Reparaturleistungen gegenüber dem Versicherungsnehmer ausdrücklich als solche erkennbar sind;
2.    – 6. wird nicht abgedruckt
Im August 2014 gewährte die Werkstatt einem Kunden einen Rabatt in Höhe der Selbstbeteiligung, welcher nicht auf der Rechnung über den Austausch einer Windschutzscheibe ausgewiesen wurde. Allerdings erfolgte die Abrechnung jetzt nicht durch den Autoglaser selbst per Abtretung. Die Abrechnung sollte der Versicherungsnehmer mit seiner Kaskoversicherung selbst erledigen.

Der Versicherungsnehmer reichte die Rechnung bei seinem Kaskoversicherer ein und gab auf dessen Nachfrage hin den gewährten Rabatt dorthin bekannt.


In diesem Fall hatte der Autoglaser es nicht eingesehen, dass er gegen das Anerkenntnisurteil verstoßen habe. Sein Argument war, dass er selbst die Rechnung nicht bei der Versicherung eingereicht habe. Das sei der Kunde gewesen. Dessen Handeln könne ihm nicht zugerechnet werden. Damit ist er jedoch nicht durchgekommen. Seine Beschwerde hat das OLG Rostock durch Beschluss vom 14.08.2015 (2 W 24/15) zurück gewiesen.

Es ist schon öfters thematisiert worden, dass der Erlass der Selbstbeteiligung Betrug sein kann. In der Kfz-Versicherung geht man von jährlichen Betrugsschäden von ca. 2 Milliarden aus. Im Bereich Autoglas handelt es sich zwar immer nur um sehr kleine Beträge (hier: 150,- €), aber gerade im Bereich Autoglas tun die sehr weh. Denn diese Praktiken kommen sehr häufig vor. Daher handeln verantwortungsvolle Versicherer auch bei kleinen Betrugsdelikten sehr konsequent und gehen den Sachen nach. 

Auch der ADAC hat vor Machenschaften, durch welche die Selbstbeteiligung faktisch erlassen wird, bereits gewarnt.

Montag, 13. Juli 2015

Carglass übernimmt Junited Autoglas

Autglas - ein Fall für die Teilkasko.
Der Markt für Arbeiten am Autoglas ist sehr lukrativ. In 2013 haben die deutschen Versicherer Leistungen für 2,35 Millionen Glasbruchschäden erbracht. Nach meiner Einschätzung dürften es 2014 deutlich weniger gewesen sein. Denn große Hagelereignissen blieben weitgehend aus. Auch gab es realtiv milde Winter. Zahlen dazu sind seitens der Versicherungswirtschaft bislang nicht veröffentlicht worden.

Das Risiko, dass Fahrzeugglas bricht und deshalb repariert oder ausgetauscht werden muss, ist über die Teilkasko versichert.

Die Versicherungswirtschaft hat 2013 Entschädigungen in Höhe von 1,15 Milliarden Euro bezahlt. Berücksichtigt man bei den damit verbundenen Einnahmen der Autoglasbranche, dass viele Kunden ja auch eine Selbstbeteiligung haben die sie zahlen müssen und berücksichtigt man, dass z.B. große Fahrzeugflotten ihre Glasschäden selbst zahlen und sie nicht versichern, darf man von einem wesentlich größeren Marktvolumen für die Autoglasbranche ausgehen.

Martführer in dem Bereich ist Carglass. Carglass teilt auf seiner Homepage mit, dass man einen weiteren großer Spieler am Markt gekauft habe: Junited Autoglas.

Autohaus berichtet, dass das Bundeskartellamt dem Zusammenschluss noch zustimmen müsse.

Dienstag, 14. April 2015

Kasko: Schummeln bei der Selbstbeteiligung ist Betrug

Glasbruch wird durch die Teilkasko bezahlt.
Im März habe ich Euch auf ein Strafurteil des AG Köln (vom 03.04.2013 - Aktenzeichen 523 Ds 77/13) hingewiesen. Hier hatte ein Autoglaser seinem Kunden die Selbstbeteiligung 'erlassen' und das bei der Abrechnung mit der Versicherung des Fahrzeugs verschwiegen. Dafür ist er wegen Betruges bestraft worden.
Weshalb beim 'Erlass' der Selbstbeteiligung ein Betrug i.S.d. § 263 StGB vorliegt, habe ich hier im Blog ausführlich erklärt. Betrüger ist dabei derjenige, der die Rechnung bei der Versicherung einreicht und um Auszahlung der Entschädigung bittet. Das kann die Werkstatt sein. Aber reicht der Kunde die Rechnung bei seiner Versicherung selbst ein und verschweigt dabei den Rabatt auf die Selbstbeteiligung (oder in anderer Höhe), ist er es der seine Versicherung täuscht und damit betrügt.

Das Urteil des AG Köln hat einige Aufmerksamkeit in den Medien gefunden: Aachener Zeitung, Focus, Süddeutsche Zeitung und auch der Versicherungsbote.

Bei Werkstätten sehr viel gelesen ist Unfallregulierung Effektiv, das ebenfalls auf das Thema hinweist. Damit dürfte sich auch in 'Fachkreisen' herumgesprochen haben, dass Mogeleien mit der Selbstbeteiligung kriminell sein können. Die Unfallzeitung bringt es klar auf den Punkt: so ein Rabatt steht der Versicherung zu, nicht dem Kunden der den Reparaturauftrag erteilt.

Besonders interessant fand ich den Bericht bei Motor-Talk zu dem Urteil des AG Köln. Was hier die Lektüre lohnt ist die Diskussion der Leser unten auf der Seite. Sie zeigt mir, dass viele Leute da überhaupt kein Unrechtsbewusstsein haben und meinen, dass an der strafrechtlichen Beurteilung etwas zu ändern ist, wenn man nur genügend trickst. Das funktioniert aber nicht.

Das Phänomen des Erlasses der Selbstbeteiligung durch Werkstätten in Kaskoschäden kommt viel bei Glasbruchschäden vor, aber auch bei anderen Schäden. Letzten Endes liegt es an den Werkstätten, ob sie Kunden durch das Versprechen eines Rabattes anlocken, der dann nicht auf der Rechnung ausgewiesen und der Versicherung gegenüber verschwiegen wird.

Sonntag, 29. März 2015

AG Köln: Autoglaser wegen Erlass der Selbstbeteiligung in einem Kaskoschaden verurteilt

Ich habe im Blog schon darauf hingewiesen, dass es ein Betrug sein kann, wenn eine Werkstatt ihrem Kunden einen Nachlass auf die Reparatur - z.B. ganz oder teilweise Erlass der Selbstbeteiligung - gewährt und das gegenüber dem Versicherer bei der Abrechnung verschweigt. Worin dabei genau der Betrug liegt, habe ich hier erörtert.

Heute möchte ich Euch auf ein Strafurteil des AG Köln (vom 03.04.2013 - Aktenzeichen 523 Ds 77/13) hinweisen. Hier hat ein Strafgericht einmal deutlich ausgesprochen, dass es sich um strafbaren Betrug des Autoglasers handelt, wenn er dem Kunden die Selbstbeteiligung ganz oder zum Teil erlässt.

Das Urteil habe ich in Heft 1/2015 der Straßenverkehrsrecht besprochen (S. 35 f.). Das Urteil ist schon etwas älter, aber inzwischen dafür auch rechtskräftig.

Nach meiner Einschätzung werden in Zukunft wesentlich öfter als früher noch solche Geschäftspraktiken - Kundengewinnung durch Versprechen eines Vorteils - Gegenstand strafrechtlicher Verfahren. Verantwortungsvolle Versicherer gehen mehr und mehr dazu über, Anzeige zu erstatten. Meine Hoffnung ist, dass bekannt werdende Verurteilungen doch spürbare Auswirkungen in die "Szene" der Autoglaser und Kfz-Werkstätten haben, so dass diese nach wie vor relativ verbreitete Praxis irgendwann mal ein Ende findet.

Freitag, 25. April 2014

Großer Betrugsfall bei einer Autoglas-Kette?

Dass der "Erlass der Selbstbeteiligung" durch eine Werkstatt rechtlich als Betrug anzusehen sein kann, war bereits Thema hier im Blog. Auch habe ich über einen großen Betrugsfall im Raum Köln/Bonn/Rhein Sieg berichtet.

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet jetzt von einem großen Betrugsfall aus Halle. Hier hat ein Autoglas-Spezialist mit vielen Filialen Kunden Rabatte eingeräumt, die bei der Abrechnung mit Versicherungen dann verschwiegen worden sind. Betroffen ist die ÖSA, die in 1.300 Fällen Strafanzeige gestellt hat.

Dienstag, 25. März 2014

ADAC warnt vor "Gutscheinen" auf die Selbstbeteiligung durch Werkstätten

Das OLG Hamm hat entschieden, dass Gutscheine von Werkstätten wettbewerbswidrig sind, durch die der Kunde einen Anreiz bekommt einen Kaskoschaden eben bei dieser Werkstatt reparieren zu lassen. Konkret geht es um Gutscheine in Höhe der Selbstbeteiligung, die bei einem Folgeauftrag (z.B. Inspektion) genutzt werden können.

Mit sehr deutlichen Worten warnt nun der ADAC vor solchen Praktiken: "Kunden machen sich unter Umständen strafbar, wenn sie im Zuge der Regulierung eines Kaskoschadens von der Werkstatt einen Gutschein annehmen und einlösen." So lese ich es am 24.03.2014 bei Versicherungswirtschaft Heute.

 Im Kfz-Bereich entsteht jedes Jahr ein Schaden von ca. 2 Milliarden Euro durch Betrug. Der bei Autoglasern und anderen Werkstätten sehr beliebte "Erlass der Selbstbeteiligung" kann dabei auch als Betrug angesehen werden, wenn dieser Rabatt gegenüber der zahlungspflichtigen Versicherung dann verschwiegen wird. Insofern kann ich die deutliche Warnung des ADAC nur unterstreichen.

Montag, 13. Januar 2014

Autoglas: Gutscheine von Werkstätten sind wettbewerbswidrig

Autohaus Online hat auf eine Ende letzten Jahres ergangene Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm hingewiesen.

Am 12.11.2013 hat das OLG Hamm in der Sache 4 U 31/13 durch Urteil folgendes entschieden:
Gutscheine von Kfz-Werkstätten für Folgeaufträge können bei der Reparatur eines Kaskoschadens mit Selbstbeteiligung des Kunden wettbewerbswidrig sein.
Hier ging es um eine große Kette, die Kunden mit Gutscheinen in Höhe der  Selbstbeteiligung in ihre Häuser lockte, wenn diese einen Glasbruchschaden hatten. Durfte eine Werkstattt dieser Kette die Scheibe austauschen und mit der Versicherung abrechnen, erhielt der Kunde einen Gutschein in Höhe seiner Selbstbeteiligung.

Das OLG Hamm hat nunmehr entschieden, dass dies unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten so nicht in Ordnung ist.

Dass Rabatte auf die Selbstbeteiligung bei Glasschäden gegeben werden, kommt leider häufig vor. Teils wird die gesamte Selbstbeteiligung erlassen, teils nur ein etwas niedrigerer Betrag. Dem Versicherer gegenüber wird dieser Rabatt dann bei der Abrechnung verschwiegen, was im Ergebnis sogar als Betrug angesehen werden kann. Im Urteil des OLG Hamm findet sich zur dortigen Konstellation allerdings kein Hinweis auf das Betrugsdelikt. Erlaubt ist es trotzdem nicht, Kunden mit Gutscheinen für Folgeaufträge anzulocken.

Autobesitzern muss dringend geraten werden vorsichtig zu sein, wenn eine Scheibe ausgetauscht werden muss und der Autoglaser ihn damit anzulocken versucht, dass die Selbstbeteiligung durch ihn nicht zu bezahlen sei.

Donnerstag, 7. November 2013

Landgericht Berlin: Autoglaser zum Unterlassen verdeckter Rabatte verurteilt

LG Berlin in der Littenstraße 12-17
Ich habe schon öfters über das Thema geschrieben, dass Werkstätten ihren kaskoversicherten Kunden sagen "bei mir musst Du die Selbstbeteiligung nicht zahlen", um sie zur Erteilung eines Werkstattauftrages zu verleiten.

Das kann als Betrug bewertet werden.

Gestern, am 06.11.2013, fand am Landgericht Berlin die mündliche Verhandlung in der Sache 101 O 86/13 statt. Hier klagte ein Kfz-Versicherer gegen einen Autoglaser, der einigen seiner Kunden die Selbstbeteiligung nicht abverlangt hatte. Der Versicherung gegenüber wurde das bei der Abrechnung dann allerdings nicht gesagt.

Der Autoglaser wollte die Unterlassungserklärung nicht abgeben, weil er sagte, er würde die Selbstbeteiligung jetzt immer abverlangen wenn er mit dieser Versicherung direkt abrechnet. Außerdem wollte die Versicherung Auskunft dazu, in welchen Schäden außer den bekannten der Glaser noch die Selbstbeteiligung nicht abverlangt hatte.

Nach der mündlichen Verhandlung wurde der Klageantrag leicht modifiziert - und der Glaser erkannte an. Im Urteil - einem Anerkenntnisurteil - steht jetzt kein Tatbestand und keine rechtliche Würdigung des Sachverhalts.

Ich glaube, damit hat er aus seiner Lage noch das beste gemacht was ging. Denn hätte das Gericht entscheiden müssen, hätte der Glaser vermutlich ähnliches im Urteil stehen gehabt, wie das OLG Köln im letzten Jahr in ein Urteil geschrieben hat.

Klare Erkenntnis: Leute, insbesondere Werkstätten: lasst es den Kunden zu sagen, wenn die Kaskoversicherung xxx bezahlt, nehme ich Euch dazu nichts ab. Die Werkstätten müssen solche Nachlässe - nicht nur in Zusammenhang mit Glasbruchschäden - bei der Abrechnung mit der Versicherung offenbaren. Es lohnt sich für niemanden, es da auf Trubel ankommen zu lassen.

Freitag, 25. Oktober 2013

8000 € Ordnungsgeld für Autoglaser

Ich möchte auf Heft 10/2013 der NZV hinweisen.

Hier wird von einem Beschluss des Landgerichts Köln vom 27.02.2013 berichtet (Aktenzeichen 84 O 99/12 SH I). Die Entscheidung ist bei OpenJUR nachzulesen.

Worum ging es? Ein Autoglaser war mehrfach erwischt worden, dass er Versicherungskunden die Selbstbeteiligung "erlassen" hat, was dem Versicherer gegenüber bei der Abrechnung dann verschwiegen wurde.

Gegen diese Praxis klagte der Versicherer und bekam im Ergebnis Recht. Das Gericht untersagte dem Autoglaser diese Praxis. Den interessierte das aber wohl nicht, und er machte weiter. Da wurde er wieder erwischt mit Nachlässen von jeweils 100 € auf die Selbstbeteiligung.

Ehrlich währt immer noch am längsten. Und unehrlich kann richtig teuer werden, wie man an diesem Beispiel sehen kann. Übrigens: aus sicherer Quelle weiß ich, dass die Angelegenheit für den Autoglaser damit noch nicht erledigt sein dürfte. Wie man hört, ist auch die Staatsanwaltschaft am Thema dran. Was dabei rauskommt, ist allerdings noch offen. Und bis dahin, das muss man deutlich sagen, greift noch die Unschuldsvermutung.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Autoglas: Vorsicht bei "für Sie kostenlos"

Eine Windschutzscheibe kann getauscht werden.
Qualifizierte Autoglaser machen das einwandfrei.
Im Forum von Motor-Talk bin ich auf eine sehr interessante Diskussion aus Oktober 2011 gestoßen.

Ein Autobesitzer hatte einen Glasbruchschaden. Auf einem Parkplatz traf er auf Autoglaser, die ihm den Austausch anboten. Endgültig geködert haben sie den Mann damit, dass er die Selbstbeteiligung nicht zahlen sollte.

Dann kamen die Monteure und setzten eine neue Scheibe ein, und waren weg. Der Autobesitzer war aber mit der Qualität der ganzen Sache nicht sehr zufrieden. Blöd nur, dass die mobilen Autoglaser für ihn nicht mehr greifbar waren.

Er nennt eine konkrete Firma. Die ist mir bekannt, es gibt sie inzwischen auch nicht mehr. Sie ist aufgelöst worden, nachdem ihr gerichtlich verboten wurde, Kunden die Selbstbeteiligung zu erlassen ohne dass dies vom Versicherer vorher ausdrücklich genehmigt wurde. Im August habe ich von einem großen Betrugsfall im Raum Köln / Bonn berichtet. Dazu gehört u.a. die Firma, deren Opfer hier nicht nur die Versicherung, sondern auch der Autobesitzer aus dem Forum von Motor-Talk wurde.

Ganz klar: gehen Werkstätten hin und versprechen Kunden, sie müssten die Selbstbeteiligung nicht bezahlen, kann dies Betrug sein. Das schlimme an solchen Geschäftspraxis zur Akquise von Werkstattaufträgen ist, dass die arglosen Kunden von den Werkstätten in kriminelle Sachverhalte verstrickt werden. Daran denkt nur niemand, wenn mit der Botschaft "Du kannst sparen" die Geiz-ist-geil-Mentalität bedient wird.

Meine Bitte an alle: seid vorsichtig, wenn eine Werkstatt Euch etwas erlassen will, und im Hintergrund noch die Abrechnung mit einer Versicherung steht. Die müsste das nämlich wissen. Und bekommt es nur in den allerwenigsten Fällen gesagt.

Und Ihr zahlt es über Eure Beiträge mit. Keiner soll glauben, dass die Inhaber von Werkstätten nur noch Billig-Kartoffeln essen, damit die Kunden sich die Selbstbeteiligung sparen können. Durch eine geschickte Rechnungsgestaltung machen auch die ihr Geschäft. Bezahlen müssen solche Praktiken letzten Endes alle Kunden über zu hohe Versicherungsbeiträge.

Freitag, 11. Oktober 2013

Motor-Talk: interessante Diskussion zum "Test" der Autoglaser

Glasbruch - ein häufiger Schaden am Auto
Am 2.10.2013 habe ich über einen Test deutscher Autoglaser berichtet. Ganz begeistert war ich von der Aktion nicht, da doch eine deutliche Aussage getroffen wurde ohne (nach meiner Meinung) ausreichende Datengrundlagen.

Auf Motor-Talk.de wurde auch über das Thema berichtet. Lesenswert finde ich die Diskussionsbeiträge der Teilnehmer, auf die ich hiermit hinweisen möchte.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Bild.de: unzulässige Aussagen über Autoglasspezialisten aufgrund von nur 18 Tests

Am 1.10.2013 berichtete Bild über einen Test, den die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien durchgeführt hat.

Die DtGV hat nähere Informationen zu der Studie auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wurden jeweils 3 Werkstätten aus dem Netz von 6 großen Ketten mit präparierten Schäden an der Windschutzscheibe konfrontiert. Die DtGV nennt das einen Mystery-Check, was wohl auf die Methode des Mystery-Shoppings anspielt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Messung von Dienstleistungsqualität.

Untersucht wurden jeweils 3 Filialen von
Damit sind insgesamt 18 Autoglaser auf die Probe gestellt worden. Wenn ich die obigen Zahlen addiere, komme ich auf 1.360 Autoglaser, über die ein Urteil gefällt wird. Davon wurden 18 Glaser getestet. Das entspricht einem Anteil von 1,32%. Ich finde, das ist eine sehr, sehr geringe Quote um eine belastbare Aussage zu treffen.

Ich halte die Aussagen und Wertungen, die ich basierend auf dieser Studie bei Bild lese, so für unzulässig.

Ich war in diesem Jahr in Potsdam auf der Jahrestagung von Junited und habe einige von den Glasern kennengelernt. Das sind durchweg Profis, die ihr Handwerk verstehen. Es sind inhabergeführte Werkstätten. Von Bekannten, die dort ihre Scheiben haben wechseln lassen, bekam ich ein gutes Feedback. Um zu den anderen Glasern etwas sagen zu können, fehlt es mir aber an persönlichen Erfahrungen.

Dass Junited in dem Bericht der Bild als Junited das Schlusslicht der Branche sein soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Eine solche Aussage halte ich bei der geringen Stichprobe doch für sehr fragwürdig.

Meine Empfehlung an die Leser dieses Blogs ist, dass sie sich ein eigenes Bild von den Glasern bei ihnen vor Ort machen sollen. Ein ordentlich geführter Betrieb lässt meist auch Rückschlüsse auf gute Arbeit zu. Schlampt ein Inhaber in Sachen Sauberkeit und Ordnung, würde ich ihn nicht an mein Auto lassen. Das Erscheinungsbild eines Betriebes ist für mich immer die erste Arbeitsprobe.

Montag, 9. September 2013

Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe?

Gestern habe ich mich mal wieder beim Fernsehgucken mächtig geärgert. Während eines Films lief Werbung (darüber ärgere ich mich nicht, irgendwie müssen die privaten Sender sich finanzieren). Und da war auch die aktuelle Werbung des mutmaßlichen Marktführers in Sachen Autoglas.

Der Tenor lautete: "Gefährlicher Riss in der Windschutzscheibe? Dann gleich ab zu ...glass!"

Eine "gefährlichen Riss" in der Scheibe gibt es nicht.

im Juni hat ein großer deutscher Versicherer in seinem Unternehmensblog hierzu das Notwendige gesagt.
  • Nur oberflächliche Abplatzer oder Kratzer erfordern gar keine Maßnahmen.
  • Nicht jeder in die Tiefe gehende Schaden erfordert den Austausch der Scheibe. Oft kann man reparieren, d.h. den Schaden mit Harz ausfüllen.
  • Wegen der Kosten: hat man eine Selbstbeteiligung in der Teilkasko vereinbart, darf man nie auf das Versprechen der Kostenfreiheit bei Glasschäden vertrauen.

    • Kostenfreiheit gibt es nur bei Reparatur statt Austausch.
    • Hier ist oft aber Voraussetzung, dass man sich erstmal bei seiner Versicherung meldet und nicht einfach zu irgendeinem Glaser geht. Das gilt auch, wenn es sich um den Marktführer in Sachen Autoglas handelt. Selbst der hat nicht mit allen großen Kfz-Versicherungen Kooperationsverinbarungen (auch wenn die meisten es akzeptieren, wenn ein Kunde mal dorthin gehen sollte).
  • Hat man eine Selbstbeteiligung vereinbart, ist diese bei Austausch immer zu zahlen. Versprechen Glaser hier "Kostenfreiheit" und "erlassen dem Kunden" die Selbstbeteiligung, kann dies der erste Schritt in Richtung Gefängnis sein. Denn so etwas kann Ermittlungen wegen Betruges nach sich ziehen. Autoglas ist auch deswegen immer mal wieder Thema in meinem Blog.
Meine Empfehlungen bei einem Bruchschaden im Autoglas:
  • Wenn was mit der Windschutzscheibe ist, geht nur zu einem Glaser mit dem Eure Versicherung fest zusammenarbeitet. Euer Makler oder Versicherungsagent kann Euch die nächste Adresse in Eurer Nähe geben, oder Ihr ruft bei der Versicherung direkt an.
  • Der Glaser soll sich die Sache erstmal angucken! Muss man wirklich etwas machen? Geht eine Reparatur, oder muss ausgetauscht werden?
  • Erst denken, dann handeln: lasst Euch nicht von irgendwelchen Leuten, denen Ihr auf Parkplätzen begegnet, zur Unterschrift unter Reparaturaufträge verleiten.
  • Wer im Schadensfall nichts bezahlen möchte, sollte eine Teilkasko ohne Selbstbeteiligung vereinbaren. Das kostet zwar etwas mehr als mit Selbsbeteiligung, aber man hat seine Ruhe wenn die Scheibe doch mal ausgetauscht werden muss.

Donnerstag, 29. August 2013

12.000 € Ordnungsgeld gegen Autoglaser verhängt

In Heft 8/2013 (Seite 306 f.) der Straßenverkehrsrecht (SVR) findet sich von mir die Besprechung einer Entscheidung des Beschlusses des LG Köln vom 27.2.2013 (Aktenzeichen 84 O 99/12 SH I). Ein Autoglaser hatte Kunden die Selbstbeteiligung erlassen, was ihm gerichtlich untersagt wurde. Er hat trotzdem so weitergemacht und dafür wurde ein Ordnungsgeld von 8.000 € verhängt.

Nach dieser Angelegenheit sind neue Fälle bekannt geworden. Das Landgericht Köln hat deswegen mit Beschluss vom 21.08.2013 (Aktenzeichen 84 O 99/12 SH II) ein Ordnungsgeld von nunmehr 12.000 € verhängt, ersatzweise einen Tag Haft je 600 €.

Betrug zu Lasten von Versicherungen durch das Einräumen verdeckter Rabatte kann nicht nur Ärger mit dem Staatsanwalt geben, es kann auch richtig teuer werden. Das wird an den Entscheidungen aus Köln gut deutlich.

Donnerstag, 15. August 2013

Autoglaser: Betrug durch Erlass der Selbstbeteiligung

Hier im Blog habe ich von Hausdurchsuchungen bei Autoglas-Firmen im Raum Köln / Bonn / Sieg berichtet. Das Thema möchte ich durch einige Hintergrundinformationen ergänzen. In der Presse wurde nicht berichtet, welche Autoglaser betroffen sind. Daher weiß ich das natürlich nicht. Aber die Betrugsmasche, um die es geht, ist fast immer die selbe:
  • Autofahrer mit einer beschädigten Scheibe Am Kfz werden auf Parkplätzen oder woanders angesprochen, ob sie nicht die Scheibe tauschen lassen möchten.
  • Der Hinweis ist, daß das ja die Versicherung bezahlt. Sie selbst hätten keine Kosten.
  • Weisen die Kunden darauf hin, daß sie eine Selbstbeteiligung haben, wird ihnen angeboten, daß sie die nicht zahlen müssen.
  • Die Scheibe wird ausgetauscht, der Kunde unterschreibt eine Abtretung und der Glaser schickt Rechnung und Abtretung an die Versicherung. Die Versicherung soll dann an ihn zahlen.
  • Der Knackpunkt ist: daß die Selbstbeteiligung "erlassen" wurde, wird vom Glaser der Versicherung gegenüber verschwiegen.
Das ist ein Betrug zu Lasten der Versicherung. So beurteilt das nicht nur das Oberlandesgericht Köln, das sehen auch Wettbewerbsrechtler, verschiedene Presseorgane (Financial Times, WDR, Legal Tribune) und selbst Medien für die Kfz-Betriebe so.


Worin liegt der Betrug?
Bei der Abrechnung wird der Versicherung ein höherer Schaden vorgespiegelt, als er dem Kunden tatsächlich entstanden war.


Was genau versteht man unter "Schaden"?
Der "Schaden", das ist der tatsächliche finanzielle Nachteil, der dem Kunden entsteht. Nicht der Geldbetrag, den die Werkstatt auf ihre Rechnung schreibt. Nur das, was tatsächlich davon ggf. durch den Kunden zu bezahlen ist. Wird gesagt, daß ein bestimmter Geldbetrag nicht zu zahlen sei, dann verringert sich der Schaden entsprechend.

Wie genau sieht das in der Kasko aus?
In der Kaskoversicherung ist der Schaden versichert, der einem Kunden aus dem versicherten Risiko entsteht. Nicht versichert ist das Risiko, daß die Werkstatt eine Rechnung in einer bestimmten Höhe schreibt. Es kommt also darauf an, wie viel Geld tatsächlich geschuldet ist. Wird ein Rabatt gewährt, verringert sich der Schaden des Kunden entsprechend. Und zu sagen, die Selbstbeteiligung müsse nicht bezahlt werden, ist ein solcher Rabatt.

Wer begeht den Betrug?
Der Betrug wurd durch denjenigen begangen, der die Rechnung für den Glasschaden bei der Versicherung einreicht und dabei verschweigt, dass es seitens der Werkstatt einen Rabatt auf die Selbstbeteiligung gegeben hat. Das ist die Werkstatt, wenn sie direkt mit der Versicherung abrechnet. Das ist der Kunde, wenn er selbst die Rechnung bei seiner Kfz-Versicherung einreicht.

Was genau bedeutet "Selbstbeteiligung"?
Ein anderes Wort für Selbstbeteiligung ist "Eigenanteil". Beides meint das selbe. Es bedeutet, dass man den Schaden in dieser Höhe selbst zahlt. Übersteigt der Schaden diesen Eigenanteil, steht die Versicherung dafür ein. Es ist also keine "Strafe", die der Kunde zahlen muss. Der Kunde hat ja die Möglichkeit, den Vertrag ohne Selbstbeteiligung abzuschließen. Dann zahlt die Versicherung alles, der Kunde aber auch eine etwas höhere Prämie.

Windschutzscheibe kaputt? Die Kaskoversicherung ist dafür da!
Wie verstricken kriminelle Autoglaser die Kunden in die Sache?
Den Kunden wird von den Glasern, die sagen "Du musst die Selbstbeteiligung nicht bezahlen," gerne vorgespiegelt, daß alles in Ordnung sei und "mit der Versicherung geklärt" werde. Beides ist eine Lüge.
Der Versicherung wird von dem Rabatt nichts gesagt. Und darüber gesprochen wird regelmäßig auch nicht. Und das ist der Punkt, ab dem es kriminell wird: der Versicherung wird durch die Werkstatt vorgespiegelt, daß der Schaden höher ist als er wirklich war.
Die Kunden sind meist in gutem Glauben, daß alles stimmt, was der Glaser ihnen versprochen hat. Sie trifft keine Schuld an der Sache in dem Sinne, dass die sich strafbar machen. Aber es kann sein, daß sie die Selbstbeteiligung im Nachhinein doch noch bezahlen müssen.

Sind alle Autoglaser kriminell?
Ein ganz klares Nein.
Das ist nur eine Minderheit. Eine Minderheit jedoch, die einen erheblichen Schaden anrichtet.
Nach meiner Einschätzung sind die meisten Autoglaser redliche Handwerker, die Wert auf gute Arbeit und eine ehrliche Abwicklung der Bezahlung legen.

Worauf sollten Kunden achten?
Die Gefahr, in unredliche Sachen verstrickt zu werden, besteht vor allem bei Autoglasern, die Kunden auf Parkplätzen, an Waschstraßen oder sonst im öffentlichen Verkehrsraum ansprechen. Hier ist Vorsicht geboten.
Haben Sie einen Glasbruchschaden an der Autoscheibe, sollten Sie diesen ihrer Stammwerkstatt zeigen, oder Sie lassen sich von Ihrer Versicherung an einen Autoglas-Fachbetrieb vermitteln.

Wie soll man sich verhalten, wenn man auf einem öffentlichen Platz von einem Autoglaser angesprochen wird?
Das muß jeder selbst wissen. Ich persönlich würde Arbeiten an meinem Auto nur durch die Werkstatt erledigen lassen, zu der ich immer gehe. Das würde ich dem Glaser auch sagen und ihn bitten, mich in Ruhe zu lassen.

Sind Nachteile für die Kunden möglich, wenn die Selbstbeteiligung erlassen wurde?
Ein klares Ja.
Versicherungen, die eine verantwortungsvolle Schadenregulierung betreiben, bringen Betrug oder Betrugsversuche oft zur Anzeige. Die Kunden werden dann als Zeuge befragt, was genau vereinbart wurde.
Autoglaser behaupten gelegentlich, dass die Kunden von ihnen verlangt hätten, dass sie die Selbstbeteiligung nicht bezahlen müssen. Manchmal stimmt das auch, oft aber nicht. Die Konsequenz so einer behauptung ist dann wirklich unangenehm. Die Kunden müssen damit rechnen, dass gegen sie selbst ein Strafverfahren eingeleitet wird. Der Autoglaser, der sich durch Erlass der Selbstbeteiligung eben noch als ihr größter Kumpel aufgespielt hat, wird so zu ihrem ärgsten Feind. Es kann auch sein, dass die Versicherung noch eine Zahlung in Höhe der Selbstbeteiligung verlangt. Das ist nicht wirklich ein Nachteil. Denn es entspricht im Ergebnis dem, was im Versicherungsvertrag vereinbart wurde. Aber unangenehm ist es doch.