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Samstag, 22. November 2014

Telematik für Menschen?

Versicherungswirtschaft Heute berichtet von einem Versicherer, der Telematik für Patienten fördert. Hier dürfte es um die Krankenversicherung gehen. Die Versicherungsnehmer spielen sich eine App auf das Smartphone, welche die sportlichen Aktivitäten an den Versicherer berichtet. Der belohnt sie durch günstigere Tarife.

Konkrete Ramenbedingungen sind bislang nicht bekannt. Es gibt ja auch schon reichlich Apps, mit denen Bekannte von mir ihre Wanderungen oder Langstreckenläufe aufzeichnen und auf Facebook mit anderen teilen.

Ich persönlich möchte aber nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden. Meine Forderung, dass es zur Telematik eine gesellschaftliche Diskussion geben muss, möchte ich daher an dieser Stelle wiederholen. So warb ein Vorstand eines großen Rückversicherers bereits für Big Data bei Patienten.

Das finde ich persönlich sehr weitgehend. Und diese Diskussionen bestärken mich in meiner Entscheidung, dass ich nicht privat voll krankenversichert sein möchte.

Mittwoch, 16. April 2014

Telematik, eCall, Datenschutz und meine Meinung

Ich habe jetzt von eigenen Erfahrungen in Sachen Telematik berichtet, die ich als Teilnehmer einer (inzwischen beendeten) Studie gemacht habe. Dabei habe ich festgestellt, dass folgende Daten durch die Aufzeichnung meines Fahrverhaltens gewonnen werden können:

Diese kleine Box ermöglicht die Überwachung

Brauchen Kfz-Versicherer diese Überwachung?
Meiner Meinung nach nicht.

Telematik scheint im Augenblick ein Modethema für Versicherungen zu sein. Jedenfalls wirkt es so auf mich.

Nach meiner Meinung lassen sich faire Versicherungsprämien nach dem herkömmlichen System des Schadensfreiheitsrabattes sehr gut kalkulieren. Es gibt keinen wirklichen Bedarf nach noch mehr Daten als Berechnungsgrundlage für die Kfz-Versicherung.

Aber letzten Endes muss jeder Versicherer für sich selbst klären, ob er hier einen echten Mehrwert für sich und seine Kunden (sonst werden Pay-As-You-Drive Tarife nicht akzeptiert) generieren kann.


Warum will die Politik die Überwachung?
Das ist ein politisch getriebenes Projekt. Heute habe ich im Spiegel gelesen, dass das EU-Parlament jetzt die eCall Pflicht beschlossen hat. Das bedeutet, dass ab 2015 jedes neu gebaute Auto in der Europäischen Union über so eine Überwachungsbox verfügen muss. Politisch verkauft wird dies als automatischer Notruf. Kritiker nennen dieses System einen verräterischen Lebensretter. Ich glaube der Politik dieses Motiv nicht.

Geradezu verräterisch finde ich, was ein Spitzenpolitiker in diesem Zusammenhang von sich gibt. Parlamentspräsident Martin Schulz, zeitgleich Spitzenkandidat der SPD für die Europawahl, hat sich vor kurzem in einem Interview mit der BILD wie folgt geäußert:
Wenn also zukünftig die Autoversicherungen ihre Tarife immer stärker am Verhalten ihrer Kunden ausrichten und gleichzeitig mein Auto unzählige Daten über mein Fahrverhalten übermittelt, dann könnten meine Daten aus meinem Auto gegen mich verwendet werden. Deshalb brauchen wir europaweite strenge Datenschutzrechte,  ...
Ganz ehrlich: ich halte Martin Schulz mit seinen Äußerungen zu eCall durch und durch für verlogen. Und dass er Präsident des Parlamentes ist, das die eCall-Pflicht soeben ohne gesellschaftliche Debatte durchgewunken hat, macht Angst. Ich habe die Befürchtung, dass wir ohne große Ankündigung in einen Überwachungsstaat geraten, wie ihn sich selbst George Orwell nicht schlimmer hat ausdenken können.

Begründung für diese - zugegeben hart formulierte - Meinung:
  • Datenschutz wird in der Versicherungswirtschaft sehr groß geschrieben. Dass hier ein Code of Conduct, der sogar über geltendes Datenschutzrecht hinausgeht, als Selbstverpflichtung verabschiedet wurde, war vielleicht nicht ganz freiwillig. Aber für den Datenschutz ist das eine gute Sache. Und das gilt nicht nur für die deutschen Versicherer, sondern auf europäischer Ebene.
  • Der Anbieter, an dessen Telematik-Studie ich teilgenommen habe, hat allen Teilnehmern absolute Einsicht in die gewonnenen Daten über ihn selbst gewährt. Daher stammten ja auch die Grafiken, die ich hier leider nicht veröffentlichen konnte.
    Ich bin diesem Anbieter ehrlich gesagt für die Teilnahme an der Studie sehr dankbar. Denn sonst hätte ich nicht begriffen, in welchem Maße hier Daten gesammelt werden.
  • Zur Verlogenheit des Herrn Schulz: die Technologie, die das Datensammeln erst möglich macht, wurde aufgrund einer Initiative europäischer Institutionen erst verpflichtend eingeführt. Martin Schulz bewirbt sich um das höchste Amt in Europa. Gerade eben hat das Parlament die letzten Beschlüsse dazu gefasst. Es soll doch niemand einem Parlamentspräsidenten glauben, der in dieser Situation auf die Versicherungswirtschaft zeigt und laut ruft: "das sind die Brandstifter" und zum Löschen nach neuen Gesetzen verlangt. Die sollen dann ebenfalls von ihm und seinen Politkumpels beschlossen werden. Geht's eigentlich noch?
  • Ich glaube den europäischen Einrichtungen nicht, dass es zum schnelleren Erreichen von Verkehrsopfern hilfreich ist, die Voraussetzungen zu schaffen um die Daten aller Fahrten aufzuzeichnen (inkl. des akutellen Standortes, der letzten Endes nur der letzte Wert in einer langen Liste ist). 

Meine Meinung: das ist der Weg in den Überwachungsstaat
Hier hat man von staatlicher Seite aus die Möglichkeit geschaffen, Bewegungsprofile aller Fahrzeuge aufzuzeichnen und so die Bürger total zu überwachen. Daher meine Meinung, dass die neuen eCall Systeme ein böser und kaum mehr rückgängig zu machender Schritt in einen totalen Überwachungsstaat sind. Das Gerede über die bösen Versicherer, die ihre Kunden total überwachen, ist doch nur eine propagandistische Nebelgranate. Mehr nicht!

Wenn jemand so etwas freiwillig möchte, habe ich kein Problem damit. Es gibt auch genügend Leute, die sich Trackingprogramme auf ihren Handys installieren, mit denen Wander- oder Laufrouten aufgezeichnet und dann über soziale Medien ins Internet gestellt werden. Wenn man das für sich so entscheidet, ist das für mich in Ordnung.

Aber ich möchte nicht verpflichtet werden, eine Datensammelvorrichtung mit mir führen zu müssen. Und eCall ist eine Verpflichtung.

Für mich kann ich ganz klar sagen: das möchte ich nicht. Und ich möchte die Möglichkeit haben, auch nach 2015 einen Neuwagen zu kaufen, der kein eCall System an Bord hat.


Das einzige, was wir Bürger jetzt noch tun können: darüber reden
Soweit ich es sehe, sind die politischen Weichen jetzt wohl gestellt. Im Mai sind Europawahlen. Das einzige was wir Bürger noch tun können: darüber reden.

Sind bei Euch Veranstaltungen von Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien? Geht hin und fragt sie nach dem Thema.

Und: redet darüber in der Öffentlichkeit. Schreibt Eure eigene Meinung in Blogs, auf Facebook oder als Leserkommentare in den Zeitungen. Redet mit Euren Freunden darüber. Oder verbreitet meinetwegen meinen Blogeintrag im Internet. Ich habe nichts dagegen.

Demokratie lebt vom Mitmachen und nicht davon, sich die Dinge gefallen zu lassen. Und Demokratie lebt eben auch davon, dass der Staat nicht Zugriff auf alle Daten seiner Bewohner hat. Nur nicht überwachte Bürger sind wirklich frei!

Neue Zugriffsmöglichkeiten wie eCall zu schaffen sehe ich daher mit sehr, sehr großer Sorge.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 4 - genaue Aufzeichnung der Fahrten

In diesem Teil meines Berichtes wollte ich eigentlich eine Grafik zeigen, die ein typisches Fahrtprotokoll aus dem Webangebot meines Telematik-Anbieters zeigt. Das muss leider unterbleiben.

Dort wurden zwischen dem 4.1.2014 und dem 18.1.2014 insgesamt acht Fahrten festgestellt.

Protokolliert sind folgende Werte:
  • Datum
  • Uhrzeit des Fahrtantritts
  • Dauer
  • Länge

Beispiel Trip 1:
  • Datum: 4.1.2014
  • Fahrtantritt: 12.20 Uhr
  • Dauer der Fahrt: 7.2 Minuten
  • Länge: 1,09 km
Diese Werte sind für alle acht Fahrten im genannten Zeitraum abrufbar. In einer weiteren Grafik, die ich ebenfalls nicht veröffentlichen kann, kann man die genannte Fahrtstrecke auf einer Karte eingezeichnet sehen.

Dienstag, 15. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 3

Heute gab es für mich eine kleine Überraschung.

Der Anbieter, an dessen Studie ich teilgenommen habe, ist auf mich zugekommen mit der Bitte, die Grafiken aus dem internen Account nicht im Internet zu veröffentlichen. Dieser Bitte komme ich nach.

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 2

Gestern habe ich einen ersten Bericht von meinen Erfahrungen mit dem Thema Telematik gebracht. Heute folgt der zweite Teil.

In einer weiteren Grafik wird gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit ich so unterwegs gewesen bin.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt

Man sieht zum Beispiel, dass ich einmal das Auto mal richtig ausgefahren habe. Anders formuliert: ich habe aufs Gas getreten und rausgeholt, was ging.

Dabei kann ich mich eigentlich nur an eine solche Fahrt erinnern. Freie Straße, gute Laune, schöne Sonne... ich geb's zu. Aber diese eine Fahrt scheint das System nachhaltig beeindruckt zu haben (genauso mich beim erforderlichen Tanken auf halber Strecke... normalerweise reicht ein Tank für die gesamte Fahrt, die ich unternommen habe).

Man kann sich noch Werte für Bremsen, Beschleunigen, das Fahren von Kurven oder Spurwechsel anzeigen lassen. Die Daten für meine Box, die ich mir angeschaut habe, waren sehr ungenau. Aber wenn diese Systeme noch etwas lernen, können Anbieter die Daten mit Kartenmaterial (wie es in jedem Navigationssystem verwendet wird) abgleichen und dann kann man sehen, wo der Fahrer wie unterwegs gewesen ist.

Montag, 14. April 2014

Telematik - meine Erfahrungen - Teil 1

Ich habe berichtet, dass ich an einer Studie zum Thema Telematik teilgenommen habe. Mir ging es dabei darum herauszufinden, was man mit so einer Box im Auto alles messen kann.

An dieser Stelle möchte ich die Sache nicht bewerten. Ich möchte Euch vielmehr einige Informationen vorstellen, die ich im vom Anbieter unter dem von ihm bereitgestellten Account habe entnehmen können. Heute möchte ich mit Informationen über mein Fahrverhalten beginnen, die so für mich auch neu waren.
Das ursprüngliche Bild habe ich entfernt.

Die meiste Zeit fahre ich mit dem Auto in der Stadt, was mich nicht wirklich überrascht hat. Die meiste Strecke bin ich aber auf der Autobahn unterwegs. Das hätte ich so nicht gedacht, eben weil ich geführt (und von der Zeit her tatsächlich) primär in der Stadt mit dem Auto fahre. Dass ich hauptsächlich am Tage unterwegs bin, war mir auch klar. Den Anteil der Nachtstrecken hätte ich selbst etwas höher eingeschätzt.

In der nächsten Zeit werde ich von weiteren Erfahrungen mit der Telematik berichten.

Sonntag, 6. April 2014

Pay as you drive: ein unsinniges Modethema

Spricht man mit Leuten über die Zukunft der Kfz-Versicherung, taucht immer wieder mal das Stichwort "pay as you drive" auf. Die Versicherungsprämie soll sich nach dem Fahrverhalten berechnen, was gerechter sei und zu einem sichereren Verhalten im Straßenverkehr erziehe. So der Grundgedanke.

Ich persönlich halte das für ziemlichen Schwachsinn, zumal es bei uns in Deutschland mit dem System des Schadensfreiheitsrabattes da auch schon vernünftige, seit Jahren bewährte Lösungen gibt.

Warum bezeichne ich diese Idee als Schwachsinn?

Ganz einfach: in Deutschland haften wir aus Betriebsgefahr, d.h. auch ohne Verschulden kann es zu einer Schadensersatzpflicht kommen. So müssen Fahrzeughalter haften, wenn z.B. ihr Auto aufgrund eines technischen Defekts abbrennt und jemand anderem einen Schaden zufügt. Dies gilt auch dann, denn die Halter dafür persönlich nichts können, sie also überhaupt keine Schuld trifft.

Pay as you drive suggeriert, dass man für die Versicherung nur zahlen muss, wenn man das Auto tatsächlich benutzt. So ist es aber nicht, eben wegen der Haftung aus Betriebsgefahr. Daher muss die Versicherung richtigerweise auch bezahlt werden, wenn das Auto überwiegend am Straßenrand geparkt steht.

Und für eine Versicherung kann das Risiko eines versicherten Fahrzeugs nach Typen- und Regionalklasse berechnet werden. Das Risiko des Versicherungsnehmers ist auch nach seinem Schadensfreiheitsrabatt und anderen Kriterien (z.B. erhalten Eigentümer von selbst genutzten Immobilien oft einen kleinen Rabatt) einzuschätzen. Einer elektronischen Überwachung des Fahrverhaltens bedarf es da nicht. Bei "pay as you drive" handelt es ich um ein durch die technische Entwicklung bedingtes Modethema, nicht aber um eine echte Neuerung.

Den Medien entnehme ich, dass die S-Direktversicherung als erste Gesellschaft in Deutschland nun einen "pay as you drive" Tarif anbietet. Wenn man dies bei einem Direktversicherer tut, ist das ein Indiz dafür, dass die hinter der S-Direkt stehende Versicherungen aus dem Sparkassen-Bereich das Thema für sich einmal austesten möchte. Findet so ein Tarif Akzeptanz bei den Kunden? Gibt es für die anbietende Gesellschaft irgendwelche echten Vorteile? Auf die Ergebnisse bin ich mal gespannt.


Ich habe selbst knapp ein Jahr lang an einer Pilotstudie eines großen deutschen Versicherers teilgenommen. eCall und Telematik sind von Europa gesetzte Themen, an denen jeder einzelne Verbraucher nicht vorbeikommt. Eine echte gesellschaftliche Diskussion dazu fehlt bislang.

Die wünsche ich mir. Versicherungsthemen sind - auch wenn sie unter Aspekten des Datenschutzes debattiert werden - dabei nach meiner Meinung nur eine Nebensache. Dazu kommt mehr in den nächten Tagen hier im Blog.

Freitag, 1. November 2013

eCall und Telematik - wo bleibt die gesellschaftliche Diskussion?

Die Telematik-Box wird auf die Batterie
im Auto monitiert - ganz einfach.
Im August 2013 habe ich im Blog die Frage gestellt, ob wir die Notrufsäulen an unseren Autobahnen noch brauchen. Die Frage ist vor dem Hintergrund der Einführung der eCall Technik in Europa legitim.

Zum Begriff Telematik habe ich im Lexikon der Auto-Bild eine brauchbare Erklärung gefunden. Leider findet man dort unter dem Buchstaben E bislang nichts zum Thema eCall.

Aber bei Wikipedia ist eCall gut erklärt. Die entscheidende Information lautet: ab Oktober 2015 wird eCall in allen Neuwagen in Europa eingebaut.

Eigentlich zu spät, aber immerhin kommt langsam eine gesellschaftliche Debatte zum Thema zustande. So schreibt Sascha Rhode in der Deutschen Handwerks Zeitung zum Thema. Allerdings unter dem Aspekt der Kfz-Versicherer mit denkbaren pay-as-you-drive Tarifen. Man bezahlt nach diesem Modell nur für den Versicherungsschutz wenn man das Auto auch tatsächlich nutzt. An dieser Stelle möchte ich diese Idee nicht diskutieren. Nur so viel: eCall und Telematik haben echte Relevanz nicht gegenüber den Versicherungen.

Was mir fehlt ist eine Debatte um die Frage, mit welchem Recht staatliche Stellen den Bürgern vorschreiben, in ihre Fahrzeuge Geräte einzubauen, mit denen die gefahrenen Routen komplett transparent und nachvollziehbar werden. Es gibt divernse Datenschutzbeauftragte, sogar einen für Europa.

Aber wenn Daten gesammelt werden, sind sie vorhanden. Sind sie vorhanden, werden sie genutzt. Gibt es staatliche Stellen, die ein Interesse daran haben zu wissen was einzelne Bürger machen, werden sie auf die Daten zugreifen wollen. Egal wie die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen - das wird versucht werden.

Daher ist eine gesellschaftliche Diskussion zum Thema Telematik und eCall meiner Meinung nach sehr wichtig. Auch wenn es eigentlich schon zu spät ist.