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Mittwoch, 20. Mai 2015

Weselsky und der Streik der Bahnfahrer

Nicht jeder alte Zug ist schon abgefahren. Mancher wird aber nicht fahren.
Ich habe für die Zeit nach Pfingsten eine Bahnfahrt gebucht und mir dafür sogar extra eine Bahncard gekauft. Ehrlich gesagt habe ich ein massives Interesse daran, dass die Bahn dann fährt. Dies vorweg geschickt.

Die GDL hat jetzt einen Streik begonnen, dessen Ende sie nicht verrät. Die BILD sinniert darüber, wohin die Reise für den GDL-Vorsitzenden Weselsky geht und entwirft dazu diverse Szenarien. Ich halte das für Unsinn.

Interessanter finde ich den Kommentar von Michael Kröger im Spiegel. Er weist darauf hin, dass die GDL mit ihren Streiks und dem rüden Vorgehen am Prinzip rüttelt, dass alle Konfliktparteien in Deutschland sich immer irgendwie doch wieder einigen.

Damit hat er Recht. Aber dieser Konsens ist nicht von Weselsky und der GDL aufgekündigt worden. Bei der GDL handlet es sich um eine relativ kleine Gewerkschaft, die dem Deutschen Beamtenbund als Dachorganisation angehört. Es gibt diverse andere kleine Gewerkschaften und auch sehr große. Letztere sind im DGB organisiert und haben beste Verbindungen in die Politik. Dort vor allem zur SPD, der man traditionell nahe steht.

Mit dem Tarifeinheitsgesetz stärkt die Politik die Position der großen Gewerkschaften. Die SPD verteidigt das auch ganz munter. Man muss sich aber den Hintergrund angucken, der in der Morgenpost gut erklärt wird. Letzten Endes stärkt die Politik mit dem Tarifeinheitsgesetz die Positionen der großen Gewerkschaften und schwächt die kleinen.

Und nach meinem Eindruck ist es so, dass die Bahn auf Zeit spielt bei ihren Verhandlungen mit den kleinen Gewerkschaften. Der Vorwurf der GDL, dass die Bahn hier systematisch vorgehe, ist für mich nachvollziehbar.

Letzten Endes geht es für die GDL um nichts geringeres als die eigene Existenz. Kommt das Tarifeinheitsgesetz, haben die kaum mehr was zu melden. Das in Artikel 9 Grundgesetz als Grundrecht ausgestaltete Recht der Koalitionsfreiheit wird so faktisch für die Mitglieder der GDL ausgehebelt. Ehrlich gesagt verstehe ich sehr gut, dass die sich wehren. Und der Kommentar von Michael Kröger geht über diesen Punkt leider hinweg. Möglicherweise hat er ihn aber auch nicht gesehen.

Ich hoffe, dass ich nach Pfingsten mit meinem bereits gebuchten Zug werde fahren können. Noch mehr hoffe ich allerdings, dass die Politik das miese Spiel mit dem Tarifeinheitsgesetz aufgibt und die Grundrechte der Menschen - auch der Gewerkschaftsmitglieder in Nicht-DGB-Gewerkschaften - in Deutschland achtet.