Mittwoch, 9. Juni 2021

Rente mit 68? Darüber müssen wir sprechen, auch wenn die Politik es nicht will.

Berater der Bundesregierung haben sich mit der Tragfähigkeit unseres Rentensystems beschäftigt und empfehlen, das Renteneintrittsalter auf 68 anzuheben.

Die Empörung in der Politik ist groß, vor allem bei den linken Parteien. 

Olaf Scholz (SPD) spricht den Beratern ein Expertenwissen ab. Auch seine Parteichefin Saskia Esken lehnt das ab. Die Grünen und die Linkspartei sind ebenfalls dagegen. 

Und weil die Sache so unpopulär ist und vor der Bundestagswahl gar nicht gut beim Wahlvolk ankommt, hat der verantwortliche Minister Peter Altmaier (CDU) diesen Expertenvorschlag gleich wieder kassiert. Sein demonstratives Abrücken empfinde ich als Feigheit vor dem Thema.

Leider - so ist meine Meinung - steht die Bundestagswahl vor der Tür und die Politik ist auf dieses Thema nicht vorbereitet. Sie will es nicht anfassen. 

Ich meine, dass man jedoch darüber sprechen muss. Zum Thema Rente habe ich einige Gedanken, die ich Euch heute vorstellen möchte.

  • Aufgrund des Umlagesystems und der demografischen Entwicklung muss es zu erheblichen Rentenkürzungen kommen, wenn alle Möglichkeiten (bis auf die gesundheitsbedingten, z.B. bei Behinderungen) nicht vollständig abgeschafft werden. Alle beruflichen Frühaussteigerprogramme sehen auf den ersten Blick ja nett aus. Aber sie führen dazu, dass diese Menschen nicht mehr in die Sozialkassen einzahlen. Das verschärft deren Lage. Das gilt übrigens auch für die gerade zu Lasten der Rentenkasse eingeführten sozialen Wohltaten (Mütterrente, Rente mit 63).
  • Die demografische Entwicklung zwingt zudem dazu, auch das Renteneintrittsalter ins Visier zu nehmen. Hierzu gibt es eine Studie mit Empfehlung. Die politische Bewertung (Ablehnung seitens der SPD und anderer Parteien) und die Tatsache, dass das unpopulär ist, ändert ja nichts an den Tatsachen, welche dieser Empfehlung zugrundeliegen.
  • Schließlich kann man noch darüber nachdenken, alle Berufsgruppen die bisher nicht im System der gesetzlichen Rente sind, in dieses mit einzubeziehen. Das würde zwar kurzfristig zu einem erheblichen Geldzufluss führen und die Ausgabenseite stabilisieren. Aber langfristig würde das auch zu einem Anstieg der Leistungsempfänger führen, was aufgrund der demographischen Entwicklung zu neuen Problemen führt. Ohne die Einführung einer zumindest teilweisen Kapitaldeckung wird es meines Erachtens nicht gehen.
  • Beitragsbemessungsgrenze: Bis zu ihr ist das Einkommen beitragspflichtig, darüber ist es beitragsfrei. Derzeit liegt sie bei 7.100 Euro im Monat in den alten und 6.700 Euro in den neuen Bundesländern. Es gibt auch eine knappschaftlichen Rentenversicherung. Dort liegt Grenze bei 8.700 Euro in den alten und 8.250 Euro in den neuen Ländern.
    Meiner Meinung nach muss darüber nachgedacht werden, diese Grenzen anzuheben oder sie abzuschaffen. Das ist kein sehr einfaches Thema, weil für die Betroffenen höhere Rentenbeitragszahlungen auch zu höheren Rentenleistungen führen müssen. Zudem meine ich, dass die Bemessungsgrenzen für alle Formen der Altersversorgung gleich sein sollten.  
Das sage ich als jemand, der derzeit Anfang 50 ist und der von allen Nachteilen in diesem Zusammenhang unmittelbar betroffen werden wird. Aber ich möchte, dass unser System auch langfristig funktioniert. So wie es derzeit aufgestellt ist, wird es das nicht können.

Und nein, unser Rentensystem lässt sich auch nicht durch Steuerzuschüsse am Leben erhalten. Die sind nur deswegen zu rechtfertigen, weil die Politik der Rentenkasse Leistungen auferlegt hat, denen keine Einzahlungen gegenüberstanden. Die Steuern werden aber von allen Steuerzahlern aufgebracht, auch von solchen, die selbst keine Leistungen aus der Rentenkasse beziehen werden. Es bedarf einer besonderen Rechtfertigung, diese Menschen für etwas zur Kasse zu bitten, von dem sie weder direkt noch indirekt profitieren werde. Die sehe ich auf lange Dauer nicht. Zudem sind Steuerzuschüsse ein Taschenspielertrick. Denn Steuern werden letzten Endes eben auch von den Menschen erwirtschaftet und bezahlt, die in unserem Land leben. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen