Dienstag, 1. Juni 2021

Inklusion ist machbar - auch bei den French Open

Die japanische Tennisspielerin Naomi Osaka hatte angekündigt, nach einem Sieg nicht mit der Presse sprechen zu wollen. Dies hatte sie damit begründet, dass die Presse keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit von Sportlern nehme. Die Veranstalter der French Open hatten es offenbar nicht für nötig befunden zu klären, weshalb Naomi Osaka mit diesem Punkt in die Öffentlichkeit ging.

Nach ihrem letzten Sieg in Paris erschien sie nicht zur Pressekonferenz. Die Veranstalter des Grand Slam Turniers verhängten eine Vertragsstrafe in Höhe von 15.000 Dollar. Im Wiederholungsfall wäre es noch deutlich teurer geworden.

Naomi Osaka stieg deshalb ganz aus dem Turnier aus. Dies tat sie mit einem sehr mutigen Schritt, indem sie ihre eigenen Depressionen vor der Welt offenbarte. 

Depressionen sind eine Erkrankung, durch die Betroffene sehr in ihrer Lebensführung beeinträchtigt werden. Die Stigmatisierung dieser Krankheit ist weltweit ein echtes Problem. 

Weshalb war das bei den Veranstaltern der French Open nicht bekannt? Vertragsklauseln sind meiner Meinung nach sittenwidrig, wenn sie einer erkrankten Spielerin bestimmte Pflichten auferlegen, die sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht erfüllen kann. Vollends unklar ist, was mit den Fürsorgepflichten des Veranstalters eines Spitzenturniers in solchen Fällen ist. Offenbar wurden die vollends ignoriert, sonst wäre doch eine Lösung für das Thema zu finden gewesen.

Inklusion ist für den Deutschen Tennisbund (DTB) ein sehr wichtiges Thema. Auch dem Australischen Tennisverband sind Inklusion und Diversität wichtig. Bei beiden sehe ich aber nicht, dass unsichtbare Krankheiten eine Rolle spielen. Warum?

Ich habe den Eindruck, dass man bei den French Open gar nicht begriffen hat, was einer erkrankten Spielerin angetan wurde. Ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen aufwachen und dafür Sorge tragen, dass sich so etwas nie wiederholt.

Inklusion ist machbar. Inklusion ist wichtig. Denn jeder von uns kann in die Situation geraten, dass er ihrer bedarf.

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