Mittwoch, 9. September 2015

ERGO: Ausstieg aus den klassischen Lebensversicherungen

Abenddämmerung für die Lebensversicherungsbranche?
Im Juli habe ich mir Gedanken dazu gemacht, dass die Niedrigzinsphase die Branche der Lebensversicherer bedroht. Mit einer - nach Herbert Fromme - einzigartigen Radikalität trennt sich nun die ERGO vom Neugeschäft im klassischen Bereich. Künftig will man nur noch kapitalmarktnahe Produkte anbieten.

Damit wird das klassische Versicherungsgeschäft aufgegeben zugunsten von Produkten, die auch durch Banken angeboten werden. Weshalb ich als Kunde dann zu einer Versicherung gehen sollte, ist mir jedenfalls unklar.

Aus meiner Sicht ist das nichts anderes als das Eingeständnis der ERGO, dass man dort in früheren Jahren vieles wirklich falsch gemacht hat. Das betrifft nicht nur die Sex-Parties für erfolgreiche Vertriebler. Es betrifft offenbar auch den Kern des eigenen Geschäfts. Es wird in vielen großen Unternehmen so sein, dass das obere und mittlere Management findet alles toll zu machen, bis die Zahlen in den Bilanzen eine unüberhörbar deutliche Sprache sprechen. Und die Niedrigzinsphase dreht gewissen Geschäftsmodellen schlicht die Luft zum Atmen ab. Nur die seriös und zurückhaltend agierenden Lebensversicherer werden ihre Versprechen dauerhauft einlösen können, auch für neue Kunden. Ob die Lebensversicherung ein auslaufendes Geschäftsmodell ist, kann daher nicht generell gesagt sein.

In diesem negativen Befund liegt aber auch der Kern von etwas Gutem. Wenn man jetzt das Ruder herumreißt, kommt man eher wieder in offenes Fahrwasser und der Konzern kann Fahrt aufnehmen in Richtung Zukunft. Insofern finde ich den offenen Schritt, den die ERGO nunmehr geht, doch recht mutig.

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