Freitag, 27. März 2015

Wir brauchen eine Debatte darüber, ob in bestimmten Fällen Ärzte die Arbeitgeber von dem Grund einer Krankschreibung informieren müssen.

Über den Wolken - muss die Freiheit dort grenzenlos sein?
Ich gebe zu, ich bin ratlos. Der Absturzt der German Wings Maschine ist - so berichten es die Medien - auf einen Selbstmord des Copiloten zurückzuführen.

Das ist sehr schrecklich.

Heute erfahren wir, dass der Copilot am Unglückstag krankgeschrieben war. Er hat seine Krankschreibung ignoriert und ist zur Arbeit gegangen.

Der Arbeitgeber konnte von der Krankschreibung nichts wissen. Aufgrund des Arztgeheimnisses durfte der behandelnde Arzt dem Arbeitgeber nichts sagen. Im Regelfall darf der Arbeitgeber auch nicht nach dem Grund der Krankschreibung fragen. Das geht ihn im Prinzip nichts an.

Die Rechte des erkrankten Arbeitnehmers sind bei uns ein hohes Gut.

Für dieses hohe Gut sind jetzt 149 Menschen in den Tod gerissen worden.

Mir gibt das sehr zu denken. Und ich meine, wir müssen über die Regeln nachdenken, die bei der Erkrankung eines Arbeitnehmers gelten. Es gibt Berufe, in denen der Arbeitnehmer im Job die Verantwortung für das Leben vieler anderer Menschen trägt. Kann er dieser Verantwortung aufgrund seiner Erkrankung nicht gerecht werden, muss der Arbeitgeber davon etwas wissen. Denn der Arbeitgeber muss alles dafür tun um sicher zu stellen, dass die Menschen die ihm vertrauen auch sicher sind. Dazu gehört, dass er bestimmte Arbeitnehmer, die trotz Krankschreibung zum Dienst kommen, wieder nach Hause schicken kann.

Zugleich plädiere ich dafür, diese Debatte mit sehr viel Augenmaß zu führen. Der Pilot mit Suizidabsichten ist ein sehr krasses Beispiel. Leider haben wir gelernt, dass es auch ein reales Beispiel ist. Dass ein Arzt den Arbeitgeber informieren muss, muss dabei eine absolute Ausnahme bleiben. Und weil es dazu auch eines hohen gesellschaftlichen Konsenses bedarf, muss das Parlament dazu entscheiden - per Gesetz. Und in dem Gesetz müssen die Fälle, in denen eine solche Informationspflicht besteht, klar und abschließend geregelt sein.

Das Ergebnis der Debatte ist aus meiner Sicht offen. Der Schutz des Arbeitnehmers ist ein hohes Rechtsgut. Und es ist bekannt, dass es Arbeitgeber gibt, die doch etwas weit in ihrem Wissensdurst über private Angelegenheiten ihrer Angestellten gegangen sind.

Aber eben weil auch das Leben von Menschen, für die bestimmte Arbeitnehmer nun einmal verantwortlich sind, ein hohes Rechtsgut ist, müssen wir diese Debatte führen. Das sind wir den 149 Menschen schuldig, die leben und nicht sterben wollten!

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