Donnerstag, 2. Oktober 2014

BGH: zur Frage, wann ein Restwert netto und wann er brutto anzurechnen ist

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 10. September 2014 ein Urteil (Aktenzeichen IV ZR 379/13) zur Abrechnung des Totalschadens bei einem unfallbeschädigten Fahrzeug gefällt.

Danach gilt, dass bei einem vorsteuerabzugsberechtigten Geschädigten der Restwert netto anzurechnen ist. Vom Restwertgebot ist also der Umsatzsteueranteil (derzeit 19%) herauszurechnen.

Bei einem nicht zum Vorsteuerabzug berechtigten Geschädigten wird der tatsächlich erhaltene Geldbetrag angerechnet. Hier spielt, da der Geschädigte selbst keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen muß, die Steuerfrage bei der Abrechnung des Restwerts keine Rolle.

Das Urteil des BGH wurde für die Abrechnung eines Totalschadens in der Kaskoversicherung getroffen. Allerdings gilt es sinngemäß auch für die Abrechnung im Haftpflichtschaden. Hierzu empfehle ich meine Ausführung in Himmelreich/Halm, Handbuch des Fachanwalts Verkehrsrecht, 5. Auflage, Kapitel 4, Rn. 585 f.

Bei von Bietern abgegebenen oder von Kfz-Sachverständigen eingeholten Restwerten ist es wichtig darauf zu achten, ob die Gebote "inkl. Umsatzsteuer" abgegeben wurden oder nicht. Werden Restwertgebote netto abgegeben, was oft aber nicht der Fall ist, ergibt sich für die Abrechnung des Fahrzeugschadens mit der Versicherung kein Unterschied.

Der Restwert ist deswegen netto anzurechnen, weil es sich für den betroffenen gewerblichen Fahrzeugeigentümer um eine steuerbare Leistung handelt.