Donnerstag, 11. September 2014

Sozialgericht Stuttgart: Zahnimplantate werden bei gesetzlich versicherten Patienten nicht bezahlt

Das Sozialgericht Stuttgart hat am 18.02.2014 ein Urteil zum Umfang der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkasse bei Zahnersatz gefällt (Aktenzeichen 16 KR 4073/10). Danach gehören Zahnimplantate nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkasse mit der Folge, dass sie nicht durch diese zu bezahlen sind.

Das Versicherungsjournal nannte das ein Urteil ohne Biss - bissig formuliert, aber etwas polemisch. Am Recht orientiert ist das Urteil m.E. nämlich korrekt.

Grundsätzlich werden Implantate nicht bezahlt, sondern nur kostengünstigere Zahnbehandlungen. Der Kläger in dem in Stuttgart entschiedenen Fall litt an Kieferatrophie. Das rechtfertigt nach einer Entscheidung des zuständigen Gremiums im Gesundheitswesen nicht, dass Implantate doch ausnahmsweise bezahlt werden.

Mich interessiert ja erstmal, worum es genau geht. Was eigentlich ist "Kieferatrophie"? Atrophie ist Gewebs- oder Knochenschwund. Mit anderen Worten verlor der betreffende Mensch schlicht seine Zähne. Ob das jetzt auf einen natürlichen Alterungsvorgang oder z.B. mangelnde Hygiene zurück zu führen ist, entnehme ich den Pressemeldungen zu dem Urteil nicht. Hier werden die althergebrachten Behandlungsmethoden wie z.B. ein künstliches Gebiss oder eine Brücke bezahlt. Moderne, sehr teure Behandlungen wie eben Zahnimplantate nicht.

Jeder, der auch die Kostenübernahme teurer Behandlungen versichert haben möchte möchte, kann durch eine private Zusatzversicherung selbst vorsorgen. Kann man die z.B. aufgrund zu schlechter Zähne nicht abschließen, oder möchte man sich die Versicherungsbeiträge sparen, muss man teurere Behandlungen als die klassischen, die von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden, aus eigener Tasche berappen. So sind nun einmal die Regeln.

Aus politischer Sicht verstehe ich, dass der Gesetzgeber und die zuständigen Gremien hier einen Riegel vorgeschoben haben. Zahnersatz muss nicht per Implantat erfolgen, nur weil es für den Patienten im Ergebnis bequemer ist. Die Zahnärzte lassen sich Implantate sehr gut bezahlen. Würden diese Kosten stets durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen, führte das zu einer Ausgabenexplosion im Gesundheitswesen. Und das führt zu deutlich höheren Versicherungsprämien. Und die sind schon an einer Grenze angelangt, die kaum noch vertretbar ist.

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