Montag, 8. September 2014

Kfz-Haftpflicht im Ausland: an die Mindestdeckungssumme denken!

Das Portal Geldtipps weist in einem aktuellen Beitrag auf heikle Unterschiede bei den Mindestdeckungssummen in der Kfz-Haftpflichtversicherung im Ausland hin.

Die Deckungssumme ist die maximale Entschädigung, die eine Versicherung im Schadensfall leistet. Verursacht der Schädiger einen höheren Schaden, muss er ihn selbst ersetzen soweit die Deckungssumme überschritten ist. Unter der "Mindestdeckungssumme" versteht man eine Rechtsvorschrift, welche die Versicherer dazu zwingt, keine Versicherungen anzubieten, die Schäden nur bis zu einem Betrag unter dieser Summe abdecken.

In Deutschland ergeben sich die Mindestdeckungssummen der Kfz-Haftpflichtversicherung aus § 4 Abs. 2 PflVG in Verbindung mit der Anlage zu dieser Norm. Welche Mindestdeckungssummen in einzelnen ausländischen Staaten gelten, zeigt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer Übersicht.

Zur deutschen Versicherung noch ein Hinweis: die Mindestdeckungssummen vieler deutscher Kfz-Haftpflichtversicherer liegen erheblich höher als gesetzlich vorgeschrieben. Oft sind es 50 MIO € oder 100 MIO €. So hohe Schäden zu verursachen ist praktisch kaum möglich. Erkundigen sie sich bitte bei der eigenen Versicherung.

Ein Vergleich zeigt, dass die Mindestdeckungssummen im Ausland teils deutlich niedriger sind. Für Opfer eines unverschuldeten Verkehrsunfalls gibt das bei normalen Schäden (reiner Sachschaden, leichte Verletzungen) keinen Nachteil. Problematisch kann das aber für Menschen werden, die schwer verletzt werden und auf Lebenszeit auf Pflege angewiesen sind sowie infolge der Verletzung ihrer bisherigen, sehr erfolgreichen beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen können. In den deutschen Medien dreht die Berichterstattung sich meist um das Schmerzensgeld. Wirklich teuer sind aber Pflegekosten, ein eventuell erforderlicher behindertengerechter Hausumbau oder Ersatz des Verdienstausfalls.

Wird der Schaden aufgrund Überschreitens der Deckungssumme im Ausland von der Versicherung nicht mehr bezahlt, muss der Unfallgegner das aus eigener Tasche ersetzen. Hat er kein Geld, geht das Opfer leer aus. Insofern empfehle ich, vor einer Fahrt ins Ausland mit dem eigenen Kfz-Versicherer zu sprechen. Viele Assekuranzen bieten eine Auslandsschadenversicherung an, die teils auch als Schutzbrief Plus bezeichnet wird. Das deutsche Verkehrsopfer wird von der eigenen Versicherung nach deutschem Recht entschädigt, der deutsche Versicherer holt sich das Geld dann vom ausländischen Versicherer zurück. Ist die Mindestdeckungssumme überschritten, trägt der eigene Versicherer das Risiko.

Zudem empfehle ich dringend den Abschluss einer Fahrerschutzversicherung. Dies aber unabhängig davon, ob man ins Ausland fahren möchte oder nicht.

Reist man ins Ausland, aber nicht mit dem eigenen Pkw, sollte man trotzdem an das Thema Mindestdeckungssumme denken. Und zwar dann, wenn man im Ausland auch mal einen Mietwagen nehmen möchte - wie genau der versichert ist, weiß man oft nicht so recht. Die meiten deutschen Kfz-Versicherer haben in der Kfz-Haftpflicht eine so genannte Mallorca-Police eingebaut. Diese greift, wenn die Mindestdeckungssumme des Mietwagens überschritten ist. Verursacht der Reisende mit dem Mietwagen also einen Unfall mit einem sehr, sehr hohen Schaden, ist er geschützt auch wenn die Kfz-Haftpflichtversicherung des Mietwagens nichts mehr zahlen muss.

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