Sonntag, 6. April 2014

Pay as you drive: ein unsinniges Modethema

Spricht man mit Leuten über die Zukunft der Kfz-Versicherung, taucht immer wieder mal das Stichwort "pay as you drive" auf. Die Versicherungsprämie soll sich nach dem Fahrverhalten berechnen, was gerechter sei und zu einem sichereren Verhalten im Straßenverkehr erziehe. So der Grundgedanke.

Ich persönlich halte das für ziemlichen Schwachsinn, zumal es bei uns in Deutschland mit dem System des Schadensfreiheitsrabattes da auch schon vernünftige, seit Jahren bewährte Lösungen gibt.

Warum bezeichne ich diese Idee als Schwachsinn?

Ganz einfach: in Deutschland haften wir aus Betriebsgefahr, d.h. auch ohne Verschulden kann es zu einer Schadensersatzpflicht kommen. So müssen Fahrzeughalter haften, wenn z.B. ihr Auto aufgrund eines technischen Defekts abbrennt und jemand anderem einen Schaden zufügt. Dies gilt auch dann, denn die Halter dafür persönlich nichts können, sie also überhaupt keine Schuld trifft.

Pay as you drive suggeriert, dass man für die Versicherung nur zahlen muss, wenn man das Auto tatsächlich benutzt. So ist es aber nicht, eben wegen der Haftung aus Betriebsgefahr. Daher muss die Versicherung richtigerweise auch bezahlt werden, wenn das Auto überwiegend am Straßenrand geparkt steht.

Und für eine Versicherung kann das Risiko eines versicherten Fahrzeugs nach Typen- und Regionalklasse berechnet werden. Das Risiko des Versicherungsnehmers ist auch nach seinem Schadensfreiheitsrabatt und anderen Kriterien (z.B. erhalten Eigentümer von selbst genutzten Immobilien oft einen kleinen Rabatt) einzuschätzen. Einer elektronischen Überwachung des Fahrverhaltens bedarf es da nicht. Bei "pay as you drive" handelt es ich um ein durch die technische Entwicklung bedingtes Modethema, nicht aber um eine echte Neuerung.

Den Medien entnehme ich, dass die S-Direktversicherung als erste Gesellschaft in Deutschland nun einen "pay as you drive" Tarif anbietet. Wenn man dies bei einem Direktversicherer tut, ist das ein Indiz dafür, dass die hinter der S-Direkt stehende Versicherungen aus dem Sparkassen-Bereich das Thema für sich einmal austesten möchte. Findet so ein Tarif Akzeptanz bei den Kunden? Gibt es für die anbietende Gesellschaft irgendwelche echten Vorteile? Auf die Ergebnisse bin ich mal gespannt.


Ich habe selbst knapp ein Jahr lang an einer Pilotstudie eines großen deutschen Versicherers teilgenommen. eCall und Telematik sind von Europa gesetzte Themen, an denen jeder einzelne Verbraucher nicht vorbeikommt. Eine echte gesellschaftliche Diskussion dazu fehlt bislang.

Die wünsche ich mir. Versicherungsthemen sind - auch wenn sie unter Aspekten des Datenschutzes debattiert werden - dabei nach meiner Meinung nur eine Nebensache. Dazu kommt mehr in den nächten Tagen hier im Blog.

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