Samstag, 25. Januar 2014

ADAC, sein Präsident und ein Hubschrauberflug - lasst die Kirche mal im Dorf!

Der ADAC ist momentan stark in der öffentlichen Kritik und unter Druck.

Aufhänger sind Manipulationen beim Preis "Gelber Engel". Deren Bekanntwerden hat zu einer Vertrauenskrise für den Verein geführt. Die TAZ kommentierte die Manipulationen eindeutig und veröffentlichte sogar ein Muster-Kündigungsschreiben für Vereinsmitglieder.

Dann wurde bekannt, dass das Amtsgericht München den Status des ADAC als Verein prüft. Hintergrund sind die erheblichen wirtschaftlichen Aktivitäten, die der mit 19 Millionen Mitgliedern wohl größte Verein in Deutschland betreibt.

Das alles stärkt nicht gerade das Vertrauen in den Verein und seine Gesellschaften. Spiegel Online spricht von einem "unheimlichen Verein" - angesichts seiner Größe eine für mich nachvollziehbare Beschreibung des ADAC. Schon früher wurde der ADAC als Verkaufshelfer der Autoindustrie beschrieben.

Aus meiner Sicht sind beides sehr wichtige Punkte, denen der ADAC sich stellen muss. Peter Meyer, der Präsident des Clubs, wandte sich mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit. Nach meiner Einschätzung ist es ein langer Weg, bis der ADAC das verloren gegangene Vertrauen zurück gewinnen kann.

Ich finde, es gibt viele Punkte, die man beim ADAC kritisch sehen darf und vielleicht auch muss. Durchaus auch noch andere Punkte als die, über die derzeit gesprochen wird. Aber ich finde auch, dass alles sein Maß hat. Und das ist aus meiner Sicht mit dem dritten Punkt überschritten.

Jetzt regt alle Welt sich darüber auf, dass der Präsident einen ADAC-Rettungshubschrauber für dienstliche Reisen nutzte. In den Medien gibt es dazu viele Berichte, ich verweise nur auf den relativ sachlichen Beitrag bei Autohaus.

Der ADAC ist eine sehr breit aufgestellte Organisation mit vielen Unterfirmen. Die Hubschrauber werden von einer eigenen Gesellschaft betrieben, der ADAC Luftrettung gGmbH. Derzeit sind 49 Hubschrauber im Einsatz, die ca. 49.000 Rettungseinsätze im Jahr fliegen. Das ergibt sich aus den vom ADAC veröffentlichten Zahlen.

Die Hubschrauber sind nicht 24 Stunden im Einsatz. Es müssen bei so einer Flotte immer welche vorgehalten werden für den Fall, dass ein Hubschrauber kaputt geht oder gewartet werden muss. Auch wird Personal vorgehalten, und zwar genügend dass man auch Ausfälle durch Krankheiten etc. auffangen kann.

In den Medien wurde berichtet, dass die Flüge durch den Verein ADAC an seine Tochtergesellschaft bezahlt worden sind. Ehrlich gesagt finde ich es nicht zu beanstanden, dass die Luftrettung gGmbH Überkapazitäten nutzt um ihre Hubschrauberflotte durch bezahlte Flüge zu finanzieren. Und wenn es die Vereinsstatuten erlauben, dass der Präsident des größten Verkehrsclubs in Deutschland auch den Hubschrauber nutzt, finde ich es nicht zu beanstanden, wenn er dies in - soweit ich es der Presse entnehme - doch verhältnismäßig geringem Umfang auch tut. Ob die Statuten so was erlauben sollten, ist da eine zweite Frage. Die sollen aber bitte die Mitglieder des ADAC intern klären.

Nach meiner Meinung haben die Berichte zu dem Thema doch mehr von Stimmungsmache zum Thema ADAC als von kritischer Berichterstattung. Und das finde ich schade. Hier denke ich, dass man bei den bekannten Fakten doch mal die Kirche im Dorf lassen soll. Manipulationen beim Gelben Engel finde ich schlimm - die Flüge mit dem Hubschrauber nicht.

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