Dienstag, 10. Dezember 2013

Lebensversicherung und der Zeitgeist


Am letzten Sonntag stand in der Welt ein Artikel von Holger Zschäpitz mit der Überschrift So erkennen Sie, was die Lebensversicherung taugt.

Aufhänger war eine Ankündigung der des Marktführers, die ihre Garantieverzinsung stabil hält. Eine andere hatte ihre Garantieverzinsung zuvor gesenkt, und zwar vor der Stabilitätsankündigung des Marktführers. Dieser Versicherung wurde dann - welch journalistische Meisterleistung - nachgesagt, sie habe den Zeitgeist nicht erkannt.

Was soll man davon halten? Ich kann da nur meine ganz private Meinung sagen.

Vorab dies: neben der Garantieverzinsung werden Kunden an erwirtschafteten Überschüssen beteiligt. Diese Überschussbeteiligung erst macht die Lebensversicherung zu einem wirklich attraktiven Produkt für die Altersvorsorge. Man darf daher bei der Beurteilung einer Lebensversicherung nie nur den Blick auf den Garantiezins werfen, sondern muss immer auch die Überschussbeteiligungen sehen. Und hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.

Man muss klar sagen, dass die aktuelle Garantieverzinsung das jeweilige Neugeschäft betrifft. Ältere Verträge haben eine höhere Garantieverzinsung. Durch die Absenkung der Garantieverzinsung macht eine Lebensversicherung sich dem ersten Anschein nach unattraktiver für das Neugeschäft. Blickt man hinter die Kulissen, so stärkt die Absenkung allerdings mein Vertrauen in die Gesellschaft. Ich möchte erklären, warum ich das so sehe.

Derzeit kann für Gelder am Kapitalmarkt kaum eine Verzinsung erzielt werden. Eine Verzinsung über 2% ist für sichere Geldanlagen wie z.B. deutsche Staatspapiere nicht zu bekommen. Für die Versicherer sieht § 54 VAG strikte Regeln vor, wie Geld angelegt werden darf. Die Anlageverordnung präzisiert die Regeln.

Die Regeln besagen, dass Anlagen vorwiegend in Formen wie europäischen Staatspapieren getätigt werden müssen. Dort bekommt man bei den Staaten mit guter Bonität wie Deutschland nur marginale Zinsen. Bei den Staaten mit schlechter Bonität bekommt man bessere Zinsen. Es kann aber wie in Griechenland sein, dass es zu einem Schuldenschnitt kommen muss. Dann sind die angelegten Kundengelder weg. Das ist auch nicht gut.

Für den überwiegenden Teil ihres Anlagekapitals bekommen die Lebensversicherer also keine Verzinsung, aus der der Garantiezins bezahlt oder eine Überschussbeteiligung erwirtschaftet werden könnte.

Bleibt die Quote an Kapitalanlagen, die in Aktien, Immobilien und anderen Formen getätigt werden kann. Aktien sind unverzichtbar, aber seit dem Fall der Mannheimer Leben sind die Versicherer hier extrem vorsichtig geworden. Da sich so ein Fall nicht wiederholen soll, ist die Aktienquote im Portfolio nicht zu hoch.

Die Rendite, aus der der Garantiezins letzten Endes bezahlt wird, muss sich also aus Immobilien und anderen Anlageformen erwirtschaften. Die Welt berichtet, dass der Marktführer seine Verzinsung wohl deshalb stabil halten kann, weil sie hier ein gutes Händchen hat. Ich kann da nur sagen: Respekt, wenn dem so ist.

Die allermeisten Lebensversicherer haben aber nicht die Größe des Marktführers. Kleinere Versicherer müssen dagegen an die Reserven, um im Neugeschäft noch mithalten zu können. Das muss man einfach sehen.

Im derzeitigen Niedrigzins-Umfeld haben Lebensversicherungen zwei Möglichkeiten für den im Verkauf nicht unwichtigen Marketingfaktor Garantiezins:
  • Sie halten ihren Zins ebenfalls stabil oder liegen sogar leicht über dem Marktführer, um sich so für das Neugeschäft attraktiv zu machen.
  • Sie machen sich bewusst weniger attraktiv für das Neugeschäft und senken den Garantiezins.

Ein etwas kleinerer Versicherer sich ersichtlich für den letzteren Weg entschieden. Und das finde ich aus folgendem Grund gut.

Bestandskunden haben eine höhere Garantieverzinsung. Und auch für die müssen Überschussbeteiligungen ausgewiesen werden, denn auch mit ihren Versicherungsbeiträgen werden die Überschüsse erwirtschaftet.

Setzt man beim derzeitigen Markt den Zins als kleinere Gesellschaft nicht auf ein realistisches Maß herab, muss man den Garantiezins für das Neugeschäft aus den Überschüssen bezahlen, die eigentlich den Kunden schon lang bestehender Verträge zustehen. Das schmälert die Rendite der Altkunden.

Für mich ist die Entscheidung, die Garantieverzinsung zu senken, eine klare Botschaft des Vertrauens: Altkunden sind hier sicher. Ihre Ansprüche werden nicht angetastet, um optisch im Neugeschäft besser dazustehen.

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