Mittwoch, 4. Dezember 2013

Beamte: Tippgeber in der Versicherungswirtschaft oder Versicherungsagentur während der Dienstzeit?

Das Handelsblatt brachte zwei interessante Berichte über den Versicherungsvertrieb in der Beamtenschaft.

Zwei namentlich genannte Konzerne (Bericht vom 26.11.2013 und vom 02.12.2013) haben sich traditionell auf die Beamtenschaft als Kundenklientel konzentiert.

Das Handelsblatt möchte wohl weiter recherchieren. Man ruft die Leser dazu auf, Insiderinformationen direkt dorthin zu berichten.

Es ist wohl legal, wenn Beamte einem Versicherungsvermittler einen Hinweis auf einen möglichen neuen Kunden geben, und für diesen Tipp eine Vergütung erhalten. Ob es mit dem Beamtenrecht zu vereinbaren ist, wenn während der (vom Steuerzahler bezahlten) Dienstzeit eine Versicherungsagentur mit bis zu 1.000 Kunden betrieben wird, steht für mich da auf einem anderen Blatt. Ich persönlich finde, das müsste man schon trennen.

Insofern finde ich, dass das Handelsblatt hier schon die richtigen Fragen stellt. Man muss sich auch die Gelder und Geschäftspraktiken ansehen, um die es dabei geht. Die FAZ spricht von illegalem Datenhandel. Der Focus berichtet von bis zu 100 Millionen €, die an mehr als 10.000 Beamte geflossen sein sollen. Nach dem Stern sollen einzelne Beamte hunderdtausende Euro für Maklerdienste erhalten haben. Das ist schon eine Menge.

Die Debeka als einer der betroffenen Gesellschaften widerspricht dem Vorwurf jedoch. Deren Vertriebspraxis stehe in Einklang mit den geltenden gesetzlichen Regeln. Man spricht von Tippgeldern zwischen 0 € und 15 €, was ich persönlich von der Höhe her nicht so dramatisch finde.

Mein Problem ist dabei nicht, dass Versicherungen Vermittlern Provisionen zahlen. So funktioniert der Vertrieb (nicht nur bei Versicherern) nun einmal. Mein Problem ist, dass Beamte aus Steuergeldern entlohnt und eine sehr gesicherte Existenz haben. Das im Gegensatz zur breiten steuerzahlenden Masse der Menschen hierzulande. Ich finde es dann nicht richtig, wenn während der Dienstzeit Nebengewerbe betrieben werden können.

Aus meiner Sicht liegt das Problem nicht bei den in den Medien genannten Versicherungen. Das eigentliche Problem liegt in der Beamtenschaft. Die Dienstherren sind aufgerufen, das zu unterbinden.

Die von der Debeka genannten Provisionen vermögen nicht  die von Focus und Stern genannten Zahlen zu erklären. Dafür sind Tippgelder von maximal 15 € zu niedrig. Mein Mißtrauen richtet sich dabei allerdings durchaus auch gegen die Journalisten, deren Zahlen ich nicht nachvollziehen kann.

Ich hoffe, dass hier noch weitere Aufklärung erfolgen wird.

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