Sonntag, 3. November 2013

Wo kann man noch ohne Tempolimit fahren?

Das natürliche Limit jeden Tempos:
andere Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn
Im Rahmen der Bundestagswahl kam mal wieder die Debatte um ein Tempolimit auf den Autobahnen auf.

Die SPD ruderte aber schnell zurück. Und ich denke, im Gegensatz zur Pkw-Maut wird es da auch keine Überraschungen für die Bürger in der nächsten Legislaturperiode geben.

Wie komme ich darauf? Die Limits können ja verhängt werden. Die zuständigen Behörden verhängen es mit wechselnden Begründungen: Sicherheit wg. Straßenschäden oder hoher Unfalllträchtigkeit, Baustellen (das geht meist vorüber) oder Lärmschutz.

Zudem haben wir eine hohe Verkehrsdichte. Wer Wert darauf legt, mit 300 km/h über die Autobahn brettern zu können, hat allzuoft Pech. Andere Verkehrsteilnehmer blockieren die Straße.

Aber wie sehen die Zahlen aus? Es gibt eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen aus dem Jahr 2010. Danach haben wir ein Netz von Bundesautobahnen mit einer Gesamtlänge von 25.240 km. Davon seien 16.527 km ohne Limit, das entspricht in etwa 65%. Danach müsste ein Großteil der Fahrtstrecken auf unseren Autobahnen in der Tat unlimitiert sein. Mein persönlicher Eindruck als Autofahrer ist, dass diese Zahlen nicht stimmen können. Ich bin da aber sehr subjektiv, während man der Erhebung schon das Bemühen entnehmen kann, ein belastbares Zahlenmaterial zusammenzustellen.

Vom Journalisten Stefan Anker gibt es aktuell auf Welt-Online einen sehr interessanten Bericht zu lesen. Er wertete nicht nur die Statistiken aus, sondern er sprach mit verschiedenen Leuten und machte einen Selbstversuch. Am interessantesten fand ich, dass er bei einem namhaften Hersteller von Navigationssystemen nachgefragt hat. Danach seien ca. 50% des Autobahnnetzes unlimitiert. Seine Erfahrungen scheinen dies zu bestätigen.

Ich sehe es so: wenn dort Tempolimits verhängt werden, wo Unfallzahlen, Baustellen oder Lärmschutzfragen es gebieten, finde ich das in Ordnung. Aber ansonsten empfinde ich das als staatliche Gängelei, und die finde ich grundsätzlich nicht in Ordnung.

Allerdings bin ich auch in den USA mal Auto gefahren, und auf deren Highways ist man mit 55 oder 65 Meilen pro Stunde extrem entspannt unterwegs. Für mich selbst hat das zur Folge, dass ich auf längeren Strecken bei uns meist mit 120 oder 130 km/h unterwegs bin - und sehr entspannt ankomme. Aber manchmal ist es auf völlig leeren Straßen auch gut, auf die Tube drücken zu können. Meist aber ist das schon aufgrund der Verkehrsdichte nicht möglich.

Wozu dann also noch ein Limit? Einen Sinn sehe ich: wenn man das Limit auf 130 km/h festlegen würde, könnten eine Menge Temposchilder vom Straßenrand verschwinden. Die Autobahnen müssten alle so ausgelegt sein (auch vom Bauzustand und  den Lärmschutzmaßnahmen her), dass Limits auf 80 km/h oder 100 km/h nicht mehr vorkommen. Und diese Limit-Schildzusätze "bei Nässe" müssten auch verschwinden - die verwirren doch nur.

Wenn man überall mit 130 km/h unterwegs sein darf, akzeptiere ich ein generelles Limit. Aber dazu muss auch etwas zur Entwirrung der Regelungssituation tun, sonst bleibt nur die Gängelei der Bürger. Und die mag ich nicht.

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