Dienstag, 26. November 2013

Unterrichtsfach Versicherungen und Alterssicherung?

Im Handelsblatt vom 20.11.2013 fand ich einen interessanten Beitrag von Axel Kleinlein. Er kritisiert, dass Schüler in Deutschland nichts zum Thema Risiko- und Altersvorsorge lernen. Aber er findet es auch nicht gut, wenn Vertriebler in die Schulen gehen und die Schüler hinterher die Marketingsprüche eines Strukturvertriebs verinnerlicht haben.

Wo liegt das Problem? Es ist ein Unterschied, fachliches Wissen vermittelt zu bekommen oder Verkaufsargumente für ein Produkt. Zu meiner Person ist Anfang diesen Jahres (mit leicht kritischem Unterton) angemerkt worden, dass ich einige Jahre an der Hochschule Rhein Main unterrichtet und dort Nachwuchs für die Versicherungswirtschaft mit ausgebildet habe. In der Rückschau muss ich sagen, dass ich das sehr gerne gemacht habe. Und ich würde so einen Lehrauftrag wohl auch erneut annehmen, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Mir konnte aber niemand nachsagen, dass ich einseitige Sichtweisen vermittelt hätte. Ein Student beschwerte sich in der Evaluation mal, ich unterrichte "zu viel Recht". Mit der Kritik konnte ich gut leben, beim Unterrichtsfach Versicherungsrecht lässt sich das nun einmal nicht vermeiden. Und Marketingsprüche gab es keine.

Axel Kleinlein schildert folgendes Resultat des vertrieblich geprägten Schulunterrichts:
Die lernbegierige Schülerin berichtet darin über eine fiktive Zwiesprache mit ihrem eigenen Ich in mehreren Jahrzehnten. Dieses zukünftige Ich würde der heute jungen Schülerin den Rat geben, gefälligst private Altersvorsorge zu betreiben. 
 Und das ist ein Ergebnis, das zu Recht kritisiert wird. Diese Schülerin hat eine Verkaufsmasche verinnertlicht und nicht wirklich das Thema, um das es geht. Das finde ich schade.

Kleinlein merkt an, dass die beste Altersvorsorge immer noch eine vernünftige Bildung ist. Das sehe ich genau so. Wer gut ausgebildet ist, hat eine Chance. Nämlich die Chance, künftig von der eigenen Hände Arbeit gut leben zu können. Und nur wer das kann, hat wirtschaftlich die Möglichkeit eine private Altersvorsorge zu betreiben.

Dennoch finde ich es gut, dass Leute aus der Versicherungswirtschaft an Schulen unterrichten. Es ist notwendig, Schülern die für sie wichtigsten Dinge nahe zu bringen und zu erklären. Was ist eine private Haftpflichtversicherung? Die Krankenversicherung, ob gesetzlich oder privat, ist auch sehr wichtig. Wenn Schüler einen Führerschein haben, sollte man mit ihnen ausführlich über die Kfz-Versicherung sprechen. Aufzeigen, welche wichtigsten Produkte (Kfz-Haftpflicht, Kasko, Schutzbrief und Fahrerschutz) es gibt. Vermitteln, wie man sich bei einem Schaden verhalten soll. Deutlich machen, welche Konsequenzen z.B.  eine Unfallflucht haben kann. Und so weiter und so fort.

Die schulische Bildung ist Ländersache. Ich finde, es sollte in jedem Land Pläne zum Thema geben. Inhaltliche Vorgaben, was als Lehrstoff zu behandeln ist. Bei der Entwicklung solcher Pläne sollte die Versicherungswirtschaft eingebunden sein. Aber wichtig finde ich auch, dass Experten aus Verbraucherschutzorganisationen wie dem Bund der Versicherten oder für die Kfz-Versicherung dem ADAC mitwirken. Das Fachwissen muss im Vordergrund stehen. Es darf nicht darum gehen, berufliche Sichtweisen der bestehenden Verkehrskreise zu vermitteln. Und Marketingsprüche zu vermitteln, das geht schon mal gar nicht!

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