Montag, 2. September 2013

Winterreifen im Sommer: erlaubt!

Kürzlich bin ich beruflich unterwegs gewesen. Mit dem Auto. Ich fuhr durch den Freistaat Bayern. Da höre ich gerne Antenne Bayern.

Da kam ein Bericht über die Nutzung von Winterreifen im Sommer. Hintergrund sind Meldungen in der Presse, nach denen man Winterreifen im Sommer nicht nutzen soll, da sie die Bremseigenschaften des Autos drastisch verschlechtern. Darauf hat wohl der ADAC hingewiesen.

Der Reporter meinte aber, wenn man im Sommer mit Winterreifen fährt, würde die Versicherung nicht zahlen wenn es kracht.

Das ist nicht richtig!

Es gibt keine Rechtsvorschrift die es verbietet, im Sommer mit Winterreifen zu fahren. Die Straßenverkehrsordnung kennt in § 2 Abs. 3a StVO nur eine Pflicht zu wintertauglicher Bereifung bei entsprechenden Witterungsbedingungen.

Der Reporter hat das wohl mit Versicherungs-Problemen vermengt, die auftauchen können, wenn - entgegen der Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung - Leute bei Winterreifenpflicht mit Sommerreifen fahren. Hier hat mein Arbeitgeber in seinem Versicherungsblog klargestellt, was richtig ist: in Haftpflicht hat der Opferschutz Vorrang - ein Geschädigter erhält seine Entschädigung, auch wenn im Rechtsverhältnis zwischen Schädiger und dessen Kfz-Haftpflichtversicherer etwas nicht in Ordnung sein sollte.

Eine Unfallverursachung wegen Sommerreifen bei Winterreifenpflicht würde man als grob fahrlässige Herbeiführung des Schadensfalls ansehen. Die ist aber in der Haftpflichtversicherung - bei der es um Ansprüche eines Dritten geht - ganz klar mit versichert. Für den Versicherungsnehmer wäre das also auch unschädlich.

Wenn der Kunde permanent mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, wäre die rechtliche Beurteilung anders. Darum geht es mir heute aber nicht. Es geht nur um falsche Bereifung, aber mit ausreichend Profil.

Anders sieht es bei der Sachversicherung für das eigene Auto aus, die Kasko. Hier ist grobe Fahrlässigkeit in der Tat ein Grund, die Leistung zu kürzen. Voraussetzung ist aber, daß die falsche Bereifung ursächlich für den Unfall war.

Falsch ist es aufgrund der entsprechenden Vorschrift, bei bestehender Winterreifenpflicht mit Sommerreifen unterwegs zu sein. In den meisten Fahrzeugversicherungen verzichten die Versicherer jedoch auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, so daß das für den Kunden praktisch unschädlich wäre.

Dies gilt nicht für die billigeren Verträge die sich "Basis-Tarif" oder "Classic" oder so nennen - hier kann grobe Fahrlässigkeit eine Rolle spielen, dafür zahlen die Kunden dann aber auch weniger Prämie. Ich schätze, daß dies eine einstellige Prozentzahl der Kasko-Versicherungskunden betrifft. Jenes "preisbewusste" Kundenklientel, dem nichts zu billig sein kann.

Es ist aber auch für diese Kunden nicht von Nachteil in der Kaskoversicherung, wenn sie im Sommer mit Winterreifen unterwegs sind. Da es für die warme Jahreszeit eine "Sommerreifenpflicht" nicht gibt, ist es nicht "falsch" im Sommer mit Winterreifen unterwegs zu sein. Es ist vielleicht nicht gut und vielleicht auch gefährlich - aber es ist nicht falsch im Sinne unserer Rechtsordnung.

Wen auch immer der Journalist von Antenne vor seiner Sendung um Rat gefragt hat - dieser Rat war nicht richtig. Ich möchte ihm aber schon ein Kompliment machen, daß er so ein Thema überhaupt in seine Sendung genommen hat. Das ist nämlich für Millionen von Autofahrern sehr wichtig.