Sonntag, 8. September 2013

Die Lüge vom Spritverbrauch

Im Beitrag von gestern hatte ich bereits auf das Thema der Autos und ihres Spritverbrauchs aufmerksam gemacht. Eine Pressemeldung des Verbands der Autoindustrie dazu ist nicht bekannt.

Ich möchte das Thema heute fortführen.

Die Forschungsorganisation International Council of Clean Transportation (ICCT) hat mehr als 500.000 Fahrzeugdaten in Europa analysiert. Diese Studie wurde von ICCT auf seiner Seite veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE hat mit Peter Mock gesprochen, dem Geschäftsführer von ICCT in Europa. Das Maganzin zitiert ihn so: "Sämtliche Datenquellen bestätigen, dass die Lücke zwischen dem von Herstellern veröffentlichten Kraftstoffverbrauch und dem tatsächlich vom Kunden erfahrenden Verbrauch seit Jahren zunimmt."

Nach Angaben von SPIEGEL ONLINE werden diese Ergebnisse von Informationen bestätigt, die Angebote wie Spritmonitor aus den von den Nutzern gemeldeten Verbrauchsdaten gewinnen konnten.

SPIEGEL ONLINE erklärte schon 2011, wie diese Diskrepanz zustande kommt. Die Hersteller machen schon echte Verbrauchstests. Allerdings sind die Testkriterien so, dass eine Verbrauchsoptimierung erlaubt ist. Es werden Leichtlaufreifen verwendet, spezielle Schmiermittel und sogar alle Spalten die als Windfänger den Verbrauch erhöhen dürfen abgeklebt werden.

Der Jurist in mir denkt natürlich gleich darüber nach, ob hier nicht ein Sachmangel vorliegt.

Um deutlich zu machen wie ich das meine, zitiere ich mal die entscheidenden Passagen aus § 434 BGB:
(1) Die Sache ist frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat. Soweit die Beschaffenheit nicht vereinbart ist, ist die Sache frei von Sachmängeln,
1. ...
2. wenn sie ... eine Beschaffenheit aufweist, ... die der Käufer ... erwarten kann. Zu der Beschaffenheit nach Satz 2 Nr. 2 gehören auch Eigenschaften, die der Käufer nach den öffentlichen Äußerungen des ... Herstellers ... insbesondere in der Werbung ... erwarten kann ...
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass hier ein Verkäufer mit Ansprüchen wegen zu hohem Benzinverbrauch gute Chancen haben könnte. Aber wenn die Hersteller ihre Testergebnisse legal optimieren dürfen (siehe oben) und sie diese legal zustandegekommenen Testergebnisse dann öffentlich (z.B. in der Werbung) kund tun, kann man ihnen daraus keinen Strick drehen. Was sich im Gesetz so schön liest, entpuppt sich so als legale Verarschung der Verbraucher.

Meiner Meinung ist nicht die Herstellung des Autos das Problem, wenn diese im normalen Betrieb einen hohen Verbrauch haben. Meiner Meinung nach sind die legalen Testkriterien das Problem. So lange Verbrauchsangaben nicht nicht mit ganz normalen Fahrten im Stadt- und Fernverkehr im nicht optimierten Serienmodell ermittelt werden, kann man denen nur bedingt glauben.

Ein gutes hat die ungewollte Pressearbeit für den VDA, die SPIEGEL ONLINE erledigt hat: ich weiß jetzt, daß ich noch mal 25% auf die Verbrauchsangaben eines Hersteller aufschlagen muss, um eine realistische Information zu haben.

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