Donnerstag, 5. September 2013

Auskunft der Deutschen Rentenversicherung Bund: die Lüge von der sicheren Rente

Erinnert Ihr Euch an den ach so lustigen Bundesminister, der in den 80er Jahren mit dem Spruch "Die Rente ist sicher" Wahlkampf machte? Der tauchte nach Beendigung seines Amtes ab und an als lustiger Mensch im Fernsehen auf.

Schaue ich mir das System der gesetzlichen Rente an, bleibt mir das Lachen inzwischen im Halse stecken. Vorgestern erreichte mich die Auskunft der gesetzlichen Rentenversicherung Bund. Ich habe die Zahlen mal etwas für diesen Blog aufbereitet:


Die Zahlen sind natürlich fiktiv.  Da ich studiert habe, begann ich erst relativ spät mit Einzahlungen ins Rentensystem. Das gebe ich zu. Daher schaue ich für mich mal nicht auf die absoluten Werte, sondern auf relative Werte.

Für die Auskunft 2009 ging ich dabei der Einfachkeit halber mal von 100 als Bezugsgröße aus. 100 € eingezahlt, 100% Entgeltpunkte, 100 € erworbener Rentenanspruch, 100 € Rentenanspruch wenn weiter so eingezahlt wird wie bisher.

Natürlich ist es nicht so. Die Rente wenn weiter so eingezahlt wird, ist bei einem Arbeitnehmer mit 40 Jahren deutlich höher als der bereits aus den Einzahlungen erworbene Rentenanspruch. Aber mir geht es ja nur darum die Bezugsgröße zu verdeutlichen.

Also: in 2011 hatte ich 26% mehr Kohle in die Rentenkasse abgeführt als in 2009. In 2013 waren das sogar 53% mehr als in 2009. Die Beiträge werden in Entgeltpunkte umgewandelt, eine Berechnungsgröße mit 4 Nachkommastellen. Ihr könnt es alle in Euren eigenen Renteninformationen nachlesen. Rechnet Eure Zahlen am besten selbst alle nach.

So weit, so gut könnte man sagen. Aber im Bescheid ist doch eine Menge Augenwischerei.

Rechnet mal Eure Werte nach. Ausgehend vom Jahr meines Eintritts in den Kreis der Rentenversicherungszahler werde ich bis zum Rentenbeginn nach obigen fiktiven Werten 374 € einbezahlt haben. So, jetzt rechnet mal aus, was Ihr rausbekommt, wenn Ihr 374 € in Eurer gesamten Arbeitszeit im Leben in ein berufsständisches Versorgungswerk oder eine private Rentenversicherung einbezahlt. Das ist deutlich mehr als die Rentenzusage, welche von der gesetzlichen Rente kommt.

Die Diskrepanz zwischen "Rente nach heutiger Einzahlung" und "Rente wenn künftig so weiter eingezahlt wird" verstehe ich übrigens. Der erste Wert ergibt sich aus den heute erworbenen Anwartschaften. Der zweite Wert berücksichtigt, dass es in Zukunft in der Bevölkerung in Prozent weit weniger  Einzahler geben wird als heute, dafür mehr Bezieher. Und wir haben doch ein umlagenfinanziertes Rentensystem. Gehe ich in Rente, wird es weit weniger Menschen geben die in die Rentenkasse einzahlen als heute, dafür mehr Leute die Geld bekommen. Und die Einzahler werden nicht so hohe Rentenleistungen finanzieren können

Und noch etwas: die von der Rente mitgeteilten Zahlen sind Eurobeträge mit der Kaufkraft von heute. Ausgehend von den Inflationsraten der vergangenen Jahrzehnte müsst Ihr davon ausgehen, dass in ca. 33 Jahren nur noch 1/3 der Kaufkraft übrig ist. Damit bleiben von meinen Einzahlungen kaum noch Euros übrig.

Eigentlich ist alles für den Arsch. Die heutige gesetzliche Rente? Das ist ein Weg in die Alterarmut. Auch für Leute, die weit über dem Durchschnitt verdienen.

So, jetzt komme ich noch mal auf den ach so lustigen Ex-Minister zu sprechen. "Die Rente ist sicher" - seine ist es ganz gewiß. In den 80er Jahren hätte man bereits vom reinen Umlagesystem langsam auf eine Kapitaldeckung umstellen müssen. Das hat man nicht, nachdem die DDR-Rentner aufgrund der Wiedervereinigung mit ins Rentensystem reingenommen hat, schien das der Politik auch nicht mehr finanzierbar. Also "weiter so" - ein anderer CDU-Slogan aus den 80er Jahren. Allerdings gelebt durchaus auch von der SPD, die zwischendurch mal an der Macht war.

Immerhin macht die Rentenversicherung Bund in ihrer Auskunft 2013 die Einschränkung, dass wir Arbeitnehmer vorsichtig sein sollten. "Gesetzliche Änderungen" (d.h. politische Entscheidungen in Gesetzesform gegossen) haben Auswirkungen auf die Rente.

Na, da werde ich mir auch mal anschauen, was die Parteien zur Bundestagswahl zum Thema zu sagen haben.
Führen sie uns in Altersarmut, streuen sie uns Sand in die Augen - oder zeigen sie Perspektiven auf, wie unser Solidarsystem die heutigen Einzahler ins System nicht zu den Verlierern stempelt, die sie heute sind?

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