Dienstag, 20. August 2013

Schwan... äh... Schwein gehabt!

Ende Februar gab es mal was neues. Auf dem Blog meines verehrten Brötchengebers kam mein erster Beitrag zu einem Schadenthema. Kollision des Autos mit einem Schwan - welche Versicherung zahlt?

Wie kam ich auf das Thema?

Im November 2012 hörte ich im Radio eine Verkehrswarnung. Bei Frankfurt befinde sich ein Schwan auf der Autobahn. Die Autofahrer sollten aufpassen, damit es zu keinen Unfällen kommt. Sowas kommt öfters vor, dachte ich mir. An eine Meldung vom Tag der Deutschen Einheit konnte ich mich noch gut erinnern. Damals sorgte ein verletzter Schwan auf der A1 bei Hamburg für Verkehrschaos. In beiden Fällen konnte der Schwan aber eingefangen und gerettet werden.

Diese Geschichten gehen nicht immer ganz so gut aus. Im Sommer gab es einen Bericht aus Sachsen. Bei Leipzig auf der A 38 landete ein Schwan auf der Fahrbahn. Ein Pkw und ein nachfolgender Rettungswagen bremsten. Ein dahinter fahrendes weiteres Auto konnte nicht mehr rechtzeitig anhalten und fuhr auf den Rettungswagen auf. Ein Sachschaden von 6.000 € wurde gemeldet, Fahrer und Beifahrer des Rettungswagens wurden sogar verletzt. Das der Schwan in Sachsen unverletzt davonflog, ist aber zumindest ein Lichtblick in der Geschichte.

Meist geht es aber glimpflich aus mit den Schwänen auf der Autobahn. Sehr schön finde ich das Beispiel eines Schwans, der auf der A 255 bei Hamburg spazieren ging. Ein Lkw-Fahrer hielt an und rief die Polizei. Diese sperrte die Autobahn, und das Tier wurde eingefangen. Es war wohl verletzt, die medizinische Betreuung wurde gesichert.

Was aber passiert, wenn so ein Tier mit meinem Auto kollidiert? Für das Tier geht so etwas nie gut aus. Und ein Schwan ist so groß, dass auch das Auto beschädigt werden dürfte. Ich bin ja richtig versichert, dachte ich bei mir: Vollkasko und Teilkasko mit allem was das Herz begehrt. Kollisionen mit Wild, das wusste ich, sind ja in der Teilkasko versichert. Zuhause schaue ich dann aber doch lieber noch mal genau nach. Ist ein Schwan wirklich Wild? Ich schaue in den Versicherungsbedingungen nach, zunächst in den Musterbedingungen, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf seiner Homepage bereitstellt. Unter Abschnitt A.2.2.4 steht, dass in der Teilkasko versichert sind Zusammenstöße mit Haarwild i.S.d. § 2 Abs. 1 Nr. 1 Bundesjagdgesetz. Ein Schwan hat Federn und keine Haare, er gehört nicht dazu. Also: marktüblich bei den Versicherung ist, dass nicht alles möglicher Wild, sondern nur das im Bundesjagdgesetz aufgezählte Haarwild für die Frage entscheidend ist, ob ein Zusammenstoß über die Teilkasko versichert ist oder nicht.

Jetzt will ich es doch genau wissen und greife zum Ordner, in dem ich meine Versicherungsbedingungen abgeheftet habe, die mir von meiner Versicherung zugeschickt wurden. Mein Auto habe ich dabei nicht im Basis-Tarif versichert, sondern im Plus-Tarif. Und hier ist zu meiner Erleichterung die Kollision von Tieren jeder Art als Teilkasko-Schaden mitversichert.

Hätte ich den günstigeren Basis-Tarif gewählt und einen Unfall mit dem Schwan gehabt, so wäre der Schaden nur über die Vollkasko versichert gewesen. Mein Versicherungsbeitrag im Basis-Tarif wäre zwar günstiger als das, was ich im Plus-Tarif zahlen muss. Aber durch eine höhere Selbstbeteiligung im Schadensfall und die Höherstufung des Schadensfreiheitsrabattes (die es in der Teilkasko nicht gibt) wäre dieser Kostenvorteil schnell wieder verloren gegangen. Man muss sich vorher genau überlegen was man will, und da sind solche Details eben wichtig.

Wie soll man sich nun aber versichern? Letzten Endes muss jeder für sich selbst entscheiden, was er will: möglichst weitreichenden Versicherungsschutz (das kostet mehr) oder nur einen Basis-Schutz (das ist teilweise recht günstig) mit der Möglichkeit, dass bestimmte Schäden nicht durch die Versicherung bezahlt werden. Hier muss man sich über die Unterschiede genau informieren. Für mich selbst habe ich die Entscheidung getroffen, möglichst umfassend versichert sein zu wollen. Wenn was passiert, bin ich mit meiner Kaskoversicherung im Plus-Tarif gut dran. Denn die Frage, mit welchem Tier ich kollidiert bin, stellt sich gar nicht erst.

Ich hoffe aber, dass es für mich zu diesem Problem gar nicht erst kommt. Der beste Unfall ist der, der gar nicht erst stattfindet. Nehme ich beim Autofahren großes Federvieh oder anderes Getier wahr, gehe ich mit dem Fuß vom Gas. Schwäne sind wirklich tolle und wunderschöne Vögel. Nicht nur wegen meinem Auto nehme ich da gerne Rücksicht.

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