Mittwoch, 21. August 2013

Reifenwechsel: achtet auf das Nachziehen der Schrauben!

Der Sommer läuft noch. Aber bald kommt der Herbst, und der Winter lässt dann auch nicht auf sich warten. Viele Leute werden dann an ihren Autos die Sommer- zu Winterreifen wechseln.

In Ausgabe 2/2013 der Zeitschrift Straßenverkehrsrecht habe ich ein Urteil des Landgerichts Heidelberg (Aktenzeichen 1 S 9/10) besprochen (Seite 59 f.).

Dort hatte jemand seinen Reifen wechseln lassen. Die Werkstatt hat ihm auf die Rechnung einen Warnhinweis geschrieben "Radschrauben nach 50-100 km nachziehen!!"

Dies geschah nicht. Der Mann fuhr und fuhr, irgendwann veränderten sich Geräuschkulisse und Fahreigenschaft des Fahrzeugs. Statt nachzugucken was ist, fuhr der Mann weiter. Auch ein Klackern bei jedem Brems- und Beschleunigungsvorgang war ihm kein Anlaß nach der Ursache zu suchen.

Dann kam es zum Schaden, nachdem sich eines der Räder während der Fahrt abgelöst hat. Das LG Heidelberg hat die Werkstatt verurteilt, 70% des entstandenen Schadens zu ersetzen. Begründung: Der Warnhinweis auf der Rechnung reiche nicht. Der Kunde müsse die Rechnung nur bis zu seiner Unterschrift lesen, der Warnhinweis stand hier darunter.

Das Mitverschulden des Autofahrers bewertete das Gericht demgegenüber deutlich geringer.

In meiner Anmerkung war ich etwas zurückhaltend. Der Kollege Tamas Ignacz hat das Urteil auf Anwalt.de kommentiert. Das Portal Krafthand macht die Werkstätten denn auch deutlich auf den richtigen Warnhinweis aufmerksam.

Ehrlich gesagt finde ich es aber schon ziemlich hart einer Werkstatt, die den Warnhinweis schriftlich auf der Rechnung - wenn auch unterhalb der Unterschrift - gegeben hatte, eine höhere Haftung zuzusprechen als einem Kunden, der Veränderungen an Geräuschkulisse und Fahreigenschaft an seinem Fahrzeug ignoriert hat. Von einem Musterurteil möchte ich hier nicht unbedingt sprechen wollen.

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