Sonntag, 18. August 2013

Fahrzeug geklaut und wieder gefunden - bekomme ich es zurück?

Auf Stern Online vom 12.02.2013 las ich die Geschichte von Dieter K. und seiner Simson S51 Enduro. Die ist ihm vor 17 Jahren geklaut worden. Der Dieb hat so lange gebraucht um seinem schlechten Gewissen nachzugeben. Dann stellte er es mitsamt einem Entschuldigungsschreiben da ab, wo er das KRAD einst geklaut hat. Dieter K. haat seine Simson wieder.

Ich finde die Geschichte deswegen bemerkenswert, weil es äußerst selten ist, daß ein Missetäter nach so langer Zeit sein Unrecht einsieht und Schritte unternimmt es aus der Welt zu schaffen.

Doch was wäre gewesen, wenn Dieter K. für sein gestohlenes Fahrzeug Geld von der Kasko-Versicherung erhalten hätte? Ein Fall, der relativ häufig vorkommt. Egal was für ein Fahrzeug geklaut wird - KRAD, Auto oder ein anderes Gefährt - dies hier gilt:
  • Die Versicherung ist Eigentümer des gestohlenen Fahrzeugs, nachdem sie bezahlt hat.
  • Die Versicherung wird versuchen, das Fahrzeug zu verkaufen (eine Sammlung von gestohlenen und wiederaufgefundenen Fahrzeugen hat keine Versicherung).
  • Kann der ursprüngliche Eigentümer sein Fahrzeug zurück kaufen, indem er z.B. die Entschädigung oder den jetzt noch bestehenden Wert des Fahrzeugs an die Versicherung bezahlt? Theoretisch ja, praktisch aber nein. Weshalb?
    Der Grund liegt in der gesetzlichen Gewährleistung.
  • Beim Verkauf an gewerbliche Abnehmer kann die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung ausgeschlossen werden. Gegenüber Privaten ist das nicht möglich. Früher ging das, ein gewerblicher Verkäufer konnte für gebrauchte Sachen die Gewährleistung ausschließen. Der Gesetzgeber hat diese Regeln in Deutschland 2002 geändert. Der Ausschluss der Gewährleistung geht nicht mehr ohne weiteres.
Es passiert immer wieder: Parklücke leer - Fahrzeug weg!
Private Verkäufer, können, wenn sie Sachen verkaufen, die Gewährleistung ausschließen. Eine Versicherung ist jedoch ein gewerblicher Verkäufer. Hier ist ein Ausschluß der Gewährleistung gegenüber Privatpersonen (das Gesetz nennt sie "Verbraucher") nicht möglich. Weil aber eine Versicherung, die ein wiederaufgefundendes Fahrzeug verkauft, keine Garantie geben kann wie z.B. ein Autohaus, wird sie an Privatleute nicht verkaufen. Nur an Profis.

Es gibt damit eigentlich nur eine Konstellation, in der jemand sein gestohlenes Auto wiederbekommt. Wird ein gestohlenes Fahrzeug binnen eines Monats wiederaufgefunden, erhält der Eigentümer keine Entschädigung von der Versicherung, sondern sein Fahrzeug zurück. Evtl. entstandene Schäden werden bezahlt, das war's dann aber.

In unserem Fall, wenn ein Fahrzeug nach 17 Jahren wiedergefunden wird, ist also die Versicherung der Eigentümer. Nicht derjenige, dem das Fahrzeug damals geklaut wurde. Dieter K. wird aber vermutlich Glück haben. Die Versicherung muss Schadenunterlagen nach dem Gesetz 10 Jahre aufbewahren, länger nicht. Die Zeit ist hier vorbei - wenn Dieter K. seinerzeit eine Entschädigung bekommen hat, wird die Versicherung davon heute wohl nichts mehr wissen.

Übrigens: nach den üblichen Versicherungsbedingungen bekommt der Kunde in den ersten Wochen nach der Entwendung  sein Fahrzeug immer zurück. Erst danach darf die Versicherung es verkaufen, wenn es beim Dieb oder einem Dritten sichergestellt werden konnte.