Freitag, 30. August 2013

ADAC, freie Werkstätten und ein Horrorszenario

Katastrophale Noten für freie Werkstätten, so titelte die Welt gestern. Man bezog sich auf schockierende Ergebnisse beim Werkstatt-Test, von denen der ADAC berichtet.

Katastrophe?
Schockierende Ergebnisse?

Nach meinem Empfinden sind das sehr, sehr starke Worte. Wir unterhalten und aber nicht über den Bürgerkrieg in Syrien, Hunger in Afrika oder eine schlimme Krankheit, die sich irgendwo auf der Welt ausbreitet. Wir sprechen über Autos in Deutschland. Da ich keine von ihnen verursachte Leichen auf den Straßen dieses Landes in Massen herumliegen sehe, interessiert mich doch, welcher Sachverhalt so starke Worte verdient.

Ich gebe zu, dass ich zunächst an Unfallreparaturen dachte. Um die geht es beim ADAC Werkstatt-Test aber nicht. Es geht um Autoinspektionen. Der ADAC hat Autos mit Mängeln präpariert, sie dann zur Inspektion gegeben und geschaut, was die Werkstätten sehen und was sie übersehen. Das finde ich schon eine gute Sache.

72 von ca. 20.000 freien Werkstätten wurden untersucht, das sind ca. 0,36%. Davon 36 Werkstätten aus Ketten wie A.T.U..

Ich denke, alles unter 3% ist wenig repräsentativ. Fachgerecht wäre eine Stichprobe von 4% bis 5% der Marktteilnehmer. Und für so starke Worte, wie der ADAC und die sich auf den ADAC berufende Presse verwenden, ist das eine geradezu inakzeptabel geringe Basis.

Bei diesem Werkstatt-Test und den auf seinen Ergebnissen fußenden Verlautbarungen in der Öffentlichkeit frage ich mich schon, was das soll. Ein Angriff auf freie Werkstätten insgesamt? Ehrlich wäre ein Werkstatttest, wenn es auch eine vergleichbare Untersuchung bei markengebundenen Werkstätten gäbe. Daran fehlt es - oder kommt das extra? Erst dann, wenn sich in beiden Kreisen bei einer wirklich repräsentativen Stichprobe (mind. 3% der Werkstätten) signifikante Unterschiede ergeben, sind starke Worte angebracht.

So ist dies aus meiner Sicht Kraftmeierrhetorik, die in der Sache völlig unberechtigt ist. Sorry, ADAC. Dass Ihr solche Tests macht, finde ich ja gut. Aber bei einer so geringen Auswahl hätte auch alles gefunden werden können, und wäre dann alles super gewesen? Sowohl die eine als auch die andere Aussage ist bei einer zu geringen statistischen Basis schlicht unzulässig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen